Rechtschreibstörung und Schule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sheila0505
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Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Sheila0505 » 11.09.2019, 11:12

Hi, unser Sohn hat ganz frisch eine Rechtschreibstörung diagnostiziert bekommen. Im Lesen war er zwar im unteren Durchschnittsbereich, jedoch aber noch knapp im Rahmen. Getestet wurde er 2x mit dem selben Ergebnis. 1x von der Beratungslehrkraft und 1x in einer KJP.

Ich soll nächste Woche seine Lehrerin (kenne ich noch nicht), als auch seine Schulpsychologin kontaktieren.
Es wurde kurz erwähnt, dass evtl auch Notenschutz möglich wäre. Stimmt das? Gibt es Richtlinien oder liegt es im Ermessen der Schule wie es nun weitergeht? Was für Möglichkeiten (unser Kind zu entlasten) könnte es denn geben? Mehr Zeit bei Prüfungen? Wobei ich nicht denke, dass ihm mehr Zeit helfen würde, denn schnell arbeiten tut und kann er.
Ihr merkt sicherlich, dass ich keine Ahnung habe, daher frage ich hier nach.

Ach ja: Unser Sohn besucht seit gestern die 4. Klasse einer Regelgrundschule in Bayern.

Ganz großes Dankeschön im Voraus und freilich auch fürs Lesen

Liebe Grüße, Sheila

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Sheila0505
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Sheila0505 » 11.09.2019, 11:23

Ach ja: ich hatte ja schon mal bzgl Nachteilsausgleiche gefragt, aber da stand noch nicht fest, ob er LRS hat oder eine isolierte Störung usw.

Da wir jetzt das Ergebnis haben, ist es konkreter und daher frage ich noch mal nach. Ich hoffe es stört niemanden, vllt hätte ich die Frage im alten Thread einfach anhängen sollen. Jetzt kann ich das leider nicht mehr ändern.

Liebe Grüße, Sheila

HeikeLeo
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon HeikeLeo » 11.09.2019, 11:40

Liebe Sheila,

meistens ist es Ermessensleistung der Schule, ist aber Ländersache. In Baden-Württemberg können die Schulen nach alter Gutsherrenart entscheiden.

http://lvl-hessen.de/images/fachtagung/LVL_%20Hessen_Verfassungsrechtliche%20Vorgaben_Frau_Dr_Marwege.pdf

Da ist es manchmal hilfreich explizit argumentieren zu können. Ich fand die Ausführungen von Frau Dr. Marwege sehr inspirierend.

Liebe Grüße
Heike

Jonas2015
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Jonas2015 » 11.09.2019, 13:01

Hallo Sheila,

meine Tochter geht in die Regelschule in Bayern und hat LRS. Du kannst mit einem Attest von der KJP-Praxis sowohl Nachteilsausgleich (bspw. Zeitzugabe usw.) als auch Notenschutz beantragen. Wir mussten hierfür das Attest und einen formlosen Antrag abgeben und die Schule entscheidet dann.

Viele Grüße
Susan

kati543
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon kati543 » 11.09.2019, 13:59

Hallo,
man kann das bekommen. Die Lehrer entscheiden darüber - wie, in welchen Umfang und ob es Auflagen gibt. Es gibt eine Liste, welche Möglichkeiten machbar sind.
Mein Sohn hatte diverse Nachteilsausgleiche. Er hat Diktate als Lückentext geschrieben - er musste nur die Lernwörter schreiben. In anderen Fächern wurde die Aufgabenstellung vorgelesen. Insbesondere in Sachkunde und später Gl und NaWi durfte er seine Antwort seiner Schulbegleitung diktieren. Aber alles immer unter der Voraussetzung, dass er regelmäßig die Lerntherapie besucht (erst privat, später in der Schule).
Nachteilsausgleiche wegen LRS gibt es nur bis zur 6. Klasse. Nur in besonders schweren Fällen und mit extra Genehmigung vom Schulamt dürfen Nachteilsausgleiche auch später noch weiter genehmigt werden.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Sheila0505
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Sheila0505 » 12.09.2019, 21:32

Vielen Dank euch, das hilft mir schon mal weiter. (@Katrin: du schreibst, dass es eine Liste gibt?)

Das Attest bekommen wir bald zugeschickt und ein Termin mit der Lehrkraft ist bereits vereinbart. Also eine „spezielle“ Lerntherapie wurde noch nicht angesprochen, nur dass er weiterhin von der KJP betreut wird bzw dort Therapie erfolgt. Mit welchem Schwerpunkt weiß ich noch nicht, darüber werden sie sicherlich bald mit mir sprechen.

Ansonsten erhält er schon seit geraumer Zeit in der Logo das MRTraining und AVWS Therapie (wenn auch ohne pädaudiologische AVWS Diagnose - zu ihm passen würde es aber tatsächlich sehr).

Ein bisschen nervös bin ich schon, was den Termin in der Schule angeht, weil ich die Lehrkraft noch gar nicht kenne und ich noch keinen so guten Überblick habe, was das Thema angeht. (Dank euch schon etwas besser :) ) Ich hoffe wir finden zusammen einen guten Weg für ihn und wir können ihn dann zumindest etwas entlasten und Druck rausnehmen.

Liebe Grüße, Sheila

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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Silvia & Iris » 13.09.2019, 07:40

Hallo,

6 Jahre Nachteilsausgleich - und dann?? - wird dann einfach bei allen nicht mehr so darauf geachtet? Muss man dann frisch ansuchen? - … gerade bei Kindern mit HG oder anderen "Fehlern" geht doch das nicht von heute auf morgen weg... - Diese Menschen hören doch immer erwiesener Maßen weniger gut, als andere... - oder wird da vorausgesetzt, dass sie durch die erlernten Rechtschreibregeln und anderen Grundlagen alles genauso schaffen wie die NTs? … ich bin ja auch schon neugierig, was da heuer wieder alles kommt - oder ob eh alles beim Alten bleiben wird...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Sheila0505
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Re: Rechtschreibstörung und Schule

Beitragvon Sheila0505 » 18.09.2019, 00:14

Hallo, ich schreibe jetzt noch mal (wird wohl etwas ausführlicher und länger, sorry dafür), weil ich die Fachärztliche Stellungnahme jetzt bekommen habe (heute) und ich mir die Ergebnisse etwas genauer angeschaut habe.
Kennt sich jemand damit vielleicht zufällig aus?

Folgendes beschäftigt mich gerade: In der Stellungnahme wurde ein falscher Wert angegeben bzw errechnet, zumindest sieht es danach aus.

So viel ich jetzt über die LRS Diagnostik gelesen habe, geht ja bei der Diagnostik von LRS u.a. auch um die Diskrepanz zwischen den T-Werten des Begabungstests (IQ) und der Tests (Lese- und Rechtschreibung).
Rechtschreibung ist bei uns ja gesichert, dass es sich hierbei um eine Störung handelt, also ein echtes Problem darstellt. Mit einer Diskrepanz von bis zu 21 Wertpunkten wurde es als hochgradig eingestuft.

Im Lesen hatte er besser abgeschnitten, wobei auch hier die Fachärztliche Stellungnahme ebenfalls von statistisch signifikanten und testpsychologisch hochgradigen Diskrepanzen spricht. Allerdings waren seine T-Werte gerade noch so im Normbereich, wenn auch unterster Normbereich - eine Überprüfung der Leseleistung soll im Laufe der Zeit wiederholt werden. Am Telefon meinte die KJP, er wäre gerade noch so an der Grenze bzgl Lesestörung.

Soweit so gut. Auf LRS Seiten und Seiten von Kliniken ist die Rede von der Grenze einer 1,5 Standardabweichung, was wiederum ≥12 Wertpunkte entsprechen müsste.

Hier ist zum Beispiel sogar die Rede von einer Differenz von 10 T-Wertpunkten:

https://www.legasthenietherapie-info.de ... -test.html


In der Fachärztlichen Stellungnahme steht bei uns drinnen, dass er hinsichtlich eines Lesetests eine Differenz von 11 Wertpunkten hätte, was aber nicht stimmen kann, weil es nun mal 12 Wertpunkte sein müssten (Rechnung ist nicht schwer Minuend − Subtrahend = Differenzwert, daher weiß ich zu 100 %, dass es nicht stimmt). Alle anderen Differenzwerte stimmen, aber eben der Eine nicht (habe alle nachgerechnet).
Vllt ist es auch völlig egal (insbesondere weil er bei einem anderen Lesetest einen Differenzwert von 10 Punkten erzielte, da weiß ich die Gewichtung der Tests halt nicht) und es würde nichts ändern, aber ich frage mich halt schon, ob ich dem vllt doch nachgehen sollte? Womöglich war es auch nur ein Tippfehler und sie gehen ohnehin vom richtigen Differenzwert aus, denn es wird ja ohnehin normalerweise alles heutzutage über den PC richtig errechnet.

Es ist halt so: allein wegen der Rechtschreibung alleine mache ich mir keine so großen Sorgen, das Lesen hingegen macht mir schon größere Sorgen. Denn egal in welchem Fach, sobald er sich den Aufgabenauftrag vorerst durch ein Lesen erschließen muss (mehr als eine Zeile und nicht kurz und bündig), dann war es das. Er kann Lesen, wenn auch nicht flüssig und nicht mühelos. Aber er verinnerlicht sich das Gelesene nicht, es kostet ihm zu viel Konzentration und er kann auch kaum Informationen aus Texten ziehen und wenn er es schafft, dann nur zu Beginn der Aufgabenstellung ehe es dann immer löchriger und lückenhafter wird.
Sobald er eine Aufgabe bewältigen soll, in welcher mehr als ein paar Zeilen Leseleistung abverlangt wird, dann jammert und protestiert er, als wäre es eine unüberwindbare Aufgabe die er bewerkstelligen soll.
Texte merken ist für ihn unheimlich schwierig, generell hat er da Probleme auch bzgl seiner narrativen Fähigkeiten.

Aber klar, hierfür sind wir u.a. ja auch in der KJP und Logo (Therapien und Beratung) und da kann mir auch keiner von Euch jetzt konkret weiterhelfen - das ist mir schon klar.
Jedoch aber vllt doch bzgl eines Tipps wegen des falsch errechneten Wertes in der Stellungnahme - würdet ihr dem Nachgehen und Nachhaken? Weiß jemand, ob es ggf einen Unterschied machen würde ob jetzt die Diskrepanz bei 11 oder tatsächlich doch bei 12 Wertpunkten liegen würde?

Ich müsste die Stellungnahme normalerweise umgehend an die Schulpsychologin weiterreichen. Es ist halt die Frage: soll ich überhaupt Nachhaken? Falls nein: Ok. Falls ja: wo am Besten, welches Vorgehen wäre am Klügsten? Wenn es nicht so eilig wäre, dann würde ich mir in Ruhe darüber Gedanken machen. Aber ich glaube, mir fehlt hier gerade irgendwie der nötige Abstand und die Ruhe, um das ganze sortiert zu betrachten.
Ich möchte ja auch nicht die 9xKluge Besserwissermama sein, wenn ich in der KJP anrufe. Insgeheim habe ich auch etwas Bedenken, ob es überhaupt was bringen könnte, denn ggf sie hätten durch den einen Wertpunkt tatsächlich doch etwas mehr Spielraum bzgl Diagnose, würden sie im Nachinein noch darauf eingehen und daran schrauben?

Im Großen und Ganzen denke ich zwar nicht, dass dieser eine Wertpunkt ausschlaggebend sein könnte. Aber ich sehe es als winzigkleinen Hoffnungsschimmer, doch noch in die LRS zu rutschen. Dabei ist das doch total bescheuert, weil ich mich unendlich freuen sollte, wenn unser Sohn keine Lesestörung zusätzlich haben sollte. Aber es ändert halt nichts daran, welch Probleme er damit hat und ohne Diagnose, wird wohl schulisch auch nicht darauf eingegangen werden und er muss sich so durchboxen. Prinzipiell würde ich sagen: vllt auch nicht schlecht, weil wenn er hier keine zu große Nachsicht erfährt, dann wäre er langfristig zwangsläufig vllt dazu gezwungen, verstärkt von sich aus daran zu arbeiten. Aber alles Üben fruchtet halt bisher nicht und das Üben an sich ist schon ein Kampf. Zudem gibt es bei ihm mehrere Bereiche, welche parallel dazu noch schwierig für ihn sind und er Unterstützung bedürfen. Ich weiß auch nicht was das Beste für ihn wäre, so hätten wir die Wahl (die wir ja nicht haben) wüsste ich es auch nicht.

Danke jedenfalls schon mal fürs Lesen, über Meinungen würde ich mich sehr freuen

Liebe Grüße, Sheila


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