Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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anjajura
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Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von anjajura »

Hallo,
mein Sohn arbeitet zur Zeit mit Begeisterung an einen Außenarbeitsplatz der WfbM .
Dieser ist ca. 12 KM von der Werkstatt entfernt.
Somit ist es ihm unmöglich an den Mittagessen n der WfbM teilzunehmen.

Durch das neue BThG heisst es nun, da er die Mahlzeit nicht in der WfbM einnimmt, bekäme er dieses Geld, welches ja durchschnittlich 3,30 pro Mittagessen sind, nicht mehr.
Kann mir hier jemand zu dieser, wenn es stimmt, Ungerechtigkeit etwas sagen?

Herzliche Grüße
Anja
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Helena*
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von Helena* »

Hallo Anja,
das Geld ist ja zweckgebunden an eine Teilnahme am Mittagessen in der WfbM. Gibt es denn am aktuellen Arbeitsplatz eine Mensa/Mittagessen an dem er teilnimmt?

LG, helena

anjajura
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von anjajura »

Nein, da es bis zur WfbM zu weit ist, muss er Mittags in der Stadt etwas essen.
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Helena*
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von Helena* »

Hallo Anja,
dann wird es ihm wohl zurecht gekürzt:
https://umsetzungsbegleitung-bthg.de/se ... rpflegung/
"
Mehrbedarf bei gemeinschaftlicher Mittagsverpflegung gem. § 42b Absatz 2 SGB XII

Ab dem 1. Januar 2020 ist das Mittagessen in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) oder vergleichbaren tagesstrukturierenden Angeboten für die Leistungsberechtigten Teil ihrer existenzsichernden Leistungen. Der Betrag wird dann aus der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie der Hilfe zum Lebensunterhalt gezahlt.

Da der Regelbedarf jedoch so ausgelegt ist, dass nur der Warenwert der Lebensmittel, nicht aber die Zubereitung von Speisen einkalkuliert ist, wurde mit dem BTHG ein neuer Mehrbedarf nach § 42b Abs. 2 SGB XII eingeführt. Dieser Mehrbedarf dient der Deckung von Aufwendungen, die durch die Zubereitung und Bereitstellung von gemeinschaftlichem Mittagessen in WfbM oder vergleichbaren tagesstrukturierenden Angeboten entstehen. "

So wie ich das interpretiere, ist der Mehrbedarf nicht für das Essen/Lebensmittel an sich (auch wenn ich das unlogisch finde, denn für die zahlen -zumindest hier bei uns nicht- die Teilnehmer nichts extra ) sondern für die Zubereitung und Vorhaltung der entsprechenden Küchen/Personal/Strom/Gas/Reinigung/Geschirr.
LG, helena

Rita2
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von Rita2 »

Hallo Anja,

ja, wenn er nicht in der Werkstatt isst, bekommt er das Geld auch nicht.
Aber da er in der Werkstatt nicht isst, darf die Werkstatt ihm auch kein Geld für das Mittagessen abziehen.

Daher ist es nicht ungerecht.

Das Grundsicherungsamt hat bisher immer etwas von der Grusi abgezogen für das in der WfbM eingenommene Mittagessen (im Arbeitsbereich). Diesen Abzug konnte man zurück bekommen, wenn man nachweisen konnte, daß kein kostenloses Mittagessen eingenommen wurde.
Das müßte meiner Meinung nach immer noch so sein.
Daher kann dein Sohn etwas mehr Geld von der Grusi bekommen, wenn er kein Mittagessen in der WfbM bekommt.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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SophiaR
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von SophiaR »

Hallo zusammen,

bei unserem Sohn wird seit 01.01.2020 der Beitrag für das Mittagessen direkt vom Lohn einbehalten (den die meisten Beschäftigten dann über o.g. Mehrbedarf bei der Grundsicherung wieder erstattet bekommen). Ist dass denn nicht bei allen WfbM so?

In unserem Fall müsste man dann die Werkstatt auffordern, das zuviel einbehaltene Essensgeld, zurückzuzahlen.

Ob diese es dann machen, weiß ich nicht, unsere stellt sich bisher noch quer. Aber bei einer längeren Abwesenheit würde ich schon überlegen rechtliche Schritte einzulegen, denn es kann ja nicht sein, dass die Werkstatt Essensgeld einbehält ohne die Leistung dafür zu erbringen.

VG. Sophia
S. mit Sohn (*93, frühkindlicher Autismus, leichte Intelligenzminderung)
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anjajura
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von anjajura »

@Rita Es wurde bisher nichts abgezogen.
@ SophiaR Keine Ahnung. Bei uns in BW wurde ich von der WfbM letzte Woche aufgefordert eine Einzugsermächtigung für das Essensgeld einzurichten. Das war überhaupt der Auslöser für all meine Fragen.
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Helena*
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von Helena* »

Hallo,
da macht es unsere WfbM gerechter finde ich. Erstens Essensteilnahme ist freiwillig, wenn man teilnimmt kann man jeweils bis zum 10. eines Monats die Vereinbarung kündigen und beenden zum nächsten Monat.
Unsere WfbM bietet zwei Möglichkeiten an: 1. es wird ein Dauerauftrag eingerichtet, das Essensgeld wird an den Empfänger zusammen mit der Grundsicherung überwiesen, die Abrechnung mit dem Sozialamt muss vom Grundsicherungsempfänger selber abgewickelt werden.
oder
2. der Mehrbedarf wird abgetreten und direkt an die WfbM überwiesen, die Abrechnung jeden Monat mit dem Sozialamt wird ebenfalls von der WfbM erledigt , denn das Sozialamt zahlt nur die wirklich teilgenommenen Tage.

Im Bescheid des Sozialamts steht unabhängig davon, dass man längere Abwesenheiten dem Sozialamt melden soll, zum Beispiel den Urlaub.

Bisher kostete eine Teilnahme am Essen geringe 19 Euro ich weiss nicht wie sie das überhaupt (quer-)finanziert haben, denn das Essen war trotzdem gut. Und das obwohl mein Kind eine Zöliakie hat und zum Beispiel glutenfreie Nudeln oder Brot sehr teuer sind musste er keinen Aufschlag zahlen und für ihn oft auch etwas Extra gemacht wird,wenn die Anderen zum Beispiel paniertes Fleisch oder Fischstäbchen bekommen. Die wurden direkt vom Gehalt abgezogen und einbehalten. Mit der neuen Rechtslage wurde das Entgelt für die Essensteilnahme auf 64,30 € erhöht.

Wir haben die zweite Variante gewählt. Ich glaube, wir können wirklich zufrieden sein mit unserer WfbM. Es gab im Vorfeld Informationen zum Thema von Ihnen und einen vorgefertigten Antrag wo alle Optionen frei wählbar waren. Sie haben die gesammelten Anträge auch zu den zuständigen Sozialämter gesendet.

LG, helena

Helena*
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von Helena* »

anjajura hat geschrieben:
14.02.2020, 13:40
@Rita Es wurde bisher nichts abgezogen.
@ SophiaR Keine Ahnung. Bei uns in BW wurde ich von der WfbM letzte Woche aufgefordert eine Einzugsermächtigung für das Essensgeld einzurichten. Das war überhaupt der Auslöser für all meine Fragen.
Hallo Anja,
solange dein Sohn nicht wirklich teilnimmt bzw. teilnehmen kann, würde ich nichts dergleichen erteilen, denn zahlen für nichts , das Geld dafür nicht erstattet bekommen zu können UND zusätzlich jeden Arbeitstag ein Essen kaufen bzw. mitgeben zu müssen kann ja wohl nicht wahr sein.
Gibt es keinen Sozialen Dienst bei euch in der Werkstatt mit denen du reden kannst und die das mit der Verwaltung klären?

LG, helena

anjajura
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Re: Kein Geld zum Mittag essen, weil Dauerpraktikum ausserhalb der WfbM ?

Beitrag von anjajura »

Guten Abend,
Das habe ich jetzt dazu gefunden. Kann es aber noch nicht auf uns interprtieren, mein Kopf ist grad zu voll. Vielleicht mag mir noch jemand damit weiterhelfen.

Hintergrund zu den Änderungen ab 1.1.2020:
Die Trennung der Fachleistungen von den existenzsichernden Leistungen führt zu Auswirkungen im Bereich der gemeinschaftlichen Mittagsversorgung in Werkstätten.
Die im Mittagessen enthaltenen existenzsichernden Leistungen – also die Lebensmittelkosten (Materialeinsatz) – werden dem Lebensunterhalt und somit der Grundsicherung nach SGB XII zugeordnet. Grundlage dieser Zuordnung ist der § 42b Absatz 2 SGB XII i. d. F. zum 01.01.2020. Dieser führt einen neuen sogenannten Mehrbedarf für Mehraufwendungen bei gemeinschaftlicher Mittagsverpflegung (in Werkstätten und bei anderen Leistungsanbietern) ein.
Das bedeutet, dass Werkstattbeschäftigte, die Leistungen der Grundsicherung nach SGB XII beziehen, Anspruch auf einen pauschalierten Wert zur Mittagsverpflegung haben. Konkret ist hierfür ein Betrag von 2,23 Euro je Mittagessen vorgesehen. Dieser berechnet sich anhand des nach § 2 Absatz 1 Satz 2 Sozialversicherungsentgeltordnung angegebenen Monatswertes für ein Mittagessen (Jahr 2018: 97 Euro monatlich und 3,23 kalendertäglich) und einer Eigenbeteiligung der Leistungsberechtigten von einem Euro. Die Eigenbeteiligung von einem Euro liegt damit niedriger als die bisherigen Anrechnungen des Mittagessens auf die Grundsicherung.

LG Anja
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

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