Umfrage Freundschaften

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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yael1004
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Umfrage Freundschaften

Beitrag von yael1004 »

Hallo Ihr Lieben!
Ich wollte mal eine Umfrage starten, wie sich Euer Sozialleben bzw Eure Freundschaften gestalten oder auch verändert haben seit Ihr eure besonderen Kinder habt.
Ich war gestern mit einer alten Freundin aus, der ich auf die Frage "Wie es geht" wahrheitsgemäß geantwortet habe. Wobei ich schon immer darauf achte nicht abendfüllend zu antworten. :)
Gehört habe ich, wie schon so oft, dass andere mit ihren Kindern schließlich auch Sorgen haben. Na klar, ist mir durchaus bewusst. Ich hab das Thema dann natürlich fallen lassen. Sind wir "besonderen Mamis" wirklich sooo anstrengend?
Ich hab auch einige Freundinnen, die da ganz lieb und verständnisvoll reagieren. Ich versuche das im Gegenzug natürlich auch. Aber letztlich ist unser Alltag mit unseren ASS Kindern ja sehr oft nicht so einfach. Sollen wir das zukünftig einfach nicht mehr erwähnen und uns nur noch auf angenehme Themen beschränken?
Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
Freue mich auf Eure Antworten!
Liebe Grüße
Yael
Sohn (2010) hochfunktionaler Asperger Autist

AnnalenaO
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von AnnalenaO »

Hallo Yael!

Ich würde halt sagen die Mischung macht es. Ich merke schon dass Freundinnen mir auch manchmal nur von ihren Sorgen erzählen wollen ohne zu hören dass es bei uns noch schlimmer ist. Im Gegenzug erwarte ich dass ich auch wahrheitsgemäß mein Herz ausschütten kann. Aber eben nicht jedes Mal. Wenn ich zB bei unserem letzten Treffen das Gespräch mit meinen Sorgen dominiert habe gebe ich mir Mühe beim nächsten Mal das "wie geht es dir" eher als Höflichkeitsfloskel zu werten und sowas zu antworten wie "naja du weißt ja, stressig wie immer. Aber wie geht es dir eigentlich?"
Manchmal wenn mich gerade was sehr umtreibt wie momentan das Thema weiterführende Schule dann fällt mir das wirklich schwer, ich versuche aber schon zu sehen dass es sich in etwa die Waage hält.
Es gibt ja auch noch das Forum wo man sich richtig auskotzen kann wenn nötig :)

Liebe Grüße
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

steffimoppel
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von steffimoppel »

Ich finde auch, die Mischung macht es. Sowohl beim Zuhören als auch beim Erzählen. Mich strengen sowohl Leute an, die nichts von sich erzählen, als auch die, die nur von sich erzählen. Insofern achte ich auch auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Erzählen und zuhören. Ich finde es auch wichtig, die Sorgen der anderen Person ernstzunehmen und die Erfolge der anderen zu feiern. Also also simples Beispiel, ich kann mich mit jeder Freundin freuen, wenn das Kind trocken geworden ist, ob das Kind nun 2 oder 8 ist. In jeder Familie ist das ein Meilenstein und deswegen höre ich es mir von allen gleich an.
Es wäre doch schade, wenn ich einer Mutter eines drogensüchtigen Kindes (kenne ich nicht, nur als Beispiel) nicht mehr über die mehr oder minder kleinen Pubertätsprobleme meines Sohnes erzählen könnte, weil es bei Ihr so viel schlimmer ist.
Ich finde da die Parallele zu Neid Strang. Dort stand, wer etwas gut kann, sollte nicht die Erfolge anderer übertrumpfen. Ebenso ist es mit den Schwierigkeiten. Es ist nicht gut, die Schwierigkeiten anderer zu übertrumpfen.
So klappt das bei meinen Freundinnen ganz gut, und ich habe sehr viel positives Feedback auf ehrliche Berichte über meinen Sohn erlebt.
Schwieriger wird es finde ich mit den ganz persönlichen Themen. Wenn man erzählt, dass autistische Kinder einen einsam werden lassen können, dann wird es schwierig, das ist ein Thema, dass ich nur sehr ausgewählten Personen erzählen kann. Aber bei Schulproblemen haben zumindest meine Freundinnen gar kein Problem.

Anjali
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von Anjali »

Hallo,

die geschilderte Situation selber mag ich als Außenstehende nicht beurteilen. Dafür fehlen mir dann doch zu viele Informationen.
Aber ganz allgemein finde ich, dass man
einer „richtigen“ Freundin schon von seinen Sorgen (auch ausführlich) erzählen können sollte. Dafür sind Freunde da, meine ich.
Aber es sollte nicht bei jedem Treffen und bei jedem Anlas sein.
Zum Ausgleich sollte auch der „Spaß“ nicht zu kurz kommen, das gemeinsame schöne Erleben.
Manchmal tut es auch gut, sich bei einem schönen Treffen abzulenken und den beschwerlichen Alltag ganz außen vor zu lassen. Das gilt für kleine und für große Sorgen.
So habe ich das bisher gehandhabt und bin damit ganz gut gefahren.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Bika
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von Bika »

yael1004 hat geschrieben: Sollen wir das zukünftig einfach nicht mehr erwähnen und uns nur noch auf angenehme Themen beschränken?
Nein, das wäre für mich nicht das, was ich unter einer Freundschaft verstehe.
Das wäre ein Verhalten im Umgang mit loosen Bekannten, die man selten sieht und eher zweckgebunden trifft.
In einer Freundschaft muß, so sehe ich das, eine emotionale Entlastung, durch ein verbales “ Auskotzen“, jederzeit möglich sein.
Natürlich möglichst beidseitig ausgeglichen, obwohl ich da niemals eine Strichliste führen würde.
Ich denke aber, dass dieser emotionale Halt nicht für jeden so wichtig ist und es Menschen gibt, die mit ihren Freunden einfach eine gute Zeit verbringen wollen, ohne Sorgen zu wälzen. Da muß man eben gucken, ob man sich damit arrangieren kann und ob einem das reicht.
Wenn nicht, dezimieren sich die Freundschafen leider proportional zu den eigenen Problemen, das ist wohl der natürliche Gang.

LG

RikemitSohn
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

ich denke, dass man sich bei guten Freundschaften schon ehrlich austauschen darf. Was ich als wichtig empfinde ist die Einstellung zu den Problemen der anderen. Natürlich hat eine Mutter mit einem gesunden Kind andere Sorgen, aber auch diese sind wichtig. Und vielleicht liegen ihre Probleme auch ganz woanders- nicht im Kinderbereich.
Vielleicht schätze ich es falsch ein, aber es klang schon etwas durch, dass du deine Probleme als gewichtiger siehst. Das ist eine Aufrechnung, die jemand anderes durchaus spührt, auch wenn du das nach Aussen nicht äusserst.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

JennyK
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von JennyK »

Ich habe wenige Freundinnen. Die hören mir aber zu, wenn ich es brauche, genauso, wie ich Ihnen zuhöre. Wir führen meist sehr tiefgreifende Gespräche, sehr intensiv.
Wir nehmen uns ernst, egal, womit wir gerade beschäftigt sind, denn das sind unsere Emotionen.
Sohn 1 (2006), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (2013), Asperger Autismus, Verdacht auf ADS; PG 3; SBA 70 mit B, G, H

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,
Gehört habe ich, wie schon so oft, dass andere mit ihren Kindern schließlich auch Sorgen haben. Na klar, ist mir durchaus bewusst. Ich hab das Thema dann natürlich fallen lassen.
Ich glaube, man sollte dann zwar das grade erzählte Thema fallen lassen, weil: Es liegt damit ein neues Thema auf dem Tisch. Das ohnehin im Raum stand: Hat sie das Gefühl, Deine Sorgen „erschlagen“ ihre? Kann sie Deine Sorgen nicht wirklich nachvollziehen? Oder Du ihre? Hat sich die Freundschaft verändert und warum?

Ich finde, meine Freundschaften sind „dichter“ geworden, substantieller.
Allerdings erzähle ich vieles von dem, was mir zum Junior so unter der Rubrik „alltägliche Angelegenheiten“ durch den Kopf geht, zu einem Gutteil denen, die selber auch ein autistisches Kind zuhause haben, und bei vielem eh wissen, wovon ich da rede. Also zb dieser Behördenirrsinn, oder irgendwelche Überlegungen zu Juniors Therapien oder Schule, sowas, das erzähle ich eher dort. Oder hier im Forum. :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Lisaneu
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von Lisaneu »

Bei mir hat sich in Sachen Freundschaften nach der Geburt meines zweiten Sohnes (die Behinderung des ersten wurde erst viel später als solche erkannt) klar die Spreu vom Weizen getrennt. Ich hatte drei Freundinnen, die ich in einem Baby-Forum kennengelernt hatte, als wir alle gleichzeitig mit dem ersten Kind schwanger waren. Und witzigerweise waren wir gut 2 Jahre späte alle vier mit dem zweiten Kind schwanger.

Tja, und Alexander kam dann eben gehörlos zur Welt und von den 3 Freundinnen waren plötzlich 2 nicht mehr da. Während wir vorher lockeren telefoischen Kontakt hatten, hat sich schließlich niemand mehr bei mir gemeldet, während es vorher kein Problem war, dass ich nicht auf FB bin (wir waren halt im Forum, per Telefon oder SMS in Kontakt), war das dann ein plötzlich ein Grund, mich nicht mehr einzubeziehen. Dabei waren unsere zweiten Kinder alle noch Babys und es gab nicht mal einen merkbaren Unterschied zwischen meinem gehörlosen Sohn und den Babys meiner Freundinnen. Immer, wenn ich mich dann mal gemeldet habe, war nur die Rede vom wahnsinnigen Streß mit den Kindern, der einem absolut keine Zeit lassen würde. Aber untereinander Kontakt haben, telefonieren und sich treffen war seltsamerweise kein Problem.

Mit einer dieser drei Freundinnen hatte ich aber noch viel länger Kontakt, wir haben uns auch gegenseitig besucht und meine FB-Verweigerung war auch nie eine Barriere. Leider ist diese Freundin dann verzogen und hat einen neue Telefonnummer bekommen, die ich blöderweise verschlampt habe. Dafür kann sie aber nichts. Manchmal macht eben das Leben dann einen Strich durch die Rechnung. Aber diese Freundin habe ich nach wie vor ein sehr liebevoller Erinnerung.

Mittlerweile bin ich auch den beiden anderen nicht mehr böse. Naja,"böse" war ich eigentlich nie, nur eben etwas gekränkt und ich habe ihr Verhalten nicht verstanden. Rückblickend konnten sie einfach nicht damit umgehen, dass da plötzlich ein Baby war, welches nicht "normal" ist. Sie haben nur rumgestottert, wollten anscheinend nicht von den Fortschritten ihrer Kinder erzählen, da mein Sohn ja doch deutlich entwicklungsverzögert war, und sie vermutlich interpretiert haben, mich würde kränken, zu sehen, wie prächtig ihre Kinder sich entwickeln.

Meine wenige, langjährigen Freundinnen, die ich großteils schon lange vor der Geburt meiner Kinder gekannt habe, sind mir jedoch nach wie vor erhalten geblieben und für die ist es auch kein Problem, wenn ich mich mal "ausjammere". Mache ich natürlich auch nicht bei jeder Gelegenheit, aber ich überlege keine Sekunde, es zu tun, oder nicht, wenn mir danach ist. Auch meine Freundinnen jammern sich bei mir aus, halt wegen ihrer Probleme (eine hat Diabetes, bei der anderen wird die alte Mutter zunehmend dement, eine dritte hatte lange Zeit Beziehungsprobleme). Diese Freundinnen haben kein Problem damit, dass ich besondere Kinder haben, obwohl ihre eigenen Kinder gesund und neurotypisch sind. Und ich habe schließlich auch kein Problem damit, KEINE Diabetikerin zu sein, eine geistig vitale Mutter zu haben und in einer funktionierenden Beziehung zu leben.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

MajaJo
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Re: Umfrage Freundschaften

Beitrag von MajaJo »

Hallo Yael,

ja, Mamas mit besonderen Kindern sind anstrengend, weil sie Dinge erleben, von denen andere nicht mal träumen können. Ich habe eine sehr gute Freundin, der ich gar nicht alles erzählen kann, da sie das emotional mehr mitnimmt als mich. Trotzdem ist sie eine gute Freundin. Und Du darfst nicht den Fehler machen, Sorgen der Größe nach zu werten. Sorgen sind subjektive Wahrnehmungen und kleine Sorgen können Menschen subjektiv mehr belasten als große Sorgen. Es ist ja auch nicht automatisch so, dass Menschen mit wenig Problemen glücklicher sind als mit vielen. Wenn man immer nur von schwierigen Dingen erzählt, wird man nur noch als belastend wahrgenommen. Das gesunde Maß macht es. Ich habe eine Zeit lang die Betriebliche Sozialberatung meines Arbeitgebers zum "Auskotzen" "benutzt", weil ich meine Freunde nicht mehr belasten und auch etwas Schönes mit ihnen erleben wollte.

Ich wünsche Dir einen guten Weg!

Liebe Grüße
Maja
Maja m. Jo (*10) Ichthyosis vulgaris (FLG-Mutation), Neurodermitis, Asthma, Allergien m. Anaphylaxie, Skoliose, GdB 70 H, Sternenenkel LEN (3/18 - 5/18)

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