Schweigepflichtsentbindung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Chaosmarie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 953
Registriert: 10.07.2012, 15:14
Wohnort: Schilda

Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Chaosmarie » 17.08.2019, 11:46

Hallo allerseits,

bisher haben wir uns erfolgreich geweigert generalisierte Schweigepflichtsentbindungen dem Jugendamt gegenüber zu geben. Nun flattert uns frisch ein Schreiben unseres Lieblingsamtes ins Haus, mit der Aufforderung, Schweigepflichtsentbindungen der Schulbegleitung, des Trägers und der behandelnden kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis zu erteilen. Eine zeitliche Begrenzung ist nicht vorgesehen.

Hintergrund: Seit einigen Monaten ist eine ehemalige Mitarbeiterin des hiesigen ASD für uns im Rahmen der Wiedereingliederungshilfe zuständig. Die bisherige Handlungsweise lässt befürchten, dass sie darauf aus ist, uns die im Rahmen der Wiedereingliederungshilfe gewährte Schulbegleitung zu streichen. Abgesehen davon halte ich ihre Art und Weise, uns telefonisch an allen möglichen und unmöglichen Ecken hinterher zu spionieren für unverschämt.

Dass wir jederzeit zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Jugendamt bereit sind, ist klar.

Bitte um Tipps zur weiteren Vorgehensweise.

lg
Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

Werbung
 
Markus_1974
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 57
Registriert: 17.05.2018, 11:14
Wohnort: Beuren

Re: Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Markus_1974 » 17.08.2019, 12:41

Hallo Marie,

dann lehne einfach ab.
Schreibe dazu, dass du nicht in der Lage bist, abzuschätzen welche Konsequenzen eine Entbindung hat.
Aber dass du selbstverständlich gerne als Mittler zwischen den einzelnen Stellen auftrittst um aufkommende Fragen zu klären.

gruß
Markus

Michaela44
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1022
Registriert: 15.06.2016, 12:49

Re: Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 17.08.2019, 13:01

Ich habe mich in der Vergangenheit mehrmals an unseren Landesdatenschutzbeamten gewandt, der dann u. a. das JA aufforderte, die Formulare zu ändern. Wenn es notwendig war (Sachbearbeiterwechsel, neuer Träger...) habe ich immer wieder das gleiche wiederholt:

Ich kann die Schweigepflichtentbindung nicht unterschreiben, denn sie ist nicht gesetzeskonform. Aus der Schweigepflichtentbindung muss hervorgehen, welche Daten (!) von wem an wem zu welchen Zweck übermittelt werden sollen. Generelle Schweigepflichtentbindungen sind unzulässig. Wenn Sie möchten, kann ich mich gerne zwecks Klärung an den Landesdatenschutzbesuftragten wenden. Selbstverständlich werde ich, wenn es erforderlich ist, bei Bedarf und für den Einzelfall Schweigepflichtentbindungen ausstellen.

Unabhängig davon hatte die Therapeutin eine Schweigepflichtentbindung gegenüber der SB und dem Klassenlehrer "bezogen auf alltägliche schulische Fragen wie z. Bsp. zur Sitzordnung, Hausaufgaben, Schulausflüge, Unterstützung im Unterricht usw" mit der Einschränkung, dass die Schweigepflichtentbindung nicht für die Übermittlung von Berichten gilt. Sämtliche Berichte gingen immer an mich und ich habe sie dann an das JA weitergeleitet.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

Leasanne
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 388
Registriert: 27.05.2008, 23:27
Wohnort: Münster

Re: Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Leasanne » 17.08.2019, 13:17

Hallo Marie,

die Einstellung der Leistung aufgrund fehlender Schweigepflichtsentbindung wäre unzulässig, erst recht, wenn die Erklärung unter Androhung von Sanktionen oder Leistungseinstellung gemacht wurde.
Wie Michaela schon schrieb: generalisiert ist nicht!
ich mache es übrigens wie Michaela:immer wenn es um dieses Thema geht, kommt ein vorgefertigtes Infoblatt von mir dazu, das über die Rechtslage aufklärt, in dem ich anbiete, bei Unklarheiten den Landesdatenschutzbeauftragten zwecks Klärung einzuschalten und versichere, dass ich meinen Mitwirkungspflichten gerne nachkomme und bereit bin, auf den Einzelfall abgestimmte Schweigepflichtsentbindungen zu unterschreiben (die setze ich aber immer selber uf, bloss keine vorgefertigten Vordrucke ausfüllen!)

Gruß, Eva
Liebe Grüße
Leasanne
_________________________________________
Eva (*’76), Burn-out, alleinerziehend
Jonas (*’95), Lutz (*’02), ASS, ADHS, Dyskalkulie, extreme Knick-Senk-Füsse, Skoliose, seit 2019: LQTS, Til (*’05) extrem nervendes Pubertier

Chaosmarie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 953
Registriert: 10.07.2012, 15:14
Wohnort: Schilda

Re: Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Chaosmarie » 17.08.2019, 18:34

Interessant...herzlichen Dank für Eure Antworten. Ich denke, dass ich es genau so machen sollte.

Leasanne, woher hast Du das Infoblatt? Oder hast Du es selbst erstellt?

In unserem Vordruck heißt es u. a. "....Wir erklären uns damit einverstanden, dass sich die oben genannten Personen/Institutionen über die erfolgte und/oder geplante Betreuung unseres Kindes.....und unserer Familie austauschen und einander Auskunft geben. Dies gilt auch für den Austausch medizinischer, psychologischer und/oder sozialpädagogischer Berichte und Diagnosen."

So einen Freifahrschein für wilden Buschfunk abzuzeichnen geht aus unserer Sicht natürlich gar nicht. Die verheerenden Erfahrungen, die wir vor einigen Jahren mit dem Jugendamt gemacht haben, dürften dem einen oder anderen altgedienten User noch bekannt sein. Die Dame, die damals im ASD für uns mitzuständig war, sitzt jetzt an der Schaltstelle für die Wiedereingliederungshilfe.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt

"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin

"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.



Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste