Juliane mit Michel (Entwicklungsverzögerung)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Jule5Michel
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Juliane mit Michel (Entwicklungsverzögerung)

Beitrag von Jule5Michel »

Ein liebes Hallo in die Runde :)
Ich (33) bin Mama von 4 Kindern, Klara 14, Aline fast 13, Lukas fast 11 und Michel 28 Monate.
Ich bin in diesem Forum gelandet weil man es ja doch nicht lassen kann zu googeln und man sich verrückt macht. Dadurch bin ich immer wieder auf Beiträge von REHAkids-Eltern gestoßen und stelle uns nun vor.
Es geht um meinen kleinen Michel, der mindestens ein Jahr sprachlich hinterherhinkt. Nun muss man dazu sagen hört er jeden Tag Französisch plappern, meine 3 Großen und ich kamen erst vor 3 einhalb Jahren nach Deutschland und da ich mit 11 "ausgewandert wurde" sprach ich aus Gewohnheit mit den Großen nur Französisch sowie jetzt auch noch. Mit Michel reden alle Deutsch dass sich seine Geschwister mittlerweile auch angeeignet haben.
Die Geburt wurde wie bei meinen Mädels eingeleitet, allerdings bei Michel schon am ausgerechneten Geburtstermin, nachdem er der Stellvertretenden Frauenärztin beim CTG zu ruhig war. Die Geburt selber ging schnell, keine Zeit für eine PDA 😅 und sogar die Fruchtblase war dieses Mal geplatzt. Trotz Schwangerschaftsdiabetes (ohne Insulin) war er nicht mal 3 Kg leicht und hatte mit 49cm eine normale Größe. Bis zur U2 war alles schick. Bei dieser stellte man fest dass Michel eine Niere fehlt. Nun gut, sagt man sich, das ist kein Beinbruch, es leben viele sehr gut mit nur einer Niere und viele wissen es noch nicht mal. Ansonsten war er ganz normal und alles war und ist wohlgeformt. Ab dem 3. Monat hieß es er hat eine Nackenblockade, sein Schädel flachte ab. Er wollte nie auf dem Bauch liegen, hätte ich ihn dazu gezwungen wie ich sollte wäre es eine Zumutung für den ganzen Wohnblock gewesen. Allerdings drehte er auch seinen Kopf hin und her als wäre da nix dass ihn stört. Das Lagerungskissen schaufelte er sich immer ins Gesicht, da ging gar nix. Also hat er nun eine flacheren Hinterkopf als andere, wen stört's. Allerdings hieß es seitdem immer wieder "kann er dies, macht er das?" Antwort war jedes mal nein. Er hat alles später gemacht als die meisten, mit einem Jahr saß er wo er saß, setzte sich aber auch nicht selber hin. Nur wollte er immer sitzen ab dem 3. Monat ungefähr. Konnte nicht krabbeln, sich nicht hochziehen, sagte kein Wort, nix. Als ich bei der Ärztin des Gesundheitsamtes war hieß es "er wedelt so mit den Armen und starrt ins Leere, das sieht nach Epilepsie aus". Es wurde im SPZ ein EEG gemacht, daraus resultierte nix. Ein Entwicklungstest mit Piklerbogen offenbarte wenig Verzögerung, motorisch sogar mit eher gutem Abschnitt. Hauptsächlich sprachlich war da nix wie soll. Seitdem hieß es nur Frühförderung und seit neuestem Logopädie. Die HnO-Ärztin allerdings meinte dafür wäre es zu früh, jetzt sei diese noch nicht sinnvoll. Beide Male war dort alles in Ordnung, mit seinen Ohren ist nix.
Mittlerweile läuft er gut, fängt an zu "rennen", dreht Fläschchen auf und freut sich mittlerweile auch Mama, Papa oder Geschwister zu sehen wenn er aus der Kita abgeholt wird. Das war ihm vorher immer egal. Keinerlei Zeichen von Anteilnahme an irgendetwas.
Er sagt "ja", "looooo" (hallo), "tsüss", "Mama", "baba", "da", "muh", "määäh", "Kakau" und seit neuestem "nei" und "bau" ( Bauch oder Baum, kommt drauf an). Von 2-Wortsätzen kann ich nur träumen. Mama weiss er nicht was das sein soll, baba auch nicht. Tiere heißen bei ihm alle Muh. Ganz oft reagiert er gar nicht wenn wir mit ihm reden (ignoriert uns wirklich voll und ganz) und sein Lieglingspiel ist es sein komplettes Spielzeug aus dem Zimmer zu werfen. Er ist unser kleines Orakel dass mit ja und nein (Kopfschüttelnd) antwortet hin und her weil er anscheinend gar nicht versteht worum es geht. Er "erzählt" so gerne mit tausendundeiner Gesten und es nervt ihn tierisch dass ihn keiner versteht.
Seine Geschwister erzählen dauernd von denen ihrer Freunde die immer alles können aber ihr kleiner Bruder noch nicht.
Seinem Papa scheint alles egal zu sein, er war selbst wegen einer Dyslexie auf einer Sonderschule, es scheint für ihn wohl alles normal zu sein. Nur kenne ich das alles von keinem anderen mir bekannten Kind und mache mir mittlerweile Sorgen....

Sorry für das halbe Buch, bin kein Kind kurzer Worte 😅, hoffentlich werde ich deswegen nicht ignoriert 🥺. Freue mich auf gutes Zureden weil ich mich vielleicht in etwas hineinsteigere oder eventuelle Hinweise weil es vielleicht bekannt vorkommt ☺️

melly210
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von melly210 »

Hallo :-) Daß du dir Sorgen machst ist verständlich, aber sieh es so: er ist noch sehr jung, wo die Reise hingeht kann dir niemand sagen, auch keine Spezialisten. Maximal eine Tendenz. Ihr unternehmt jetzt was um ihn gut zu fördern, und das ist auch wichtig und richtig. Logo ist nachdem er ja bis auf wenige Worte nonverbal ist sicher sinnvoll. Er kann dort u.a. auch lernen sich mittels Bildkarten und Gebärden auszudrücken. Das steht dem Sprachgebrauch auch nicht im Weg, sondern unterstützt ihn. Er ist ja kein Baby mehr, klar möchte er seine Wünsche, Bedürfnisse und Ideen ausdrücken.
Seid wählerisch bei den Therapeuten, leider gibt es da oft große Qualitätsunterschiede.

Jule5Michel
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Jule5Michel »

Hallo, dankeschön für diese zusprechende Reaktion. Woher weiß man denn wer die guten sind? Ich bin mir nicht sicher ob ich mich auf Bewertungen im Internet verlassen möchte...
Ist so ein nicht verstehen sprachlicher Natur oder geistig?
Und was hat es damit auf sich wenn keiner ihn mehr anrühren darf wenn er Fieber hat? Seit ein paar Tagen ist das morgens so, und nach einer Weile, halbe Stunde ungefähr, ist alles wieder gut. Ich verstehe es nicht...

Sheila0505
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Sheila0505 »

Hallo Juliane, was mir bei deinen Erzählungen und Infos sofort ins Auge stach, war deine Beschreibung, wieviel er gestikuliert und anschließend enttäuscht ist, wenn er daraufhin noch immer nicht verstanden wird.

Das ist selbstverständlich total frustierend für ihn, denn er möchte sich ja offenbar mitteilen, nur kann er es halt nicht besser. Wenn er reden könnte, dann würde er es sicherlich tun. Denn Worte sind - wenn man denn sprechen kann - das einfachste und bequemste Kommunikationsmittel des Menschens.

Das Gestikulieren hat er bereits für sich entdeckt, daher würde ich genau da ansetzen und ihn unterstützen. Wir hatten in etwa dem selben Alter gemeinsam mit unserem Kleinen mit GuK (Gebärden-unterstützte-Kommunikation) angefangen. Wenn jeder Kommunikationsversuch in Frust endet, ist es nun mal demotivierend für das Kind. Die Freude an Kommunikationsversuchen sollte aber unbedingt aufrecht erhalten und unterstützt werden.
Daher wäre es mir an deiner Stelle in erster Linie wichtig, eine Logo zu finden, welche sich mit UK auskennt und hier behilflich sein kann.
Bspl. GuK: Der Wortschatz ist begrenzt und basiert auf Vokabeln (entwickelt wurde es m.W. für DS Kinder) welche im Kleinkindalter große Bedeutung finden. Es wäre also eher nichts für Kinder, welche langfristig Gebärden mit wachsendem Wortschatz benötigen. Es ersetzt also in keinster Weise eine Gebärdensprache, GuK unterstützt die Sprachentwicklung lediglich mit festen, einheitlichen Handzeichen (Gebärden).

So kann es wirklich ein Segen sein, wenn das Kind z.B. sehr frustiert etwas sucht oder haben möchte und nicht äußern kann was es möchte. Mit gebärdenunterstützter Kommunikation kann das Kind dann z.B. sich selber aushelfen, indem es z.B. die Farbe (blau/grün/rot/usw.) gebärdet und dann bspw "Baustein".
Oder das Tier "Hase/Bär/Löwe/usw" und dann "Buch/Lesen".

Seien es banale Sachen wie bspw Essenwünsche.
"Schokolade" + "Milch" = Kaba/Schokomilch
"Käse/Wurst" + "Brot" = Käsebrot/Wurstbrot usw.

Auch könntest du mal schauen, ob dein Sohn nicht schon bestimmte Gestiken für bestimmte Sachen nutzt. Diese würde ich dann auf jeden Fall beibehalten und festigen.

Ansonsten finde ich es sehr schwierig einen einen Tipp zu geben (Therapie), weil letztendlich sollte sich jemand vom Fach dein Kind anschauen und einschätzen, welcher Ansatz für euch gut wäre.
Aber dass es per se zu früh ist, ist Quatsch. UK könnte euch defintiv helfen und auch gibt es schließlich explizit logopädische Unterstützung für Wortschatzaufbau bei LateTalkern. Einige Late Talker benötigen auch eine direkte Sprachtherapie. Insbesondere dann, wenn ein LT Kind im Alter von 2 Jahren ein wenig ausgereiftes Spielverhalten zeigt oder einen geringen passiven Wortschatz aufweist. (Bspl wären zum Beispiel Late-Talker-Therapiekonzept nach Schlesiger oder das Konzept nach Zollinger).

VED (Verbale Entwicklungsdyspraxie) rückt glücklicherweise auch immer mehr in das Bewusstsein logopädoscher Praxen. Darüber würde ich an deiner Stelle mal ein bisschen Lesen, einfach damit du das schon mal gehört hast und ein bisschen was dazu weißt. Noch vor 2-3 Jahren gab es bei uns (Kleinstadt) zum Beispiel nur eine einzige Praxis welche auf VED spezialiert war, heute sind es bereits mindestens 2 Praxen.

Auch gäbe es Elterntrainings zur frühen Sprachförderung, welche auch Elternanleitung beinhalten (siehe bspw das Heidelberger Elterntraining).

Unser Kleiner hatte auch große Schwierigkeiten mit dem Wörter bilden. Erst mit 3 3/4 ging es in großen Sprüngen voran und heute mit 4 3/4 J kann er sich super gut mitteilen. Lediglich die Aussprache ist aktuell Grund zur Logo zu gehen. Wobei unsere Logopädin ihn jetzt demnächst an eine Kollegin abgeben möchte, weil sie schwerere Fälle behandelt und begleitet und unser Kind heute nicht mehr dazu gehört. Für uns ist das auch ein symbolischer Meilenstein, weil der Therapeutenwechsel nun mal den guten Verlauf bei unserem Kind unterstreicht und untermauert. Wir freuen uns sehr und hoffen, dass es so gut weitergeht.


Ich würde an deiner Stelle am Ball bleiben und ihnauf jeden Fall in Punkto "Gestikulieren" unterstützen, sodass er hier ein paar Erfolgserlebnisse verbuchen kann.

Liebe Grüße, Sheila

Jule5Michel
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Jule5Michel »

Hallo Sheila0505, na das hilft doch schon mal super weiter. Gehört hab ich davon noch nie. Dankeschön :) Außer dass er auf etwas zeigt scheint kein konkretes Zeichen dabei zu sein. Erwachsenen gegenüber drückt er sich auch grundsätzlich schreiend und kreischend aus wenn er etwas will oder ihm nicht gefällt (und das ist sehr oft, in der Straßenbahn halten sich immer alle die Ohren zu weil er so schrill und laut ist), mit Kindern quatscht er in seiner Sprache.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Juliane,

du hast gefragt, wie Du die guten Therapeuten erkennst:
Ein gutes Therapieangebot erkennst du daran,
- dass das Kind grundsätzlich gerne hingeht,
- dass du auf Augenhöhe mit eingebunden wirst,
- dass individuell aufs Kind eingegangen wird, also keine Platitüden und Pauschallösungen, sondern individuell aufs Kind zugeschnittene Lösungen aus dem „methodischen Werkzeugkasten“
- dass transparent wird, was und wie da gelernt wird,
- dass auch tatsächlich sichtbare (wenn auch oft scheinbar kleine) Erfolge sichtbar sind.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

melly210
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von melly210 »

Bezüglich Therapeuten hat Engrid ja schon ein paar Punkte aufgelistet :-) Ergänzen möchte ich: schau dir an welche Therapiekonzepte für deinen Sohn passen könnten und ob die jeweilgen Therapeuten sich damit auskennen. In eurem Fall bei der Logo jetzt zb gebärdenunterstützte Ansätze, welche mit Visualisierungen (Bildkarten) und welche die auf verbale Entwicklungsdyspraxie abzielen.

Woran das nicht verstehen liegt kann unterschiedlich sein. Kognitive Verzögerungen können natürlich ein Grund sein, aber auch zb auditive Wahrnehmungsstörungen und Autismus.

Jule5Michel
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Jule5Michel »

Tja, also gerade bei der Kinderärztin hieß es er läuft eben doch nicht gut, er rollt die Füsse nicht. Dachte das wäre in dem Alter normal. Während der Wartezeit dort hatte er auch komische Zuckungen die ich vorher noch nie bei ihm gesehen hatte. Jetzt haben wir wieder eine Überweisung für's SPZ...

Sandra9902
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

zu dem Laufen kann ich dir sagen, dass meinedamals entwicklungsverzögerte Tochter bis sie ca 7Jahre alt war, ihre Füße nicht abgerollt hat, es sah immer ein wenig nach watschelnder Ente aus.
Gut aber, das die Ärztin so aufmerksam ist!
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

Jule5Michel
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Re: Juliane mit kleinem entwicklungsverzögertem Michel (bald 2,5Jahre)

Beitrag von Jule5Michel »

Hallo Sandra, ja genau wie eine kleine Watschelente. Es ist bei meinen 3 Großen irgendwie so lange her dass ich nicht mehr alles weiß, aber in dem Alter sehen Kinder für mich eigentlich immer tollpatschig aus also war das für mich normal...

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