Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Marialenau
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Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Beitragvon Marialenau » 08.10.2019, 15:43

Hallo,

hat jemand von euch Erfahrungen mit Verhaltenstherapien? Mein Kind (8) hat viele Probleme, ist in der Schule bockig, verweigert, ärgert andere Kinder, ist unkooperativ, frech, provoziert, flucht, beschimpft Kinder und Erwachsene und steht sich 99 Prozent der Zeit selbst im Weg. Er hat dadurch kaum Freunde. Er hat durch seine Behinderung auch kaum Selbstbewusstsein, ich sage ihm täglich, wie großartig er ist und was er alles kann aber er leidet. Er ist nicht doof, kann laufen, normal sprechen, lesen, allerdings kann keiner einschätzen, auf welchem kognitiven Level er ist. Er soll jetzt auch einen IQ-Test machen da er vermutlich eine LB hat.
Uns wurde eine Verhaltenstherapie empfohlen.
Die Sache ist nur, dass ich mich durch seine Behinderung - er hatte einen vorgeburtlichen Schlaganfall - nicht sicher bin, inwieweit er eine Verhaltenstherapie kognitiv versteht. Was bringt eine Therapie, wenn er sie nicht erfassen kann? Versteht ihr, was ich meine? Er soll ja eine positive Veränderung bewirken.

Über Erfahrungen und Tipps bin ich sehr dankbar.

Liebe Grüße

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Anjali
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Re: Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Beitragvon Anjali » 08.10.2019, 16:17

Hallo,

gerade bei einer Verhaltenstherapien spielt das kognitive Verstehen eine untergeordnete Rolle, würde ich nach eigener Erfahrung sagen.

Dabei kommt es sicher auch auf die Art der Verhaltenstherapie bzw. das Konzept der jeweiligen Therapeuten/Therapie an.
Verhaltenstherapie ist nicht gleich Verhaltenstherapie. Insofern haben unsere individuellen Erfahrungen wahrscheinlich nur bedingte Aussagekraft.
Deshalb würde ich die offenen Fragen am besten mit den potentiellen Therapeuten klären oder ggf. mit der Stelle, die die Therapie empfohlen hatte.

Bei Kindern würde ich persönlich zweigleisig fahren und nicht nur das Kind therapieren, sondern möglichst auch das (familiäre) Umfeld im Umgang mit dem als problematisch empfundenen Verhalten coachen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Beitragvon LenchensMom » 08.10.2019, 20:48

Hallo,

kennst du Triple P Stepping Stones? Das ist ein Erziehungsprogramm speziell für Kinder mit geistigen Behinderungen.

Vielleicht gibt es da ja bei euch in der Nähe einen Berater, mit dem du mal sprechen kannst.

LG,
Sanne
Sanne *1978
Papa *1971
Lenchen * Juli 2013 (entwicklungsverzögert wegen pränatalem Schlaganfall oder Anämie, strukturelle Epi, die süßeste Maus überhaupt)
kleine Schwester * Juli 2015, ganz fit
Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... enchensmom

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Beitragvon Engrid » 09.10.2019, 02:31

Hallo Maria,



ich bin ganz bei Anja. Eine Verhaltenstherapie ist schon das richtige, allerdings gibt es leider nur sehr wenige Verhaltenstherapeuten, die mit geistig deutlich eingeschränkten Kindern arbeiten.

Unsere Verhaltenstherapie war nur mäßig erfolgreich, wohl auch, weil Junior dort unterschätzt wurde (wegen seiner geistigen Einschränkung). Da fehlte vielleicht auch die Erfahrung ...



Danach hatte ich mir eine ausgezeichnete Ergotherapeutin gesucht, die arbeitet natürlich auch mit grundsätzlichem „Werkzeug“ aus der Verhaltenstherapie, hat als Ergo dann aber nochmal einen anderen, in unserem Fall sehr breiten Ansatz. Da hat Junior sehr sehr viel gelernt, zb in der Handlungsplanung, Selbstwirksamkeit, hat Blockaden abgebaut, Umgang mit Emotionen verbessert, ...





Vielleicht hilft aber auch der pädagogische Ansatz.

Es gibt ein tolles Buch, das sich mit herausforderndem Verhalten befasst, von Castaneda/Fröhlich/Waigand: (k)ein Problem im Umgang mit herausforderndem Verhalten.

https://www.ukcouch.com/k-eine-alternative-haben/



Grüße
Engrid
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Re: Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Beitragvon Anjali » 09.10.2019, 07:23

...noch ein ergänzender Tip:

Was das Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und die Interaktion mit anderen Kindern angeht, hat mein Sohn gute Erfahrungen in einer (von einer Motopädin geführten) Psychomotorikgruppe sammeln können.

Vielleicht wäre dies auch eine zusätzliche Option für euch.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verhaltenstherapie bei Schlaganfall-Kind?

Beitragvon Marialenau » 09.10.2019, 10:55

Hallo,



vielen Dank für eure Antworten!



@Anja: Den Psychomotorik-Kurs haben wir einige Jahre gemacht, er wurde aber nur für Kinder bis 8 angeboten...seit den Sommerferien ist leider Schluss damit.



@Anja/Engrid: Welche Art der Verhaltenstherapie habt ihr denn gemacht und wo habt ihr einen Therapeuten gefunden? Über das SPZ? Oder alle abtelefoniert?



@Sanne: ich habe Triple P gegoogelt und bin begeistert. Wieso hat mir das SPZ nie davon erzählt? Ist es mit 8 Jahre zu spät damit? Bei meinem Sohn haben sich einge Verhaltensmuster sicher manifestiert.



LG!

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Beitragvon Engrid » 09.10.2019, 15:36

Hallo Maria,



ich habe lange gesucht nach einem Therapieplatz für autistische Kinder (in Oberbayern gibt nicht, wie sonst überall, Autismustherapiezentren). Ich habe andere Eltern gelöchert, unsere Fachärztin, und Leute vom Verband gefragt, und irgendwann bin ich nach langer Suche auf diese Praxis gestoßen. Sie haben uns dort genommen, aber hatten zwar relativ viel Erfahrung mit Aspergerkindern, kaum oder keine Erfahrung aber mit geistig Behinderten.

Die Kostenübernahme war auch nicht ganz einfach, weil die Kassen ganz hinterwäldlerisch grundsätzlich annehmen, dass bei geistiger Behinderung alles eh vergebliche Liebesmüh sei :evil:

Ich würde mal zb bei der Lebenshilfe nachfragen, ob sie jemanden wissen, und vielleicht auch tatsächlich über die Homepages von Therapeutenpraxen suchen, und über den jeweiligen Therapeutenverband (die haben manchmal online Suchmöglichkeiten).



Bzw ich würde trotzdem eher oder mindestens parallel über Ergotherapie und/oder Heilpädagogik (vielleicht kommt sogar eine HP ins Haus?) gehen. Auch hier suche ich auf die gleiche Art wie oben beschrieben.



Meine Erfahrung: es kommt gar nicht so sehr drauf an, welchem der angesprochenen Berufe jemand angehört, sondern mehr darauf, wie gut der/die einzelne ist.



Ach ja, das war bei uns eine klassische Verhaltenstherapie, also zb ganz viel am Tisch - das war schon mal ungünstig...



Grüße
Engrid
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Beitragvon Engrid » 09.10.2019, 15:48

Ach ja, das war bei uns eine klassische Verhaltenstherapie, also zb ganz viel am Tisch - das war schon mal ungünstig... gut war: klare Struktur, viel Visualisierung, gute Elternarbeit, ... Er hat schon was gelernt da, aber nichts Bahnbrechendes, und überhaupt kein Vergleich zur Ergo.

Eine systemische Familientherapie finde ich auch sehr gut, ist mir hier aber keine bekannt, die auf Juniors Spezialitäten passt.
Engrid
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