Wie kann man das verstehen?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Michaela44
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Re: Wie kann man das verstehen?

Beitragvon Michaela44 » 12.08.2019, 19:09

Ich kenne es von meinem Sohn auch: das Hobby ist das Sammeln (und Sortieren) an sich. Das Objekt dabei ist eher Nebensache, auch wenn darüber ständig geredet wird. Sobald die Sammlung voll ist, besteht daher auch kein Interesse mehr, denn das Sammeln selbst war interessant und ist nun abgeschlossen. Es ist alles "fertig und richtig" und das Thema kann abgehakt werden.

Sammeln und Sortieren beruhigt und schafft Ordnung in dieser für Autisten chaotischen Welt.

Lass ihm seine Art des Hobbys. ;-)

Ist dein Sohn zudem hochbegabt oder überdurchschnittlich intelligent? Dann werden Dinge eh schneller uninteressant, weil sie keinen intellektuellen Input mehr geben.
Asperger Autistin
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LunaBluna
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Re: Wie kann man das verstehen?

Beitragvon LunaBluna » 12.08.2019, 23:16

Danke euch. Nein, er ist ganz normal intelligent.

steffimoppel
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Re: Wie kann man das verstehen?

Beitragvon steffimoppel » 13.08.2019, 11:16

Ich finde das ganz normal. Ganz viele Angebote sind doch auf Sammeln auf Zeit angelegt. Nimm mal all die Sammelalben. Da wird gesammelt und getauscht, bis das Heft voll ist. Dann ist wieder was anderes dran. Bei solchen Aktionen machen Millionen Menschen mit. Und viele sind auch traurig, wenn das Sammeln vorbei ist. Ich kenne das bei den Kindern in meiner Klasse. Je nachdem wieviel Geld man ausgibt, ist man schneller oder langsamer, die ganz schnellen sind erst stolz und von allen bewundert, aber doch irgendwie traurig, weil sie das Heft vollhaben und nun nicht mehr so richtig mitmachen können, während die anderen noch sammeln. Ist er denn traurig, wenn er wieder eine Sache voll hast oder ist er dann glücklich?
Denn beim Sammeln kann man ja Dinge sammeln, die man voll bekommen kann und welche, die man unendlich sammeln kann. Oder quasi unendlich. Wenn er länger bei einer Sache bleiben möchte und traurig ist, etwas voll zu haben, kann er ja etwas sammeln, wovon es ganz viele Dinge gibt. Aber wenn für ihn der Abschluss wichtig ist, dann wäre das eher frustrierend.
Für die Durchführung von Sammlungen als Hobby finde ich Bücher einer Reihe auch etwas unbefriedigend. Denn die kann man ja einfach in einem Laden kaufen. Also bestellt man die hintereinander und hat sie. Also ich mag es auch alle Bücher einer Reihe zu haben, die ich gerne lese und finde es total merkwürdig, wenn sich Menschen Teil 1 und 2 ausleihen und dann Teil 3 kaufen. Was soll man denn mit nur dem 3. Teil einer Buchreihe, aber da geht es mir immer noch ums Lesen und nicht ums Sammeln. Und auch da ist es logisch. Man fiebert allen Teilen einer Reihe entgegen, liest sie und dann ist es vorbei. Wenn man z.B. Harry Potter durchgelesen hat, ist es schön, alle Bände im Schrank zu haben und den Inhalt zu kennen. Aber dann ist das Interesse bei den meisten Menschen doch auch wieder weg.
Ich verstehe daher das Problem nicht so ganz. Dein Sohn macht Dinge, macht sie zu Ende und wendet sich dann etwas neuem zu. Was sollte er denn statt dessen machen?

Gruß Steffi


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