Kann Autismus doch weg gehen?

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Donna78
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Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Donna78 » 15.09.2019, 12:50

Hallo ihr lieben,

Unser Sohn hat im Alter von 4 Jahren die Diagnose Autismus bekommen. Wir haben 4 Jahre Autismus Therapie hinter uns im atz, die auch die Diagnose erstellt haben.

Jetzt möchte ihn unsere Kinderpsychaterin neu, testen. Erstens weil er im sprachlichen besser geworden ist und weil ich gesagt habe, dass seine Grammatik sehr schlecht ist und er sehr schlecht lesen kann. Er ist auch auf einer Förderschule für körperliche und geistige Entwicklung.

Jetzt zu meiner Frage: kann es sein , dass Autismus weg geht. Oder das die Diagnose zurückgenommen werden kann?

Viele Grüße
I 2009 Atypischer Autist
Mädchen normal entwickelt

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RikemitSohn
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon RikemitSohn » 15.09.2019, 13:41

Hallo,

eine Diagnose kann theoretisch zurückgenommen werden. Aber dann wäre sie vorher falsch gewesen, denn Autismus kann nicht geheilt werden. Das Kind kann lernen und wird älter, aber die Art seines Seins wird sich nicht ändern.
Es kann sein, dass eure Psychiaterin noch andere Schwierigkeiten vermutet, was immer sein kann, oder sie geht davon aus, dass die Diagnose mit vier Jahren falsch war. Ich würde jetzt ehr auf das Erste tippen, da ihr schon lange in Therapie ward.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Jörg75
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Jörg75 » 15.09.2019, 14:06

Hallo Donna,

Diagnosen können immer zurückgenommen werden - das muss aber nicht heißen, dass die dem zugrundeliegende Erkrankung weggegangen ist (Was bei Autismus wohl auch schlecht funktionieren könnte) - es kann aber zB bedeuten, dass von Anfang an kein Autismus vorlag, sondern vielleicht andere Probleme.

Es kann aber stumpf auch heißen, dass vielleicht zum Autismus noch etwas dazu kommt, was bei der vorherigen Testung noch nicht zu sehen war, jetzt aber zusätz.ich auftritt.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Donna78
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Donna78 » 15.09.2019, 14:10

Hallo Rikemit,

Danke für deine Antwort. Richtig, die Art seines Seins, ändert sich nicht. Das hast du gut und so geschrieben, dass man das sofort versteht. Er kann nicht viel alleine. Alltägliche Sachen, sind eine Katastrophe. Er zieht manchmal immer noch seine normalen Klamotten über den Schlafanzug.
Auch irgendwo alleine hingehen etc unmöglich. Er sieht kein Auto. Usw, ich bin mal gespannt. Es sein 4 Termine plus Besprechungstermin geplant.
I 2009 Atypischer Autist

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SimoneChristian
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon SimoneChristian » 15.09.2019, 14:53

Hallo Donna78,

so, wie du ihn beschreibst, wird es eher (noch mal) um den IQ gehen und eine evtl. zusätzliche Sprachentwicklungsstörung und/ oder LRS.
Vielleicht soll auch noch mal die Wahrnehmung getestet werden.

Mal weg von den alltagspraktischen Tätigkeiten:
Welchen Eindruck hast du denn von deinem Sohn sonst so?
Ist er interessiert am Alltag? Hat er Spezialinterssen?
Kann es auch am Lernangebot liegen? Visuell zu viel auf dem Blatt, inhaltlich vielleicht zu leicht?

Hier ist es, zumindest was Lesen/ Schreiben und den Alltag angeht, ähnlich.
Alltägliche Handlungen funktionieren nur, wenn die Motivation hoch ist.

Wenn ich jetzt vom ADOS ausgehen würde, könnte es bei uns, jetzt 4 Jahre nach der Diagnose, auch deutlich besser aussehen, weil die Kontaktaufnahme zu fremden Erwachsenen mittlerweile besser gelingt.
Aber so gut, dass er unter dem Cut off bliebe, wäre er sicher (noch) nicht.

Vertraue erst mal dem KJP und besprich alle deine Bedenken dann im Besprechungstermin.

Liebe Grüße
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Michaela44
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Michaela44 » 15.09.2019, 15:16

Ich möchte die vorherigen Antworten noch ergänzen:

Es kann durchaus sein, dass ein Autist - egal ob mit oder ohne Therapie - lernt, sich nach außen hin so angepasst zu verhalten, dass man den Autismus als Außenstehende nicht bemerkt. Es kommt dann sogar vor, dass Ärzte, die nicht hinter die Fassade gucken, den Autismus nicht erkennen und eine Diagnose nicht stellen oder eine bereits gestellte Diagnose zurücknehmen. Beides wäre dann natürlich falsch, deswegen sind erfahrene Diagnostiker so wichtig.

Ich denke aber, dass das überwiegend nur normal bis hochbegabte Autisten betrifft, da für so eine Anpassung eine hohe kognitive Leistung erforderlich ist.
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Dario » 15.09.2019, 18:12

Ich störe mich so ein bisschen an der Aussage, eine Autismusdiagnose kann "zurückgenommen" werden. Eine Autismusdiagnose zurücknehmen kann meiner Meinung nach nur der Arzt / Psychologe, der sie gestellt hat. Ein anderer Arzt kann höchstens sagen: "Meiner Meinung nach ist es kein Autismus, aber ich respektiere die Einschätzung des Kollegen!"

Eine Autismusdiagnose beruht ja nicht auf "harten Fakten" (Genanalyse, Blutuntersuchung usw.), sondern auf (mehr oder weniger) subjektiven Beobachtungen von außen. Schlimmstenfalls hat man zwei gegensätzliche Einschätzungen und es steht Aussage gegen Aussage. Dann kommt es darauf an, welche Einschätzung man selbst für glaubhafter hält.

Wenn man natürlich (als übertriebenes Beispiel) zehn verschiedene Fachleute fragt und neun davon verneinen Autismus, dann wäre das schon ein klares Indiz, dass Autismus tatsächlich wenig wahrscheinlich ist. Wenn man dagegen nur zwei Einschätzungen hat, einmal pro und einmal contra, dann würde ich mich fragen, welche Einschätzung ist schlüssiger und glaubhafter begründet? Welcher Diagnostiker hat die größere Erfahrung, die bessere Expertise vorzuweisen?
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon B.Kant » 15.09.2019, 22:24

Hallo, Donna,

laut meinen Fachbüchern stimme ich zu: Autismus kann nicht weggehen. Einzig autistische Züge, die ein ähnliches, erlerntes Verhalten beschreiben, aber nicht von Autismus hervorgerufen wurden, die können wieder weggehen.

Was mich mehr irritiert ist, dass ein Autismustherapiezentrum (ATZ), das die Diagnose gestellt hat, auch die Therapie übernimmt. Das ist meines Wissens nach auch heute noch nicht rechtskonform. Wer diagnostiziert darf nicht selbst therapieren. Zudem kenne ich von ATZs nur, dass es dort keine Ärzte sondern Psychologen gibt. Die können zwar einen Verdacht äußern, die Diagnose stellen dürfen sie aber nicht. Dazu braucht es bei Kindern einen Kinder- und Jugendpsychiater bzw. eine Autismusambulanz an einer Klinik.

Mag aber auch sein, dass sich das Gesetz da verändert hat und es mittlerweile möglich ist, Diagnose und Therapie von demselben Institut oder Zentrum zu ermöglichen.
Liebe Grüße
Britta

Sohn, volljährig; Diagnose: "frühkindlicher Autismus auf hohem Funktionsniveau"

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damit lerne ich zu leben.
Der, der mich behindert,
der lässt mich im Leben leiden."

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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 16.09.2019, 04:54

B.Kant hat geschrieben:Mag aber auch sein, dass sich das Gesetz da verändert hat und es mittlerweile möglich ist, Diagnose und Therapie von demselben Institut oder Zentrum zu ermöglichen.


Als mein Sohn vor 12 Jahren diagnostiziert wurde, war Diagnose und nachfolgende Therapie vom selben ATZ noch möglich, sofern in dem ATZ auch ein KJP vertreten war. Irgendwann danach (ich glaube so ca. 3-4 Jahre später) durfte das diagnostizierende ATZ nicht mehr therapieren. Da eine Therapie mehr Geld bringt als eine Diagnose, hat man dann den Fokus auf die Therapien gelegt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Michaela44
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 08:13

Regina Regenbogen hat geschrieben:
B.Kant hat geschrieben:Mag aber auch sein, dass sich das Gesetz da verändert hat und es mittlerweile möglich ist, Diagnose und Therapie von demselben Institut oder Zentrum zu ermöglichen.


Als mein Sohn vor 12 Jahren diagnostiziert wurde, war Diagnose und nachfolgende Therapie vom selben ATZ noch möglich, sofern in dem ATZ auch ein KJP vertreten war. Irgendwann danach (ich glaube so ca. 3-4 Jahre später) durfte das diagnostizierende ATZ nicht mehr therapieren. Da eine Therapie mehr Geld bringt als eine Diagnose, hat man dann den Fokus auf die Therapien gelegt.


In den Gesetzen steht dazu nichts. Es steht lediglich im SGB 8, dass das JA in der Eingliederungshilfe die Stellungnahme eines Arztes einholen muss. Bei diesem Arzt muss aber nicht die Diagnostik durchgeführt worden sein.

Ich fände es auch merkwürdig, wenn Diagnostiker nicht therapieten dprfen, denn dass ist bei jedem Arzt und Osychologen Standard.
Asperger Autistin

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