Neuro-Forschung zu Autismus

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Engrid
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Neuro-Forschung zu Autismus

Beitragvon Engrid » 15.08.2019, 12:34

Hallo,

https://www.spectrumnews.org/news/senso ... ant-brain/
wird Euch vielleicht nicht überraschen, aber es kann doch helfen, es quasi wissenschaftlich belegen zu können:
Quintessenz: Autistische Überreizung durch zb taktile Reize entsteht u.a. dadurch, dass das Gehirn andauernde Reize nicht unter „Gewöhnung“ ablegen kann und damit ausblenden kann.
Dies entkräftet das oft gehörte Argument, dass man Autisten an Überforderndes gewöhnen müsse, damit sie es besser aushalten können.


Allerdings finde ich, da spielen auch andere Aspekte mit rein, ist ja immer alles komplexer: wir haben hier durchaus, wo es um die Abwehr von Neuem geht, Erfolg mit Gewöhnung: Wenn es darum geht, Juniors generelle Abwehr von Neuem behutsam „aufzuweichen“, denn viele Dinge gehen nach mehr oder weniger viel „Reinhören“, Modelling usw eben doch, und es war nur der Anfang das Problem.
Geräuschemässig bleibt Junior zwar extrem sensitiv, aber die bessere kognitive Einordnung mancher stressiger Geräusche macht die Geräusche für ihn leichter erträglich, manchmal sogar harmlos.
Verstehen hilft sehr.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Neuro-Forschung zu Autismus

Beitragvon Michaela44 » 15.08.2019, 16:58

Mein Englisch reicht dafür leider nicht, ich habe aber von einer Studie aus Washington gehört, die zum Thema passt:

Dort wurde die Gehirnaktivität beim Blickkontakt gemessen, sowohl bei NTs als auch bei Autisten. Bei beiden Gruppen war das selbe Areal aktiv (ich weiß nicht mehr, welches). Die Gehirnaktivität erreichte bei NTs und deren typischen Blickkontakt die gleichen Werte wie Autisten bei ihrem typischer Weise deutlich kürzeren Blickkontakt. Hielten die Autisten genauso lange Blickkontakt, wie die NTs, nahm die Gehirnaktivität stark zu. Sie waren überreizt. Das erklärt, warum es für Autisten unangenehm bis schmerzhaft ist, "normalen" Blickkontakt zu halten. Das zeigt aber auch, dass es nicht gut ist, Autisten längeren Blickkontakt anzutrainieren.

Ich würde mich nicht wundern, wenn man bei anderen Dingen wie z. Bsp. taktile oder akustische Reize zu ähnlichen Ergebnissen kommt.
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Re: Neuro-Forschung zu Autismus

Beitragvon Engrid » 15.08.2019, 20:03

Hallo,

mal auszugsweise übersetzt:
Die Gehirne mancher autistischer Kinder passen sich nicht an wiederholte Berührungen oder Geräusche an, auch nach mehreren Minuten nicht, so eine neue Studie.
Bei den meisten Menschen lösen Sinnesreize wie Geräusche oder ungewöhnliche Texturen Aktivität aus in Gehirnregionen, die Sinnesinformationen verarbeiten. Wenn der Reiz andauert, regelt jedoch das Gehirn seine Reaktion herunter. Dieser Prozess, genannt Gewöhnung, befähigt Menschen, unwichtige Informationen auszublenden - wie zb das Geräusch der Klimaanlage oder das Gefühl eines Wollpullovers auf nackter Haut. So können sie ihre Aufmerksamkeit auf neue Information richten.

Die neue Studie ergab, dass manche autistische Kinder keine Gewöhnung zeigen - und das könnte erklären, warum sie ungewöhnliche Reaktionen auf Empfindungen zeigen, wie zb Ohren zuhalten in lauten Umgebungen, oder das Ablehnen von Kleidung mit kratzenden Schildchen, so Forschungsleiter Shulamite Green, klinischer Assistenzprofessor für Psychiatrie und biobehavioral sciences an der University of California, Los Angeles.

„Das ist, als würde dein Gehirn andauernd weiter versuchen, Sinnhaftes aus diesen Reizen zu machen,“ sagt Green, „es steckt da viel Anstrengung hinein, und das ist sehr überwältigend und sehr erschöpfend.“
Die Erkenntnisse legen nahe, dass diese autistischen Kinder nicht von einer „exposure therapie“ (aussetzenden Therapie) profitieren würden, in welcher ein Therapeut eine Person schrittweise steigenden Levels eines problematischen Reizes aussetzt.

Grüße
Engrid
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