Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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anjae
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Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

Beitragvon anjae » 21.08.2019, 09:11

Hallo zusammen,

für unseren Sohn (Pflegegrad 5) erhalten wir zur Zeit über die Krankenkasse/Pflegekasse die Verhinderungpflege sowie die zusätzlichen Betreuungsleistungen (jetzt heißt es glaube ich Entlastungsleistungen). Nils besucht eine Förderschule und hat dort einen Integrationshelfer, der vom Landesamt bezahlt wird. Die Entlastungsleistungen und Verhinderungspflege rechnen wir über die Lebenshilfe ab. Diese ist im April ihre Preis um fast 4 Euro auf einen Schlag erhöht, so dass wir mittlerweile über 22 Euro/Stunde zahlen und wir dann natürlich dementsprechend wendiger Betreuung in Anspruch nehmen können. Zumal finde ich es sehr ärgerlich, dass der Betreuer von Nils, der bei unserem Sohn wirklich tolle Arbeit leistet und sehr viel Verantwortung trägt, mit dem Mindestlohn abgespeist wird und das restliche Geld die Lebenshilfe einkassiert :cry:
Von einer Bekannten, die sich auch genau darüber geärgert hat, habe ich nun gehört, dass man zusätzlich Anspruch auf persönliches Budget für die Betreuung des Kindes hat. Man bekäme vom Landesamt monatlich das Geld aufs Konto überwiesen und würde dann mit dem Betreuer abrechnen. Ich habe nun mal gegoogelt, werde aber aus den Beschreibungen hierzu nicht so wirklich schlau und habe einige Frage, die ihr mir hoffentlich beantworten könnt :mrgreen:

- können wir das persönliche Budget zusätzlich zur Verhinderungspflege und Entlastungsleistungen der Krankenkasse in Anspruch nehmen?
- Ist die Bewilligung einkommensabhängig?
- In den Erklärungen im www heißt es, dass man quasi als Arbeitgeber fungiert. Wie muss ich mir das vorstellen? Müsste ich unseren Betreuer dann bei der Minijobzentrale anmelden?

Danke schon mal für eure Hilfe...

LG
Anja
Anja mit Nils, geb. 17.01.03, schwerste Mehrfachbehinderung nach Hirninfarkt während der Schwangerschaft, schwere Skoliose, PEG, und Janis 17.01.03 und Pauline 10.11.00, gesund.

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Jakob05
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Re: Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

Beitragvon Jakob05 » 21.08.2019, 10:12

Hallo Anja,
das Persönliche Budget (PB) ist KEINE zusätzliche Geldquelle, sondern eine andere "Darreichungsform". Wie z.B. auch beim Pflegegeld, kann man zwischen Geld- und Sachleistungen wählen, man kann eine Institution mit der Erbringung von Leistungen beauftragen oder sich selbst Leute suchen, die die Leistung erbringen und sich dafür das Geld auszahlen lassen.
Beim PB können verschiedene Leistungen (für die man berechtigt sein muss) zusammen in einen Topf gezahlt werden und so die gebündelten Mittel besser an die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst werden. Zum PB gehört eine lange Vorplanungszeit, ein realistischer Hilfeplan und viele Gespräche am runden Tisch mit ALLEN, die eine Leistung einbringen, also z.B. Krankenkasse, Sozialamt, .... Nur nach gemeinsamer Verabschiedung des Hilfeplans wird das Geld zur Verfügung gestellt. Die Einhaltung des Hilfeplans wird regelmässig in gemeinsamen Gesprächen überprüft und die Mittelverwendung beobachtet.
Das Personal dazu musst du als Arbeitgeber selbst anstellen, was aber kein grosser Aufwand ist. Allerdings bist du dann auch selbst für Einsatzpläne, Urlaubs- und Krankheitsvertretung, Schwangerschaftsvertretung und Weiterbildung etc. zuständig. In das PB müssen deshalb auch Organisationsaufwände, Ausfallzeiten und Vertretungskosten miteinberechnet werden.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Re: Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

Beitragvon anjae » 21.08.2019, 10:20

Hallo Jakob05,

das hört sich sehr kompliziert an. Heißt das zwangsläufig, dass ich dann ALLE Leistungen, die wir bisher erhalten über das PB selbst verwalten muss? Oder könnte ich ein PB einfach nur für einen Teil der bisherigen Leistungen, z. B. als "Ersatz" für die Entlastungsleistungen der Pflegekasse beantragen, so dass ich nur für diesen einen Part als "Arbeitgeber" für unseren Betreuer agiere? Ich habe den Eindruck, dass das Ganze möglichst kompliziert gemacht wird, damit bloß niemand auf die Idee kommt, das in Anspruch zu nehmen...
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Re: Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

Beitragvon Jakob05 » 21.08.2019, 10:25

Du kannst den Umfang des PB selbst entscheiden, in Absprache mit den Beteiligten, aber speziell die Entlastungsleistungen können nur über einen genehmigten Träger abgerechnet werden, nicht über PB oder als Geldleistung. Letzte Woche hab eich erfahren, dass diese Träger sehr unterschiedliche Stundensätze ansetzen. Mein PD nahm 26€ pro Stunde für eine Putzhilfe, die dann 10€ bekam, ein Erwachsenen-PD nimmt 41€/h für die gleiche Kostellation, sodass dann nur 3 Stunden Hilfe im Monat möglich sind. Die KK meinte dazu: "Die Stundensätze können von uns nicht beeinflusst werden!" Auch sonst könntest du mit deinem Eindruck recht haben !!!
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Re: Persönliches Budget - Wer kennt sich aus?

Beitragvon Inga » 21.08.2019, 11:00

Hallo, die Verhinderungspflege (& die anteiligen 50 % KZP, welche man "umbuchen" kann) kannst du einfach "selbst nutzen, da braucht man keinen Träger für. Geht ganz einfach mit einem Minijob, das ist keine große Sache. Nur die Entlastungsleistungen mußt du zwingend über einen Träger laufen lassen.
Wegen dem PB ansich hat dir Cordula ja schon ausführlich Antwort gegeben.
Wir nutzen das PB mehrfach (über verschiedene Kostenträger), falls du also konkrete Fragen hast, kann ich versuchen sie zu beantworten.

Gruß, Inga
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