Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

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Chaosmarie
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Chaosmarie » 15.09.2019, 09:31

Liebe Simone,

da ist unübersehbar etwas im Busch, aber alles Rätselraten nützt nichts. Schreibe den Träger an, und frage genau nach, für wen und für welchen Zweck er die Schweigepflichtsentbindung benötigt. Und dann formulierst Du gegenbenfalls eine Schweigepflichtsentbindung für exakt den Zweck, aber nur, wenn der Sachverhalt anders nicht geklärt werden kann.

Eine Userin hat es schon verlinkt: Wir waren nicht schlecht überrascht, als uns eine solche pauschale Schweigepflichtsentbindung ins Haus flatterte. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass sich unsere Jugendamtssachbearbeiterin über unseren Träger Daten zu geplanten kinder- und jugendpsychiatrischen Terminen verschafft hatte und sich selbst zu dem ärztlichen Auswertungsgespräch eingeladen hatte! Im Nachhinein wollte sie ihr Tun legalisieren durch die pauschale Schweigepflichtsentbindung.

Ich denke, jetzt ist es am ehesten angesagt, herauszufinden, was der Träger vor hat. Und noch was: Erledige alles möglichst schriftlich. Unsere Sachbearbeiterin des Trägers druckst jetzt auch herum dass sie nichts gewusst habe...

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
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Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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SimoneD.
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon SimoneD. » 15.09.2019, 23:16

Eigentlich kann man sich doch nie sicher sein, dass die Stellen sich nicht trotzdem austauschen/unterhalten...Schweigepflichtsentbindung hin oder her...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Engrid » 15.09.2019, 23:30

Das mag vorkommen im Einzelfall, aber sie können die Info dann nicht verwenden. Denn wenn es nachweisbar ist, dann bekommen diejenigen erheblichen Ärger für die Schweigepflichtverletzung.
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 08:00

Ich glaube nicht, dass es nur Einzelfälle sind, sondern die Regel - zumindest zwischen JA und Träger. Und natürlich verwenden sie das Wissen daraus, sie teilen es einem nur nicht mit.

Bei unserem JA ist es Standard, dass vor dem HPG die kollegiale Beratung stattfindet, zuvor der Träger einen Bericht ans JA schickt und zudem die Fachkraft, die beim Kind eingesetzt wird, auf einem "Expertenstuhl" an der kollegialen Beratung teilnimmt und Fragen beantworten muss. Das alles ohne jegliche Zustimmung oder Schweigepflichtentbindung. Wie auch, denn die Familien wissen in der Regel nichts davon!

Ach ja: und in der kollegialen Beratung wird dann entschieden, welche Hilfeart in welchem Umfang das Kind / die Familie erhält. Ohne Beteiligung der Betroffenen!
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 08:08

In dieser kollegialen Beratung werden dann auch die aktuellen Träger- und Arztberichte schriftlich verteilt. Geschwärzt wird lediglich Nachnahme und Wohnstrasse, alles andere bleibt stehen (sämtliche Vornamen der Familie, Name von Lehrern und Schule, Klassenstufe, Alter bzw. Geburtsdatum, ggfs. Wohnsituation, Beruf und Arbeitgeber der Eltern, etc.) Es lässt sich also leicht herausfinden, um wen es geht, und an der Beratung nehmen Externe teil (andere Träger und von der offenen Jugendarbeit im eigenen Stadtteil - die man womöglich persönlich vom Straßenfest und Spielplatz kennt)
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Beitragvon Engrid » 16.09.2019, 08:14

:shock:

Michaela, ich glaube, Du musst Simone kurz erklären, wieso es trotzdem schlau ist, die General-Schweigepflichtentbindung NICHT zu unterschreiben. (Ich interpretiere Simones letzten Post so, dass man die eventuell unterschreiben könnte, weil es eh keinen Unterschied macht, und der einfachere Weg wäre).

Grüße
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 08:50

Ja, es ist ganz wichtig, diese nicht zu unterschreiben und dies auch gegenüber Träger und JA zu kommunizieren und kurz zu begründen.

Bei uns hat das nicht gereicht. Ich habe den Landesdatenschutzbeauftragten eingeschaltet, den Sachverhalt geschildert und gefragt, ob das JA das darf (damals war ich noch unwissend und unbedarft). Ergebnis: nein, darf es nicht. Es wurde offiziell abgemahnt und sollte diverses ändern. Seit dem haben wir eine Sonderstellung im JA, worüber sich der Sachbearbeiter gerne mokiert. Für alle anderen ist das unzulässige Prozedere gleich geblieben :shock: Ich bin gespannt, wie es wird, wenn mein Sohn volljährig ist. Ob sie dann wieder das Standardprogramm machen? Meine ganzen Absprachen und Widersprüche zur Datenweitergabe gelten dann ja nicht mehr.
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 16.09.2019, 08:56

Wenn man sich nicht wehrt, auch wenn es Zeit und Kraft kostet, können und werden sie über einen bestimmen. Dann werden fremde Leute entscheiden, was gut für einen ist. Sie begegnen einem nicht annähernd auf Augenhöhe. Und mal ehrlich: gerade die, die eine generelle Schweigepflichtentbindung unbedingt haben wollen, sind die, die über einen bestimmen wollen und Eltern nicht ernst nehmen. Will man diesen Menschen Macht über einen geben?
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon SimoneD. » 16.09.2019, 09:34

Dem JA liegt eine Schweigepflichtsentbindung aus damaligen Zeiten vor....
Ich werde diese hier jetzt nicht mehr unterzeichnen!

Für denn Fall das man eine Schweigepflichtsentbindung zurücknimmt/widerruft, können dann Leistungen verweigert werden??
Ich bin doch dann die "böse" nicht kooperierende Mutter....

Ich möchte mich nicht zu einer evt Diagnose Überprüfung zwingen lassen....Vorallen Dingen war mein Sohn in den Ferien 3 Wochen in der TK zu einem Bauernhofprojekt, da ist Wort wörtlich von dem autistischen Jungen geschrieben worden....
Einziges was mich hat schlucken lassen, war die Passgae wo es hieß das die Mutter (ich) den autistischen Jungen massiv in der Entwicklung hemmen würde, was Anforderungen betrifft und dringend ein elterncoaching angeraten wird....
Im Abschlussgespräch habe ich diesen Punkt sofort angesprochen und um Erklärung gebeten, wie ich denn genau und womit meinen Sohn hemmen würde...ich habe KEINE Antwort darauf bekommen. Ich hätte das falsch aufgefasst...ne, is klar. Habe weiter gebohrt und um Erklärung gebeten. Auch wo ich denn ein Elterncoaching machen kann...da wurde auch nicht drauf eingegangen; nur das ich doch 1x im monat zu einem Therapeuten gehen soll, wo es nur mal um mich geht und ich mich aussprechen kann - so ein Kind zu haben sei ja schließlich eine Belastung...

Bei der Passage im Abschlussbericht wurde sich übrigens auf eine Hospitationsszene berufen, in der ich meinem Sohn Anweisungen geben sollte, was ich auch getan habe....allerdings überlege ich mir vorher ganz genau und vorsichtig was geht oder nicht, wenn mein Sohn eine Mistgabel in der Hand hat.....
Liebe Grüße von Mönchen :-)
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Engrid » 16.09.2019, 09:46

Hallo Simone,

unabhängig von der Schweigepflichtentbindung würde ich nach dem, was Du da schreibst, mich ganz innig selber um ein gutes (!) Elterncoaching kümmern, Ansprechpartner wäre 1) die Autismustherapeutin, 2) der regionale Autismusverband. Einmal, um dem Amt da den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zum anderen aber, um tatsächlich inhaltlich tatkräftige Unterstützung im Umgang mit dem Sohn zu bekommen. Die scheint mir dringend nötig, da hat die TK vielleicht nicht unrecht:
allerdings überlege ich mir vorher ganz genau und vorsichtig was geht oder nicht, wenn mein Sohn eine Mistgabel in der Hand hat.
Vor dem eigenen Sohn Schiss zu haben, ist ganz ungünstig. Da sollte man dran arbeiten, und da kann man viel erreichen indem man sich coachen lässt.

Grüße
Engrid
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