Autismus?

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Re: Autismus?

Beitragvon ehemalige Userin » 16.08.2019, 18:08

Es könnte ja auch theoretisch beides sein....Hauptsache dem Zwerg wird geholfen.

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Re: Autismus?

Beitragvon ehemalige Userin » 16.08.2019, 18:10

Es könnte ja auch beides sein...Hauptsache dem Zwerg wird geholfen...

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Re: Autismus?

Beitragvon ehemalige Userin » 16.08.2019, 18:11

Es könnte ja auch beides sein...Hauptsache dem Zwerg wird geholfen...

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Re: Autismus?

Beitragvon Anjali » 16.08.2019, 22:09

Melanieclaus hat geschrieben:Hallo Käthe, danke für deine Antwort. Wie soll man das zuverlässig unterscheiden können...lg


Du als Mutter wirst doch vielleicht eine Ahnung haben, ob dein Kind unter Vernachlässigung, emotionaler Gleichgültigkeit der engsten Bezugspersonen oder der Trennung von diesen (z.B. durch häufige Krankenhausaufenthalte) zu leiden hatte, oder?
Wenn du so etwas weitgehend ausschließen kannst, dann wird Autismus als Erklärung ja schon wahrscheinlicher.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismus?

Beitragvon Anjali » 17.08.2019, 08:34

Hallo Melanie,
sorry, ich hatte ohne Anrede drauflosgeschrieben.
Das hole ich hiermit nach und hänge noch ein herzliches Willkommen im Forum dran.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismus?

Beitragvon Dario » 18.08.2019, 11:43

Hallo Melanie,

wie angekündigt möchte ich dir aus meiner Sicht noch einmal die Unterscheide zwischen Autismus und Bindungsstörung erklären. Beide haben Symptomüberscheidungen, die aber auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Bindungsstörungen haben ihren Grund in Verlassenheits- und Trennungserfahrungen, die man als Kind nicht verarbeiten konnte. Autismus liegt in neurologischen Wahrnehmungsbesonderheiten begründet, die angeboren sind.

Beiden gemeinsam ist z.B. das Gefühl, sich einsam und verloren in der Welt zu fühlen; nirgends Anschluss zu finden und dazuzugehören. Die Ursachen sind aber wie gesagt verscheiden. Beim Autismus liegt es hauptsächlich daran, dass bestimmte Fähigkeiten zur intuitiven Kontaktaufnahme fehlen und dass man oft auf eingeschränkte Interessen fokussiert ist. Bei einer Bindungsstörung liegt das Problem darin, dass man sich nie wirklich geliebt und angenommen fühlte, kein Urvertrauen aufbauen konnte. Kommen Autismus und Bindungsstörung zusammen, kann allerdings schwer werden, beides auseinander zu halten.

Bei Autismus und Bindungsstörung hat man gleichermaßen ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und verlässlichen Strukturen, nach klaren und berechenbaren Abläufen. Auch hier aber unterschiedliche Ursachen: Beim Autismus die Reizfilterschwäche, bei der Bindungsstörung die Angst vor erneuten Enttäuschungen.

Eine Reizfilterschwäche tritt bei einer einen Bindungsstörung nicht auf. Ebenso wenig wie Stereotypien, Stimming, motorische Unbeholfenheit und sprachliche Auffälligkeiten. Dies wären für mich auch die eindeutigsten Kriterien, um beides am ehesten auseinander zu halten.

Zur Frage, ist eine Bindungsstörung heilbar? Theoretisch schon, aber wenn sie sich über Jahrzehnte manifestiert hat, dann blieben immer Spuren zurück, mit denen man zu leben lernen muss. Dann kann man - ähnlich wie beim Autismus - nur versuchen, bestmöglich zu kompensieren. Deshalb reagiere ich so "allergisch", wenn hier im Forum oft so simple Gleichungen aufgestellt werden nach dem Motto: Alles, was nicht Autismus ist, kann geheilt werden! So einfach ist es in der Realität leider nicht. Die Unheilbarkeit ist kein Alleinstellungsmerkmal des Autismus.
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Re: Autismus?

Beitragvon Dario » 18.08.2019, 14:04

Weitere Gemeinsamkeit zwischen Autismus und Bindungsstörung: Man wünscht sich Nähe, hat aber gleichzeitg Angst davor und kann sie schwer aushalten. Beim Autismus liegt die Ursache in der Reizempflindlichkeit, bei der Bindungsstörung daran, dass Nähe mit Enttäuschung und Zurückweisung assoziiert wird.
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Re: Autismus?

Beitragvon Dario » 18.08.2019, 16:15

Noch ein persönlicher Bezug zur Probematik Autismus vs. Bindungsstörung. Ich weiß z. B. bis heute nicht, ob es eher meinem Autismus oder meinem Bindungstrauma geschuldet ist, dass es mir bis heute nie gelungen ist, eine Partnerin zu finden, mit der ich mir eine Liebesbeziehung vorstellen kann.

Vermutlich spielt beides eine Rolle und das macht es so außerordentlich schwer, einen greifbaren Ansatz zu finden. Ich hab mich jedenfalls sehr viel mit der Kombination Autismus und Bindungsstörung beschäftigt.
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