Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

Moderator: Moderatorengruppe

Tatjana Ostrava
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 10
Registriert: 23.10.2017, 16:40

Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Tatjana Ostrava »

Hallo,
nach langem Mitlesen, habe ich mich entschlossen, uns auch vorzustellen. Unser Sohn heißt Arthur und ist gerade 6 Jahre alt geworden. Arthur hat bis jetzt keine richtige Diagnose. Er wurde jetzt ein Jahr in der Autismusambulanz untersucht. Das Ergebnis ist, dass er autistische Züge hat, aber auch zu viele Kompetenzen :roll: Für eine Diagnose würde es nicht reichen, obwohl er in allen Tests über dem Cutoff liegt. Wenn es wieder schlimmer werden sollte, sollen wir uns wieder vorstellen. Die Frühförderung hat ihn deshalb für das Patientengespräch mit der Autismusambulanz vorgesehen und wir müssen jetzt "Beweise" sammeln. Als Verdachtsdiagnose bleibt ADHS, als gesicherte Diagnose ist globale Entwicklungsverzögerung und Sprachentwicklungsverzögerung. Arthur ist Integrationskind im Kindergarten und erhält Frühförderung (diese Zweifachförderung ist bei uns in Sachsen die Ausnahme). Über die Integration erhält er auch Logopädie im Kindergarten. Außerdem hat er den Pflegegrad 2. Unsere nächste Hürde ist die Einschulung. Wir haben jetzt drei Schulen im Blick: Die Regelschule mit Integrationsassistenz, eine private Förderschule Schwerpunkt sozial-emotional und die Sprachheilschule. Arthur ist eigentlich ein fröhlicher Junge, geht zum Fußballtraining, aber spielt viel für sich (alles was ein Kabel hat) und beharrt auf seinen Regelmäßigkeiten.
Liebe Grüße
Tatjana
großer Sohnemann geb. 2007 mit Verdacht auf ADHS
kleiner Sohnemann geb. 2013 mit Verdacht auf Atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung

Talina
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 9
Registriert: 13.09.2019, 12:19
Wohnort: Klein-Gerau

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Talina »

Hallo,
darf ich fragen in wie fern sich die Autistischen Züge bemerkbar machen? Seit ihr von euch selbst an die Autismusambulanz gegangen und musstet ihr selber zahlen?

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14876
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo Tatjana,

herzlich willkommen im Forum!
Ich hoffe, Ihr findet bald mehr Klarheit.

Darf ich fragen, was die Kompetenzen sind, die gegen die ASS-Diagnose sprechen?

Ansonsten scheint mir, Ihr seid schon ganz gut sortiert und auch therapeutisch gut aufgestellt, das ist gut :-)

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

MaryMaus
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 4
Registriert: 28.03.2019, 16:22

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von MaryMaus »

Meiner wurde auf mein Wunsch und nach Schularztuntersuchungund extra Umzug in eine Förderschule eingeschult worden mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung ....

Annileinchen
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 864
Registriert: 16.07.2017, 15:31

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Annileinchen »

Tatjana Ostrava hat geschrieben:
18.10.2019, 15:15
, aber spielt viel für sich (alles was ein Kabel hat) und beharrt auf seinen Regelmäßigkeiten.
Das klingt schon sehr nach Autismus. Oft sind Diagnosen falsch. Ich würde daher vorsichtshalber eine Zweitmeinung einholen.

Tatjana Ostrava
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 10
Registriert: 23.10.2017, 16:40

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Tatjana Ostrava »

Hallo Talina, Engrid, MaryMaus und Annileinchen,

vielen Dank für eure liebe Aufnahme ins Forum. Hier zu euren Fragen:

Arthur ist eigentlich seit seiner Geburt auffällig. Er ist dem Kinderarzt schon bei der U3 aufgefallen, weil er so phlegmatisch und hypoton war. Daraufhin sind wir ein Jahr zur Vojta/Bobath-Therapie zur Lebenshilfe gegangen. Dann war ein Jahr Ruhe, aber ab dem 2. Lebensjahr haben die Erzieherinnen uns gedrängt zu schauen, was ihm los sei. Er hat sehr spät angefangen zu sprechen, gewöhnte sich schwer an Abläufe (besonders die Übergänge) und beschäftigte sich gern mit außergewöhnlichen Dingen (Wasser im Bad laufen lassen, Spielzeug-Feuerwehrschlauch betrachten usw.). Als dann der Check beim HNO und Logopäden nichts brachte, hat uns der Kinderarzt zur Frühförderung überwiesen. Die Therapeutin hat dann nach einem Jahr Arbeit vorgeschlagen, dass wir Arthur in der Autismusambulanz vorstellen. In Dresden darf man nicht einfach selbst einen Termin machen, sondern muss von einem Psychologen oder eben einer Frühförderstelle vorgeschlagen werden. Wir haben für die ca. 10 Termine nichts bezahlen müssen. Ich habe jetzt mal die Rechnung in der Patientenquittung der Krankenkasse gesehen - es waren ca. 3.000 €!
Was sind seine autistischen Züge? Es fängt an mit der Sprache - inzwischen spricht er sehr gut, aber eben über seine Interessen, ohne auf die Antwort oder Interessen seines Gegenübers zu achten. Er versteht keine Redewendungen, Sarkasmus oder Koseworte. "Ich bin kein kleiner Junge, ich bin Arthur!". Er hat wenig Manierismen, das wurde "bemängelt", aber er wackelt sehr gern mit Spielzeug durch die Gegend, schaukelt mal mit dem Oberkörper. Regelmäßig am Sonnabend hat er seinen Zusammenbruch - da reicht ein kleiner Auslöser, das sein Bruder etwas komisch gesagt hat - und dann wird er aggressiv, schmeißt mit Sachen, beißt seinen Bruder, kickt alle. Neuerdings schlägt er sich dann selbst. Das passiert auch manchmal, wenn wir draußen sind und dann müssen wir ihn mit Aufgaben wieder nach Hause locken. Wir spielen dann seine Videospiele in "echt" nach und das hilft ihm die Distanz bis nach Hause zu überwinden.
Also Kompetenz wurde gelobt, dass er seine Interessen mit anderen teilen möchte. Egal, wer zu uns kommt, Putzfrau oder Bekannte, werden zu seinem Thema "vollgetextet". Außerdem hätte er gute Strategien, Kontakt aufzubauen. Ich finde das manchmal nicht so als "gute Strategie" , weil er wildfremde Menschen grüßt, egal wo wir sind (auch im Ausland - natürlich auf deutsch). Und nicht zuletzt entwickelt er für alles Regeln und Rituale - wo wer sitzt, wann wir etwas essen, dass man nach der Vorschule nicht mehr in den Kindergarten gehen kann (er war ja schon in der Schule). Momentan ist meine größte Baustelle sein Schlaf. Er geht erst mit mir schlafen oder schläft im Wohnzimmer ein. Er verfolgt mich die ganze Nacht von einem Bett ins nächste, weil er mit mir kuscheln möchte. Im Ehebett können wir aber nicht zu dritt schlafen, weil mein Mann schon eine Schlafstörung entwickelt hat. Also habe ich mir "übergangsweise" eine Matte in sein Zimmer gelegt. Wenn da einer ein gutes logisches Argument für meinen Sohn hat, warum Kinder ab sechs die ganze Nacht allein in ihrem Bett schlafen - ich würde mich freuen.

Morgen haben wir ein Schnupperbesuch in der Förderschule mit Schwerpunkt sozial-emotional/Lernen. Mal sehen, ob er da rein passt.

Liebe Grüße
Tatjana
großer Sohnemann geb. 2007 mit Verdacht auf ADHS
kleiner Sohnemann geb. 2013 mit Verdacht auf Atypischen Autismus, ADHS und Entwicklungsstörung

melly210
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 845
Registriert: 19.02.2018, 20:07

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von melly210 »

Tatjana Ostrava hat geschrieben:
18.11.2019, 16:30
. Wenn da einer ein gutes logisches Argument für meinen Sohn hat, warum Kinder ab sechs die ganze Nacht allein in ihrem Bett schlafen - ich würde mich freuen.


Liebe Grüße
Tatjana
Vielleicht daß Kinder wenn sie in die Schule gehen auch alleine in ihren Betten schlafen, weil sie dann eben schon zu groß sind um immer bei der Mama zu liegen, genau wie sie dann schon für den Kindergarten zu groß sind ?
Söhnchen (02/2015) mit motorischer Dyspraxie und Wahrnehmungsstörungen

Claudia33
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 286
Registriert: 05.11.2007, 22:43
Wohnort: NRW

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Claudia33 »

Hallo Tatjana,

hat dein Sohn optische Auffälligkeiten irgendeiner Art, z.B. große Ohren oder abstehende Ohren oder eine großen/kleinen Kopfumfang o.ä.?

Manche der von Dir geschilderten Sachen erinnern mich schon ein wenig an meinen Kleinen; wir sind mit dem Gendefekt Fragiles X-Syndrom "gesegnet". Ist schon mal in die genetische Ecke geschaut worden? Die Übergänge waren auch immer ganz schwierig, am besten bespricht man, was als nächstes kommt, aber auch nicht zu früh, denn dann kann man sich zu viele Gedanken machen, wird hibbelig, weil man ja oft gar nicht weiß, was kommt...
Die Sprachentwicklung war bei uns auch sehr spät, wenn er will, spricht er heute ganz gut (ist mittlerweile aber auch schon 10), wenn er nicht will, dann ist die Aussprache sehr verschwommen und man muss immer wieder nachfragen, was ihn dann natürlich auch nervt. Redewendungen, Ironie, Sarkasmus, z.T. Witze, ich glaube, das alles wird er nie so ganz verstehen.

Ist nur so eine Idee, muss gar nix heißen, beim FraX (www.frax.de)kommen ganz viele Auffälligkeiten zusammen, die andere "Erkrankungen" auch haben.

Lieben Gruß,
Claudia
J. & Claudia mit zwei FraX-Jungs
*03/06 CP, Tetraspastik, spricht nicht, Rollstuhlfahrer und *06/09

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14876
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo,
Momentan ist meine größte Baustelle sein Schlaf. Er geht erst mit mir schlafen oder schläft im Wohnzimmer ein. Er verfolgt mich die ganze Nacht von einem Bett ins nächste, weil er mit mir kuscheln möchte. Im Ehebett können wir aber nicht zu dritt schlafen, weil mein Mann schon eine Schlafstörung entwickelt hat. Also habe ich mir "übergangsweise" eine Matte in sein Zimmer gelegt. Wenn da einer ein gutes logisches Argument für meinen Sohn hat, warum Kinder ab sechs die ganze Nacht allein in ihrem Bett schlafen - ich würde mich freuen.
Wenn das ein Bedürfnis für Deinen Sohn ist, wirst Du dem mit Logik nicht bekommen. :wink:
Leg Dir eine gescheite Matratze statt der Matte hin, und richte Dich gemütlich ein. :wink: Er wächst irgendwann raus aus diesem Bedürfnis.
Wenn es dann kein Bedürfnis mehr ist, sondern nur noch Gewohnheit, wird er es selber beenden, oder er ist DANN eben offen für Logik. :P

Ein guter Tipp, den ich mal bekommen und erfolgreich umgesetzt habe: Junior hat ein Stillkissen im Bett. Das Kissen fühlt sich sehr beschützend an, ähnlich fest wie zb Mamas Rücken. War nicht durchschlagend, aber schon hilfreich.

Bei uns hat sich das alles eeeeeewig gezogen, aber insgesamt bewährt, dem Kind seine Zeit zu geben.


Übergänge waren bei uns übrigens immer das Schlimmste, und sind heute noch schwer für Junior. Mein passendes Bild dazu ist unser alter PC, der Schwierigkeiten hat, eine neue große Datei hochzuladen, und dabei manchmal auch abstürzt. In einem Buch über Autismus (das ansonsten nicht sonderlich empfehlenswert ist) fand ich das mal beschrieben, der Junge ist sogar ausgeflippt, wenn die Landschaft von Wald auf offenes Feld gewechselt hat ...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sophie-11
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 221
Registriert: 11.02.2019, 17:04

Re: Tatjana mit Arthur (globale Entwicklungsverzögerung, autistische Züge)

Beitrag von Sophie-11 »

Hallo,

ich finde die Ausschlussgründe für Autismus auch nicht überzeugend. Natürlich bin ich kein Profi, aber habe mich doch schon sehr mit der Thematik auseinandergesetzt. Und dabei wurde auch oft als Charakteristikum für Autismus genannt, dass sie andere Menschen, z.T. auch völlig Fremde, stundenlang mit Monologen über ihre Spezialthemen zutexten können. Von daher finde ich die Argumentation "er möchte seine Interessen mit anderen teilen, diese Kompetenz spricht gegen Autismus" fragwürdig. So wie Du sein Verhalten beschreibst, geht es ihm nicht um Teilen, sondern einfach darum, das, was in seinem Kopf gerade im Vordergrund steht, loszuwerden, egal bei wem und wie derjenige es aufnimmt. Teilen würde doch Dialog bedeuten.

Auch fehlende Stereotypien sind kein Ausschlussgrund. Unser Autist hat jetzt gar keine Stereotypien mehr und hat auch im Alter Deines Sohnes kaum welche gezeigt, allenfalls gelegentlich Wiederholungen beim Sprechen oder Singen immer wieder desselben Liedabschnitts.

Das hier wundert mich etwas:
Für eine Diagnose würde es nicht reichen, obwohl er in allen Tests über dem Cutoff liegt.
Was soll denn noch fehlen für die Diagnose? Bei uns im SPZ haben sie die Diagnosevergabe auch herausgezögert mit der Begründung, der Leidensdruck sei noch nicht hoch genug; mein Mann tat sich auch schwer damit und befürwortete das Abwarten. Mit dem Wissen von heute würde ich auf eine frühzeitige Diagnosevergabe drängen, nur so kommt man an passende Hilfen, und diese Hilfen zu bekommen dauert! Sonst steht man am Ende ohne Hilfe da, wenn es "brennt".

Wenn jetzt schon alle Werte über dem Cut-Off liegen, nutzt Abwarten mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nichts, denn Autismus verwächst sich nicht.

Was das Schlafen angeht, mal ganz ketzerisch gefragt: Warum soll ein Kind alleine schlafen müssen? Wer von uns Erwachsenen schläft denn gerne alleine?

LG!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

Antworten

Zurück zu „Vorstellungsrunde“