Mama von Zweien

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

Moderator: Moderatorengruppe

TinaLou
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 7
Registriert: 01.12.2019, 16:44

Mama von Zweien

Beitragvon TinaLou » 01.12.2019, 18:26

Herzlichen Dank für die Aufnahme.

Dann stelle ich uns mal vor.
Ich bin alleinerziehend mit 2 wunderbaren Töchtern. Die kleine ist auch ein bisschen „sonderbar“(bitte nicht negativ verstehen, so ist es nicht gemeint)

Im Prinzip begann alles schon in der Schwangerschaft. Bei der Bestimmung irgendwelcher Werte bekam ich abends einen Anruf das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Trisomie 8 oder 13 vorlag. Gut, es ging mir bis dahin nicht sonderlich gut und geplant war sie auch nicht aber ich habe mich trotzdem so sehr gefreut und meine Große wollte ja auch so gerne ein Schwesterchen und dann das ...
Ich bekam alle möglichen Vorschläge, war bei einer Genberatung und sollte den Fruchtwassertest machen und bekam auch die knallharte Aussage das ich auch eine Spätabtreibung machen könnte. All das habe ich abgelehnt, egal was kommt ich würde den Weg, ganz gleich welchen, mit ihr zu Ende gehen. Später war ich noch mal zur Feindiagnostik und da war sie zwar zu klein aber sonst war nichts auffällig außer das die Plazenta unten vorm Ausgang lag und ich sollte mich auf Blutungen einstellen. Diese trafen dann auch ab der 26. Woche ein und ab der 28. Woche lag ich im Krankenhaus mit Wehen und Blutungen. In der 32. Woche ging dann nix mehr und sie holten mein Mäuschen per Kaiserschnitt bei 32+6.
Erstaunlicherweise war sie sehr gesund, hatte nur schon vorher einen ziemlich hohen Puls und ich erinnere mich immernoch sehr gut wie die Ärztin meinte das man sich auf der Neo schon freut, so ein aktives Kind zu haben denn diese sind ja Kämpfer. Was das für mich noch bedeuten soll habe ich überhaupt nicht bedacht.
Das sollte ich später dann noch faustdicke merken. :lol:

Als sie ungefähr 2 war kamen die Auffälligkeiten. Sie war mit jeder U Untersuchung weiter voraus und hat auch eine erstaunliche Größe. Sprachlich ließ sie die Einwortsätze aus und quatschte mich voll wie eine Alte. Außerdem verstand sie recht schnell, kombinierte aber eigenartig sodass ich öfter schmunzeln musste. Mit zweieinhalb ging das Martyrium los. Ich dachte das ist jetzt die Trotzphase, kannte ich ja von meiner Großen aber das war überhaupt kein Vergleich. Das ging täglich mehrere Stunden am Stück, sie war völlig außer sich, wegen vermeintlicher Lapalien. Ich durfte z.b. Beim Anziehen nicht helfen, wenn das alleine aber nicht klappte ist sie völlig durchgedreht, ich hatte keine Chance. Sie versank dann völlig in ihrem Tun und von außen war überhaupt kein rankommen mehr. Mit 3 hatte sie den Wechsel von der Krippe in die Kita, von 12 auf 25 Kinder und da ging es dann richtig rund oder auch gar nichts mehr. Nach dem 1-2 stündigen Anziehproblem ging es im Kindergarten weiter. Sie hat auch nur die Gruppe gewechselt - ist quasi noch unterm gleichen Dach. Bei der Übergabe gab es dann 2 Möglichkeiten. Entweder ging sie mit rein in die Gruppe, schrie aber dann so laut dass man mich anrufen musste oder sie ging gar nicht erst mit rein. Ich bin täglich heulend rausgelaufen weil sie mir so leid tat. Da ich allein erziehend war, hatte ich auch Angst um unsere Existenz. Ich lief mit und ohne sie von Pontius zu Pilatus, SPZ, Erziehungsberatung, Jugendamt, Kinderarzt, Psychiater usw. Keiner nahm das ernst. Sie wäre nur sehr energiegeladen und wütend.
Aber warum???
Bei einer Testung kam dann raus das sie sehr weit oben ist in allen Bereichen, im Emotionalen aber an der Untergrenze. Autismus schloss man zuerst aus denn sie sprach viel zu gut und hatte sonst keine Anzeichen obwohl ich mitteilte, das sie Lautstärke nicht ertragen kann (da vermutete man Migräne) das das Badewasser nur Lauwarm sein darf und das sie auch alles nur trocken essen kann. Sie isst keine Saussen, nicht mal Ketchup, kein Obst und Gemüse und wehe wenn irgendwo nur bissl Petersilie dran isst. Nudeln, Reis, Kartoffeln alles trocken. Sie fängt sonst tatsächlich an zu würgen. Als mal in der Kita beim Austeilen ein Salatblatt auf ihren Teller fiel, tobte sie stundenlang und ging unter den Tisch und kam nicht mehr hervor, es gucken sie alle an, das kann sie nicht ertragen.
Ich könnte noch tausend solcher Dinge erzählen und ich habe mein Mäuschen so leiden sehen, sie hatte wirklich Schmerzen dabei aber keiner hat das ernst genommen. Erst als die Kita einen Bericht schrieb und ich den beim SPZ einreichte, schrieben die ein Gutachten mit Verdacht auf frühkindlichen Autismus und Empfehlung einer HPT. Dort haben wir nun einen Platz seit September (sie ist nun im November 5 geworden) und dort hat sie 3 mal die Woche Therapien und die Gruppen sind so schön klein und siehe da, es ist viel besser geworden.
Jetzt habe ich so viel geschrieben aber keiner, der sowas nicht miterlebt hat, weiß nicht wie schlimm das ist. Ich habe hier vor meiner Registrierung schon viel gelesen und dachte das ich hier endlich mal richtig sein könnte.
Wir haben immer noch keine Diagnose. Für mich ist ASS auch nicht vom Tisch auch wenn frühkindlich ja nicht in Frage kommt aber nach 2 Jahren habe ich echt auch die Nase voll mit dem herumgedoktere und harre jetzt erst mal der Dinge die da kommen. Sie hat jetzt die Vorschularbeitsblätter vom nächsten Jahr in 2 Monaten gemacht :shock:
Und sie ist immernoch sehr speziell aber diese Wutanfälle sind kaum mehr da. Sie sagt mittlerweile:
Ich habe wieder das komische Gefühl im Bauch und brauche meine Ruhe. Dann geht sie in ihr Zimmer und ich höre sie tanzen oder singen und dann kommt sie nach 20-30 Minuten wieder raus und sagt: Jetzt ist wieder gut. :icon_flower: Ich möchte nur aufmerksam machen das nicht jedes Trotzen auch nur trotzen ist. Manche Geräusche, auch Licht oder Zuviel auf einmal taten ihr wirklich weh und das hatte nichts mit Wut zu tun.
Danke fürs lesen und ich bin um jeden Tipp dankbar auch wenn ich weiß das ihr keine Diagnose kriege aber ein Austausch wäre schon schön.
Ich weine manchmal heute noch so oft wenn ich dran denke das die „Lösung“ so einfach war. (HPT)

AnnikaSessl
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 32
Registriert: 24.11.2019, 11:12

Re: Mama von Zweien

Beitragvon AnnikaSessl » 01.12.2019, 20:33

Hallo Tina. Dann herzlich willkommen und viel Spaß in dem Forum. LG Annika

AnnikaSessl
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 32
Registriert: 24.11.2019, 11:12

Re: Mama von Zweien

Beitragvon AnnikaSessl » 01.12.2019, 20:42

Ich nochmal .Zu dem dass es nicht ganz zu einen von beiden Autismusformen einordnen lässt wollte ich noch sagen es könnte atypischer Autismus sein. Wenn du noch Fragen hast kannst du mich gerne fragen. LG Annika :P.

TinaLou
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 7
Registriert: 01.12.2019, 16:44

Re: Mama von Zweien

Beitragvon TinaLou » 01.12.2019, 21:28

Danke Annika. Ich habe soviel im Internet gelesen und irgendwie komme ich nicht weiter. Im Prinzip bin ich grad so zufrieden wie es ist, obwohl mich gerade noch was anderes beschäftigt. Sie wäre ein Kann-Kind für die Einschulung nächstes Jahr. Den Platz haben wir nun für 2 Jahre sicher. Ich glaube auch das es gut so ist aber eigentlich ist sie von der Entwicklung her weit genug und interessiert sich auch sehr und fragt auch immer schon. Aber da sind dann wieder oder besser gesagt sogar 30 Kinder in einer Klasse. Ich glaube das wäre nicht gut. Andererseits kann man ein Kind ja auch demotivieren wenn man es zu lange nicht zur Schule lässt. Aber der psychologische Fachdienst meint das wie noch ein bisschen Zeit haben und sie das sowieso schon beobachten. Im Moment ist essbar tausendfach besser als vorher. Deswegen habe ich jetzt auch mal ein bisschen Zeit mich auszutauschen.
Danke dafür.

AnnikaSessl
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 32
Registriert: 24.11.2019, 11:12

Re: Mama von Zweien

Beitragvon AnnikaSessl » 02.12.2019, 16:07

Ja Bitte. Und wie gesagt bei Fragen kann du mich gerne fragen. LG Annika :P


Zurück zu „Vorstellungsrunde“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Karin22, MSN [Bot] und 6 Gäste