Kann man Autismus so ausschließen?

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Anna-Nina
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Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Anna-Nina » 12.08.2019, 19:36

Hallo zusammen,

ich stelle mir schon seit längerer Zeit diese Frage:

Meine Tochter (8 Jahre) hat autistische Züge in vielen Bereichen.
ABER unsere KJP hat schon beim ersten Termin gemeint - sie wäre sicher nicht autistisch. Ohne Begründung - allerdings war dieses Gespräch an sich für die Katz. Damals schob sie alle Probleme die mein Kind hat auf mich und auf die Zwillingsschwester. ----Die fiese Epilepsie im Frontallappen kannten wir damals nicht - und sie hat auch nichts in die Wege geleitet an Diagnostik. Inzwischen sind wir ja schon viel weiter - wissen von der Epilepsie.

Nun habe ich meine Neurologin mal gefragt - und diese meinte, dass meine Tochter sicher kein Autist ist, wenn sie sehr den Kontakt zu anderen Kinder sucht und aufgeschlossen ist. Das tut sie auch wirklich - sie ist extrem gesellig - ABER sie ist total unbeholfen im Kontakt und verkrault sehr schnell sehr viele Kinder wieder durch ihre Art. Sie ist einfach anders als die Anderen.
Es wird zwar mit der Zeit immer besser - aber sie kann einfach nicht mit dem Strom schwimmen - macht immer Dinge die andere seltsam finden.

Meine Frage ist jetzt: kann man Aufgrund von Kontaktfreudigkeit Autismus ausschießen? Ist das ein realistisches Ausschlusskriterium?

Wenn das so wäre würde mich das beruhigen, dann würde ich ihre Kontaktprobleme auch eher auf die Störung im Frontallappen schieben. (Dort wird ja alles gesteuert, was Menschlichkeit so mit sich bringt - Regelverständnis, Emotionen uvm). Für mich ist dies schon Erklärung genug - aber 100% sicher bin ich mir nicht - nicht das wir doch noch etwas übersehen und ihr zu wenig Hilfe dadurch zukommen lassen.

Vielen Dank für eure Antworten.

LG
Anna

BauerM
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon BauerM » 12.08.2019, 20:03

Hallo Anna,

diesen IDC-10 Katalog und das was die Ärzte behaupten kann man in die Mülltonne schmeißen und verbrennen. Die reden wie der Blinde von der Farbe. Es gibt auch Professoren für Psychiatrie die das ebenso sehen, hoch angesehene. Kein seriöser Psychologe würde Autismus diagnostizieren, weil es gar nicht geht, man könnte wenn man seriös ist immer nur hochgradigen VA Diagnostizieren. Das ist wie zB Alzheimer, kein seriöser Arzt könnte Alzheimer diagnostizieren, weil man das erst post mortem kann. Aber Alzheimer kann man wesentlich besser diagnostizieren wie klinische psychiatrische Krankheiten.

Diese psychiatrischen Diagnosen sind mehr so ungefähre Einschätzungen, nicht mehr, nicht weniger. Man braucht das natürlich, auch wegen Gesetz/ Therapie usw. Aber Psychiatrie ist keine exakte Wissenschaft, es sind keine exakten Diagnosen. Es sind nur subjektive Einschätzungen. Mein Autismus-Wissen ist jetzt auch nicht mehr da aktuellste, aber Psychiater, Prof Dr Dr igw die einen solchen Topfen argumentieren kenne ich genug, also im 2 stelligen Bereich. Normale Psychologen, die gut sind, und die das Kind lange kennen, können, zusammen mit moderner Bildgebung und halt dann diese klinisch Psychologischen Test schon mehr aussagen. Aber auch immer nur ungefähr einen Verdacht. Man weiß ja nicht genau was Autismus/Asperger ist. Das war zumindest so vor einigen Jahren, dass sich da bahnbrechend was geändert hat wäre mir neu.

Es gibt in den USA eine Autismus-Expertin, alle die die sie "heilte" (sofern es überhaupt als Krankheit definiert werden kann) hatten dann natürlich keinen Autismus, da der ja unheilbar ist. Wenn man sowas hört, die Krankheit hatte das Kind nicht, weil es geheilt wurde, denn die Krankheit setzt voraus, dass sie unheilbar ist.... Da braucht man keinen Prof mit Dr Dr irgendwas, um zu merken, dass das ziemlicher Unsinn ist. Echte Experten erkennst du daran, wie sie argumentieren, siehe Schopenhauer, lies mal eristische Dialektik (Scheinargument vs Argument). Wenn ein Prof mit scheinargumenten um sich wirft, kann der noch so viel Expertise haben (Expertenstatus ist so ein Scheinargument), ernstnehmen könnte ich ihn nicht ....

MFG
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

Tina4K
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Tina4K » 12.08.2019, 21:37

Vielleicht ein atypischer Autismus?

Gewöhnlich sind Autisten nicht besonders kontaktfreudig aber! es gibt weitaus mehr Kriterien die ein Mensch als Autist charakterisieren.

Schau Dir mal auf Autismus Kultur die Beschreibubgen und Tests an, danach weißt Du mehr.

BauerM
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon BauerM » 12.08.2019, 21:45

Die Frage ist aber, ist eine atypische Erkrankung überhaupt eine solche, oder aber ist es eine andere die nur so aussieht. Ich hab mal einen Wiki Artikel dazu geschrieben, ALS / ALS Mimics. Also Mimics sind nachahmende Krankheiten, die man aber ua klinisch evident (also anerkannt wenn korrekt diagnostiziert) behandeln kann. Normal sind Autisten wirklich sehr in sich gekehrt, das ist ja so ein Hauptdiagnosekriterium.

ich meine die richtige Autismusforschung hat zugenommen, also das abbilden was sich im Gehirn abspielt, da gibt es ganz andere Bildgebungen die vor Jahren noch nicht existent sind. Wieweit die für Autismusforschung genutzt werden weiß ich nicht, da nicht gelesen. Aber bei Shizo gibt es ein paar interessante.

Nur mal als ca Vergleich, Parkinson wurde früher immer klinisch gestellt. Ist "leicht" sagten die Neuros, seit es mit PET untersucht wurde, kam man bis zu 50% Fehldiagnosen... beim Post-Polio-Syndrom liegt man laut dem führenden Experten, der sich echt intensiv damit befasst, bei über 99% Fehldiagnosen.

Also bei den Psychiatrischen Sachen... ich wäre da vorsichtig.

MFG
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Sophie-11
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Sophie-11 » 12.08.2019, 22:06

Hallo Anna,

Kein seriöser Autismusexperte wird Autismus nur aufgrund eines einzigen Merkmals und ohne gründliche Untersuchung ausschließen. Das geht gar nicht, denn von allen Merkmalen treffen in der Regel nur einige, aber nicht alle zu. Das heißt nicht, dass Deine Tochter tatsächlich betroffen ist, aber um den Verdacht sicherer ausräumen zu können, müsstest Du sie jemandem vorstellen, der wirklich Ahnung davon hat.

LG und alles Gute!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

Michaela44
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Michaela44 » 12.08.2019, 22:51

Hallo zusammen,

ich stelle mir schon seit längerer Zeit diese Frage:

Meine Tochter (8 Jahre) hat autistische Züge in vielen Bereichen.
ABER unsere KJP hat schon beim ersten Termin gemeint - sie wäre sicher nicht autistisch. Ohne Begründung - allerdings war dieses Gespräch an sich für die Katz. Damals schob sie alle Probleme die mein Kind hat auf mich und auf die Zwillingsschwester. ----Die fiese Epilepsie im Frontallappen kannten wir damals nicht - und sie hat auch nichts in die Wege geleitet an Diagnostik. Inzwischen sind wir ja schon viel weiter - wissen von der Epilepsie.

Nun habe ich meine Neurologin mal gefragt - und diese meinte, dass meine Tochter sicher kein Autist ist, wenn sie sehr den Kontakt zu anderen Kinder sucht und aufgeschlossen ist. Das tut sie auch wirklich - sie ist extrem gesellig - ABER sie ist total unbeholfen im Kontakt und verkrault sehr schnell sehr viele Kinder wieder durch ihre Art. Sie ist einfach anders als die Anderen.
Es wird zwar mit der Zeit immer besser - aber sie kann einfach nicht mit dem Strom schwimmen - macht immer Dinge die andere seltsam finden.

Meine Frage ist jetzt: kann man Aufgrund von Kontaktfreudigkeit Autismus ausschießen? Ist das ein realistisches Ausschlusskriterium?

Wenn das so wäre würde mich das beruhigen, dann würde ich ihre Kontaktprobleme auch eher auf die Störung im Frontallappen schieben. (Dort wird ja alles gesteuert, was Menschlichkeit so mit sich bringt - Regelverständnis, Emotionen uvm). Für mich ist dies schon Erklärung genug - aber 100% sicher bin ich mir nicht - nicht das wir doch noch etwas übersehen und ihr zu wenig Hilfe dadurch zukommen lassen.

Vielen Dank für eure Antworten.

LG
Anna

Hallo Anna,

nein, so kann man Autismus ganz gewiss nicht ausschließen. Bei Mädchen sind die äußeren Symptome oft anders als bei Jungen: versteckter, nicht so deutlich zu erkennen und viele autistische Mädchen suchen Kontakt, bekommen es aber nicht hin oder nur durch hohe Anpassungsleistung, die auf Dauer sehr erschöpfend ist.

Wenn du es genau wissen möchtest, rate ich dir zu einer erfahrenen Diagnosestelle zu gehen. Durch die Diagnose ändert sich deine Tochter nicht. Wenn sie aber Autistin ist und dies unerkannt bleibt, bleibt auch ihr Leidensdruck!

LG Michaela (Diagnose leider erst mit 39 Jahren)
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

BauerM
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon BauerM » 13.08.2019, 00:53

Also wenn es nach "Experten" geht habe ich mal Autismus gehabt, dann doch eher Asperger, dann nur extreme Introversion, dann wäre ich total extrovertiert. Ehrlich gesagt, ich fand alle Zustände anders, habe nur als ich extrem introvertiert war das als Krankheit angesehen, als es auch gemäß Big 5 radikal umgeschlagen hat, habe ich es nur mehr als anders empfunden. Ich denke die Diagnose ist ziemlich egal, ich habe auch mal ein Buch angefangen warum Introversion eine Krankheit ist. Ich hatte es geglaubt, heute sehe ich es anders. Naja gut, vielleicht weil ich wechseln kann, aber ich kenne autisten die Autisten blieben, zumindest laut den "Experten" und die das tatsächlich nicht als Krankheit sehen und sehr zufrieden leben. Aber das schon vor der Diagnose. Ich weiß nicht genau was die bringen soll. Meiner Meinung gilt hier das gleiche wie für alle psychischen Probleme, den Leidensdruck löst man gleich der daraus entsteht. wenn man, ich nenne es lieber "autistische Züge hat" die stark ausgeprägt sind, hilft es sich einen Psychologen zu suchen, egal ob Diagnose hin oder her, der dabei helfen kann. Weil ja immer die gleichen Probleme daraus entstehen. Psychophatologenisieren würde ich es nicht mehr, wenn man es nicht verändern will. (Ich schreibe bewusst nicht Heilung, da ich mir nicht sicher bin, dass es eine Krankheit ist, sobald kein Leidensdruk mehr ensteht).

MFG
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Beitragvon Engrid » 13.08.2019, 02:22

Hallo Anna,

ich schließe mich Michaela an.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 13.08.2019, 06:28

Bei der Frage nach den Ausschlußkriterien schließe ich mich Michaela und Engrid an.
Aber hier drängt sich mir eine Frage auf
Sie ist einfach anders als die Anderen.
Es wird zwar mit der Zeit immer besser - aber sie kann einfach nicht mit dem Strom schwimmen - macht immer Dinge die andere seltsam finden.
Wäre ihr vielleicht mit einer Stärkung des Selbstbewusstseins geholfen um zu ihrer Individualität stehen zu können? Für mich ist "mit dem Strom schwimmen" kein tolles Persönlichkeitsmerkmal bzw. die Unfähigkeit dazu kein Negativmerkmal.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

NicoFalco
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon NicoFalco » 13.08.2019, 07:46

Hallo Anna,

Ich denke auch nicht das es so einfach ausgeschlossen werden kann. Mein großer Sohn bekam seine Diagnose mit 17 Jahren, er ist kontaktfreudig, lernt Leute kennen, kann diese Kontakte jedoch nicht halten.

Mein kleiner bekam die Diagnose mit 4, er ist nicht kontaktfreudig, hängt aber extrem an den Kontakten die er hat und gönnt diesen kaum Freiräume für andere.

Ich bekam meine Diagnose jetzt mit 40 Jahren, habe oberflächlich viele Kontakte, aber kein Interesse an Vertiefungen.

Da gibt es noch so viel mehr was eine Rolle spielt.

Wir hier zu Hause sind also 3 Autisten, aber alle so unterschiedlich.

Ein anderer, erfahrener Diagnostiker kann bestimmt mehr dazu sagen.

Lg Christina
Ich: 84.5(G), 40.1(VA)
Nico 08.2000, Asperger Autist, ADS, LRS, Allergiker, Asthma, SBA 60% unbefr.
Falco 03.2010, Frühchen 31ssw, Asperger Autist, ADHS, LRS, Dyskalkulie, SBA 70% H und B, PG 2
*Henry 18.03. - 24.03.*


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