Kann Autismus doch weg gehen?

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Donna78
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Donna78 » 16.09.2019, 10:37

Hallo,

Ich danke euch sehr für eure Antworten. Ihr habt mir sehr geholfen. Es ist immer gut, eine Situation bzw. Sachverhalt von verschiedenen Perspektiven zu sehen.
Seit wir die Diagnose haben, haben alle in diesem Forum mit Rat und Tat zur Seite gestanden. DANKE
I 2009 Atypischer Autist
Mädchen normal entwickelt

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BauerM
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon BauerM » 16.09.2019, 14:43

Hi,

dass Autismus nicht weggehen kann, halte ich für einen Mythos der Psychiater/ Psychologen. Denn wenn er weggeht oder geheilt wird, dann wars kein Autismus... naja, das ist kein seriöse Argument. Ich hatte mal Autismus, dann lange daran gearbeitet, und dann hätte ich sicher keinen, weil er ja nicht mehr da ist,... ok. Was soll man denn davon halten? Autismus ist unheilbar, schafft man es, dann wars keiner. Also ich glaube das ist Unsinn, es gibt auch ein Buch von einer Psychologin (oder Psychiaterin) die solche Erfolge in einen Buch dokumentierte und auch auf die Neurobiologie einging. ALso Kaium/ Natriumpumpe usw. Müsste ich aber auch suchen, ich habe nur einzelne Seiten gelesen, das was ich las hat sich aber mit meinem Wissen der Neurobiologie gedeckt. Also es hatte schon zumindest Wikipedia-Qualität. Zu behaupten alles wären jetzt Fehldiagnosen, naja, bei einem kann ma ndas ja schon machen, aber dann mehrer ... glaube ich weniger. Würde eher sagen es ist verdammt schwer, verdammt zeitaufwendig und die Psychologen/ Psychiater schaffen es nicht. Insofern muss es heißen, als Psychiater/ Psychologe "ich kann den Autismus nicht heilen" das würde ich unterschreiben.

Eine Diagnose kann zurückgenommen werden, wird aber kein Psychiater machen. Da müsste er inkompetenz eingestehen und das ist sehr, sehr selten. Höchstens mündlich, dass er das aus dem Befund streicht habe ich erst 1x überhaupt gesehen. Ein anderer Pychologe/ Psychiater kann das aber, dann hast du halt 2 Befunde, es wird aber idR dem aktuellen geglaubt,

LG
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

AnnalenaO
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon AnnalenaO » 16.09.2019, 15:04

Hallo Karl!
Woher kommt dein Wissen dass du Autist warst? Ist das eine Selbstdiagnose gewesen? Oder wurde die Diagnose bei dir gestellt und wieder zurückgenommen?
Mein Sohn ist Autist. Er hat eine komplett andere Wahrnehmung als ich, ein wahnsinnig scharfes Gehör, unglaubliche Sensibilität am ganzen Körper, auch innerhalb des Mundes, einen extrem feinen und empfindlichen Geruchssinn. Außerdem eine Dyspraxie. Wie soll das weg gehen?
Seine Verhaltensauffälligkeiten, ja, die werden besser, darauf kann er mit seiner Kognition Einfluss nehmen. Auf seine andere Wahrnehmungsausstattung kann er keinen Einfluss nehmen und es würde mich doch sehr wundern wenn du das könntest.
Es liest sich so als hättest du gewisse Verhaltensauffälligkeiten gehabt die du als Autismus interpretiert hast und die du dir abgewöhnt hast. Das ist gut, damit bist du aber kein "geheilter Autist" sofern es da überhaupt etwas zu heilen gibt.
Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

melly210
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon melly210 » 16.09.2019, 16:42

AnnalenaO hat geschrieben:Hallo Karl!
Woher kommt dein Wissen dass du Autist warst? Ist das eine Selbstdiagnose gewesen? Oder wurde die Diagnose bei dir gestellt und wieder zurückgenommen?
Mein Sohn ist Autist. Er hat eine komplett andere Wahrnehmung als ich, ein wahnsinnig scharfes Gehör, unglaubliche Sensibilität am ganzen Körper, auch innerhalb des Mundes, einen extrem feinen und empfindlichen Geruchssinn. Außerdem eine Dyspraxie. Wie soll das weg gehen?
Seine Verhaltensauffälligkeiten, ja, die werden besser, darauf kann er mit seiner Kognition Einfluss nehmen. Auf seine andere Wahrnehmungsausstattung kann er keinen Einfluss nehmen und es würde mich doch sehr wundern wenn du das könntest.
Es liest sich so als hättest du gewisse Verhaltensauffälligkeiten gehabt die du als Autismus interpretiert hast und die du dir abgewöhnt hast. Das ist gut, damit bist du aber kein "geheilter Autist" sofern es da überhaupt etwas zu heilen gibt.
Grüsse


Annalena, ich verstehe bis zu einem gewissen Grad schon was er meint. Nach derzeitiger Lehrmeinung ist es so wie bisher schon beschrieben wurde: Autismus ist angeboren und unheilbar, wenn es wieder "weggeht", bzw jemand dann auch bei erfahrenen Diagnostikern unter den Cutoffs liegt, dann war es vorher eine Falschdiagnose.
Ob diese Lehrmeinung so erhalten bleiben wird....ich persönlich glaube auch eher nicht. Warum ? Weil man an der Wahrnehmung, wenigstens bei kleinen Kindern, schon in einem gewissen Maß auch ursächlich therapieren kann. Soweit man bisher weiß, sind an Wahrnehmungsstörungen unter anderem mangelnde Myelinisierung der Nervenzellen im Hirn beteiligt. Das haben wir schon mal in einem anderen Thread ausführlich besprochen. Die Myelinisierung kann man, zb mit SI-lastiger Ergotherapie, schon auch nachreifen lassen. Das geht in signifikantem Umfang aber nur bis ins frühe Volksschulalter. Wenigstens soweit man das bisher weiß.
Meine persönliche Interpretation wäre daher: ein Kleinkind mit einer Autismus-Diagnose daß bei den Cutoffs eher Richtung Graubereich liegt, kann mit guter, passender Therapie eventuell seine Wahrnehmung soweit verbessern, daß es dann auch bei guten und erfahrenen Diagnostikern ein paar Jahre später unter den Cutoffs liegt. Ich denke auch gar nicht so wenige Diagnostiker sehen das so, und warten deshalb mit einer Autismus-Diagnose gerne noch bis ins Vorschulalter zu, weil sie sehen wollen, wie sich das Kind bis dahin entwickelt. Die Diagnose Autismus vergeben sie dann erst, wenn sie sicher sind, daß es bleibend sein wird.

Michaela44
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 18:55

Ich denke, das sind zwei verschiedene Dinge.

Autismus wird im wesentlichen anhand "äußerer" Merkmale (ich meine nicht das Aussehen) diagnostiziert.

Je kleiner die Kinder sind, desto größer halte ich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch die Entwicklung Änderungen ergeben können, die dann nicht mehr zu einer Autismusdiagnose führen. Ob dann zuvor Autismus bestand, der verschwand, oder ob die Auffälligkeiten von vornherein andere Gründe hatten, darüber möchte ich jetzt nicht spekulieren.

Bei Erwachsenen, die meinen vom Autismus geheilt zu sein (und zwar nicht in frühester Kindheit sondern später) habe ich eher folgende Vermutung: durch Anpassung haben sie gelernt, sich in die Gesellschaft zu integrieren, die sozialen Probleme sind weniger geworden bis (vordergründig) verschwunden, der Wunsch "normal" zu sein ist sehr groß, etwaige andere "Symptome" werden unbewusst verdrängt und man glaubt, kein Autist mehr zu sein.

So ähnlich, wie früher junge homosexuelle Männer aus gesellschaftlichen Druck und Scham heterosexuelle Ehen eingingen und Familien gründeten und ihr Schwulsein verdrängten.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

Lisaneu
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Re: Kann Autismus doch weg gehen?

Beitragvon Lisaneu » 17.09.2019, 13:06

melly210 hat geschrieben:Meine persönliche Interpretation wäre daher: ein Kleinkind mit einer Autismus-Diagnose daß bei den Cutoffs eher Richtung Graubereich liegt, kann mit guter, passender Therapie eventuell seine Wahrnehmung soweit verbessern, daß es dann auch bei guten und erfahrenen Diagnostikern ein paar Jahre später unter den Cutoffs liegt. Ich denke auch gar nicht so wenige Diagnostiker sehen das so, und warten deshalb mit einer Autismus-Diagnose gerne noch bis ins Vorschulalter zu, weil sie sehen wollen, wie sich das Kind bis dahin entwickelt. Die Diagnose Autismus vergeben sie dann erst, wenn sie sicher sind, daß es bleibend sein wird.


Das sehe ich auch so. Bei meinem jüngeren Sohn stand deshalb im ersten Befund ausdrücklich "Verdacht auf ASS", im Gespräch wurde mir aber klar mitgeteilt, dass die Fachleute (der Autismus Ambulanz) meinen Sohn sehr deutlich im Spektrum sehen, aber mit 4 Jahren noch keine endgültige Diagnose stellen. Beim nächsten Termin 1 1/2 Jahre später kam das "Verdacht auf" weg und seitdem ist mein jüngerer Sohn tatsächlich diagnostizierter Autist.

Und er entwickelt sich gut, macht Fortschritte, verändert sich. Und genau bei Autismus ist ein hartnäckiges Klischee, dass die Kinder praktisch "immer gleich" bleiben, was natürlich Unsinn ist. Mittlerweile ist mein Sohn 7 Jahre alt und wenn er Lust hat beantwortet er sogar Fragen und hin und wieder erzählt er sogar schon war. Vor 2 Jahren wäre beides noch nicht möglich gewesen. Das wirkt jetzt fast "normal", ist es aber natürlich nicht. Sohnemann versteht und stellt z.B. immer noch keine WARUM-Fragen. Kann aber sein, dass er das auch noch lernt, ich lasse mich überraschen :mrgreen: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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