1 Klasse und Hausaufgaben

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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AnnalenaO
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon AnnalenaO » 27.08.2019, 08:47

Hallo Jo!

Mein kognitiv total fiter ASS Sohn OHNE ADHS ist auch gerne mal überfordert bei HAs. Er ist schon 4. Klasse. Für ihn gilt (schon seit Klasse 3) dass ich einen Wecker auf 20 Min stelle und er nur das machen muss was er in dieser Zeit schafft. Nicht mehr. Und das wird ihm nicht zu seinem Nachteil angelastet. Unsere Kinder sind leicht überfordert. Meine Tochter geht seit 2 Wochen zur Schule, ganz normal Regelschule 1. Klasse, und das was sie als HAs auf hat ist das Gleiche was Marcel auf hat (Haus-Maus verbinden und sowas). Für uns ist das Pipifax. Für die Kinder total schwer. Ich denke er ist ganz klar überfordert. Was bei meinem Sohn zusätzlich zur Zeitbegrenzung hilft ist dass er den Zeitpunkt wann er HAs macht selbst bestimmt und dass ich ihm dazu immer was zum essen hinstelle zb Studentenfutter, einen zerteilten Apfel, ein paar Kekse, einen Kakao, sein geliebtes Kürbiskern-Käse-Knäcke oder so etwas kleines halt. Es tut ihm gut dass er merkt dass ich sehe dass es anstrengend für ihn ist und dass ich ihm keine Vorwürfe mache dass er weniger macht als die Anderen. Marcel ist sicher bewusst dass er mit den Aggressionen nichts für ihn positives erreicht. Ich könnte mir vorstellen dass das die Aggression sogar verstärkt, also er ist überfordert, kann den Impuls nicht kontrollieren, weiss dass er so nicht ins Kino darf, das macht ihn noch wütender und zu verlieren hat er eh nix mehr, ins Kino darf er nicht mehr. Daher glaube ich dass negative Konsequenzen bei solchen Kindern leider nicht weiterhelfen. Eher Verständnis zeigen und Anforderung runterschrauben.
Ich drücke die Daumen dass ihr eine Lösung findet!
Viele Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Vicki
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon Vicki » 27.08.2019, 09:28

Hallo,
unsere Tochter ist jetzt 17, das Hausaufgabenthema, wie du es beschreibst, war bei uns genauso. Hausaufgaben, welche in 20 Minuten hätten erledigt werden können, zogen sich über Stunden. Lehrer kennen sich mit autistischen Besonderheiten nicht aus, da kommen meistens nur Ratschläge, die nicht umsetzbar sind.

Habt Ihr eine Autismusbeauftragte? Die könnte die Schule beraten.
Was helfen könnte, wäre vielleicht jemand, der die Hausaufgaben mit ihm zusammen macht, mit der eigenen Mutter funktioniert das meistens nicht auch ist das nicht gut für Euer Verhältnis.

Wir hatten mal eine Zeit, da konnte die Schulbegleitung das mit übernehmen, das funktionierte besser und spart jeder Menge Nerven, die man ja auch anderweitig benötigt.

Dann widerum hatten wir mal die Möglichkeit, das die Aufgaben mit der Schulbegleitung gemacht wurden, wenn die anderen Sport hatten, da hatte unsere Tochter immer nur zugeschaut, was ja kontraproduktiv war.
Nach Lösungen dieser Art würde ich suchen, die ganzen anderen Überlegungen werden vermutlich nicht viel bringen, da das Umfeld die autistischen Besonderheiten eh nicht versteht.

Sonst vielleicht jemand über die Betreuungsleistungen suchen, ein juges Mödchen etc., die zu Euch kommt oder nach Schulschluss in die Schule und es ihm macht.

Konsequenzen helfen da gleich null, denn er kann nichts dafür, das ist einfach zuviel für das Gehirn.

Gruss Vicki

IlonaN
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon IlonaN » 27.08.2019, 09:29

Hm, ich hab ja nun auch so eine Maus zu Hause, jedoch von der nach außen "Lieben Sorte". Die Kinder verstehen doch das Ganze Schultheater " noch gar nicht und müssen erst langsam rangeführt werden. Ich lass Sie die Aufgaben machen die sie schafft. Zickt sie zu Hause rum(was sie als FAS-Kind super gut kann) geht sie halt ohne . Das muß sie dann in der Schule erklären. Der Lehrerin hab ich das klipp und klar so erklärt. Sie ist zwar ziemlich ungläubig, da sie die Maus ja nur als super lieb erlebt(aber sie kann nun mal gut kompensieren und flippt halt zu Hause im sicheren Hafen aus. Mal schaun wie das hier so weiter läuft. Meine wird ein halbes Jahr beobachtet ob das überhaubt die richtige Schulform für sie ist und da wird ich einen teufel tun und sie jeden Nachmittag trietzen und sie damit überfordern.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

joris
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon joris » 27.08.2019, 10:28

Hallo Jo,

manchmal kann es hilfreich sein, wenn eine andere Person mit dem Kind die Hausaufgaben erledigt.

Alles Gute für euch,
Joris

Michaela44
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon Michaela44 » 27.08.2019, 12:25

Wenn Autisten mit Hausaufgaben überfordert sind (ich meine hier nicht intellektuelle Überforderung) und die Hausaufgaben verweigern, hat das in der Regel nichts mit mangelnder Erziehung zu tun! Viele können nach einem Schultag schlichtweg keine Hausaufgaben mehr leisten. Wenn ein autistisches Kind in einer Regelschule derart kompensieren muss, dass es zu Hause aggressiv wird, ist das ein Alarmsignal! Ich würde in dem Moment ganz sicher nicht mit Druck und Medikamenten die Hausaufgaben durchsetzen wollen, sondern erstmal die Schulzeit verkürzen. Danach nach Lösungen suchen, dass das Kind in der Schule nicht mehr überfordert ist (auch hier meine ich keine intellektuelle Überforderung, obwohl die natürlich auch nicht sein sollte). Später kann dann versucht werden, die Schulzeit wieder zu erhöhen.

Niemand würde ein gehbehindertes Kind in eine Sportklasse geben und erwarten, dass es alles mitmacht. Warum wird erwartet, dass ein Autist entgegen seiner Möglichkeiten und Bedürfnisse täglich stundenlang in einer großen Gruppe lernt genau wie alle anderen?

Hier ist ein guter Artikel von Tony Attwood zum Thema Hausaufgaben:

http://www.aspiana.de/neben/aufgaben.htm

Und hier ein anderer Artikel zum Thema:

https://autismus-kultur.de/autismus/bil ... ltern.html
Asperger Autistin
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Michaela44
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Re:

Beitragvon Michaela44 » 27.08.2019, 12:33


@Melly: Du hast ein nichtautistisches Kindergartenkind, sprachlich fit, vermutlich auch nicht in dem Maß zu Aggression (wg Überforderung, kommunikivaten Defiziten oder fehlender Impulskontrolle) neigend wie zb Junior oder Marcel? Da lesen sich so „Ratschläge“ wie
Begleitung und Erziehungshilfe
usw halt nicht so gut ...
Das sehe ich auch so! Natürlich können sich bei derart herausfordernden Verhalten auch bei den kompetentesten Eltern falsche Erziehungsmuster einschleichen. Die kann eine Erziehungshilfe jedoch nicht beheben, denn das Grundproblem liegt ganz woanders. Ein fachlich kompetenter Therapeut, der das Kind behandelt, kann dann auch den Eltern helfen.
Asperger Autistin
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MarcelundMama
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon MarcelundMama » 27.08.2019, 13:28

Hallo Ihr Lieben!

Irgendwie ist meine Antwort weg... Also nochmal:
Engrid:
Du hast, wie immer, ins Schwarze getroffen!!!

Michaela:
Tausend Dank für die Links, die sind super und haben mir wirklich geholfen zu verstehen was hier los ist.

Ansonsten kann ich nur sagen: bin froh, das wir kein Einzelfall mit dem Problem Hausaufgaben sind.


Habe erstmal die Schulbegleitung um ein Gespräch gebeten, nächste Woche wollen wir uns zusammen setzen.

Die Lehrerin wird von mir eine lange Mail zum "Thema" bekommen.


Bin jetzt auf die Idee gekommen, für Marcel ganz einfache Aufgaben (die jedoch den geforderten etwas ähnlich sind) aus dem WWW zu holen und ihn diese machen zu lassen, ansonsten habe ich im Buchladen diverse LÜK Produkte für Kindergartenkinder "geordert", diesen Tipp gab mir die SB (Lük kannte nicht).

Nun ist seit heute auch das Thema Ergo vorerst erledigt, heute ist die letzte Stunde, danach haben wir nur noch Logo, da wir in einer geeigneten Praxis auf der Warteliste "schmoren". Übrigens stellen die Ergo und Logo Termine für Marcel keine Überforderung dar, ganz im Gegenteil er hat dort viel Spaß, geht gern hin und meckert wenn ein Termin ausfällt. Lediglich ist er an solchen Tagen nachmittags/abends zu nichts mehr zu gebrauchen, da mental ausgepowert.


Übrigens ist die Idee mit dem Tim Timer super, wir haben auch 2 Exemplare zu Hause + eine Armbanduhr davon für Unterwegs, nur klappt es hier bedingt, während die Ergo und Logo damit prima mit Marcel arbeiten... :roll:

Liebe Grüße!

Joanna
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)

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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon KäthemitA. » 27.08.2019, 15:09

Liebe Joanna,

mein Asperger geht auch seit zwei Wochen in die Schule und hat bisher seine Hausaufgaben immer recht problemlos erledigen können (an "Male Dich Dich selbst" sind wir allerdings beinahe gescheitert :roll: ).
Er kompensiert aber in der Schule scheinbar überhaupt nicht, der Schulbesuch ist (selbst mit Assistenz) eine einzige Katastrophe, sodass er sich zuhause (fast) wie gewohnt verhält.
Trotzdem würde ich Dir gerne schildern, wie wir das Thema Hausaufgaben angehen:
Wenn ich A. vom Hort abhole, schicke ich ihn erst mal für eine Stunde (das ist die von uns vereinbarte Zeit) auf sein Zimmer, damit er dort seinen Spezialinteressen nachgehen und runter kommen dann.
10 Minuten vor Ablauf der Stunde gehe ich in sein Zimmer und sage Bescheid, dass in 10 Minuten mit den Aufgaben begonnen wird. Wenn der Tagesplan es zulässt, und A. das Bedürfnis hat, darf A. hier noch eine halbe Stunde mehr Zeit für sich mit mir verhandeln.
Für die Aufgaben setzen wir uns zusammen an den Tisch, ich habe mir die Aufgaben vorher schon angeschaut und versucht zu erkennen, welcher Teil der Hausaufgaben A. vermutlich leicht fallen wird.
Wenn er sagt die Aufgaben seien zu schwer und er könne sie nicht erledigen, lenke ich seine Aufmerksamkeit auf den für ihn leichten Teil der Aufgaben und ermutige ihn, dass er das bestimmt schaffen kann.
Ausgehend von diesem (scheinbar) leichten Teil der Aufgabe und mit der festen Struktur (erst eine festgelegte Zeit für sich, dann die Hausaufgaben), haben wir die Aufgaben bisher immer gut und vollständig erledigen können.

Ich habe aber trotzdem für den Notfall mit der Lehrerin vereinbart, dass wir die Hausaufgaben auch mal weglassen dürften, wenn es gar nicht klappen sollte, dann würde ich das im Mitteilungsheft vermerken.

Die Erledigung der Hausaufgaben habe ich über die "Hausaufgaben" der Ergotherapie und kleine Aufgaben aus Vorschulheften, auf deren Ausführung ich bestanden habe, aber schon seit einem Jahr kleinschrittig vorbereitet.
Von daher finde ich die Vorschläge zwar auf regelmässige Erledigung der Hausaufgaben zu bestehen, aber vielleicht erst mal andere Aufgaben zu wählen, die er glaubt, schaffen zu können oder vielleicht nur den Teil der Aufgaben zu machen, die ihm leicht fallen, sehr vernünftig und praktikabel.

Ich wünsche Dir starke Nerven!
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Re:

Beitragvon melly210 » 27.08.2019, 15:21

Nachtrag:
Leider sind die Hausaufgaben in den jeweiligen Büchern (Karibu) zu finden, so dass man da nichts "anpassen" kann und diese sind für Marcel (derzeit?) zu schwer z.B. Muster nachzeichnen
Nochmal ganz klar: Hausaufgaben, die zu schwer sind, gehen einfach gar nicht. Hake da bitte nach und bleib dran.

@Melly: Du hast ein nichtautistisches Kindergartenkind, sprachlich fit, vermutlich auch nicht in dem Maß zu Aggression (wg Überforderung, kommunikivaten Defiziten oder fehlender Impulskontrolle) neigend wie zb Junior oder Marcel? Da lesen sich so „Ratschläge“ wie
Begleitung und Erziehungshilfe
usw halt nicht so gut ...
Wieso ? Ich denke wenn ein Kind derart herausforderndes Verhalten zeigt, ist es auf jeden Fall gut sich Begleitung und Hilfe zu suchen. Nicht weil man als Eltern unfähig ist, sondern weil das Kind einfach in manchen Situationen deutlich schwerer zu führen ist als andere Kinder. Er muß, Autist oder nicht, an das Hausaufgaben machen und andere unliebsame Themen herangeführt werden. Und klar, das muß man kleinschrittig machen und schauen daß er nicht überfordert ist, und er muß auch lernen anders als mit so heftiger Aggression zu reagieren. Das ist keine einfache Aufgabe, wie gesagt, auch für kompetente Eltern nicht, und kompetente, fachlich versierte Hilfe doch sicher ein Vorteil.

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MarcelundMama
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Re: Re:

Beitragvon MarcelundMama » 27.08.2019, 15:50

Wieso ? Ich denke wenn ein Kind derart herausforderndes Verhalten zeigt, ist es auf jeden Fall gut sich Begleitung und Hilfe zu suchen. Nicht weil man als Eltern unfähig ist, sondern weil das Kind einfach in manchen Situationen deutlich schwerer zu führen ist als andere Kinder. Er muß, Autist oder nicht, an das Hausaufgaben machen und andere unliebsame Themen herangeführt werden. Und klar, das muß man kleinschrittig machen und schauen daß er nicht überfordert ist, und er muß auch lernen anders als mit so heftiger Aggression zu reagieren. Das ist keine einfache Aufgabe, wie gesagt, auch für kompetente Eltern nicht, und kompetente, fachlich versierte Hilfe doch sicher ein Vorteil.
Ähm, ja, wie soll ich`s sagen...? :?: Es ist schon "etwas schwierig" als NT Mama an das Thema autistisches Kind konstruktiv und nützlich heranzugehen, denn das Problem ist: Du weisst absolut nicht wie unsere Kinder ticken. Daher sind Ratschläge wie: Hol Dir Hilfe über eine Erziehungsberatung absolut nicht geeignet, denn die "fachlich versierte Hilfe" vom Jugendamt hat ebenfalls keinen blassen Schimmer von der
"Materie" (abgesehen davon, das eine fremde Person hier im häuslichen Umfeld von meinem Sohn alles andere als gern "gesehen" wird (hier ist SEIN Reich, und somit bereits noch mehr Probleme und Ausraster vorprogrammiert), denn jedes Kind ist einzigartig und man muss dementsprechend individuell an die Sache herangehen. Man holt sich hier Tipps und anregungen von Eltern AUTSTISCHER Kinder, aber ob diese gerade in unserem Fall was bringen ist eine andere Sache, man probiert es einfach aus. Ich bin für hilfreiche Tipps natürlich sehr dankbar aber nur, wenn jemand weiss wovon er spricht. Ist nicht böse gemeint, sondern lediglich eine sachliche Feststellung.

Gruss!

Jo
Zuletzt geändert von MarcelundMama am 27.08.2019, 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)


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