AD(H)S Diagnose ?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
yael1004
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 25
Registriert: 22.05.2019, 17:42

AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon yael1004 » 15.08.2019, 19:36

Hallo Ihr Lieben!
Unser 9 jähriger diagnostizierter Asperger Autist würde nun ebenfalls auf AD(H)S getestet. Die Fragebögen von uns Eltern und der Lehrer ergaben einen sehr " hohen" Wert, nach dem er eindeutig betroffen wäre. Der Test, den er persönlich in der Klinik gemacht hat, ergab aber eine gute Konzentrationsfähigkeit. Das Ergebnis heisst also kein AD(H)S.
Als ich die Fragebögen ausgefüllt habe, hab ich unseren Sohn noch viel mehr wiedererkannt als bei den Autismus Fragebögen. Und wenn ich nur an die Hausaufgaben denke! Er liest den Text fünfmal und fragt mich dann immer noch, was er tun soll. Jedes Mal ein Drama. Die Lehrerin sagt, dass er sich in der Schule wochenlang gedanklich wegträumt und viel vom Unterricht gar nicht mitbekommt. Er hat einen IQ von 124. Daran kann es also auch nicht liegen.
Ich hab fest damit gerechnet, dass er auch. AD(H)S hat. Nicht, dass ich ihm das unbedingt anhängen will. Ich verstehe nur nicht, dass die Fragebögen anscheinend gar nichts zählen. Und auch sonst finde ich sein Verhalten schon recht auffällig. Ich weiß, dass AD(H)S und ASS sich in weiten Teilen überschneiden, doch wie kann man dann sagen, der eine hat es und der andere nicht? Was ist das entscheidende Kriterium?
Hab ich irgendwas Entscheidendes nicht verstanden??
Vielleicht kann mir jemand von Euch auf die Sprünge helfen?
Vielen lieben Dank! Yael
Sohn (2010) hochfunktionaler Asperger Autist

Werbung
 
melly210
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 608
Registriert: 19.02.2018, 20:07

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon melly210 » 15.08.2019, 20:01

yael1004 hat geschrieben:Hallo Ihr Lieben!
Unser 9 jähriger diagnostizierter Asperger Autist würde nun ebenfalls auf AD(H)S getestet. Die Fragebögen von uns Eltern und der Lehrer ergaben einen sehr " hohen" Wert, nach dem er eindeutig betroffen wäre. Der Test, den er persönlich in der Klinik gemacht hat, ergab aber eine gute Konzentrationsfähigkeit. Das Ergebnis heisst also kein AD(H)S.
Als ich die Fragebögen ausgefüllt habe, hab ich unseren Sohn noch viel mehr wiedererkannt als bei den Autismus Fragebögen. Und wenn ich nur an die Hausaufgaben denke! Er liest den Text fünfmal und fragt mich dann immer noch, was er tun soll. Jedes Mal ein Drama. Die Lehrerin sagt, dass er sich in der Schule wochenlang gedanklich wegträumt und viel vom Unterricht gar nicht mitbekommt. Er hat einen IQ von 124. Daran kann es also auch nicht liegen.
Ich hab fest damit gerechnet, dass er auch. AD(H)S hat. Nicht, dass ich ihm das unbedingt anhängen will. Ich verstehe nur nicht, dass die Fragebögen anscheinend gar nichts zählen. Und auch sonst finde ich sein Verhalten schon recht auffällig. Ich weiß, dass AD(H)S und ASS sich in weiten Teilen überschneiden, doch wie kann man dann sagen, der eine hat es und der andere nicht? Was ist das entscheidende Kriterium?
Hab ich irgendwas Entscheidendes nicht verstanden??
Vielleicht kann mir jemand von Euch auf die Sprünge helfen?
Vielen lieben Dank! Yael



Ja, es gibt viele Überschneidungen, genau so mit SI-Störungen (sensorische Integrationsstörung). Alles drei sind im Endeffekt Wahrnehmungsstörungen, mit Graubereichen und keiner klaren Abgrenzung zueinander oder zu neurotypischen Menschen. Vielleicht ist dein Sohn einfach im Graubereich. Eventuell würdet ihr bei einer anderen Stelle die Diagnose erhalten. Gerade bei Leuten im Graubereich sind sich auch Experten oft uneinig. Ihr könnt ja auch trotzdem mal etliche Ansätze die ADHSlern was bringen probieren und sehen ob es ihm hilft.

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13792
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon Engrid » 15.08.2019, 20:13

Hallo,

wenn Du Deinen Sohn in den Fragebögen so extrem wiedererkannt hast, und da auch eindeutig AD(H)S rauskam, und „nur“ der Test in der Klinik dagegenspricht: nicht wenige AD(H)Sler können sich auf den Punkt exzellent konzentrieren, einen sogenannten Hyperfokus herstellen. Wenn dann noch eine sehr gute kognitive Begabung dazukommt, dann lässt sich so ein Test sehr gut durchhalten und auch lösen.

Natürlich gibt es Überschneidungen, aber schon auch deutliche Unterschiede (auch wenn’s man die evtl. individuell rausarbeiten muss bei einem Kind, das beides hat. Es ist jetzt nicht so, dass es da eine Riesengrauzone gäbe, wo alles „eine Suppe“ ist.
(Die SI-Störung ist quasi in einer anderen Kategorie bzw Dimension, ist keine medizinische Diagnose. Aber das will ich hier jetzt nicht vertiefen, das verwirrt ja noch mehr)

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2668
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon Anjali » 15.08.2019, 22:48

yael1004 hat geschrieben:Und wenn ich nur an die Hausaufgaben denke! Er liest den Text fünfmal und fragt mich dann immer noch, was er tun soll. Jedes Mal ein Drama. Die Lehrerin sagt, dass er sich in der Schule wochenlang gedanklich wegträumt und viel vom Unterricht gar nicht mitbekommt. Er hat einen IQ von 124. Daran kann es also auch nicht liegen.


Hallo,

Das spricht für mich jetzt nicht unbedingt gegen Autismus bzw. für ADHS.
Will sagen, dass dies auch bei Autisten ohne AD(H)S vorkommen kann.

Ist denn sicher, dass dein Sohn die
Aufgabenstellungen versteht?
Trotz hohem IQ kann es zu Verständnisprobleme kommen. Manchmal hakt es an den „einfachsten“ Sachen.
z.B. an zu uneindeutigen Formulierungen und zu unklaren Anweisungen.


Gedankliches Abwesenheit kann auch bei autistischen Schülern ohne AD(H)S eine Reaktion auf Reizüberflutung sein.
Ist denn sicher, dass dein Sohn sich wegträumt? Oder ist sein Kopf in solchen Phasen fast „leer“?

Mein Sohn war in der Schule häufig geistig abwesend, weil er sich nach eigener Aussage innerlich schon auf anstehende stressige Ereignisse vorberieten musste, bzw. von dem Gedanken an diese abgelenkt wurde. (Z.B. Auf bevorstehende Zimmerwechsel, auf ein Referat, auf die große Pause etc.).
Der Fokus lag dann sozusagen auf „eigenen Belangen “ und nicht auf dem Unterricht.
Auch war es ihm nach eigener Aussage manchmal im Klassenzimmer zu laut, so dass er sich nicht mehr so gut konzentrieren konnte.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

yael1004
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 25
Registriert: 22.05.2019, 17:42

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon yael1004 » 16.08.2019, 08:08

Hallo Anja,
vielen Dank für Deinen Beitrag!
Darf ich Dich noch fragen, welche Möglichkeiten es bei Deinem Sohn gab, seinen Fokus mehr auf den Unterricht zu lenken? Durch welche Maßnahmen würde es besser?In der Klinik hat man mir gesagt einzig eine Verhaltenstherapie könne helfen.
Vielen lieben Dank!
Sohn (2010) hochfunktionaler Asperger Autist

Anjali
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2668
Registriert: 15.02.2008, 11:15

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon Anjali » 16.08.2019, 10:33

Hallo Yael,

so ein großes Thema war die geistige Abwesenheit im Unterricht bei uns nicht.
Weil sie „nur“ ein Symptom der allgemeinen Schwierigkeiten meines Sohnes war.

In der Autismustherapie wurde eher an den Ursachen dieses Phänomens gearbeitet
Also waren z.B. Bewältigungsstrategien für den Schulalltag ein Thema oder der Umgang mit Ängsten und Veränderungen.

Bis zum Schulabschluss hatte mein Sohn immer Erinnerungslücken, was den Unterrichtsinhalte anging.
Vielleicht hätten wir das gezielter angehen können, aber wir haben das alle irgendwie hingenommen.

Insofern kann ich dir leider keine konkreten Tipps geben, außer nach den genauen Ursachen/Auslösern dieser Abwesenheitsphasen zu forschen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 210
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon Bika » 16.08.2019, 17:19

Hallo yael,

Hm, also soweit ich weiß, ist diese ausführliche, (meist) computerunterstützte Aufmerksamkeitstestung echt ne Herausforderung, auch schon für Neurotypische.
Mein ADS- Kind ist danach fast kollabiert, hatte sich echt angestrengt und trotzdem ein grottenschlechtes Ergebnis erreicht.Da war das Testergebnis dann passend zu allen anderen Befunden.
Um als ADSler bei diesen Tests gut abzuschneiden, müsste man extrem gut und sehr lange hyperfokussieren, was ja eigentlich nur gelingt, wenn das Testmaterial spannend genug ist und das Interessengebiet des Kindes erfasst, ausserdem müsste das Kind maximal motiviert sein.
Eher unwahrscheinlich, oder? :lol:

Der IQ deines Sohnes ist hoch und es wäre möglich, dass er noch deutlich höher liegt.
Aber auch bei 124 könnte eine Unterforderungssymptomatik passen. Gerade in der Grundschule.
Das kann sich ähnlich äußern wie eine ADS.
Auch das würde ich einfach mal beobachten und im Hinterkopf behalten.


Wie reagiert dein Sohn auf herausfordernde Aufgaben, berabeitet er diese schneller und aufmerksamer?

LG von Bika

Werbung
 
yael1004
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 25
Registriert: 22.05.2019, 17:42

Re: AD(H)S Diagnose ?

Beitragvon yael1004 » 16.08.2019, 20:04

Hallo Bika,
vielen Dank für Deine Antwort!
Ehrlich gesagt ist es mir ohnehin ein komplettes Rätsel, wie er das mit dem computergestützten ( so einer war es tatsächlich) Test gemacht hat. Normalerweise sind schon wirklich simple Sachaufgaben ein Riesendrama. Er gibt dann schnell auf, weint und sagt, dass er das nicht könne. Wenn man ihm dann mehrfach (!!!) alles ganz genau erklärt, kann er es dann irgendwann schon. Mit wirklich komplizierten Aufgaben trau ich mich da gar nicht erst zu kommen. Meist fängt das Theater schon an, wenn er überhaupt Aufgaben machen soll. So läuft es wohl auch in der Schule.
Er ist selbst dann auch ganz verzweifelt und sagt, er könne sich einfach nicht konzentrieren. Die Aufgaben wären ihm auch zu schwer. Vor kurzem lag er abends weinend im Bett und meinte sein ganzes Leben würde schief laufen, weil er sich nicht konzentrieren könne. Er würde sicher die Schule nicht schaffen und dann keine Arbeit bekommen. Nach Unterforderung und Langeweile sieht es für mich nicht aus.

Wenn es um ein Thema in der Freizeit geht, sieht es ganz anders aus. Da hat er sich schon früh in einem wirklich grossem Zahlenraum bewegt und alles mögliche um- aus- und hin- und hergerechnet. Mit ca.4-5 Jahren konnte er den kompletten Kalender vom laufenden Jahr auswendig. Auf Zuruf eines Datums kam von ihm der Wochentag. Er meinte dann, er hätte nur die Sonntage auswendig gelernt und rechne von diesen Tagen aus. Das fand ich dann schon erstaunlich.

Ich verstehe es einfach überhaupt nicht.
LG Yael
Sohn (2010) hochfunktionaler Asperger Autist


Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste