Unglücklich mit der Schulwahl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Emma1909
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Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Emma1909 » 28.08.2019, 13:06

Liebes Forum,

Wir sind ein wenig ratlos. Unser Kind besucht die 6. Klasse.

Leider entpuppte sich die Schule als Mogelpackung. Lerngruppen, oder Fördergruppen gibt's nicht wegen Lehrermangel.

Die Kommunikation mit Lehrern gestaltet sich sehr schwierig und zäh. A weiß nicht was B tut.

Schuld sind immer die Kinder! Der sehr rauhe Umgangston ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Kinder werden gerne in Schubladen gesteckt aus denen sie nicht heraus kommen. Beispiel: ein Kind stört den Unterricht eines Faches häufiger. Dieser Störenfried wird dann übel beleidigt von einem anderen Kind. Als man das klären möchte kommt von Seiten der Schulleitung, ja ihr Kind ist ja auch kein engel.
Ich verstehe den Zusammenhang zwar nicht und kann mir nicht erklären, warum mein Kind so beleidigt werden darf ( Thema Behinderung) nur weil es ein bestimmtes Fach nicht mag, aber das weiss die Schulleitung auch nicht.

Da wir einen Förderbedarf haben, will uns keine andere Schule aufnehmen. Aber 5 weitere Jahre ??

Runde Tische, Gespräche etc haben irgendwie nichts gebracht. Mein Kind ging immer gerne in die schule, aber mittlerweile ist das ganz weg. Er hat ständig Angst was falsch zu machen oder schuld zu sein. Hat sogar schon Mal schuld auf sich genommen, was nicht stimmte und Mitschüler bestätigten. Auf die Frage warum kam, na ich bin doch eh immer alles schuld.

Danke fürs rumheulen. Vielleicht habt ihr ja eine Idee oder so etwas.

LG
Emm

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Silvia & Iris
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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Silvia & Iris » 28.08.2019, 13:12

Hallo Emma,

tja, ich bin sogar übersiedelt deswegen... und wir haben derzeit 2 Haushalte parallel... - ja, ich weiß, so viel tut sich nicht jeder an und geht auch nicht immer...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Alexandra2014 » 28.08.2019, 14:26

Hallo Emma,

ich finde es schwierig, etwas zu raten, wenn man weder den Förderschwerpunkt, noch die Schulform kennt.
Ich nehme mal an, ihr seid auf einer Regelschule?

Das waren wir auch. Mit ähnlich ruppigem Umgang, Mobbing und Vernachlässigung. Mein Kind saß mit der Schulbegleitung überwiegend in der Abstellkammer.
Wir sind dann zu einer Förderschule gewechselt - beste Entscheidung. Endlich Menschen mit Empathie und Fachwissen. Der komplette Druck ist vom Kind und von uns abgefallen.
Die Schule war zwar privat und weiter weg, aber das war es allemal wert, auch wenn wir es selbst zahlen mussten (und ich selbst Taxi gespielt habe).

Wäre die Förderschule eine Option?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Emma1909
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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Emma1909 » 28.08.2019, 14:52

Hallo Silvia & Iris,

Du wirst vielleicht lachen. Aber den Gedanken habe ich auch. Das ist evtl. unsere einzige Möglichkeit.


Hallo Alex.

Der Schwerpunkt ist sozio-emotional mit Schulbegleiter.

Die zuständige Förderschule hat unser Kind im Unterricht besucht und kam zu dem Entschluss, dass unser Kind an der Förderschule falsch wäre. Sie wollen auch nicht wirklich.

Es ist eine Realschule. Unser Kind saß im Flur an einem Tisch. Weil kein anderer Raum frei sei. Das hat aber die Feuerwehr jetzt untersagt. Im Flur haben weder Stühle noch Tische was zu suchen (Fluchtweg). Bin Mal gespannt was da noch so an Ideen kommt.

Danke für eure antworten. Ich find's traurig, dass es noch mehr Kinder gibt die so etwas erleben müssten.

LG

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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Alexandra2014 » 28.08.2019, 15:32

Hallo Emma,

wenn ich mich so in meinem Umfeld umhöre, ist es eher die Ausnahme, wenn es gut klappt an der Regelschule. In die Förderschule bei uns, kommen jedes Jahr Quereinsteiger aus gescheiteter Inklusion. Gerade ist auch wieder ein Junge (Autist) in die Klasse meines Kindes gekommen. :-(

Wenn Umziehen eine Option ist, würde ich nicht lange überlegen.
Bei uns geht das leider nicht, sonst hätte ich das auch gemacht.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

kati543
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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon kati543 » 28.08.2019, 16:07

Hallo,
wir sind extra umgezogen wegen der Schulwahl für die 6. Klasse. Die Grundschule war inklusiv super. Wirklich Alle waren der Meinung, dass Junior auf gar keinen Fall in die Förderschule gehen kann (Förderbedarf GE). Er kann viel zu viel und wird in einigen Fächern ja auch lernzielgleich mit seinen Mitschülern unterrichtet. Das tut ihm einfach gut. Er lernt viel durch Imitation. Eine 1:1 Schulbegleitung hatte er schon immer.
Heute besucht er eine Privatschule (Montessori) inklusiv. Wir wollten keine Privatschule, aber es gab einfach keine staatliche Schule, die ihn genommen hätte und bei der ich keine Kopfschmerzen gehabt hätte. Seine aktuelle Schule ist ein Traum. Sowas hätte ich mir für mich früher auch gewünscht. Kannst ja mal schauen, vielleicht findest du sowas auch bei euch in der Umgebung:
http://www.campus-klarenthal.com/#
LG
Katrin
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon mariannna » 28.08.2019, 22:55

Alexandra2014 hat geschrieben:Hallo Emma,

wenn ich mich so in meinem Umfeld umhöre, ist es eher die Ausnahme, wenn es gut klappt an der Regelschule. In die Förderschule bei uns, kommen jedes Jahr Quereinsteiger aus gescheiteter Inklusion.
Alex


Hallo,
meiner Erfahrung nach klappt klappt Inklusion gut bei Kindern mit reiner Körperbehinderung oder Lernbehinderung. Bei Schwerpunkt Sozial/Emotional und GE klappt es sehr oft nicht, da die Bedürfnisse oft zu unterschiedlich sind und keine bzw (zu)wenig Gemeinsamkeiten da sind.

Also dass Inklusion generell nicht funktioniert, würde ich nicht sagen. Es kommt halt auf die Art und Ausprägung der Behinderung an. Man muss halt individuell aufs Kind schauen, was besser ist!

LG,Marianna
(die schon viele gelungene, aber auch gescheiterte Inkkusionsversuche miterlebt hat)

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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Alexandra2014 » 29.08.2019, 09:31

Hallo Marianna,

das ist natürlich in gewisser Weise richtig.
Leider wird man von Seiten des Schulamts zur Inklusion gedrängt, egal „was für ein Kind“ man hat. Und da immer mehr Förderschulen schließen und die Wege zu den verbliebenen Förderschulen immer weiter werden, bleibt vielen nichts anderes übrig, als Inklusion.
Auffallend oft (in unserem Umfeld, darüber hinaus kann ich es nicht beurteilen) scheitert Inklusion schon bei Asperger und ADHS. Weil sich z.B. die Lehrer nicht drauf einlassen, weil die Schulbegleitung nicht oder unzureichend (an Stunden) bewilligt wird, weil Mobbern kein Einhalt geboten wird, weil die Eltern von Mobbern die Schuld immer beim anderen suchen, weil die Klassenlehrerin allein vor 26 oder mehr Kindern steht + Inklusionskind(ern), weil Personal fehlt, weil Räumlichkeiten fehlen.

Wieder zu selektieren, nach Art der Behinderung, ist für mich eine gescheiterte Inklusion.
Die Schule vor Ort muss so konzipiert sein, dass es allen Kindern aus dem Einzugsgebiet möglich ist, diese Schule zu besuchen.
Inklusion bedeutet für mich nicht, dass alle Kinder permanent im gleichen Klassenraum sitzen. Auch an einer Förderschule gibt es inzwischen Lerngruppen in den Hauptfächern, die nach den Stärken und Schwächen der Kinder zusammengesetzt sind.
Auch an einer Regelschule muss es einen Pflegeraum geben, Rampen geben, einen Snoezelraum, eine Lehrküche, eine Werkstatt etc.
Im Grunde müsste man das Konzept Förderschule mit dem Konzept Regelschule verschmelzen, zwei Schulen zu einer werden lassen, mit dem gesamten Repertoire und Personal beider Seiten. Gemeinsam Kochen, Werken, Malen, Sport, Pausen, Ausflüge... Die Hauptfächer aufgeteilt nach Lerngruppen für alle. Die Stärkeren helfen mal den Schwächeren, soziales Engagement der fitten Kinder, ein normal werden des gemeinsamen Schulalltags...
So würde man allen Kindern entgegenkommen und gerecht werden!

Und andere Länder zeigen, dass es geht.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon AlexMama2006 » 29.08.2019, 13:25

Hallo,

es gibt Förderschulen mit Schwerpunkt sozial-emotionale Förderung, auch Realschulen.

Leider nicht überall, ich kenne das Landschulheim Elkofen bei Ebersberg und mein Sohn wird ab demnächst auf die Zieglersche nach Berg bei Ravensburg gehen. Er wird dort das Internat besuchen.

Hast du einen Ansprechpartner beim Jugendamt? Dort musst du Jugendhilfe nach § 35 a SGB XIII beantragen, die bezahlen das und können dort auch einen Platz belegen.

Vielleicht wohnst du auch in der Nähe einer E-Förderschule mit Realschule, du kannst dich beim zuständigen Schulamt oder Ministerialbeauftragten für Realschulen erkundigen, was du machen musst.

Regelschule geht gar nicht für meinen Sohn, wir lassen es jetzt, er musste schon 2 Schuljahre wiederholen, weil er dort immer zusammengebrochen ist.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben.

LG AlexMama
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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Silvia & Iris
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Re: Unglücklich mit der Schulwahl

Beitragvon Silvia & Iris » 30.08.2019, 09:52

... Hallo Emma,

ich noch einmal, ich habe beides... - d. h. ein Kind im Internat (weil man ja nicht immer in die Nähe der Schule ziehen kann) - und einen Umzug in die Nähe der passenden Schule (wie oben schon angedeutet.)
Ein gutes Internat kann wirklich eine sehr große Hilfe sein, die Kinder lernen, dass sie nicht alleine sind, sie werden selbständiger, und Probleme werden vor Ort geklärt und bearbeitet... - Passt natürlich nicht für 100 % der Schüler und manche versagen, weil sie zu abgelenkt sind, oder auch deshalb, weil sie bereits aus einem sehr schwierigen häuslichen Umfeld kommen... Jedenfalls stehe ich inzwischen einem Internat nicht im Vorhinein skeptisch gegenüber, zaubern können die Leute dort aber auch nicht, aber sie haben schon andere Möglichkeiten, als Mama zu Hause... - auch andere Freiheiten, z. T. (was man aber auch beeinflussen kann als aktiver Elternteil.) Ein Internat ist kein Gefängnis, die Kinder dürfen daher auch außerhalb der Schulzeit außerhalb der Schulmauern unterwegs sein (wie das meist auch zu Hause möglich ist...). Es gibt feste Zeiten, wo man wieder da sein soll... -
Natürlich kann es auch zu Problemen kommen, wenn sich ein Schüler gar nicht an Regeln hält...

Und auch in Schulen mit angeschlossenem Internat kann man mal hospitieren... meist sind dort auch Fachleute vor Ort, da die Kinder nach Förderschwerpunkt selektiert sind... (welche Art der Beschulung man dazu angeboten bekommt, richtet sich sicherlich auch nach der Lage der Schule...)

Ich möchte dir hier Mut machen, dass es auch diesen Weg gibt! -
Gib deinem Kind Wurzeln wenn es klein ist, schenke ihm Flügel, wenn es erwachsen wird! (Natürlich alles im Rahmen der Möglichkeiten...)
Liebe Grüße

Silvia

Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein

Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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