Lehrbuchmeinung Autismus

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Michaela44
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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Michaela44 » 08.08.2019, 19:32

Anjali hat geschrieben:Bei allem Verständnis, aber was erwartet ihr von einem „normalen“ Kinder- und Jugendpsychologen?
Er muss die ganze Bandbreite aller möglichen psychischen Erkrankungen kennen/beurteilen.
Natürlich kann er sich nicht auf jedem Gebiet so auskennen, wie z.B. ein Arzt/Psychologen, der sich auf ein Teilgebiet (z.B. Autismus) spezialisiert hat.
Warum bleibe ich bei einem Psychologen, den ich selbst noch „weiterbilden“ zu meinen muss und und wechsele nicht zu einem Therapeuten, der sich auf Autismus spezialisiert hat?


Zum Beispiel, weil die leider selten sind oder keine Kassenzulassung haben oder weil man selbst erst einmal dahinter kommen muss, dass das Gegenüber nicht viele Kenntnisse von Autismus hat (das merkt man selbst erst dann, wenn man sich selber auskennt).

Von einem "normalen" Psychologen/Arzt etc. erwarte ich, dass er es benennt, wenn er etwas nicht weiß, und an einen Fachmann überweist.
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 08.08.2019, 19:44

Hallo,

dass er es benennt, wenn er etwas nicht weiß, und an einen Fachmann überweist.
Dazu müsste ihm erstmal klar werden, DASS er es nicht weiß.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Anjali
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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Anjali » 08.08.2019, 19:54

Michaela44 hat geschrieben:
Von einem "normalen" Psychologen/Arzt etc. erwarte ich, dass er es benennt, wenn er etwas nicht weiß, und an einen Fachmann überweist.


Das setzt aber doch
voraus, dass der Psychologe selbst der Meinung ist, etwas „nicht zu wissen“.
Die Diagnose, die er stellte, lautete nicht auf Autismus.
Er ist daher wohl nicht überzeugt davon, einen Autisten vor sich zu haben.
Warum also sollte er von sich aus eine weitere Abklärung anstossen?

@Maja, du bist doch überzeugt davon, ein autistisches Kind zu haben, oder?
Du bist mit der aktuellen Therapie (Belohnungssystem) nicht einverstanden.
Warum wendest du dich zwecks Diagnose/Abklärung und adäquater Therapien nicht an Autismusfachkräfte?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Anjali » 08.08.2019, 22:26

...oder anders gefragt: welche Hilfe erhoffst du von einem Therapeuten, der -deiner Kenntnis nach- keine große Ahnung von Autismus hat?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon MajaJo » 09.08.2019, 11:14

Hallo Ihr!
Michaela44 hat geschrieben:
Anjali hat geschrieben:Bei allem Verständnis, aber was erwartet ihr von einem „normalen“ Kinder- und Jugendpsychologen?
Er muss die ganze Bandbreite aller möglichen psychischen Erkrankungen kennen/beurteilen.
Natürlich kann er sich nicht auf jedem Gebiet so auskennen, wie z.B. ein Arzt/Psychologen, der sich auf ein Teilgebiet (z.B. Autismus) spezialisiert hat.
Warum bleibe ich bei einem Psychologen, den ich selbst noch „weiterbilden“ zu meinen muss und und wechsele nicht zu einem Therapeuten, der sich auf Autismus spezialisiert hat?


Zum Beispiel, weil die leider selten sind oder keine Kassenzulassung haben oder weil man selbst erst einmal dahinter kommen muss, dass das Gegenüber nicht viele Kenntnisse von Autismus hat (das merkt man selbst erst dann, wenn man sich selber auskennt).

Von einem "normalen" Psychologen/Arzt etc. erwarte ich, dass er es benennt, wenn er etwas nicht weiß, und an einen Fachmann überweist.


Ja, genau so, Michaela.

Engrid hat geschrieben:Hallo,

dass er es benennt, wenn er etwas nicht weiß, und an einen Fachmann überweist.
Dazu müsste ihm erstmal klar werden, DASS er es nicht weiß.

Grüße


Das ist natürlich auch richtig.

Anjali hat geschrieben:...oder anders gefragt: welche Hilfe erhoffst du von einem Therapeuten, der -deiner Kenntnis nach- keine große Ahnung von Autismus hat?


Und ich erwarte von ihm natürlich gar nichts mehr, außer dass er vielleicht seinen Horizont erweitert.

Angefangen hat es ja tatsächlich so, wie es Michaela geschrieben hat: Große Probleme, eigene Hilflosigkeit, Wunsch nach Hilfe. Lange Wartezeiten, Empfehlungen der Kinderärztin und zunächst erstmal selbst keine Verdacht Richtung Autismus, sondern ein depressives, in sich gekehrtes, sich immer mehr verweigerndes Kind. Erst die Diagnostik-Schiene mit der in meinen Augen Fehldiagnose "Störung des Sozialverhaltens mit depressiver Störung" haben mir die Augen geöffnet und ich habe mal den Blick über den Tellerrand gefunden.

Dass ich die Therapie dort nicht fortsetze ist schon längst klar. Im übrigen ist es nicht einmal ein Fortsetzen, weil die Therapie seitens der KK noch immer nicht genehmigt ist. Mir ging es nur noch darum, dem Therapeuten in Ausbildung zurückzuspiegeln, warum ich keine Compliance habe und nicht bereit bin, die Therapie dort anzunehmen. Meine "Weltverbessereransicht" wünschte es so. Wie sollen Menschen lernen, wenn sie die andere Sichtweise gar nicht kennen?

Interessanterweise habe ich bei der Recherche festgestellt, dass das Buch, aus dem die Fallvignette entnommen war, von dem Professor herausgegeben wird, der die Ausbildungsstätte dieses Therapeuten in Ausbildung leitet. Diese bietet in ihrer Ambulanz im Übrigen auch Autismusdiagnostik an. Wer weiß, wie viele Eltern schon an dieser Lehrmeinung verzweifeln mussten? Insofern finde ich es wichtig, daran zumindest ein bisschen zu arbeiten, dass sich das irgendwann vielleicht einmal ändert.

Liebe Grüße

Maja
Maja m. Jo (*2010) ND, Ichthyosis vulgaris, Asthma, Allergien m. Anaphylaxie, GdB 70 H, A (*2005) Chêneau-Korsett versorgte Skoliose und Sternenenkel (3/2018-5/2018)

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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.08.2019, 13:51

Für mich wäre ein "Kinder- und Jugendpsychotherapeut i. A." nicht die richtige Adresse für mein Kind, das klärt man besser mit einem KInder- und Jugendpsychiater.
DIe Unterschiede sind hier recht gut erklärt. https://www.psychologie-ohne-nc.de/fern ... sychiater/
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Engrid » 09.08.2019, 14:10

Hallo,

bei unserer langjährigen Diagnostikstelle ist der KJP der Leitende des Ganzen, angegliedert im Haus sind ausgebildete Psychotherapeutinnen. Das hat den Vorteil (wenn die Leitung gut ist und viel von Autismus versteht), dass auch subklinische Autisten, die eben keine Diagnose bekommen weil sie unter dem Cutoff bleiben, therapeutisch gut aufgefangen werden können, und eben individuell genau da abgeholt, wo sie stehen. Das ist eine kleine, niedergelassene Praxis.
Im Großen funktioniert das aber zb in der Münchner Heckscher Klinik genauso. Wichtig ist also, dass im Haus Autismuskompetenz ist.
Wenn eine ASS-Diagnose da ist, dann dürfte bei Kindern aber schon eine spezialisierte Autismustherapie (ATZ) das beste sein, denn es gehört dann ja zb auch Unterstützte Kommunikation und TEACCH mit hinein, was „normale“ Psychotherapeuten sonst eher nicht brauchen (oder jedenfalls gewöhnlich nicht haben) in ihrer Ausbildung.


Einem Therapeuten, der auf dem falschen Dampfer ist, etwas mitzugeben, wäre mir sicher auch ein Bedürfnis - ich möchte aber mal stark bezweifeln, dass der sich da was sagen lässt. Sicherlich, man könnte ihm zum Abschied das richtige Buch schenken, wenn es einem die Investition wert ist.
Wenn Du aber in einigen Jahren einen guten Weg mit Deinem Kind gefunden hast, dann wird ein Brief, aus dem das hervorgeht, und aus dem damit auch hervorgeht, dass der Therapeut auf dem Holzweg war, sicherlich häufig „landen“ und vielleicht nachdenklich oder fachlich neugierig machen ...
Zuletzt geändert von Engrid am 09.08.2019, 14:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon MajaJo » 09.08.2019, 14:13

Hallo Regina,

die Kinder- und Jugendspychiaterin haben wir mit Blickdiagnose und Sceno-Test schon hinter uns. Dort sind wir bei F98.9 gelandet und uns wurde die Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie empfohlen, deshalb der Therapeut in Ausbildung.

Liebe Grüße

Maja
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Beitragvon Engrid » 09.08.2019, 14:19

Zweitmeinung einholen? F98.9 ist ja, finde ich, keine (erklärende) Diagnose, sondern eine Restkategorie, weil nichts passendes gefunden wurde ... Unbefriedigend.
Engrid
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Re: Lehrbuchmeinung Autismus

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.08.2019, 15:01

Und eine Psychotherapie bei einem Therapeuten in Ausbildung aufgrund einer unbefriedigenden Verlegenheitsdiagnose zu beginnen, wäre nicht meins, definitiv nicht. Da würde ich mir lieber erst einen fachlich versierten KJP für eine ordentliche Diagnostik suchen.
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