Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Katrino_1
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Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Katrino_1 » 27.11.2019, 01:44

Hallo alle miteinander,
ich bin ja eher der stille Mitleser. Doch heute brauche ich mal eure Hilfe.
Ganz kurzer Extrakt, die Tochter ist jetzt volljährig, geht auf ein OSZ, mal sehen was noch so kommt, was sie schafft, jedenfalls haben wir keine Grundsicherung beantragt, sondern Wohngeld für einen 3 Zimmerbereich in unseren eigenen 4 Wänden. Wir können sie ja nicht ein Lleben lang mitfinanzieren. Sie wird ja eigentlich immer hier wohnen bleiben, da Sie ja Hilfe und Pflege braucht und das hier gegeben ist.
Jetzt wurde besagter Bescheid negativ ausgestellt mit der Bbegründung, das nach § 21 Nr. 3 mit Nr.21.33 Teil A der Untermietsvertrag fingiert wäre, weil besagter Mensch ja seit 199... (also seit seiner Geburt) in dem gemeinsamen Haus wohnt.
# 21.33 Fingierte Untermietverhältnisse:Ist ein Untermietverhältnis offenbar nur zu dem Zweck begründet worden, die Voraussetzungen für einen Wohngeldanspruch zu schaffen oder einen bestehenden Anspruch zu erhöhen, ist die Wohngeldbewilligung für die antragstellende Person, die Haupt- oder Untermieter sein kann, ganz oder zum Teil abzulehnen.#
Natürlich wurde jetzt ein Mietverhältnis geschaffen und da sie kein Einkommen hat, sollte sie eigentlich Wohngeld bekommen um ihre Kosten decken zu können
Die Katze beißt sich in den Schwanz:
Das heißt ja jetzt im Umkehrschluss für mich, das sie jetzt zum Soz Amt gehen muss, weil sie das von uns überlassene Kindergeld jetzt zum Bezahlen der Miete benötig und dann kein eigenes Geld mehr für sich hat.
Oder war es ein Fehler dem Amt zu sagen, das wir die aussetehende Miete rückwirkend stunden bis das Wohngeld bezahlt wird, da das erwachsene Kind ja kein Geld dafür hat?
Danke fürs Lesen
Vieleicht hat ja jemand eine Idee.
In Berlin wird immer alles sehr kompliziert gemacht
Liebe Grüße Katrino
mit Belli ,Spastikerin.

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*Sally*
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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon *Sally* » 27.11.2019, 02:31

Hallo,

mit welcher Begründung habt ihr euch denn dagegen entschieden, Grundsicherung zu beantragen ? Das wäre jedenfalls die taktisch klügere und mehr Geld bringende Lösung , auch im Hinblick auf "später" . Dann wird auch automatisch ein Kostenanteil für Wohnen und NK übernommen. Und wenn Du dann noch mitteilst, dass das Kindergeld NICHT an deine Tochter weitergeleitet wird sondern für sie ausgegeben wird, darf das Sozialamt davon nichts abziehen.

LG

edit: ich habe bei meinem Antrag auf Wohngeld die Auskunft bekommen, dass man für einen erfolgreichen Antrag ein Mindesteinkommen braucht, um glaubhaft belegen zu können, dass man mit Einberechnung des Wohngeld seinen Lebensunterhalt finanzieren kann.
Evi mit Debbie-Maus * 95

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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Juler » 27.11.2019, 08:07

...Das Wohngeld soll eine Hilfe sein, dass man seine Miete zahlen kann und noch was zum Leben bleibt. Bei nicht vorhandenem Einkommen und keinen Mietkosten scheint mir der negative Bescheid irgendwie berechtigt. Korrigiert mich wenn ich das gerade total falsch sehe


Liebe Grüße,


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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Anne_mit_2 » 27.11.2019, 09:31

Hallo Katrino_1,

Wohngeld wird nur bewilligt, wenn der Antragsstellende fast genug Einkommen hat und eben nur ganz wenig fehlt. Ich kenne viele Fälle in ganz unterschiedlichen Konstellationen (dazuverdiende Studenten ohne Bafög-Anspruch, alleinerziehnde Elternteile mit kleinen Jobs, Rentner mit zu kleiner Rente und Nebenjob) , in denen Wohngeld abgelehnt wurde (stets mit der Begründung, dass der Antrag mangels ausreichendem Einkommen nicht plausibel sei), aber keinen, in dem es bewilligt wurde, ohne dass andere Sozialleistungen bezogen wurden.

Dabei sind die zugrunde gelegten Mindestbeträge so angesetzt, dass man in günstigen Konstellationen auch mit weniger Geld ausreichend überleben kann, aber es eben nur ein Überleben und unter dem Existenzminimum ist. Wenn jemand andererseits den Mindestbetrag hat, dann kann er/sie es oft auch mit etwas Strecken reichen machen ohne Wohngeld. Und in diesem Niemandsland leben sehr viele Leute.

Viele Grüße,
Anne

Katrin2001
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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Katrin2001 » 27.11.2019, 09:57

Hallo.......ich verstehe auch nicht,warum ihr keine Grundsicherung beantragt?
Das steht deiner Tochter doch zu und wenn eine dauerhafte Erwerbsminderung festegestellt wird,bekommt sie die Grundsicherung auch dauerhaft.
Mit der Grundsicherung bezahlt ihr dann die Lebenshaltungskosten euer Tochter.LG Katrin
Katrin mit Sophie geb.Juli 01 entwicklungsverzögert, wahrnehmungsst. ,Hirnschädigung,motor.Probleme.,Autistische Züge,verhaltensauffällig. Genetische Auffälligkeiten ,Sprachprobleme ,aber ne total süße Maus

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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Regina Regenbogen » 27.11.2019, 10:59

Wohngeld wird nur bewilligt, wenn der Antragsstellende fast genug Einkommen hat und eben nur ganz wenig fehlt.
Ja, so kenne ich das auch, als Faustregel kann man 80% vom Regelsatz und Miete rechnen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
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Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

monika61
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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon monika61 » 27.11.2019, 11:21

Hallo Katrino,

wie schon oben erklärt, bekommen Menschen mit wenig Einkommen als Zuschuss Wohngeld.

Hier gibt es u.a. Infos zum Wohngeld ab Seite29:
https://bvkm.de/wp-content/uploads/2019 ... _web-2.pdf

LG
Monika

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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Susanne Th. » 27.11.2019, 12:21

Hallo Katrino,

aber genau dafür ist die Grundsicherung nach SGB Xll doch gedacht. Damit wir nicht zeitlebens unsere erwachsenen behinderten Kinder vollständig mitfinanzieren müssen und sie über eigenes Geld verfügen. Wir haben es uns ja nicht ausgesucht, ein nicht erwerbsfähiges Kind zu bekommen.
Bei der Beantragung der Grundsicherung gebt aber bitte nicht an, dass ihr das Kindergeld Eurer Tochter überlasst, dann wird ihr dies als Einkommen von der Grundsicherung abgezogen. Das Kindergeld steht Euch für die Betreuung, Versorgung und Verpflegung zu! In Eurem Falle überlasst Ihr der Tochter auch eigenen Wohnraum. Da rüttelt keiner am Kindergeld, wenn das erwachsene behinderte Kind noch zuhause wohnt.

Grundsicherung steht Eurer Tochter zu und entlastet Euch.

LG
Susanne

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 27.11.2019, 12:49

Hallo,

GruSi steht ihr zu, wenn sie dauerhaft erwerbsgemindert ist, ich nehme an, Katrino will das noch nicht feststellen lassen, weil evtl ein Arbeitsplatz auf dem Ersten Arbeitsmarkt drin ist.
Dann schätze ich aber, dass die Unterhaltspflicht der Eltern noch greift, so wie bei Nichtbehinderten auch?

Lasst Euch mal fachkundig beraten, am besten.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Wohngeld für erwachsenes Kind abgelehnt

Beitragvon Katrino_1 » 27.11.2019, 18:21

Hallo,
nun ja wir wollen erst ein Mal alles versuchen auf dem 1. Arbeitsmarkt zu kommen, dazu gehört eine richtige Ausbildung, wenn man sehr körperbehindert ist kann man das in Deutschland nur über ein Studium erreichen. Das alles ist Mega anstrengend mit der Inklusion usw. In der/ einer Werkstatt war sie auf Grund von Schulpraktikum schon und war sehr entsetzt, wer dort warum ist. Zur Motivation und damit sie sieht was man später so alles machen kann mit einem Arbeitshelfer, habe ich mit meinem Chef vereinbart sie kurze Zeit auf Minijobbasis mit arbeiten zu lassen und dabei kümmere ich mich dann halt ein bisschen um sie, also hat sie in sofern genug Geld lt. Berechnung vom Wohngeldamt zu leben.
Jetzt ist wirklich die Frage, ob die Unterhaltspflicht der Eltern greift.
Wer weiß das denn?
Lt. Jugamt ist sie nun eigenständig und unser Einkommen wird bei der Berechnung vom pers. Budget und beim Schulhelfer sowie Fahrdienst nicht mehr mit herangezogen.
Ein Schüler- Bafög bekommt Sie auch nicht, da sie zu hause wohnt.
Liebe Grüße Katrino
mit Belli ,Spastikerin.


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