Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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lysa
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Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von lysa »

Hallo zusammen, ich heiße Lisa und habe einen 6 jährigen Sohn. Moritz war immer schon "anders" als andere Kinder. Was ich aber lange nicht gesehen habe oder sehen wollte. Klar konnte er später laufen wie andere und sprach später wie andere. Aber immer noch in einem Bereich in dem glaube ich keine Alarmglocken schrillen. Er ist einfach kein sportlicher Typ, wie mein Mann halt würde ich sagen. Dennoch wurde uns im letzten Kindergartenjahr seitens der Erzieher angeraten mit Moritz im SPZ vorstellig zu werden. Was wir auch taten. Viele von euch kennen ja wahrscheinlich diese ganzen Instanzen die man da durchläuft und noch mehr. So weit so gut. Als wir alles hinter uns hatten teilte uns die zuständige Ärztin mit, dass Moritz eine Verarbeitungsgeschwindigkeitsstörung hat die wohl im Frontalhirn funktioniert (so habe ich es verstanden). Es könnte sein das es sich bis zum 21. LJ verwächst aber bis dahin würde es eine anstrengende Zeit werden- Aussage der Ärztin. Sie sagte uns auch, dass es eine Vererbte Geschichte sei. Und da mein Mann ähnliche Charakterzüge hat gehen wir mal davon aus das es von ihm kommt.
Das Problem ist, dass das Kind irgendwie keinen Namen hat, was soll man mit der "Diagnose" Verabreitungsgeschwindigkeitsstörung anfangen?!
In unserem Umkreis sprechen einige davon das er bestimmt Autismus hat, aber das sind so halb Wissen Aussagen die einfach ohne Fachlichen Hintergrund passieren.
Letztes Jahr ist Moritz in die Schule gekommen und da fingen die Probleme erst richtig an. Der stört den Unterricht, indem er andere Kinder einfach nervt, oder er verweigert sich komplett, macht nicht mit. Er faucht andere Kinder an die ihm zu nah kommen. Leider kennt Moritz auch kein Kind in seiner Klasse, da wir kurz vor Einschulung hierhin gezogen sind. Und bis jetzt hat sich da auch noch keine Freundschaft aufgetan, was mir das Herz zerbricht. Den Moritz ist wirklich ein ganz tolles, herzliches Kind. Er kann halt nur nicht richtig mit Kindern in seinem alter Kommunizieren.
Gestern und heute war eine Inklusionskraft zum hospitieren bei ihm und so wie es aussieht klappt das ganz gut zwischen allen und sie wird bald Moritz im Unterricht und der OGS begleiten.
Habt ihr vielleicht noch einen Tipp wer ein guter Diagnostiker ist? Ich denke mir, wenn das ganze einen Namen bekommt hat man vielleicht noch andere Fördermöglichkeiten.
Ach so Moritz geht einmal die Woche zur Ergotherapie und diese Woche war er zum ersten mal bei der psychomotorik.
Über Anregungen und Tipps würde ich mich freuen
Lisa

Henrymami
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von Henrymami »

hi.
wo wohnt ihr denn ungefähr?
lg
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PEG, spastische zerbraparese Katarakt bds, Glaukom

lysa
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von lysa »

Wir kommen aus Remscheid

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Lisa,

das ist ja eine sehr unbrauchbare und auch nicht seriöse Aussage: "Verarbeitungsgeschwindigkeitsstörung" (das ist keine Diagnose), und "verwächst sich bis zum 21. LJ, macht bis dahin aber Stress (Glaskugel?).
Alles, was das Gehirn betrifft, bzw genauer, die Psyche - die Art wie jemand lernt, sich sozial verhält usw., gehört in den fachärztlichen Bereich des Kinder- und Jugendpsychiaters. Dort wird zB auch AD(H)S, Autismus, uva diagnostiziert.
Suche Dir also einen guten Kinder- und Jugendpsychiater, und mach einen Termin. Kein SPZ.
Von einer guten Ergotherapeutin kann man viel mitnehmen, auch als Mama für zu Hause. Ist also gut, wenn Du Dich da mit einbringst und aufmerksam verfolgst, was da gemacht wird (dann merkst Du auch rechtzeitig, wenn die Therapie nichts taugt, was auch öfter vorkommt).

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

_Marta
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von _Marta »

Hallo Lisa,

bei "Verarbeitungsgeschwindigkeitsstörung" denke ich an den HAWIK, einen Intelligenztest. Dort gibt es einen Teil "Verarbeitungsgeschwindigkeit". Einige Kinder schneiden in diesem Teil signifikant schlechter ab, als in den anderen Teilen. Das kann ein Hinweis auf schlechte Hand-Auge-Koordination, motorische Entwicklungsverzögerung und/oder Dyspraxie sein. Muss aber nicht.

Wie Engrid schon schrieb: Ein Kinderspychiater wäre für mich auch der richtige Ansprechpartner.

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
Verschiedene Ärzte, verschiedene Diagnosen:
2018 - F90.0G, F84.1V, F82.1 (KJP)
2019 - F92.8, F82.1 (SPZ) - (hält die KJP für falsch)

lysa
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von lysa »

Danke für eure Antworten.
Er hat einen berechneten IQ. Dieser zeigt auch die Auffälligkeit in der Verarbeitungsgeschwindigkeit bei der er mit 69 abgeschnitten hat und somit dort im geistig behinderten Bereich rein fällt. In den anderen Bereichen ist er im normalen bzw. begabten Bereich. Weiß allerdings nur nicht ob das dieser HAWIK Test war.
Wodurch finde ich den raus, ob ein Jugendpsychiater gut ist oder nicht? Ich denke auf google Rezessionen kann man sich ja nicht wirklich verlassen.
Oder kennt jemand vielleicht einen bei uns in der Nähe? Habe auch kein Problem weiter zu fahren.
Wie würde das denn dann ablaufen? Muss man sich vorher eine Überweisung vom Kinderarzt holen, oder ruft man einfach da an? Wie begründe ich meinen Wunsch dahin zu gehen, falls es über den Kinderarzt läuft. Die sind ja meistens nicht so begeistert wenn Eltern mit anderen Ideen kommen.
Danke schon mal im voraus.

Lisa

_Marta
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von _Marta »

Liebe Lisa,

da lag ich mit meiner Assoziation nicht ganz unrichtig, dein Test hört sich sehr nach HAWIK an. Mein Tipp: das SPZ bei uns gibt nie von selber die Prüfungsunterlagen heraus, du hast aber ein Recht auf Akteneinsicht und Kopie. Die habe ich von den Testauswertungen immer angefordert, und das war auch gut so. Denn nur so können du und andere/spätere Ärzte Verläufe etc. erkennen.

Bei meinem Sohn wurde im Abstand von 2 Jahren 2 HAWIKS durchgeführt. Einmal war er hochbegabt, einmal nur begabt - das Begabungsprofil (und das ist das wichtigste) blieb gleich: Ein Unterschied von 70 IQ-Punkten vom besten Bereich zum schlechtesten, der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Und das scheint gar nicht so selten zu sein - oder mir begegnen gehäuft Eltern und Kinder mit dieser Auffälligkeit?

An meiner Signatur siehst du, dass sich die Experten bei meinem Sohn auch nicht einig sind. Einigen könnten sich die Fachleute eventuell auf "sensorische Integrationsstörung und asynchrone Entwicklung". Das sind jedoch keine ICD-Diagnosen, und so sieht jeder einen anderen Schwerpunkt. Wenn ich jetzt auch noch im UKE Prof. Schulte-Markwort fragen würde, würde mein Sohn wegen seiner unterirdischen Verarbeitungsgeschwindigkeit wahrscheinlich auch noch motorische Dyspraxie als Diagnose bekommen. Unser jetziger KiPsychater gibt lieber motorische Entwicklungsverzögerung und würde die Diagnose Dyspraxie frühestens nach der Pubertät vergeben, wenn die Verzögerung sich wirklich nicht nachentwickelt hat. Für mich ist das OK, andere Eltern vertrauen lieber dem UKE. Wir Eltern müssen immer ein bisschen sehen, was für das Kind am besten passt und welchem Experten wir vertrauen.

Für einen Kinderpsychiater benötigst du keine Überweisung. Du meldest dich einfach an und bringst die Krankenkassenkarte mit. In HH wartet man gerne mal bis zu 9 Monaten, melde dich also lieber heute als morgen an... In und um Remscheid kenne ich mich nicht aus, hoffentlich bekommst du noch lokale Tipps. Ich würde eine KJP suchen, die sich mit Autismusdiagnostik und AD(H)S auskennen, gerade wenn es schon ASS-Stimmen im Umfeld gibt. Und wenn diese Diagnosen ausgeschlossen werden können, ist ja auch gut.

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
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2019 - F92.8, F82.1 (SPZ) - (hält die KJP für falsch)

lysa
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von lysa »

Hallo zusammen.
Danke erst einmal für eure Antworten. Ich hatte dummerweise meine Anmeldedaten verbaselt das ich jetzt erst wieder reinkomme.
Mittlerweile hatten wir wieder ein Gespräch im SPZ. Als wir letztes Jahr den Abschluss dort hatten, hatten die uns gesagt, dass wir nach dem ersten halben Jahr Schule einen Termin bei denen wieder vereinbaren sollten. Gesagt getan und so hatten wir letzte Woche ein Wiedervorstellungsgespräch. Die erste Aussage der Ärztin war, was wollen Sie jetzt hier. Mh, ok nette Begrüßung. Darauf angesprochen, dass wir gerne eine Diagnose für unser Kind hätten, weil wir der Meinung sind, dass eine Verarbeitungsgeschwindigkeitsstörung keine Diagnose ist meinte Sie nur ganz schnippich, dass es eine Diagnose sei. Da unser Sohn vor diesem Gespräch krank war und bis auf fernseh gucken und schlafen nichts gemacht ( Pädagogisch echt blöd, aber es war halt so), war er dementsprechend echt unausgeglichen. Da unser Sohn der Ärztin direkt sagte er hätte jetzt zwei Tage fernseh geguckt wusste Sie also davon. Und trotzdem sagt Sie uns, Sie wollen eine Diagnose ich kann ihnen eine geben, ihr Sohn hat ADS und er bräuchte Tabletten um den Schulalltag zu bewältigen. So, einmal schön vor den Kopf gestoßen. Ich war dermaßen sauer über diese Aussage, das ich am liebsten aufgesprungen wäre und gegangen wäre. Wie kann diese Person, die mein Kind überhaupt nicht kennt so eine Aussage treffen. Ich meine es mag Fälle geben, da sind Tabletten echt die einzige Möglichkeit, aber doch nicht ohne vernünftige Untersuchungen etc. Die kann sich doch heute eh nicht mehr an mein Kind erinnern. Ich meine soll sie auch nicht. Aber ich kann doch verlangen das eine Vernünftige Diagnostik stattfindet und kein zu schnelles Urteil gefällt wird. Und vor allem das er nicht unnötig Tabletten bekommt.
Das lässt einen echt verzweifeln. Klar ist unser Kind anders als andere, aber er ist trotzdem ein tolles Kind und ich habe einfach auch angst das er seine Persönlichkeit verliert wenn er mit Tabletten ruhig gestellt wird.
LG Lisa

melly210
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Re: Lisa mit Moritz (Unklare Diagnose)

Beitrag von melly210 »

Ohje. Ich würde euch auch ganz dringend raten woanders hinzugehen. Wir hatten auch keine guten Erfahrungen im SPZ. Die sind leider beim Thema Wahrnehmungsstörungen oft nicht gut. Unser Sohn hat eine Wahrnehmungsstörung (SI-Störung, teilweise ist er auch dyspraktisch). Euer Sohn hat scheinbar auch was aus dem Bereich der Wahrnehmungsstörungen, dazu gehören neben SI-Störung und Dyspraxie auch AD(H)S und Autismus. Die Symptomatiken sind sehr oft überlappend und/oder gemeinsam auftretend, nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ist eine gemeinsame Ursache recht wahrscheinlich. Deshalb ist es mitunter recht schwierig zu diagnostizieren welcher Unterbereich der Wahrnehmungsstörung genau vorliegt. Klar, manche haben nur einen der Typen, wie aus dem Lehrbuch. Aber oft vermischt es sich eben auch, und es liegen mehrere Typen teilweise vor. Wahrnehmungsstörungen äussern sich u.a. oft durch eine verringerte Verarbeitungsgeschwindigkeit. Es ist über die Maßen inkompetent euch diese Zusammenhänge nicht zu erklären und einfach nur "verringerte Verarbeitungsgeschwindigkeit" hinzuschreiben ! Und genau so inkompetent ist es, euch einfach so vor den Latz zu knallen, daß ihr eurem Sohn Medikamente geben sollt. Das gehört von einem guten Kinder und Jugendpsychiater beobachtet, beurteilt und falls der nach einem längeren Beobachtungszeitraum meint es braucht Medikamente, dann gehört das gut begleitet und eingestellt.

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