Elvanse wirkt nicht mehr

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LasseUndJohannes
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon LasseUndJohannes » 15.09.2019, 15:20

Hi,
sind die Aggressionen typisch für dein Kind? Ist es das "normale" Verhalten ohne Medis bzw das frühere Verhalten was er zeigt? Oder ist da auch was neues?

Und warum habt ihr auf Elvanse gewechselt? Was war mit der vorherigen Medikation unzureichend?

Elvanse ist sicher nicht ohne. Diese ganzen ADHS Medikamente kannst du dir vorstellen als eine Art Brille fürs Gehirn. Und mit der falschen Brille sieht man auch nicht besser. Die beste Beschreibung für den Unterschied zwischen MPH und Elvanse, die ich bisher gehört habe, ist dass Elvanse die Gefühle besser aufräumt. Es senkt die Gefahr auf einem Gefühl, einer Emotion "auszurutschen". Dies hat sich bei unserem großen so bestätigt. Wir sind gerade wegen seiner Aggression auf Elvanse gewechselt. Die Konzentration mit MPH war jedoch wesentlich besser. Wenn er sich noch weiter stabilisiert ist es deshalb bereits angedacht bei ihm auf MPH zurück zu wechseln.

Meiner Meinung nach kann kaum ein Arzt in solchen Fällen eine Medikamenten Entscheidung anders treffen als bloß auszuprobieren. Er hat gar nicht die Zeit alles zu erfragen und zu betrachten.

Viel Glück und vielleicht löst es sich ja auch so wieder ohne Grapefruit Saft.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
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svennie
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon svennie » 15.09.2019, 16:31

Hallo LasseundJohannes,

wir sind letztes Jahr auf Elvanse gewechselt, weil er mit RitalinLA nicht weniger aggressiv als ohne war. Das Aggressive ist bei ihm leider eines der Grundprobleme, wobei er dann auch oft sehr lieb sein kann. Es schwankt eben ständig. Ihn bringen aber oft Kleinigkeiten aus der Fassung, sein Konfliktverhalten ist schlecht und seine Frustrationstoleranz sehr gering. Daher haben wir zunächst Elvanse probiert um zu schauen, ob es mit den Aggressionen besser läuft. Da war aber eigentlich kein großer Unterschied festzustellen, wobei er bei Elvanse allerdings nachmittags keine Rebounds hatte und es hatte auch nach meinem Eindruck eine längere Wirkdauer.

LG,
Svenja
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon Regina Regenbogen » 16.09.2019, 05:07

svennie hat geschrieben:Das Aggressive ist bei ihm leider eines der Grundprobleme, wobei er dann auch oft sehr lieb sein kann. Es schwankt eben ständig. Ihn bringen aber oft Kleinigkeiten aus der Fassung, sein Konfliktverhalten ist schlecht und seine Frustrationstoleranz sehr gering.


Hat er denn wenigstens schon eine Autismustherapie bekommen oder habt ihr euch ausschließlich auf das komorbide ADHS konzentriert? Wenn MPH nicht wirkt, könnte die Ursache der Autismus sein.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 16.09.2019, 08:04

Hallo Svennie,

Regina Regenbogen hat geschrieben:
svennie hat geschrieben:Das Aggressive ist bei ihm leider eines der Grundprobleme, wobei er dann auch oft sehr lieb sein kann. Es schwankt eben ständig. Ihn bringen aber oft Kleinigkeiten aus der Fassung, sein Konfliktverhalten ist schlecht und seine Frustrationstoleranz sehr gering.


Hat er denn wenigstens schon eine Autismustherapie bekommen oder habt ihr euch ausschließlich auf das komorbide ADHS konzentriert? Wenn MPH nicht wirkt, könnte die Ursache der Autismus sein.


Das ist bei meinem Sohn (ohne AD(H)S) auch eins der Kernprobleme. Bei ihm kommt sehr viel von der Problematik daher, dass ihm quasi vollständig die Theorie of mind fehlt, also sich vorstellen zu können, was im anderen vorgeht. Deshalb interpretiert er zb eine versehentliche Berührung als Angriff/Provokation. Überhaupt bezieht er deshalb quasi alles, was um ihn rum passiert, logischerweise auf sich. Das ist natürlich sehr überfordernd für ihn, und es gibt deshalb endlos viele Missverständnisse. Da wird seine Zündschnur ziemlich kurz.
Wenn er rundum entspannt und „bei sich“ ist, ist es weniger schlimm. Wenn er viel kompensiert, also über lange Zeit unter innerer Spannung steht, wird es viel ausgeprägter.
Das gibt es auch bei kognitiv fitten Autisten.
Grade beim Schreiben fällt mir wieder ein, das wir zwei dazu eh schon mal geschrieben haben, ist schon länger her. Hat sich da bei Deinem Sohn was getan, im Aufbau der ToM?

Grüße
Zuletzt geändert von Engrid am 16.09.2019, 08:11, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon JohannaG » 16.09.2019, 08:08

Hallo Svenja,

wenn die Aggressionen eines der Grundprobleme sind, dann helfen da ADHS-Medikamente nur sehr bedingt. Die helfen, die Konzentrationsspanne und die Frustrationstoleranz zu erhöhen, aber sie ändern das Grundthema "Aggression" nicht. Mein Sohn ist auch einer, der wegen der kleinsten Kleinigkeiten aus der Fassung geraten kann, zusätzlich zum ADHS. MPH hat in Blick auf die Aggressionen und die Frustrationstoleranz bei ihm null gebracht. Wir versuchen daher, bei diesem Thema anzusetzen (was nicht so ganz leicht ist, denn therapeutisch fühlt sich irghendwie niemand zuständig für ihn....).

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon svennie » 16.09.2019, 13:40

Hallo Engrid und Johanna,
die Autismustherapie hat leider bei ihm noch nicht begonnen, die Förderdiagnostik ist jetzt gerade mal abgeschlossen. Das hat sich schon endlos hingezogen. Ich habe auch den Eindruck, dass ihm die ToM fehlt- er merkt oft nicht, wenn andere traurig, ängstlich o.ä. sind. Gleichzeitig hat er seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle. Er ärgert zB gerne andere -oft aus Spaß- merkt aber zB nicht, wenn’s dem anderen dann reicht bzw wenn
aus Spass dann ernst wird. Auch das Wesen von Freundschaften versteht er nicht wirklich. Ich versuche mit ihm schon viel darüber zu reden, aber oft habe ich den Eindruck, es kommt nicht richtig an. Und natürlich habt Ihr recht, MPH wirkt diesbezüglich gar nicht. Ich frage mich nur ehrlich gesagt, wieviel die Autismustherapie da ausrichten kann. Habt Ihr damit Erfahrungen?
LG,
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Re: Elvanse wirkt nicht mehr

Beitragvon Regina Regenbogen » 16.09.2019, 13:58

svennie hat geschrieben:Und natürlich habt Ihr recht, MPH wirkt diesbezüglich gar nicht. Ich frage mich nur ehrlich gesagt, wieviel die Autismustherapie da ausrichten kann. Habt Ihr damit Erfahrungen?


Die Autismustherapie kann da eine ganze Menge ausrichten. Unser Jüngster ist lange klar gekommen mit der Autismustherapie ohne Medikamente. Erst im 3. Schuljahr schlug sein komorbides ADHS mit Macht zu und es trat eine Impulskontrollschwäche hervor. Die Autismustherapeutin riet dann auch zur Medikation, weil diese "Aussetzer" definitiv nicht mit Autismus zu erklären waren. Nach der Einstellung war dann auch alles wieder gut und unser Sohn war wieder "nur" Autist. Im weiteren Verlauf der Autismustherapie konnte unser Sohn dann das MPH auch wieder absetzen, bis sich vor ca. 2 Jahren eine leichte Konzentrationsschwäche bemerkbar machte. Seitdem bekommt er an den Schultagen wieder eine (an seiner Größe und seinem Gewicht gemessenen) recht geringe Dosis MPH. Sein Ziel ist es, mit dem Schulabschluß das MPH wieder abzusetzen, dann hoffentlich für immer. Wir werden sehen, bei unserem Großen hat das so funktioniert.
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Beitragvon Engrid » 16.09.2019, 14:18

Hallo,

Ja, reden und erklären hilft da leider nur sehr eingeschränkt. Deshalb braucht mein Sohn da zb nachhaltige Anleitung, ganz eng, ganz praktisch, wie man es RICHTIG machen kann. Das muss dann zunächst ohne andere Kinder im Schonraum erarbeitet und eingeübt werden und genau das ist unter anderem die Aufgabe der Autismustherapie.

Ich könnte mir vorstellen, dass der anstehende Schulwechsel mit all seinen Unsicherheiten, Freuden, Ängsten, Hoffnungen und Ambivalenzen (letzere sind besonders schwer auszuhalten) da genügt, um die innere Sicherheit wieder zu verlieren, mit oben beschriebenem Effekt („innere Spannung“).
Ein souveränes und rücksichtnehmendes Umfeld kann da viel helfen.

Grüße
Engrid
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