Autismus

Kontakte zu anderen Eltern mit besonderen Kindern gewünscht? Kein Problem - Kontaktgesuche könnt ihr hier unter Angabe eurer E-Mail-Adresse einstellen.
Wer möchte, kann auch auf Krabbel- und Spielgruppen für besondere Kinder aufmerksam machen und wichtige Termine (z. B. von Selbsthilfegruppen, Fernsehsendungen über besondere Kinder etc.) angeben.

Moderator: Moderatorengruppe

Jürgen Frank
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 60
Registriert: 10.03.2008, 10:09
Wohnort: Neuss

Autismus

Beitragvon Jürgen Frank » 07.01.2020, 15:40

Hallo. Gibt es hier Eltern von jungen Autisten, deren Knder in einem Wohnhaus leben. Wenn ja, würden wir uns gerne austauschen
Wir suchen Eltern autistischer Kinder, Jugendliche oder Erwachsene zwecks Erfahrungsaustausch und Aufbau neuer Kontakte, da wir nahezu alle sozialen Kontakte verloren haben. Unser Sohn ist 21 J, gB, Autist

Gixi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 462
Registriert: 18.08.2007, 09:01
Wohnort: Bebra

Re: Autismus

Beitragvon Gixi » 08.01.2020, 16:41

Hallo Jürgen,

unser Sohn hat frühkindlichen Autismus und zusätzlich Epilepsie. M. ist 24 Jahre alt und seit 2015 wohnt er nicht mehr zuhause.

Er hat 3,5 Jahre in einer Einrichtung für Menschen mit herausfordernden Verhaltensweisen in Thüringen gelebt.

Im Mai 2019 konnte er gsd dann in eine spezialisierte Einrichtung für Menschen mit Autismus nach Hessen umziehen.

Gerne tausche ich mich mit dir aus.

LG
Gixi

Jürgen Frank
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 60
Registriert: 10.03.2008, 10:09
Wohnort: Neuss

Re: Autismus

Beitragvon Jürgen Frank » 09.01.2020, 13:58

Hallo Gixi. Danke für die schnelle Rückmeldung. Unser Sohn ist 23 Jahre, frühkindlicher Autist und mittelgradig geistig behindert.
2016 ist er in eine Einrichtung nach Mönchengladbach gezogen, nachdem er lange auf verschiedenen Listen bei unterschiedlichen Anbietern in NRW stand. Es war, wie vermutlich bei Euch auch ein steiniger Weg. Und zur Zeit ist es wieder sehr anstrengend, da wir , wie andere auch mit den Veränderungen des BtHG zu leben habe. Eine wesentliche Konsequenz besteht darin, das Kinder/Jugendliche nicht mehr mit Erwachsenen gemeinsam untergebracht sein dürfen. Warum dies so ist, konnte mir bis jetzt keiner abschließend belastbar erklären (weder Bundes/Landessozialministerium oder der hiesige Landschaftsverband)
Max mußte also jetzt vor Jahresende umziehen. Wir haben die schlimmsten Befürchtungen gehabt, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Wie reagiert er als Autist? Was kommt auf ihn zu? Nach jetzt 5 Wochen sind wir alles andere als zufrieden. In der jetzigen WG sind nur noch 6 Bewohner, es daher wesentlich ruhiger als in der vorherigen. Aber hier herrscht auch enormer Personalmangel vor. Als Beispiel hierfür sei genannt, das die Fahrt zur Werkstatt um 07.20 h stattfindet, er aber schon um 05.30 h geweckt wird. Eben weil eine Person dann die anderen 5 auch versorgen muß. Wir überlegen uns noch, wie das zu ändern ist. Auch die Betreuer strahlen nicht die Emphatie der vorherigen WG aus. Alles unpersönlicher. Jetzt hat er in einem Wutanfall seinen Fernsehr geschrottet mitsamt Fernbedienungen des DVD Players. Man ist noch nicht auf ihn ausgerichtet. Daher hatten wir gestern das erste Gespräch (2 Stunden), bei denen einige Punkte, die wir zu bemängeln hatten, zu unserer Zufriedenheit geklärt werden konnten. Aber es wird wohl noch des öfteren rumsen. Wesentlicher Mangel, wie nahezu in allen Einrichtngen, ist das mangelnde Freizeitangebot, geschuldet dem Personalmangel....
So, jetzt hast Du zumindest mal einen kurzen Überblick. Ich hätte jetzt noch wesentlich mehr schreiben können, aber das kommt ja dann noch (bei Interesse)
Wir suchen Eltern autistischer Kinder, Jugendliche oder Erwachsene zwecks Erfahrungsaustausch und Aufbau neuer Kontakte, da wir nahezu alle sozialen Kontakte verloren haben. Unser Sohn ist 21 J, gB, Autist

Gixi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 462
Registriert: 18.08.2007, 09:01
Wohnort: Bebra

Re: Autismus

Beitragvon Gixi » 10.01.2020, 12:02

Hi nochmal,

danke für deine Antwort. Ich habe viel Interesse mich auszutauschen.

Erstmal vornweg, unser Sohn heißt Moritz, kicher……!!!

Wie schon erwähnt, lebt unser Sohn seit November 2015 nicht mehr zuhause.

Im Jahr 2015 wurde die Situation hier zuhause für uns unerträglich. Moritz wurde wegen übergriffigem Verhalten in der Schule von dieser verwiesen.

Der Schulbegleiter (Heilerziehungspfleger) war mit der gesamten Situation auch heillos überfordert. Das konnten wir aber sehr gut verstehen.
Also war unser Sohn ab März 2015 nur noch bei uns daheim. Eine Tagesstruktur konnte und wollte man irgendwie nicht auf die Beine stellen. Uns wurde gesagt, man könne Moritz nicht adäquat fördern und der Personalschlüssel wäre dafür zu niedrig.

Auch hier im nachhinein wohl eine korrekte Aussage, denn mit dem Personalschlüssel steht und fällt vieles.

Also beschränkte sich unsere Entlastung von unserem erwachsenen Sohn auf 10 Wochenstunden, die von einer nicht ausgebildeten Person übernommen wurden.

Das ganze ging dann bis Oktober 2015 holprig weiter. Dann im Oktober wurden die Übergriffe unseres Sohnes auf uns und auf alle ihm zu betreuenden Personen derart heftig, dass wir die Reißleine ziehen mussten.

Nachdem er seit komplettes Zimmer zuhause demoliert hatte, brachten wir ihn höchstpersönlich mit dem Auto in die Psychiatrie. Dort lag er 2,5 Wochen in der 5- Punkt-Fixierung, da er nachts die diensthabende Krankenschwester in den Unterarm gebissen hatte.

Irgendwie tat sich dann von dort die Möglichkeit auf, dass er in eine Psychiatrie nach Thüringen verlegt werden konnte, da man dort besser auf Menschen mit Behinderung spezialisiert war.

Dort war M. dann nochmal ungefähr 2,5 Wochen und konnte direkt von dort in eine Einrichtung umziehen, die ebenfalls auf dem gleichen Gelände steht.

Auch dort herrschte teilweise Personalmangel, die Gruppe war grösser und vor allen Dingen hatte er überhaupt keine Tagesstruktur. Für uns war immer klar, dass er dort nicht dauerhaft leben kann.

Seit Jahren standen wir auch auf diversen Listen von Einrichtungen. Dann hörten wir, dass in unserer Wunscheinrichtung angebaut wird und 14 neue Plätze für Menschen mit ASS entstehen sollen.

Wir haben Kontakt aufgenommen und um es kurz zu machen, unser Sohn konnte im Mai 2019 dort einziehen.

Personalmangel gehört jetzt der Vergangenheit an. Teilweise hat er eine 1 zu 1 Betreuung.

M. hat jetzt z.B teilweise Probleme damit, dass sein Tag recht durchstrukturiert ist. Das kannte er ja so überhaupt nicht und war mehr oder weniger oft am Tage sich selbst überlassen.

Das überfordert ihn teilweise und daraus ergeben sich dann natürlich auch Situationen, die man analysieren muss und auch sollte. Aber die Kommunikation mit der jetzigen Einrichtung ist einfach nur super und das kannten wir aus den vergangenen Jahren ja überhaupt nicht. Wir haben so gut wie nichts erfahren, das fand gerade ich sehr beängstigend und auch gelastend.
Trotzdem läuft es halt auch jetzt nicht komplett reibungslos. Man hat z.B. recht schnell die Medikation ändern wollen. Aber natürlich aus guter Absicht heraus. Wir haben dem ja auch zugestimmt und hatten grosse Hoffnung, dass er auch mit weniger Medis auskommt.

Leider mussten wir nach diesem Versuch feststellen, dass es mit der reduzierten Dosis nicht mehr gut lief.

Also wieder alles auf Anfang zurück und dann wurde es auch wieder besser.

Ich denke, wir müssen uns einfach darauf einstellen, dass es immer mal wieder Probleme geben kann. Nur durch Kommunikation kann man diese aber versuchen zu lösen.

M. hat jetzt wie gesagt ein tolles Freizeitangebot und trotzdem scheint er teilweise damit überfordert zu sein. Es ist halt wie es ist.

LG
Gixi

P:S: Dass strikt getrennt wird zwischen Kinder- und Jugendeinrichtungen und Erwachseneneinrichtungen kennen wir nur so. Auch alle mir bekannten Familien mit autistischen erwachsenen Kindern mussten dann für ihre Kids eine Anschlusseinrichtung suchen.


Zurück zu „Kontakte und Termine“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast