Gibt man bei einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz die Behinderung an?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Elixia
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Gibt man bei einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz die Behinderung an?

Beitragvon Elixia » 13.02.2020, 11:55

Hallo Ihr Lieben, mein Sohn hat die Gelehenheit bei VW ein Praktikum zu machen. Nun müssen wir ein Bewerbungsschreiben schreiben. In der Schule sind sie noch lange nicht soweit, da beschäftigen sie sich erst ab 16 also in der 10. Klasse mit. Aktuell ist er in der 8. Klasse und 14 Jahre. Da er eine Zwillingsschwester und ältere Schwester hat und in den letzten Jahren die Praktikas mit bekommen hat, war es ihm und eigtl. Auch uns ein großes Bedürfnis. Die Schule hat jetzt auch zugestimmt. Nun stellt dich mir die Frage muss/soll ich in der Bewerbung die Behinderung und deren Art explicit angeben? Ich meine die Leute kennen ihn ja. Und mein Mann hat ihn unter seiner Aufsicht. Liebe Grüße Steffi
Liebe Grüße von Steffi

Tochterkind 1 *09.2000
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.02.2020, 12:01

Hallo,

ich würde sagen: man gibt die Behinderung an, wenn sie relevant ist fürs Praktikum.

Eine geistige Behinderung dürfte ziemlich relevant sein, sie müssen sich ja auf ihn einstellen.
Ich würde da offen umgehen mit Stärken und Schwächen.

Falls aber Dein Mann die Praktikumsbegleitung alleine wuppt, ist die Bewerbung ja eh eine reine Formalie. Dann sollte er vielleicht intern klären, was da rein muss?

Grüße
Engrid
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Re: Gibt man bei einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz die Behinderung an?

Beitragvon JanaSnow » 13.02.2020, 14:15

Hallo,

ich sehe es ähnlich.

Mal aus Personalersicht.
Wenn VW ernsthaft daran liegt, bei den Praktika nicht nur den Schülern einen Einblick zu ermöglichen, sondern auch zu schauen ob die Schüler später für eine Ausbildung in ihrem Haus in Frage kommen, macht es meines Erachtens schon Sinn, vor Praktikumsbeginn die Verantwortlichen auf die Besonderheiten Eures Sohnen hinzuweisen. Ich bin da immer sehr dankbar, denn dann kann ich die Stellen, die ein Schüler während des Praktikums durchlaufen soll ein bisschen darauf abstimmen. Ob die Besonderheiten nun in der schrifltichen Bewerbung extra aufgeführt werden sollen oder nicht, halte ich persönlich dagegen für ZUNÄCHST weniger bedeutend (außer sie sind sicherheitsrelevant). Vielleicht will auch Dein Mann lieber auf dem kurzen Dienstweg informieren.

Wenn sowieso klar ist, welche Stelle er anschauen wird und da auch keine Flexibilität besteht, weil Dein Mann allein verantwortlich ist für den Einsatz ist auch das meines Erachtens nicht so wichtig.
Wenn aber Euer Sohn mit einer Ausbiildung bei VW liebäugelt, würde ich von Anfang an auch für ein Praktikum darlegen, was seine Besonderheiten sind.
Wenn eine Ausbildung sowieso nicht infrage kommt würde ich nur die Dinge erwähnen die wichtig sind also die, die Einfluss auf die Praktukumsstelle haben oder die sicherheitsrelevant sind.

LG
Jana

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Re: Gibt man bei einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz die Behinderung an?

Beitragvon JasminsMama » 14.02.2020, 10:20

Hallo,

ich finde es wichtig alles offen anzusprechen, vor allem damit das Praktikum ohne Enttäuschung abläuft. Wir legen es immer bei den Bewerbungen ganz offen dar, welche Einschränkungen Jasmin hat.

Wir haben immer das Problem, das man meinem Kind die Einschränkungen nicht auf den ersten Blick ansieht und oft im Praktikum auch nicht auf den zweiten Blick, da sie da immer sehr angepasst ist.

Wenn sie dann aber überfordert werden würde, weil die Zuständigen nicht wissen, dass sie eben nicht wie ein normal entwickelter Teenager belastet werden kann, Dinge alleine machen kann die andere in ihrem Alter ohne Probleme wuppen oder Anweisungen nicht so schnell umsetzen kann, wäre das wahrscheinlich der Gau und würde zu totalem Frust führen.

Darum bin ich immer dafür offen zu sein, was die Einschränkungen betrifft.

LG
Sandra
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Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
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Re: Gibt man bei einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz die Behinderung an?

Beitragvon EvaJune » 14.02.2020, 14:59

Hallo,

Ich schließe mich Engrid an: ich würde es dann erwähnen, wenn es für die Tätigkeit dort relevant ist. Dann finde ich es auch fair, vorher die Besonderheiten klar zu machen - davon können letztlich beide Seiten profitieren.

Wir hatten das Thema auch gerade. Meine Tochter muss im April ein Praktikum machen. Sie hat uns um Hilfe gebeten und ich habe ihr geraten, die Einschränkungen zu benennen, aber auch, was nicht betroffen ist. Ich würde mich nämlich als Verantwortliche auch ärgern, wenn ich dann einen Plan mache, das Praktikum vorbereite und dann heißt es am ersten Tag „das kann ich nicht machen, dies geht nicht“ usw. Das würde ich definitiv vorher wissen wollen.

Meine Tochter hat also kurz reingeschrieben, dass sie zb nur halbtags arbeiten kann usw. Hat den Platz bekommen.

Viel Erfolg!

Eva
Eva mit
S. (*04): CAPS, JIA (besonders betroffen Kiefer und Handgelenke), schwerhörig, chron. Sinusitis, chron. Urtikaria,chron. Schmerzen, neurolog. Störungen nach ZNS-Infektion, PG4
E. (*05): Asthma, sonst gesund und happy :)


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