verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Stefan M.
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verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon Stefan M. » 30.09.2019, 17:36

Hallo, liebe Mitstreiter- innen,

die Schulzeit unseres schwer mehrfachbehinderten Sohnes endet im nächsten Sommer und wir sind auf Förderstätten- und Wohnheimsuche im Bereich Augsburg München/Südbayern.

Jetzt habe ich schon alle möglichen Listen mit Einrichtungen in Bay/BaWü abtelefoniert, maximal wird einem ein Platz auf einer Warteliste versprochen.

Wie sind denn Eure Erfahrungen ?

Habt Ihr auch so Schwierigkeiten, Einrichtungen für Eure erwachsenen Kinder zu finden ?

Ich bin schon langsam verzweifelt.

VG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.09.2019, 21:15

Hallo Stefan,

ist Euch denn die Schule da keine Hilfe? Ich dachte, die Schulen machen da Informationsveranstaltungen usw?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon Rita2 » 30.09.2019, 21:51

Hallo,

auch bei uns in der Gegend ist das Problem, daß es zu wenig freie Plätze im Förder- und Betreuungsbereich gibt. Im Berufsbildungsbereich und im Arbeitsbereich gibt es genug Plätze.
Teilweise hat unsere G-Schule die entsprechenden Schüler nochmals ein Jahr in der Schule behalten, bis doch irgendwo ein Platz gefunden wurde.
Unsere Werkstatt für Behinderte wird jetzt umgebaut. Da unser Sohn da nicht hingeht kann ich nur vermuten. Aber ich denke es geht darum mehr Plätze im Förder- und Betreuungsbereich zu schaffen.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon IlonaN » 01.10.2019, 07:58

Hallo,
also einen Werkstattplatz zu finden war nicht das Problem hier, aber auf den Platz zum Wohnen waren wir 2,5 Jahre angemeldet und waren auch sehr "aufdringlich". Wir hatten allerdings auch eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten. Es sollte Werkstattnah und Autismusgerecht sein.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Stefan M.
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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon Stefan M. » 01.10.2019, 09:29

Hallo,

nein, die Schule ist da wenig Hilfe. Man muss schon selber suchen. Man steht buchstäblich alleine da.

marianne
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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon marianne » 01.10.2019, 10:45

Hallo Stefan, du hast sicherlich schon in München bei der Lebenshilfe angefragt, oder? Nicht, dass dort Wohnplätze einfach zu bekommen sind und über die Förderstättenplätze weiß ich leider zu wenig, aber die Lebenshilfe ist ein großer Träger hier mit vielen Einrichtungen.
Vor allem ist deren Angehörigenberatung super und kennt sich so gut aus, dass sie dir bestimmt gute Tipps geben kann, was es so alles bei der Lebenshilfe und über diese hinaus gibt. An deiner Stelle würde ich mich von der Angehörigenberatung dort auf jeden Fall beraten lassen.

Janoschs Schule hat während Janoschs Berufsstufenjahren an seiner Förderschule für geistige Entwicklung gemeinsame Infobesuche in verschiedenen Werkstätten, jährlich ein Schnupper-Praktikum in einer Werkstatt (immer derselben nächstliegenden), und Berufsberatertermine organisiert.
Aber für die konkreten Interessen und die konkrete berufliche Zukunft der einzelnen SchülerInnen Praktika, eine passende Werkstatt nach der Schule zu finden (im Bereich Wohnen erst recht), waren wir Eltern selber zuständig, die Lehrerinnen aber sehr unterstützend. Jedoch nicht als Wegbereiterinnen, da ist viel Eigeninitiative gefragt.

Auch, was die ganzen gesetzlichen Änderungen mit Volljährigkeit, Wohnen und Beruf wie auch die Rechte, Pflichten, Hürden und Fallen und Möglichkeiten im Berufsbereich für behinderte Menschen betrifft, da war so einiges von Schulseite lückenhaft und vor allem alles abhängig vom Engagement der Eltern selbst und da war mein Gedanke, vieles sei doch ein Selbstgänger, total falsch.

Wird im Punkt Wohnen nicht anders sein, denke ich mir. Unser Sohn wohnt daheim, deshalb weiß ich das nicht.

Deshalb empfehle ich allen Eltern mit kids in der Berufsschulstufe, schon früh genug sich Referenten zu diesen Themen vom Elternbeirat einladen zu lassen. Auch hier kann ich für den Münchner Bereich nur wärmstens die hoch kompetenten und erfahrenen Frauen der Angehörigenberatung der Lebenshilfe empfehlen.

Ich hoffe, für euch findet sich bald ein Förderstättenplatz sowie ein Wohnplatz!

Liebe Grüße! Marianne
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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Stefan M.
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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon Stefan M. » 01.10.2019, 14:32

Hallo Marianne, Danke für deinen ausführlichen Beitrag. Lebenshilfe ist immer so eine Sache, weil wir Wohnheim- und Förderstättenplatz kombiniert benötigen. Unser Sohn kann aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr daheim betreut werden. Wir und besonders seine Mama haben das 18 Jahre gemacht , vieles aufgegeben und auch gesundheitliche Probleme bekommen.

Zur Zeit ist er gottseidank in einem Schülerwohnheim untergebracht und muss nach der Schulzeit raus.

Dies wäre nächsten Sommer.

Trotzdem frage ich mal bei der Lebenshilfe München nach.

marianne
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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon marianne » 01.10.2019, 23:20

Hallo Stefan, ich wünsche euch, dass ihr da weiterkommt. Dass ihr nach 18 Jahren ausgebrannt seid, das kann ich mir denken. Und ein erwachsener mehrfach schwer behinderter junger Mann ist ja in der Pflege und Betreuung für Eltern zu anstrengend, das muss sich auf mehrere fachliche Schultern verteilen und zusammen mit anderen MitbewohnerInnen bekommt er dann auch neue Eindrücke, die man als Eltern nicht dauernd bieten kann.
Ich habe auch gesundheitlich etliche Federn gelassen in den ersten 11 wirklich harten Jahren mit Janosch. Mittlerweile wohnen wir friedlich zusammen, Janosch ist viel umgänglicher und selbständiger geworden und wir mögen es alle so und es passt gut. Hätte mir das einer früher gesagt, hätte ich es nicht geglaubt. Wäre Janosch noch so betreuungsintensiv, würden wir Eltern sicherlich eine ähnliche Entscheidung wie ihr treffen. Völlig klar und für alle sicherlich das Richtige.

Ich weiß, dass die Lebenshilfe München Standorte hat mit Wohnheim, Werkstätte und Förderstätte an einem Platz, einen kenne ich auch, Von daher könntet ihr Glück haben und selbst auf der Warteliste bei einem großen Träger eher aufrücken als bei kleinen. Natürlich nur als eine Idee, ihr schaut euch ja überall um.

Gibt es das auch, dass das Wohnheim bei einem anderen Träger genommen wird als Werkstätte oder Förderstätte, wenn der Träger das alles anbietet? Ein Freund von Janosch ist gerade in ein Wohnheim eingezogen und hat damit auch automatisch die Werkstätte gewechselt zum Wohnheimträger.

Bis nächsten Sommer habt ihr zum Glück noch Zeit, aber ich weiß, das ist nichts bei solch einer Suche. Viel Kraft und Erfolg!

Liebe Grüße! maya
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon monerl » 02.10.2019, 19:47

Hallo Stefan,

leider ist es so, das es viel zu wenig Einrichtungen mit FUB gibt. Durch eine Bekannte aus Bayern ist mir Ursberg bekannt.
hast du auch schon mal nachgefragt?

Kontakt
Dominikus-Ringeisen-Werk
Klosterhof 2
86513 Ursberg

Telefon: 08281/92-0
Fax: 08281/92-1000
info[a]drw.de
http://www.dominikus-ringeisen-werk.de

Anfrage- und Aufnahmekoordination

oder in Biberach-Maselheim

Heggbacher Einrichtungen , Verbände in Maselheim
Domain web2.cylex.de/firma-home/heggbacher-einrichtungen-5956748.html durchsuchenhttps://web2.cylex.de/firma-home/heggbacher-einrichtungen-5956748.html

Ich wünsche die viel Glück
LG Monika
Ein Weg entsteht indem man ihn geht
(chinesisches Sprichwort)

Wenzeline
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Re: verzweifelte Förderstätten- und Wohnheimsuche

Beitragvon Wenzeline » 07.10.2019, 16:19

Hallo Stefan,
sind noch am Anfang unserer suche für unsere Tochter! Sie ist jetzt 17,5 Jahre alt und uns geht die Puste fast auch ein wenig aus aktuell. Für mich sind die Begriffe noch komplett Neuland. Vollstationär/Wohngruppe etc. ich weiß momentan noch gar nicht nach was ich suchen soll bzw. was wie finanziert werden kann. Sind aber noch im Oktober bei einer Beratungsstelle vom Fritz-Felsensein Haus. Ich denke auch das wir keine Chance haben etwas zu finden. Ich bestehe darauf das meine Tochter im Augsburger Raum bleibt so dass ich sie regelmäßig besuchen kann. Sie ist komplett taubstumm und mehrfachbehindert und wir haben keine wirkliche Kommunikation bis auf Augenkontakt etc. Ich kann mir nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht vorstellen Sie weiter weg zu lassen, denn bereits München war eine absolute Katastrophe bzg. Schule und Schulkommunikation) ! Bei uns ist es ähnlich, wir wissen nicht wie es nach der Schule weiter gehen kann. Eine Förderstätte wird vermutlich nicht zu unserer Tochter passen und eine Werkstattfähigkeit wird sie laut unseren Lehrern etc. nicht erlangen können. ,,, Wenn Du Dich austauschen möchtest gerne! Wo seid Ihr in der Schule? Gruß Wenzeline
Tochter *2002, 100% schwertbehindert, taubstumm, geistig retardiert und eingeschränkt, CHARGE Syndrom, PG5, ///. Sohn *2004 gesund, Sohn *2014 gesund
Es ist eine absolute Herausforderung für alle Kinder das beste herauszuholen so dass jeder sich optimal entwickeln kann und die Grundbedürfnisse aller Familienmitglieder befriedigt werden können


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