Bericht im BR über Autismus

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Michaela44
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Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Michaela44 » 15.08.2019, 10:37

Hallo,

im BR gab es heute in der Sendereihe "Stolpersteine" einen schönen Bericht über Autisten:

https://www.br.de/mediathek/video/raus- ... 001a91b7b2

LG Michaela
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon IlonaN » 15.08.2019, 11:11

sehr gut gemacht. Tolle DOKU
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 15.08.2019, 11:26

Hey, danke für den Tipp, das wäre mir fast durchgerutscht! Grüße
Engrid
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Roy1969 » 16.08.2019, 00:59

Hallo,

ja interessant und gut gemacht. Aber....
Leider gibt es nicht annähernd so viele Dokus über kognitiv beeinträchtigte Autisten wie über überdurchschnittlich begabte Autisten :-( Wahrscheinlich nicht interessant genug...Und diese Beiträge beeinflussen nun mal das vermeintliche "Wissen" der Allgemeinheit über Autismus - erste Frage wenn ich anspreche das mein Sohn Autist ist "Ach, und welche besondere Fähigkeit hat er?"

Nachdenkliche Grüße
Roy
Roy 69, GöGa 74, D. 98, A. 05
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Michaela44 » 16.08.2019, 07:18

Hallo,

ja interessant und gut gemacht. Aber....
Leider gibt es nicht annähernd so viele Dokus über kognitiv beeinträchtigte Autisten wie über überdurchschnittlich begabte Autisten :-( Wahrscheinlich nicht interessant genug...Und diese Beiträge beeinflussen nun mal das vermeintliche "Wissen" der Allgemeinheit über Autismus - erste Frage wenn ich anspreche das mein Sohn Autist ist "Ach, und welche besondere Fähigkeit hat er?"

Nachdenkliche Grüße
Roy

Ja, das mit den besonderen Fähigkeiten stimmt. Das betrifft aber nicht nur geistig beeinträchtigte Autisten. Auch die meisten kognitiv fitten oder gar hochbegabten Autisten haben keine auffallend ausgeprägten Fähigkeiten.

Absolut unterrepräsentiert in den Medien sind autistische Frauen. Meistens leben sie ein unauffälliges Leben, haben womöglich Kinder und einen Job. Ihre Schwierigkeiten werden von der Außenwelt weder gesehen noch verstanden.

Ich finde diesen Bericht trotzdem gut und zwei von den 4 Protagonisten haben keine besonderen Fähigkeiten.
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Engrid
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Engrid » 16.08.2019, 08:35

Hallo,

ich hab jetzt auch geguckt, und finde den Bericht sehr gut gemacht.
Dickes „Like“ von mir.
Ich lerne immer auch etwas dazu, wenn ich solche „Vergleichsobjekte“ habe, es gibt immer Parallelen (zb Kilians Strategie, als Kind Kontrolle über seine Umwelt zu gewinnen, indem er Orte mit bestimmten verlässlichen sensorischen Eindrücken aufsucht, in seinem Fall Kanalrohre; oder Mirkos geübte relativierende Reaktion, als sein Sohn Jason eine neue, noch unbesprochene Regelvariante aufstellt - für Spielabbruch bei Gewitter - das kenne ich von mir selber: immer „auf der Hut“, denn wenn ich sowas übersehe, solange es gestaltbar/verhandelbar ist, dann habe ich u.U. viel zu tun, Juniors neue Regel einzudämmen, wenn sie vielleicht vollständig alltagsfern ist und stressige Situationen oder großen Mehraufwand bringt. Mirko gibt in dem Fall nach, Abbruch bei Gewitter wird wohl auch nicht sooo oft vorkommen, und außerdem sind sie ja nicht unter sich grade, da ist schlecht besprechen)

Ich glaube, wenn ich den Film Leuten empfehle, die am Junior rumrätseln, dass sie ein Stückchen mehr verstehen.

Grüße
Engrid
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Dario » 21.08.2019, 13:05

Journalistisch ist der Film vielleicht gut gemacht, aber insgesamt nach meinem Empfinden eher bagatellisierend. Der Fokus liegt nur auf den "Schrulligkeiten" und Absonderlichkeiten. Was Autismus wirklich an Einschränkungen mit sich bringt, oft auch an schweren Co-Erkrankungen und Traumatisierungen, davon erfährt man kaum etwas. Auch nicht davon, was für Autisten oft nicht zu erreichen ist (Freundschaften, Partnerschaft, Familie, Arbeitsplatz) und auch erst mal akzeptiert und verarbeitet werden muss.

Nur die Geschichte von Kilian, die fand ich noch am ehesten repräsentativ, weil die tiefgreifenden Probleme nicht verschwiegen werden. Und zu Jason: Ich finde ihn sympathisch, aber ich bezweifle stark, dass auch seine Geschichte repräsentativ ist. Er hat einen tollen Vater, der sich vorbildlich um ihn kümmert und anscheinend auch das Geld hat, ständig mit ihm auf Reisen zu gehen. Jason wächst unter einer Art "goldenen Käseglocke" auf. Eine erzählenswerte Geschichte, aber ganz sicher nicht repräsentativ für andere Teenager in dem Alter.

Insgesamt kann ich mich mit der Darstellung von Autismus in den Medien selten identifizieren und frage mich, ob man sich nicht lieber auf rein abstrakte Darstellungen beschränken sollte, anstatt schillernde Einzelschicksale vorzustellen, die niemals für das gesamte Spektrum sprechen können.
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Engrid » 21.08.2019, 13:55

Hallo Dario,

letztlich geht es ja bei Berichten in den Medien ganz stark darum, dass Leute einen Einblick bekommen, die bisher keinen hatten. Nicht vorrangig darum, dass andere Autisten sich identifizieren - das wäre vielleicht eher der Fall, wenn ein Autist einen Film aus seiner Perspektive machen würde. Wahrscheinlich aber auch dann nicht. Kennst Du einen, kennst Du EINEN.

Wir brauchen ganz dringend einen differenzierteren Blick der Gesellschaft auf Autismus. Dafür ist der Bericht sehr gut, finde ich.

Jason, Kilian und die anderen sollen nicht repräsentativ sein, es geht um einen Einblick. Und der ist doch gut gelungen.

Das, was Jasons Vater da aufzieht als goldene Käseglocke zu bezeichnen, finde ich ehrlich gesagt ein bisschen unfair. Da steckt unglaublich viel Liebe und Energie drin, und Gewitztheit, Wege zu finden, wie der Junge nach Außen kommt, über die Welt lernt, und im Kielwasser des Spezialinteresses „Lieblingsverein finden“ Dinge trainiert wie Flexibilität, Perspektivwechsel, ...
Das hilft zb, Unbedarften klar zu machen, dass man halt vielleicht ungewöhnliche Wege gehen muss mit manchen Kindern, damit sie vorwärts kommen.


Deine Grundthese ist quasi: „Was in den Medien zu Autismus kommt, soll repräsentativ sein.“
Das ist nicht zu leisten, denke ich, und auch nicht das Ziel. Wenn aber immer mal wieder andere Facetten dargestellt werden, dann bekommen die Leute - hoffentlich - nach und nach ein differenzierteres Bild. Und das muss dann ja noch flexibel im echten Leben angeglichen werden.
Grüße
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Dario » 21.08.2019, 15:24

Das, was Jasons Vater da aufzieht als goldene Käseglocke zu bezeichnen, finde ich ehrlich gesagt ein bisschen unfair.
So war das nicht gemeint. "Goldene Käseglocke" meinte ich in dem Sinne, dass es eben extrem selten ist, dass ein Vater sich mit soviel Hingabe, Liebe und Energie um seinen Sohn kümmert. Es gibt viele autistische Kinder, die in kaputten Familien aufwachsen, die nicht die Zuwendung und das Verständnis finden, das sie bräuchten. Wo die Eltern auch gar nicht das Geld hätten, mit ihren Kinder kreuz und quer durch ganz Deutschland zu reisen.

Von daher stehe ich dazu: Jason wächst unter einer Art "goldenen Käseglocke" auf, was aber nicht abwertend gemeint ist, sondern darauf hinweisen soll, das das etwas ganz Besonderes und Seltenes ist.

Vielleicht ist auch wenig unterschwelliger Neid dabei, dass ich es in dem Alter nicht so gut hatte, das will ich gar nicht ausschließen. Ich freue mich aber für Jason, dass er offenbar glücklich ist und mit niemandem tauschen möchte, wie der Sprecher zum Schluss betont hat. Das ist etwas sehr Kostbares und dürfte nur auf einen minimalen Prozentsatz aller Autisten zutreffen.
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Re: Bericht im BR über Autismus

Beitragvon Dario » 21.08.2019, 16:06

Anders als im Film gesagt, bin ich auch nicht der Meinung ,dass "Bitte" und "Danke" für Autisten grundsätzlich nur überflüssige Floskeln sind. In vielen Fällen ist das so, aber wenn ich einem anderen Menschen gegenüber wirklich Dankbarkeit empfinde (weil er z.B. für mich da war, als es mir schlecht ging), dann ist ein aufrichtiges Dankeschön keine sinnentleerte Phrase, sondern kann auch von Herzen kommen.

Es wird mir zu viel verallgemeinert in solchen Beiträgen und auch zu stark vereinfacht, auch das stört mich oft.
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