Nicole mit Mika (Atypischer Autismus)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Mamanicole
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Nicole mit Mika (Atypischer Autismus)

Beitragvon Mamanicole » 07.09.2019, 23:21

Einen schönen guten Abend,

nun möchte ich uns auch endlich einmal vorstellen. Ich lese schon länger mit und bekomme so langsam ein schlechtes Gewissen. :oops:

Ich (schon zwei oder drei mal 39 geworden) bin Mutter von drei wundervollen Wuschkindern. Unsere Älteste ist zehn und wechselt gerade auf die weiterführende Schule und übt so langsam für die Pubertät. Aber noch ist sie Kind genug um Abends mit Mama zu kuscheln. Unser Jüngster ist gerade drei geworden und wird von uns liebevoll "Tornado" gerufen. Er kommt in ein paar Tagen in den Kindergarten. Und nun wird es auch Zeit.

Hier bin ich wegen unseres mittleren Sohnes. Mika ist nun bald acht Jahre alt und wir haben bereits einen sehr langen Weg hinter uns. Die Baby- und Kleinkindzeit waren eigentlich erst einmal unspektakulär. Seine "Eigenheiten" waren bemerkenswert, aber nicht problematisch. Er tat alles mit einer gewissen Präzision und Sorgfalt. Er ertrug es nicht wenn etwas kaputt ging oder zweckentfremdet wurde, er schlief immer exakt 1,5 und 11 Stunden, er übte niemals etwas. Er tat es einfach. Er stand auf und lief, er sprach direkt Sätze und immer korrekt ausgesprochen, oder eben garnicht. Für seine Schwester war er eine folgsame Babypuppe. Er tat genau was sie ihm auftrug. Ansonsten spielte er ruhig in seinem Zimmer. Mit ihm unterwegs zu sein war ein Traum. Ein netter Gesprächspartner, stets folgsam.

Richtige Probleme bekamen wir erst im Kindergarten. Er fand keinen Anschluss, verstand die Spielweise der Kinder nicht (sie durften keine Puppenkleidung an Bären ziehen, oder Küchengeräte in den Garten schleppen oder ähnliches), wenn sie ihm Spielzeug abnehmen wollten, schlug er um sich. Er war dauergestresst und weinte viel. Fast wöchentlich gab es Gespräche oder Eltern beschwerten sich. Wir sprachen mit dem Kinderarzt (O-Ton: Die Erzieher sollen ihren Job machen) und suchten eine Erziehungsberatung auf (an meiner Seite sass ein Engelchen, denn es waren ja keine fremden Kinder da und keiner wollte etwas was er nicth verstand. Wir wurden kopfschüttelnd weg geschickt). Ich lies Mika nurnoch 3,5 Stunden im Kindergarten und er durfte immer wenn er wollte eine Erzieherin begleiten (er war glücklich damit). Mit knapp sechs war er Muss-Kind für die Schule. Eigentlich wollte ich ihn wegen seiner sozialen Probleme zurückstellen lassen. Aber der Kindergarten sagte klar das Mika dort nicht mehr bleiben kann. Sie hätten ihm nichts mehr zu geben. Er konnte zu diesem Zeitpunkt auch schon ein wenig lesen, einige Worte schreiben und Buchstaben zu neuen Worten kombinieren, addieren und subtrahieren im Zehnerbereich. Also Schulreif mit Bauchschmerzen. Er kam in eine Klasse mit 26 weiteren KIndern und einer Lehrerin die diesen Kindern einfach nicht gewachsen ist.

Um es kurz zu machen fasse ich nun die letzten zwei Jahre zusammen. Es gab viele Tränen, Wut, Hilflosigkeit. Zwei Diagnostiken, ein halbes Jahr Heilpädagogin bei uns zuhause und bei ihr ohne uns (ohne die wir niemals gegen das System angekommen wären und die uns mit ihrem Bericht alle Türen zur nichtigen Diagnostik geöffnet hat), viele Gespräche in der Schule.

Nun sind wir an einem Punkt an dem wir viel erreicht haben. Mika ist atypischer Autist. Er bekommt ab dem kommenden Schuljahr eine Schulbegleitung für 15 Stunden die Woche. Wir warten auf einen Therapieplatz. Die Klasse bekommt Begleitung von einer Schulpsychologin, da Mika garnicht "das Problemkind" der Klasse ist. Er zählt eher zu den Prügelknaben, auch wenn er durch seine Wutanfälle und Meltdowns sehr auffällig ist. Uns geht es nun besser, da wir endlich einen Namen und eine Erklärung haben. Wir finden ihn nun endlich wieder. Ausserdem wird die Klasse nicht mehr nurnoch von einer Lehrerin unterrichtet. Es geht eine zweite Lehrerin dazu und übernimmt Mathe. Das kommt uns sehr entgegen.

Nun ist es doch lange geworden. Es ist garnicht so einfach kurz wieder zu geben was alles war. Ich hätte mindestens 10 mal so viel schreiben wollen um alles zu erklären. Aber vermutlich wissen hier viele Eltern was ich sagen will.

Liebe Grüsse

Nicole

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 08.09.2019, 00:20

Hallo Nicole,
wissen hier viele Eltern was ich sagen will.
Oh ja. Ganz herzlich willkommen!
Hab einen guten Austausch :D

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Nicole mit Mika (Atypischer Autismus)

Beitragvon CoShiMa » 08.09.2019, 15:22

Hallo Nicole,

auch von mir ein herzliches Willkommen!

Was du geschrieben hast, erinnert mich stark an unsere Odyssee...Kindergarten und Schulbeginn, etc.

Liebe Grüße

Conny
Tochter 2002, Sohn 2007 Autismus Spektr. (frühkindl. Autismus), ADHS und "special effects"😋

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Re: Nicole mit Mika (Atypischer Autismus)

Beitragvon Mamanicole » 08.09.2019, 23:08

Guten Abend,

vielen Dank für euer herzliches Willkommen.

Ich habe lange gehadert mich hier anzumelden, da ich immer noch schlecht akzeptieren kann wie negativ sein Verhalten von anderen gewertet wird.
Natürlich ist es auch hier nicht immer einfach, aber wir haben noch immer einen Weg gefunden.

Es hilft sehr hier mit zu lesen .

Liebe Grüße Nicole


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