Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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s.till
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Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von s.till »

Hallo zusammen,

uns wurde geraten auch für unseren großen einen Pflegegrad wegen seinem ADS zu beantragen. Erst habe ich das für einen Witz gehalten. Der Pflegegradrechner hat dann wirklich den Pflegegrad 2 ergeben.
Wer hat für sein Kind mit "nur" ADS Diagnose einen Pflegegrad bekommen? Ergeben sich für ihn in Zukunft Nachteile? Uns ist der Mehraufwand durch den kleinen Bruder nie aufgefallen.
Was würdet ihr machen?

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H.
B*2008 ADS Pflegegrad 2

Manuela1304
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von Manuela1304 »

Hallo

Wir haben einen 6 jährigen mit PG 4, er ist schwerbehindert und da war klar das er einen PG bekommt.
Dann haben wir noch einen 22 Monate alten Jungen, er hat zwar einen mehr als stolprigen Start ins Leben gehabt aber entwickelt sich erstaunlich gut.
Er hat als Baby PG 3 bekommen, hatte damals noch eine Magensonde. Nun wurde er mit 19 Monaten neu begutachtet, er ist mit 18 Monaten automatisch auf PG 2 reduziert worden.
Für viele wirkt er wie ein normales Kleinkind, wir wissen allerdings das er es nicht ist.
Die Dame vom MDK war schon mal für unseren grossen Sohn da und war wirklich sehr nett.
Sie bemerkte sofort das der Kleine motorisch sehr unruhig war, das Essen klappte auch nicht gut, sobald der gröbste Hunger weg ist, wird ALLES angeschaut und ich komplett abgelenkt und möchte nicht mehr essen.
Da meinte die Dame vom MDK, da sind sie aber auch den ganzen Tag beschäftigt mit ihm.
Recht hat sie, so gesehen macht der kleine viel mehr Arbeit als der grosse mit PG 4, kommt uns jedenfalls so vor.

Eine ADHS Diagnose etc haben wir ( noch ) nicht, es beruhte alles auf ihrer Beobachtung. Dabei war L. noch total harmlos.
Der SPZ Bericht war sogar sehr positiv mit so gut wie keinen Auffälligkeiten.

Sie sagte uns direkt das sie PG 2 weiterhin empfiehlt, so haben wir es dann kurz danach schriftlich auch bekommen.

Ich war doch etwas überrascht, da kleine Kinder oft wuselig sind, er wie gesagt nach meinem empfinden gar nicht so aufgedreht wie sonst oft war da er gern mal abgelenkt ist wenn neue Leute da sind.

Ich kann dir also nur raten es zu probieren, Arzttermine, Therapien macht ihr sicherlich doch auch.

Ganz liebe Grüße
Manu

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Susanne,

die Feststellung der Pflegebedürftigkeit hat keine Nachteile, Ihr müsst das auch nirgends angeben, wenn Ihr nicht wollt. Und wenn er aus der Pflegebedürftigkeit „herauswächst“, was wir ja hoffen, dann sagt Ihr einfach der Kasse Bescheid und das Ganze ist Vergangenheit.
Wenn der Rechner PG2 ergeben hat, dann solltest Du beantragen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

_Marta
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von _Marta »

Hallo Susanne,

für den Pflegegrad sind glücklicherweise nicht Diagnosen, sondern die tatsächlichen Einschränkungen ausschlaggebend. Ich habe sicher auch ein Jahr gezögert, bis ich von einer Zufallsbekanntschaft mit ADHS-Kind mehrfach motiviert wurde. Vor allem, weil damals außer HB keine Diagnosen feststanden. Zuerst bekam der Sohn nur Pflegegrad 1. Da war ich etwas geschockt, habe dann aber Widerspruch eingelegt und eine lange Begründung geschrieben. Zu jeder Frage/Einstufung habe ich ein Zitat von Ergo oder den SPZ-Diagnostiken/Verhaltensbeobachtungen sowie Kita-Beschreibungen angeführt. Zur Neubegutachtung war ein Arzt plus eine Pflegerin/Kinderkrankenschwester da - und raus kam 1 Pflegegrad mehr als gedacht... Und zwar rückwirkend und damit 1 Jahr bevor die diversen ICD-Diagnosen dann gegeben wurden.

Also, nur zu. Wenn man so in seinem Trott ist, denkt man schnell "ich hab ja alles im Griff" und übersieht, was wir leisten. Ich denke auch immer wieder "ach, der Sohn hat sich so toll entwickelt, eigentlich ist der PG inzwischen falsch". Und dann habe ich mit gleichaltrigen Schulkindern zu tun und sehe "Mhhhh, ja, er entwickelt sich. Aber der Abstand, der bleibt groß. Es ist einfach nicht das selbe bzw. altersgerecht."

Also, nur Mut!

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
Verschiedene Ärzte, verschiedene Diagnosen:
2018 - F90.0G, F84.1V, F82.1 (KJP)
2019 - F92.8, F82.1 (SPZ) - (hält die KJP für falsch)

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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von heidipet »

Hallo,
doch, ein Pflegegrad kann einen Nachteil haben: Damit ist die Pflegebedürftigkeit amtlich. z.B. Unfallversicherungen könnten (müssen nicht) kündigen bzw. nicht mehr zahlen. Wenn Ihr so etwas ohnehin nicht habt, ist es egal und der PG hat wirklich nur Vorteile. Informier Dich aber ggfs. lieber vorher, besser anonym...

Gruß
Heidi
Gruß
Heidi

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LasseUndJohannes
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von LasseUndJohannes »

Hi,
ich kannte aus der Gruppentherapie von unserem Großen Kinder, die mit "nur" ADHS (also mit dem "H" dabei) einen Pflegegrad (hier jeweils PG3) bekommen haben. Die hatten, wie unser großer, alle ein sehr stark ausgeprägtes ADHS. Es hängt vom individuellen Hilfebedarf ab, nicht so sehr von der Diagnose. Bei AD(H)S wird vermutlich die Mehrzahl aller Kinder keinen PG haben, einige bei denen die Problemlagen entsprechend ausgeprägt sind, allerdings schon.

Auch wenn die Diagnose theoretisch egal ist ... praktisch kann sie schon Unterschiede bei der Begutachtung ausmachen. Bei einem Kind mit AD(H)S ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass bestimmte Verhaltensweisen der Erziehung angelastet werden. Insbesondere wenn der Gutachter sich mit AD(H)S nicht gut auskennt. Es ist hilfreich sich das zur Gesprächsvorbereitung vorher klar zu machen.

Zu den Nachteilen fällt mir nichts ein. Die Unfallversicherung usw. fällt mit ADS sowieso schon weg, oder? Bei ADHS definitiv.

Viel zu verlieren hast du nicht. Außer halt etwas Zeit. Mit dem Fragenkatalog kennst du dich ja vom Bruder her aus. Und du hast einen PG-Rechner für Kinder genommen? Dann würde ich einfach noch ein zweites mal durchgehen, über alle Fragen nochmal nachdenken, ob auch ein Gutachter sie vermutlich so sehen würde und dann beantragen.
VG
Lasse

Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, v.a. frühkindlicher Autismus, Fragiles X nach Gentest

s.till
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von s.till »

Hallo,

vielen lieben Dank für eure Antworten.

Nach langen hin und her haben wir uns entschlossen den Antrag zu stellen. Ich hatte auch noch ein Gespräch mit der KJP die meinte wor sollten es probieren. Unser Hausarzt würde uns auch untetstützen indem er eine Art Stellungsnahme schreibt.
Den Pflegegradrechner hab ich mehrmals ausgefüllt und es wird immer der 2er angezeigt. Unfallversicherung haben wir keine und soweit ich weis ist es bei manchen Versicherungen bis zur zwei auch kein Problem.
Wir haben diese Woche noch einen Termin bei der KJP. Da haben wir zufällig einen Termin bei der Psychologin bekommen bei der unser jüngster in der Autismusambulanz ist. Die Frau arbeitet sowohl in der Praxis als auch in der Klinik. B. hat ja auch einige autistische Parallelen zu seinem kleinen Bruder allerdings haben wir ihn nie auf ASS testen lassen.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H.
B*2008 ADS Pflegegrad 2

silkemausk
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von silkemausk »

Hallo,

lese heute erst deinen Beitrag. Nun habt ihr euch ja schon zur Antragstellung entschlossen.

Mein Sohn mit "nur" ADHS hat vor 2 Jahren - allerdeings nach Widerspruch - auch PG 2 erhalten. Ich war auf den besuch des MDK allerdings auch insoweit schlecht vorbereitet, als ich keinerlei Stellungnahmen von Ärzten, etc. vorlegen konnte.

Auf die Neubegutachtung werde ich mich definitiv besser vorbereiten.

Natürlich macht das Kind Fortschritte, aber die Anforderungen wachsen ja auch und die allgemeine Entwicklungsverzögerung in einigen Bereichen sowie zur Zeit wieder stärkere Konzentrationsprobleme bestehen nach wie vor.
Viel Glück
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS

s.till
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Re: Pflegegrad beantragen ja oder nein?

Beitrag von s.till »

Hallo,

heute kam der Brief der MDK kommt am 10.2.
Die Psychologin hat uns heute nochmals bestärkt, dass es richtig war den Antrag zu stellen.
Seit ich weiß, wann der Termin ist, ist mir richtig mulmig zu mute. Man meint, dass es die erste Begutachtung ist, die ich mit mache....

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H.
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