Schlittschuhlaufen mit Handicap?

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Laurap
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Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Laurap » 14.01.2020, 23:17

einer unserer Zwillinge ist das erste Jahr in der Regel Grundschule und jetzt habe ich einen Elternbrief erhalten das seine Schulklasse in zwei Wochen 4 Termine zum Schlittschuhlaufen hat.
Unser Sohn freut sich total drauf, ich möchte ihm die Freude nicht nehmen und bin gestern schonmal mit ihm in die Eishalle gegangen.
Wir haben für ihn „Eisgleiter“ also die Schuhe mit vier Kufen gekauft und er ist mehr auf dem Eis gegangen denn geglitten.
Nun meine Frage an euch, kennt jemand von euch andere Menschen mit Diparese die das Schlittschuhlaufen erlernen konnten oder anders gesagt ist es überhaupt möglich dass er es erlernen kann?
Wie gesagt, möchte ich ihm nicht die Freude darauf nehmen mit den anderen Kindern der Klasse einen Ausflug in die Eishalle zu machen....möchte ihn aber auch vor eventueller Enttäuschung schützen.
Unser Sohn kann Fahrrad fahren und frei gehen mit leichter Diparese.

JustinsMum
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon JustinsMum » 15.01.2020, 06:19

Ich habe ja keine Ahnung um was für eine Eisbahn es sich handelt, aber wir haben hier im Dezember immer eine Minibahn und hier hat auch mein Sohn seine Versuche gemacht und wurde nie gut, hat aber viel Spass als Kind gehabt. Er hat von alleine wieder aufgehört, aber das war dann seine Entscheidung. Wir waren vor Jahren dann auch mal mit den Kindern in einer richtigen (Eishockey-) Halle und da hatte der Spass mit Anfängern schnell ein Ende, da die Halle schlicht weg viel zu groß war und man ewig für eine Runde brauchte und kaum Sicherheit zum Festhalten hatte. Dazu war es schlicht weg viel zu kalt, wenn man es nicht richtig konnte und kaum sich gar nicht warm fahren konnte.

Dieselbe Erfahrung habe ich selber als Kind in der Schule machen dürfen und von daher würde ich wirklich empfehlen mal eine ganz kleine Bahn zu testen und selbst hier nur mit Begleitung zu gehen, da sonst Frustration vorprogrammiert ist und das auch grundsätzlich schon bei Anfängern ohne weitere Einschränkung.

Hier bei uns gehen die Schulklassen auch regelmässig, aber die Eltern sind zumindest in der Grundschule gerne zum Helfen gesehen und da sind immer einige anwesend. Vielleicht auch für Euch eine Möglichkeit - hier sollte man eventuell mal das Gespräch mit dem Klassenlehrer suchen, der eigentlich kaum Interesse daran haben sollte ohne ausreichende Begleitung aufs Eis zu gehen. Einmal im Jahr fahren die Schulen zum Wintersporttag u.a. in die erwähnte große Halle und obwohl unsere Kinder inzwischen wirklich gut fahren - zudem sie im Dezember quasi auf der Eisbahn wohnen - fährt da niemand freiwillig mit - zum Glück kann man sich aussuchen was man machen will.

Dazu gibt es in einigen Eishallen neben Pinguinen zum Festhalten auch Robben (im Prinzip für die jüngeren Kinder gedacht) und hier haben oft die älteren (Grundschul-)Kinder einen großen Spass daran sich gegenseitig zu schieben. Sowas zu nutzen als Begleitperson ist zwar kein Spass für größere Eltern, aber sicherlich eine Form Teilhabe zu ermöglichen und die Frustration in Grenzen zu halten. Aber selbst hier meine Erfahrung: Es wird kalt, weil man sich nicht bewegt und Anfängern ist sowieso meist mehr als eine halbe Stunde auf dem Eis zu viel.

Noch dazu: Alle Anfänger laufen mehr als zu gleiten und wenn man nicht regelmässig geht wird man das Fahren so oder so und das unabhängig von Einschränkungen nie lernen. Da werden sicherlich noch viel mehr Kinder dabei sein, die es nicht können. Eigentlich frage ich mich oft, was Lehrer dazu bewegt mit einer Horde Anfänger aufs Eis zu gehen. Am besten noch ohne Helm.

Wenn ich das Problem lösen sollte würde ich das Gespräch suchen, einen "Kinderpunschstand" organisieren (große Thermoskannen kann man oft leihen) und meinen Sohn seine kurzen Erfahrungen machen lassen und ihn dann die Ausgabe von Aufwärmgetränken überlassen - würde bestimmt gut angenommen werden, ist nämlich für alle kalt und gibt allen eine Ausrede Pause zu machen.

Grüße

JustinsMum

sandra8374
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon sandra8374 » 15.01.2020, 06:55

Bei uns gehen sie zum Lernen in die Eishalle. Sprich es ist nicht die große Halle, sondern eine kleinere Nebenhalle und es ist ein Trainer dabei.

Frag doch mal nach. Vielleicht kannst du auch als Begleitung mit.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

LovisAnnaLarsMama
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 15.01.2020, 08:09

Guten Morgen, ich habe die Klasse meines Sohnes vor einiger Zeit mit auf die Eisbahn begleitet.
Das Kind mit Handycap (mit motorischer Beteiligung) kam dort ziemlich gut klar und forderte irgendwann auch Schlittschuhe anstatt der Gleitschuhe.
:mrgreen:
Dagegen habe ich einem Klassenkameraden, der supersportlich ist, andauernd hochgeholfen und musste das fitte Kind dauerbetreuen.... Am Ende der Laufzeit haben wir dann eine halbe Runde ohne Sturz geschafft.
Der Vorschlag mit den Pinguinen ist gut- wahrscheinlich kommt dein Kind besser klar als vermutet. Ich vermute mal, dass viel Kinder der Klasse noch nie Schlittschuh gefahren sind und dementsprechend Probleme haben. Meistens helfen sich die Kinder dann gegenseitig.
LG
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

Karin2308
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Karin2308 » 15.01.2020, 09:13

Hallo,
mein Kind mit einer Hemiparese fängt gerade an Schlittschuhlaufen zu lernen. (Mit festen Schlittschuhen (nicht die zum Schnüren)). Ob das was wird, weiß ich nicht, aber wir haben viel Spa? dabei, denn in der Eishalle gibt es Stahlstühle zum Schieben oder drauf sitzen und geschoben werden für Kinder. Auch das 12jährige gesunde Geschwisterkind hat mit seinen Freunden sehr viel Spaß damit. Außerdem gibt es noch Tiere zum Schieben und so eine Art Rollator fürs Eis in Erwachsenengröße und für Rolli-Fahrer eine Plattform zum Schieben. Da wird an alle gedacht und jeder kann dabei sein.
Frag einfach mal in euer Halle nach, ob so etwas angeboten wird.
LG

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Alexandra2014
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Alexandra2014 » 15.01.2020, 09:27

Hallo!

Also, dass er Fahrrad fahren kann, ist doch schon mal eine gute Voraussetzung für Gleichgewicht und Koordination.
Ich würde mir da gar keinen Kopf machen und ihn einfach ganz selbstverständlich machen lassen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es viele fitte Kinder gibt, die niemals gut Schlittschuh laufen lernen.

Mein Kind hat eine ganz leichte Hemi rechts (fällt so im Alltag nicht mehr auf, wenn man es nicht weiß) und ist dazu noch dyspraktisch. Trotzdem konnte sie besser Schlittschuh fahren - beim ersten Versuch - als ihr Vater. 😉
Inzwischen fährt sie auch Ski und Hoverboard, was wirklich nie einer erwartet hätte.

Ich würde auch vorher ein mögliches Scheitern gar nicht ansprechen. Im schlimmsten Fall traut er sich dann vielleicht nicht mehr oder hat Hemmungen. Er merkt es ohnehin selbst, wenn es nicht so gut klappt (und er wird ganz sicher nicht der einzige sein).

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Anne_mit_2 » 15.01.2020, 09:41

Hallo zusammen,

meine Tochter hat im Grundschulalter mal für ein paar Monate in einer Kindergruppe jede Woche die Schlittschuhhalle besucht. Ich wollte einfach, dass sie ein bischen Schlittschuhlaufen lernt, was bei ihr auch kein allzu großes Problem war. In der Gruppe war aber auch ein Mädchen, das offensichtlich eine leichte Diparese hatte (sah man direkt beim normalen Laufen). Dieses hat etwas langsamer als die anderen gelernt, das Gleichgewicht auf den Schlittschuhen (harte Schlittschuhe ohne die Kunstlaufzacken vorne) zu halten und sich auf dem Eis langsam fortzubewegen. Sie war nie schnell oder gut, aber es hat für die Gruppe völlig gereicht. Wenn es den Kids zu langsam war, dann haben die anderen sie einfach mal ein Stück (vorsichtig!) mitgezogen zwischen sich. Spaß hatten alle, es ging ja nicht ums Im-Kreis-Laufen, sondern ums Spielen auf dem Eis. Leider machte die Eishalle in demselben Jahr endgültig zu.

Viele Grüße,
Anne

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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon r.bircher » 15.01.2020, 14:16

Hallo

Moment mal, nur weil eine Mama Zweifel hat, soll es das kind nicht versuchen? Wo währe ich heute, wenn ich alles woran ich Zweifel hatte, nicht versuchte. Ich hätte nie Unihockey gespielt, was anschliessend 20 Jahre meine absolute Lieblingssportart war. Ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen ohne Stützräder Fahrrad zu fahren. Wenn dein Sohn das will, gib ihm die Chance!!

Vor der Enttäuschung kannst du ihn sowieso nicht schützen. Denn wenn du ihm den Versuch verweigerst, wird er sich (und vielleicht auch dir) noch lange Vorwürfe machen, dass er es nie versucht hat. Wenn es absolut nicht geht, ist er natürlich enttäuscht, aber das geht vorüber und gehört zum Leben.

Stelle dir mal die Freude vor, wenn es klappt!

Ich kann zwar nicht Schlittschuh laufen, habe es aber auch versucht (mit Rollerblades) Deinem Sohn drücke ich alle Dauen das es klappt!

Gruss Raphael
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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Jervis » 15.01.2020, 14:31

Hallo,

ich gebe Rafael recht: probieren lassen - die Kinder können mehr als man denkt.

unsere Tochter in einer ähnlichen Situation ( Diparese) ist nun auch 4x mit Hort und Schule zum Eislaufen.
Wir hatten mächtig Bammel, ob es nicht zur absoluten Frustration wird.

Im Gegenteil´: sie hat sich die Schuhe angezogen ( und wie alle andern Kinder auch) es einfach probiert.
Sie hat einen sehr eigenen Stil entwickelt ( eher wie Rollerfahren rechter Fuß bleibt konstant auf dem Eis, den linken schiebt sie wie ein Skater nach außen) und es klappt. Sie kommt vorwärts.
Ganz ehrlich , ich glaube, daß unsere Kids große Übung darin haben das Gleichgewicht zu halten und "irgendwie" vorwärts zu kommen.
Ob nun Spitzfuß oder Eislaufkufe, wackelig ist alles :D

Probieren lassen und erstaunt sein, was alles geht.
Die Motivation der Gruppe wird zusätzlich dazu beitragen, daß alle an diesem Tag Spaß haben werden.

Gruß und alles Gute
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

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Re: Schlittschuhlaufen mit Handicap?

Beitragvon Lisaneu » 15.01.2020, 14:43

einer unserer Zwillinge ist das erste Jahr in der Regel Grundschule und jetzt habe ich einen Elternbrief erhalten das seine Schulklasse in zwei Wochen 4 Termine zum Schlittschuhlaufen hat.
Unser Sohn freut sich total drauf, ich möchte ihm die Freude nicht nehmen und bin gestern schonmal mit ihm in die Eishalle gegangen.
Wir haben für ihn „Eisgleiter“ also die Schuhe mit vier Kufen gekauft und er ist mehr auf dem Eis gegangen denn geglitten.
Nun meine Frage an euch, kennt jemand von euch andere Menschen mit Diparese die das Schlittschuhlaufen erlernen konnten oder anders gesagt ist es überhaupt möglich dass er es erlernen kann?
Wie gesagt, möchte ich ihm nicht die Freude darauf nehmen mit den anderen Kindern der Klasse einen Ausflug in die Eishalle zu machen....möchte ihn aber auch vor eventueller Enttäuschung schützen.
Unser Sohn kann Fahrrad fahren und frei gehen mit leichter Diparese.
Lass deinen Sohn einfach probieren und mach dir keinen Kopf wegen "Enttäuschung ersparen". Niemand wird beim Schlittschuhlaufen in der ersten Grundschulklasse die "Leistung" beurteilen. Und es werden auch längst nicht alle anderen Kinder "richtig" können! Dann geht dein Sohn halt auf dem Eis und gleitet nicht. Hauptsache ist doch, dass er Spaß dran hat und mittendrin ist, und nicht enttäuscht am Rand der Eishalle oder in der Paralallklasse rumhockt.

Besser, als es Raphael als Selbstbetroffener beschrieben hat, kann man es ohnehin nicht sagen :wink: !

Mein ehemals motorisch entwicklungsverzögerter, jüngerer Sohn hat mir immer wieder gezeigt, wie man durch Ehrgeiz schaffen kann. Mittlerweile ist er 7 und kann Trampolin springen, klettern, (therapeutisch) reiten, schwimmen und Rollschuh laufen. Er hat für all das wesentlich länger (Zeit und Übung) gebraucht, als andere Kinder, aber es war ihm einfach wichtig und er ist dran geblieben.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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