Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

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PaulaW
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Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon PaulaW » 09.09.2019, 08:03

Ihr LIeben,

ist es immer so, dass die Lehrer Fragebögen ausfüllen müssen, um eine Autismusdiagnostik
durchzuführen ?

Ich bin nicht sicher, wie wir mit einer Diagnose umgehen würden und deshalb würden wir das
Ergebnis vielleicht erstmal für uns behalten wollen bzw in Ruhe überlegen ob und wann wir die
Schule informieren.
Zumal es ja dann in allen Unterlagen steht.
Er wird sowieso schon mit vielen Teachh Materialien unterrichtet da seine Wahrnehmungsproblematik
offensichtlich ist.

Mir hat auch jemand von einer Inklusionsberatung gesagt, mit einer Autismusdiagnose sei es
schwieriger, an einer weiterführenden Schule genommen zu werden. Ob es stimmt weiss ich
natürlich nicht. Aber Ihr versteht schon.

Herzlichen Dank,
alles Liebe

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 09.09.2019, 08:14

Hallo Paula,

na, dann lass den Bogen einfach weg. Hab jetzt nicht im Kopf, wie lange Dein Sohn schon in die Schule geht wenn‘s noch nicht so lang her ist, kann man vielleicht anstelle einen Bogen an den alten Kiga geben?
Ansonsten halt nicht, das ist kein Muss.
Eine gute Gelegenheit, sich dran zu gewöhnen, die Entscheidungshoheit als Eltern zu behalten. :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

SandyErgo
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon SandyErgo » 09.09.2019, 08:21

Ich glaube, es ist üblich, dass die Lehrer auch Bögen ausfüllen dürfen/sollen.

Von müssen zu reden ist vermutlich falsch - aber man sollte bedenken, dass das Kind die Hälfte des Tages in de Schule ist und dort ja auch ein bestimmtes Verhalten zeigt - was über diese Bögen ja beurteilt werden soll >> vor allem im Vergleich zum häuslichen/familiären Umfeld. Es gibt autistische Kids, die in der Schule gar nicht zurechtkommen; andere "funktionieren" in der Schule und dann geht zu Hause nichts mehr.

Dein Wunsch, es nicht offenzulegen, kann ich auch verstehen.
Aber der Punkt ist eben: hälst du die Schule außen vor - dann werden nur 50% des Verhaltens deines Kindes in die Auswertung einbezogen > was eine Auswertung - m.M. - vielleicht sogar verfälschen kann.

Wir haben bei unserem Sohn sogar von 3 Einrichtungen Bögen ausfüllen lassen. Alte FS, neue FS (die nach Wechsel 4 Wochen vorher natürlich noch nicht alles ausfüllen konnte) und Hort.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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Alexandra2014
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Alexandra2014 » 09.09.2019, 09:29

Hallo!

Sehe ich wie Sandy.
Macht schon Sinn. Ich hatte auch Bedenken, wollte aber eben auch kooperieren, um ein möglichst genaues Bild vom Kind aufzeigen zu können, in allen Bereichen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Michaela44
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Michaela44 » 09.09.2019, 13:13

Bei uns musste die Schule keine Fragebögen für die Diagnostik ausfüllen. Es wurde nicht angefragt.

Mit dem Ausfüllen der Bögen erfahren die Lehrer jedoch nicht, ob dein Sohn eine Diagnose bekommen hat. Diese Rückmeldung dürfen die Ärzte den Lehrern gar nicht geben.

Und zur weiterführenden Schule: was nutzt es einem autistischen Kind an einer Schule angenommen zu werden, die keine autistischen Kinder möchte und dementsprechend auch keine Rücksicht nimmt? Da würde ich lieber mit offenen Karten spielen.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.09.2019, 13:16

Mir hat auch jemand von einer Inklusionsberatung gesagt, mit einer Autismusdiagnose sei es
schwieriger, an einer weiterführenden Schule genommen zu werden. Ob es stimmt weiss ich
natürlich nicht. Aber Ihr versteht schon.
Also ich verstehe es nicht. Man MUSS die Autismusdiagnose nicht angeben bei der Anmeldung zur weiterführenden Schule. Kommt eben darauf an, was man erreichen will.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

maikeb
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon maikeb » 09.09.2019, 14:24

Auf den Bögen, die wir bekommen haben, steht gar nicht explizit drauf, dass es sich um eine Autismusdiagnostik handelt. Und außerdem müsst Ihr das Ergbnis ja nicht preisgeben. In NRW zumindest ist es sowieso nur dann relevant, wenn ein Nachteilsausgleich davon abhängt oder ein AOSF eingeleitet wird.
Als wir damals die Bögen bekommen haben, habe ich den Lehrerbogen, anders als von der Klinik vorgesehen, über uns laufen lassen, um unsere Antworten mit denen des Lehrers zu vergleichen. Kamen damals keine signifikanten Abweichungen bei heraus.

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Schulen, die einen Autisten nicht aufnehmen würden, diesen auch ohne die Diagnose zu kennen, ruckzuck wieder abschulen, weil sein Verhalten untragbar sei. Man gewinnt nichts, wenn man es verheimlicht. Darüber hinaus sind Schulleiter sehr, sehr erfahren in Bezug auf den Eindruck, den ein Kind beim Aufnahmegespräch macht. Die merken sofort, wenn etwas nicht stimmt. Dann bekommt Ihr möglichweise eine Absage, ohne zu wissen, woran es gelegen hat. Ich finde es für das Kind - und auch für Eltern - sehr viel angenehmer, wenn die Schule Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes aufbringt.

HeikeLeo
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon HeikeLeo » 09.09.2019, 15:28

Liebe PaulaW,

bei uns haben wir auch Fragebögen für die Lehrerin bekommen. Wir haben die auch artig an die Lehrerin weitergegeben. Die Lehrerin hat uns dann mitgeteilt, sie habe keine Zeit. Gleichzeitig hat sie die Bögen trotzdem ausgefüllt und direkt an die Praxis für KJP geschickt.
Die Bögen sind von der Praxis dann auch ausgewertet worden. Die Praxis hat der Lehrerin aber trotzdem nicht direkt einen Befund geschickt, wie sie es sich vielleicht erwartet hätte.
Befund und Diagnose ist sauber mit uns Eltern besprochen worden.

Eltern können dann immer noch nachdenken, was sie mit der Diagnose machen. Aber wenn eine Beurteilung von Außenstehenden mit in die Diagnose einfließt, steht sie sicherer. Das Ausfüllen der Bögen ist vielleicht auch ein Test der Professionalität der Lehrkräfte.

In Baden-Württemberg zumindest ist es so, dass die Diagnose an sich für die Schulsituation KEINE Bedeutung hat. Es ist eher so wie bei einer Pflegebeurteilung, dass hier die individuellen Probleme angegangen werden sollen. Das ist noch in manchen anderen Bundesländern so. In einigen gibt es aber einen Förderschwerpunkt Autismus. Da ist es möglicherweise anders.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon JennyK » 09.09.2019, 16:44

Wir haben nach der Schulanmeldung eine Diagnose machen lassen, weil uns in der Phase einige Parallelen zum Großen aufgefallen sind. Da haben die Erzieher auch diese Bögen bekommen, das finde ich auch sehr wichtig, denn sie sehen das Kind ja nochmal in ganz anderen Situationen und mit anderen Augen. Ein Ergebnis haben wir als Eltern erhalten, und es war uns überlassen, wie wir damit umgehen. Dem Kindergarten haben wir es mitgeteilt, auch wenn es nichts mehr gebracht hat, weil es kurz vor den Sommerferien war. In der Schule haben wir in Absprache mit der KJP noch nichts gesagt, da wir ihm einen unvoreingenommenen Start ermöglichen wollten. Er liegt aber auch am ganz unteren Rand des Spektrums. Sollte es Schwierigkeiten geben, haben wir aber die Diagnose in der Hand 7nd können schneller Hilfe anfordern...
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

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Lisaneu
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Lisaneu » 09.09.2019, 18:06

Bei uns gab es auch Lehrer-Fragebögen, weil ja bei der Diagnostik auch interessant ist, ob sich die Sichtweisen von Lehrern und Eltern bezüglich des Kindes decken oder nicht. Wie schon beschrieben kann ein- und dasselbe Kind in einer Einrichtung ganz anders (re-)agieren als im häuslichen Umfeld. Daher fand ich auch immer wichtig, die Lehrer-Fragebögen zum ausfüllen weiter zu geben. Einen Befund haben die Lehrer (mein Sohn hat zwei) aber trotzdem nicht bekommen, zumindest nicht von der Ambulanz, welche die Diagnostik gemacht hat. Sehr wohl aber immer (freiwillig!) von uns, wenn der Befund dann da war. Wobei Alexander (gehörlos und frühkinderlicher Autist) so schwer behindert ist, dass die Angst, ihm durch Offenheit in Sachen Diagosen die Zukunft zu verbauen, bei uns nicht gegeben ist.

Aber auch bei meinem (auf den ersten Blick unauffälligen) ADHS-Asperger-Sohn war ich immer offen zur Schule was seine Diagnosen und Befunde betraf. Das lag aber daran, dass er ohnehin in einer I-Klasse ist, wo eine Sonderpädagogin gemeinsam mit einer Grundschullehrerin unterrichtet, und weil ich immer das Gefühl hatte, dass hier alle "auf unserer Seite" sind. Wenn das anders gewesen wäre hätte ich vielleicht auch anders agiert. Aber bisher hat uns die Offenheit in Sachen Diagnosen immer nur Vorteile gebracht, das Bauchgefühl hatte also recht ;-).
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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