Autismus, Dyspraxie, beginnende Pubertät

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Angela77
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Autismus, Dyspraxie, beginnende Pubertät

Beitragvon Angela77 » 19.08.2019, 09:50

Hallo zusammen,
ich wollte mal fragen, ob sich bei euch mit der Pubertät auch Verbesserungen in Sachen Dyspraxie zeigen?.
In unserem Fall ist die Dyspraxie wohl auch Folge der jahrelang unentdeckten Epilepsie (fronto-temeporal). Die ist nun seit fast vier JAhren perfekt unter Kontrolle, aber so richtig große Sprünge in Punkto Dyspraxieverbesserung sehen wir erst seit wenigen Monaten.
Ich frage mich gerade, ob der pubertätsbedingte Umbau des Frontalhirns uns hier zuhilfe kommt?
Denn wir haben auch jahrelang vorher intensiv geübt bzw. beübt und da war vergleichsweise wenig Fortschritt.
Es soll auch gar nicht so selten sein, dass Kann-Autisten mit der Pubertät doch noch Lautsprache entwickeln. Bene bildet neuerdings von sich aus und mit viel Spaß und messerscharf :D das "s". An ansontens sind nur ganz wenig Worte "nein". warte, ja und einige andere Laute das ...

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Re: Autismus, Dyspraxie, beginnende Pubertät

Beitragvon Chaosmarie » 19.08.2019, 11:47

Hallo Angie,

das ist ein interessanter Gedanke. Tatsächlich hat unser knapp zwölfjähriges Pubertier auf sprachlichem Gebiet in den vergangenen Monaten eine beachtliche Entwicklung gemant. Während im Winter noch oft Zweiwortsätze genügen mussten, ist jetzt eine geradezu gewählte Ausdrucksweise mit Haupt- und Nebensätzen die Regel. Allerdings war schon vorher klar, dass unser Kind eigentlich sprechen könnte. Früher hatte ich manchmal gefragt, warum es keine ganzen Sätze sprechen wollte. "Keine Lust.", kam dann als Antwort. Ich denke jetzt eher, dass unser Kind gelernt hat, dass es Dritten ernster genommen wird und mehr Aufmerksamkeit bekommt, wenn es sich sprachlich korrekt ausdrückt.

Tatsächlich kann bei Kanner-Autisten die lautsprachliche Entwicklung auch sehr spät einsetzen. Ich habe sogar vor ein paar Jahren einen erwachsenen Kanner Autisten kennen gelernt, der schon in den Zwanzigern war, als sich erste lautsprachliche Erfolge einstellten. Allerdings war das auch jemand, der von Kindesbeinen an vollstationär gelebt hat, und bei dem sich niemand großartig um passende Therapien gekümmert hatte.

lg
Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

Angela77
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Re: Autismus, Dyspraxie, beginnende Pubertät

Beitragvon Angela77 » 19.08.2019, 12:40

Hallo Marie,
das ist sehr interessant. Bene kann ja sehr schnell und sinnentnehmend lesen. Er hat einen großen Wortschatz und kann selbst komplizierte Fremdworte auf Dikat korrekt schreiben und achtet generell sehr auf die Rechtschreibung bei sich und anderen. Aber er kommuniziert auf dem Talker auch nur reduziert, wobei erkennbar ist, dass er möglichst nur die absolut notwendigen Elemente nutzt. Außer bei Sätzen, die er komplett abegespeichert hat ...
In seinem Fall liegt die fehlende Lautsprache ausschließlich an der Sprechapraxie... Aber die Kommunikation wäre tatsächlich auch auf dem ipad noch ausbaufähiger ...

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.08.2019, 12:57

Hallo Angie und Marie,

ich habe das Gefühl auch, dass der pubertätsbedingte „Gehirnumbau“ da echt hilft, Junior hat auch in den letzten 2-3 Jahre große Sprünge in der Handlungsplanung, Nachahmung, Fingerfertigkeit, im Alltagspraktischen gemacht. Das liegt schon auch viel an der guten Ergo, und der Schulbegleitung, aber meiner Meinung nach auch am pubertären Umbau.

Sprachlich geht es auch vorwärts, ich habe den Eindruck, das Lesenkönnen hat dem Junior neue Ebenen, neue Perspektiven, aufgemacht. Vielleicht auch alternative neuronale Wege, mit Sprache umzugehen.

Als Eltern eines autistischen Kindes bekommt man die Pubertät ja oft schwarzgemalt von anderen (auch Fachleuten), wir sehen im Alltag aber tatsächlich auch viel Positives.
Die Sozialkompetenz wird beim Junior leider nicht von selber besser...

Was ich allerdings schon im Sozialen auch sehe, dass er - pubertätstypisch eigentlich - mehr Drang nach außen hat, das Soziale beschäftigt ihn auch sehr. Und die grundsätzliche Abneigung gegen alles Neue ist nicht mehr sooo extrem in Beton gegossen, manchmal kommt er von selber über diesen „Berg“. Pubertät geht ja mit mehr Risikofreude einher, heißt es.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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