Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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LovisAnnaLarsMama
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 05.08.2019, 10:22

Ich hatte Angst vor einem dritten Kind, denn die Schwangerschaften davor waren nicht unproblematisch und es bestanden gewisse Risiken. Der Kleinste hatte sich eingeschlichen und prompt kam es wieder zu einer Frühgeburt mit Zwischenfall bei der Geburt...
Was ich auch nicht wusste, in unserer Familie geistern doch einige Erkrankungen herum, die sich jetzt erst zeigen. Wäre der Kleinste das erste Kind gewesen, wäre er warscheinlich Einzelkind geblieben.
Lg
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

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kati543
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon kati543 » 05.08.2019, 12:59

Hallo Katrin! Ich dachte immer, dass „frühkindliche“ Autisten nie in der Lage sein würden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich glaube, ich weiß weniger über Autismus als ich dachte. Ich finde das inzwischen etwas beängstigend. Wie und wann hat sich bei deinen Kindern der Autismus denn geäußert?
Hallo,
warum sollen frühkindliche Autisten kein selbstbestimmtes Leben führen können? Die Diagnose allein (!) jedenfalls sagt das keinesfalls aus.
Wenn ich meinen Ältesten als Beispiel nehme ... Frühkindlicher Autist, aber einen durchschnittlichen IQ von 101, mit dem er viel kompensieren kann. Er durchläuft eine vollkommen normale Schullaufbahn - ok, teilweise mit Schulbegleiter (er ist eben Autist) und mit Förderbedarf Sprachheilförderung (die Sprachprobleme der frühkindlichen Autisten hören auch nicht in der weiterführenden Schule auf). Auf seinem Zeugnis steht nichts von seinen Einschränkungen. Er besteht jedes Schuljahr (zumindest seit er in der weiterführenden Schule ist) mit Bravur, ganz besonders in seinen Lieblingsfächern, in denen er „natürlich“ eine Inselbegabung hat. Während wir in der Grundschule noch gezittert haben, ob ein normaler Schulabschluss möglich sein wird, gehen jetzt die Überlegungen eher in die Richtung, ob es vielleicht sogar für das Abitur reicht. Nun, er ist auf einer IGS - er macht einfach, was er schaffen kann. Ich denke schon, dass er später einen normalen Job nachgehen kann...natürlich innerhalb seiner Möglichkeiten. Also jeder Beruf geht nicht. Aber er interessiert sich sehr für das Kochen - vielleicht gibt es dort Eine Zukunft für ihn.
Wir haben die Diagnose vom KJP beim Großen im Alter von 6 Jahren bekommen. Der Kleine wurde zeitgleich getestet und war damals 4 Jahre. Allerdings wurden beide Kinder 2 Jahre zuvor vom SPZ getestet mit gegenteiligen Ergebnis. Du siehst, selbst Ärzte irren sich da sehr, sehr oft - denn diese Geschichte haben hier sehr viele Eltern durch.
Es ist unglaublich schwierig zu sagen, wann die Kinder auffällig waren. Ich bin schon quasi ein paar Tage nach der Geburt wegen den ersten Auffälligkeiten zum Arzt gegangen (die Ärzte haben mich jahrelang weggeschickt, bis ein Arztwechsel eine Änderung brachte, der neue Arzt war Auch Neurologe) - alles Dinge, bei denen man NIEMALS auf Autismus kommen würde, aber rückwirkend betrachtet, waren es eben die ersten Anzeichen für Autismus. Ich hätte eher darauf getippt, dass er z.B. schlecht oder gar nicht hören kann, denn er reagierte einfach nie auf Ansprache - den Hörtest hat er aber mit Bravur bestanden.

Autismus ist eine tückische Krankheit. Es gibt unglaublich viele Vorurteile. Es kommen immer solche Aussagen wie:
Mein Kind kann nicht Autist sein weil:
- es hält Blickkontakt
- es spricht/ es hat zeitig sprechen gelernt/ es spricht sehr gut
- kuschelt gern mit Mama/Papa
- spielt gern mit Bruder/Schwester
- ...
Der Punkt ist einfach...kein Autist ist so auffällig, dass er alle Punkte der echt langen Liste zu 100% erfüllt.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Anjali
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anjali » 05.08.2019, 14:15

Hallo Katrin! Ich dachte immer, dass „frühkindliche“ Autisten nie in der Lage sein würden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich glaube, ich weiß weniger über Autismus als ich dachte.
Hallo,
wahrscheinlich setzt du Frühkindlichen Autismus mit Autismus des Typ Kanner gleich. Das habe ich früher auch getan.
(Meine autistische Nichte hat ihre Diagnose ja auch schon vor über 30 Jahren erhalten.)

Dass es auch andere Formen des Frühkindlichen Autismus gibt, erfuhr ich erst, als ich mich wegen meinem Sohn mit der Thematik Autismus näher beschäftigte.

Inzwischen wird (d.h. auch in Deutschland und nicht nur im englischsprachigen Raum) zwischen 2 Formen des frühkindlichen Autismus unterschieden.
Die andere Form des Frühkindlichen Autismus, der sogenannte „High-Function-Autismus“ hat viele Paralellen zum Asperger-Syndrom und unterscheidet sich von diesem -grob vereinfacht-nur durch die verspätete Sprachentwicklung.

Die neueste Entwicklung geht dahin, nur noch von einem Autismusspektrum zu sprechen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Michaela44
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Michaela44 » 05.08.2019, 19:09

Hallo,

ich weiß gar nicht, was ich von dieser Diskussion halten soll. Zur Info vorweg: ich bin Asperger Autistin, Diagnose mit 40 Jahren, "normal" im Leben mit Schule, Studium, Beruf, zwei Kinder, eines NT, eines Autist.

Auf der einen Seite kann ich den Wunsch nach einem gesunden Kind verstehen. Auf der anderen Seite finde ich diese Sortiererei von Kindern unterschiedlicher Güte (ist nicht so provokant gemeint, wie es sich anhört) furchtbar. Kinder können immer krank werden oder verunfallen. Das gehört zum Leben dazu und wer das nicht riskieren will, dem bleibt nur übrig, kein Kind zu bekommen. Wenn ich richtig informiert bin, ist das Risiko einer angeborenen Krankheit/Behinderung geringer als einer später erworbenen.

Außerdem bin ich sehr froh, dass man Autismus nicht vorweg oder während der Schwangerschaft feststellen kann, denn dann würden Menschen wie ich reihenweise vor der Geburt getötet.

Und zum Thema Autismus bei Mädchen: wenn deine Töchter Autistinnen sind, dann sind sie es und du brauchst jetzt nicht ständig auf Besonderheiten zu achten. Es macht aber auch keinen Sinn, Auffälligkeiten zu übersehen, weil man es nicht wahrhaben will. Bei den meisten autistischen Mädchen wird der Autismus nicht diagnostiziert, weil
- sie sich oft unauffälliger verhalten, eher insichgekehrt werden als laut und aggressiv, bessere Copingstrategien (Nachahmen von NT-Verhalten) entwickeln als Jungen
- die Diagnostik auf Jungen zugeschnitten ist
- viele Ärzte sich nicht gut mit Autismus auskennen und wenn die dann ein ruhiges Mädchen vor sich haben, dass mit ihnen spricht, gilt es allenfalls als schüchtern.

Keine Diagnose bedeutet aber leider auch keine Hilfen. Keine offensichtlichen Auffälligkeiten bedeutet leider nicht, keinen Leidensdruck zu haben. Denn tief im Inneren verstehen Autistinnen oft ihre Umwelt nicht, fühlen sich anders und nicht zugehörig, ihre Bedürfnisse werden zu wenig berücksichtigt usw. Das alles kann dann im Erwachsenenalter (oder auch früher) zu psychischen Krankheiten führen, die der Umwelt dann auffallen.

Freue dich über deine Mädchen! Wenn sie Autistinnen sind, wird sich das vermutlich im Kindergarten oder der Grundschule zeigen. Mit vielleicht gar nicht mal viel Unterstützung und einem passenden Umfeld werden sie sich dann auch mit Autismus toll entwickeln.

Ich kann dir das Buch "Ein ganzes Leben mit dem Aspergersyndrom" von Tony Attwood empfehlen, falls du dich über Asperger informieren möchtest.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon RikemitSohn » 05.08.2019, 19:39

Hallo,
ich denke, dass gar nicht so viel über Autismus zu dem Thema gesagt werden muss. Es geht wahrscheinlich grundsätzlich darum ein krankes Kind zu akzeptieren. Nur wird niemand dieses Versprechen geben und halten können-es gibt keine Garantie für Gesundheit. Das ist Utopie. Wer Kinder hat, wird akzeptieren müssen, dass Kinder krank werden können, Schwierigkeiten haben können, manchmal einfach anders sind.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

yael1004
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon yael1004 » 05.08.2019, 19:48

Hallo Anja,
Ich schließe mich hier den anderen an: die ersten Autismus- Symptome können auch tatsächlich erst im Kindergarten/ Grundschulalter zum Vorschein kommen. Wobei ich Dir wirklich von Herzen wünsche, dass Deine zwei Kinder kerngesund sind!

Unser Sohn ist ein heissgeliebtes Wunschkind und im Kindergartenalter kamen die ersten Aufälligkeiten. Mit 9 Jahren hat er nun die Diagnose Autismus Spektrum Störung erhalten. Wir versuchen ihm alles zu ermöglichen und fördern ihn wo es nur geht.
Aber ganz ehrlich gesagt, war / ist es nicht immer leicht und viele Tage war ich völlig am Ende meiner Kräfte. Unsere Ehe hat extrem darunter gelitten und mein Mann hat wesentlich mehr Schwierigkeiten mit der Situation zurecht zu kommen auch wenn er es wirklich versucht.
Wenn Dein Mann nicht zu hundert Prozent hinter dir steht, wäre mir das Risiko zu hoch. Ein Kind mit Autismus ändert das komplette Leben. In welchem Ausmass kann man sich vorher nur schwer vorstellen. Bist Du Dir sicher, dass das Eure Ehe aushalten würde? Wäre es Dir das wert?

Liebe Grüße Yael
Sohn (2010) hochfunktionaler Asperger Autist

Anja_1980
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anja_1980 » 06.08.2019, 20:41

Hallo zusammen,

danke nochmals für eure schnellen Antworten!

Melly210, danke für die Erklärung. Das wusste ich tatsächlich noch nicht.

Anjali, alles gut, du hast mich nur etwas verunsichert weil ich noch nicht wusste, dass man Autismus noch so spät diagnostiziert. Ich habe ja nur meine Geschwister vor Augen, bei denen das schon sehr früh diagnostiziert wurde und habe sonst keinerlei Erfahrungs- oder Vergleichswerte. Klar waren wir auch schon mal bei der Delphintherapie in Curacao aber da sah man nicht nur Autismus sondern auch ganz andere Fälle, die weitaus schlimmer waren. Und ja, es spricht tatsächlich viel für die Argumentation meines Mannes.

Regina Regenbogen, woran liegt es denn, dass Mädchen das Krankheitsbild so gut kaschieren können? Hat das nur mit dem typischen Verhalten eines Mädchens zu tun oder hat das eine genetische Begründung? Wobei erstes bestimmt auch tief in den Genen steckt, schätze ich. Ich kann verstehen, dass man Angst hat, dass man altersbedingt nicht lange genug für seine Kinder da sein kann. Insbesondere meine Eltern machen sich darüber Sorgen. Beide sind schon bald 80, mein Vater ist zudem krank. Aber meine Schwester wird immer auf die Hilfe anderer angewiesen sein. Meine Mutter hat noch neulich vor mir wieder Tränen deswegen vergossen. Es stimmt auch, dass man nicht mehr so belastbar ist. Ich habe die zweite Schwangerschaft und die Zeit danach auch als wesentlich anstrengender empfunden, obwohl nur so eine kurze Zeitspanne dazwischen war - oder eben genau deswegen weil beide einfach noch so klein sind.
Irgendwie hatte ich nie das Bedürfnis nach mehr als zwei Kindern.
In meiner Lebensplanung waren an sich nie Kinder vorgesehen. :D

Eigentlich mag ich keine Kinder, nur meine eigenen. KInder waren mir schon immer zu laut und zu unruhig, irgendwie fehlte mir auch immer schon dieses Kinderwunschdenken (auch so einige andere "weibliche" Züge). :wink: Ich vermute mal, dass ich in dieser Hinsicht mein autistisches Erbe nicht verleugnen kann.
Als ich das gelesen habe musste ich ein bisschen schmunzeln :) Mir geht es da nämlich ähnlich. Mein Mann ist da ganz anders. Die weiblichen Züge fehlen mir aber auf einigen Gebieten :lol:
"...Es kommen derzeit häufig Situationen auf, wo ich denke "Hey, wir haben das zwei mal so toll hingekriegt, ..."

Entschuldigung Anja, aber solche Äußerungen finde ich ziemlich verletzend, gerade in diesem Forum. Was meinst du, was Eltern in diesem Forum alles hinkriegen müssen mit ihren oft mehrfach schwerbehinderten und nicht selten lebenslimitiert erkrankten Kindern? Die Zukunft nur ungewiss und beängstigend. Jeder Tag eine neue Herausforderung. Mein Mann ist gestern 50 geworden, unsere Tochter vor kurzem 7. Wir sind schon beide zu erschöpft, diese Geburtstage zu feiern. Du kannst dir ja gerne mal unsere Website ansehen, was es bedeutet ein unheilbar krankes Kind zu haben und am Leben damit nicht zerbrochen zu sein: DAS ist toll hingekriegt. Du und dein Mann ihr hattet einfach nur Glück gehabt. Es ist keine Leistung gesund zu sein und gesunde Kinder bekommen zu haben. Für mich ist es immer wieder ein Wunder, wie das bei all den genetischen Defekten, die es gibt, überhaupt möglich ist! Selbst wenn das nur gedankenlose Äußerungen waren, tun sie sehr weh.
Nein, es waren keine gedankenlosen Äußerungen, nur leider etwas unglücklich formuliert, das gebe ich zu. Es tut mir auch leid, ich hatte selbstverständlich niemals die Absicht, jemanden mit der Äußerung zu verletzen. Natürlich haben wir großes Glück gehabt und für uns sind/wären gesunde Kinder (oder besser gesagt überhaupt Kinder) bei Weitem keine Selbstverständlichkeit und auch keine "Leistung", die man vollbringt.

ABER ich muss im Gegenzug schon sagen, dass es auch etwas verletztend ist, von dir in solch eine Schublade gesteckt zu werden. Wir hatten einen steinigen Weg, überhaupt Kinder zu bekommen. Viermal (zwei ICSI Versuche schlugen nämlich fehl) sich mehrere Tage lang täglich drei Spritzen in die Bauchdecke zu setzen und sich mit Hormonen vollzupumpen, sich jedesmal operieren zu lassen macht nämlich nicht unbedingt Spaß! Von daher kann ich aus DIESER Sicht schon sagen, dass wir das "toll hingekriegt" haben denn viele nehmen diesen Weg der Belastung gar nicht erst auf sich. Ich glaube, man muss das alles einfach selbst miterlebt haben, um das qualitativ bewerten zu können. Ich wehre mich definitiv dagegen, hier als Vorzeigefamilie unter einem Regenbogen dargestellt zu werden, wo alles so easy ist. Wie gesagt, meine Schwester ist Kanner-Autistin, mein Vater schwer krank. Meine Mutter mit beiden überlastet. Ich kann aus der Entfernung nur bedingt helfen und meine Schwester lässt sich von mir auch nicht helfen. Ich muss es aber, spätestens wenn meine Eltern nicht mehr leben. Und mein Bruder ist als Asperger auch keine große Hilfe. Der steckt vor schlimmen Dingen, über die man nun auch mal sprechen muss, sofort den Kopf in den Sand und will von alledem überhaupt nichts wissen. So wenig wie ich über andere und ihr Leben urteile (oder verurteile) so erwarte ich selbiges auch von anderen Menschen.

Natürlich ist uns immer schon das Risiko bewusst gewesen, auch kein gesundes Kind zu bekommen. Das Risiko kann man nun einmal nicht umgehen, wünscht man sich Kinder. Und bei beiden war mein Mann auch bereit, das Risiko einzugehen, weil es nun einmal Wunschkinder waren. Das wäre aber ein drittes Kind für ihn nicht und aus dem einzigen Grund, möchte er deswegen kein Risiko (gleich welcher Art, hat also nichts mit unseren Vorerkrankungen zu tun, es gibt schließlich reichlich Komplikationen bei der Geburt) mehr eingehen. Das ist alles. Er würde z.B. auch keine Gentests machen und aussortierten, selbst wenn es sie gäbe. Ich war ja auch einst meinungsmäßig komplett konforn mit ihm. Ich sagte auch, nach zwei Kindern ist Schluss. Der erste Geburtstag der Maus und die bedrohliche 40 hat einfach gefühlsmäßig alles über den Haufen geworden. Ich bin irrational geworden und er holt mich mit seiner Sachlichkeit wieder auf den Boden zurück oder versucht es zumindest.

Hallo,
wahrscheinlich setzt du Frühkindlichen Autismus mit Autismus des Typ Kanner gleich. Das habe ich früher auch getan.
(Meine autistische Nichte hat ihre Diagnose ja auch schon vor über 30 Jahren erhalten.)
Ja richtig. Ich wusste/weiß noch nicht so viel darüber. Früher dachte ich tatsächlich, dass Autismus dem Kanner-Syndrom gleichzusetzen ist weil das Internet auch häufig den frühkindlichen Autismus mit dem Kanner-Syndrom gleichsetzt.
Es ist unglaublich schwierig zu sagen, wann die Kinder auffällig waren. Ich bin schon quasi ein paar Tage nach der Geburt wegen den ersten Auffälligkeiten zum Arzt gegangen (die Ärzte haben mich jahrelang weggeschickt, bis ein Arztwechsel eine Änderung brachte, der neue Arzt war Auch Neurologe) - alles Dinge, bei denen man NIEMALS auf Autismus kommen würde, aber rückwirkend betrachtet, waren es eben die ersten Anzeichen für Autismus. Ich hätte eher darauf getippt, dass er z.B. schlecht oder gar nicht hören kann, denn er reagierte einfach nie auf Ansprache - den Hörtest hat er aber mit Bravur bestanden.
Ich glaube tatsächlich, dass man als Mutter auf sein Bauchgefühl hören muss denn meistens hat es Recht. Leider halten einen die Ärzte häufig für bescheuert oder hysterisch und belächeln die Sorgen sogar. Das ist einfach eine ziemlich traurige Entwicklung wie ich finde. Weswegen bist du denn noch zum Arzt gegangen damals? Nur wegen dem schlechten Hören?
Hallo,
ich denke, dass gar nicht so viel über Autismus zu dem Thema gesagt werden muss. Es geht wahrscheinlich grundsätzlich darum ein krankes Kind zu akzeptieren. Nur wird niemand dieses Versprechen geben und halten können-es gibt keine Garantie für Gesundheit. Das ist Utopie. Wer Kinder hat, wird akzeptieren müssen, dass Kinder krank werden können, Schwierigkeiten haben können, manchmal einfach anders sind.
LG Rike
Ja Rike, so hatte ich es gemeint.

Hallo,

ich weiß gar nicht, was ich von dieser Diskussion halten soll. Zur Info vorweg: ich bin Asperger Autistin, Diagnose mit 40 Jahren, "normal" im Leben mit Schule, Studium, Beruf, zwei Kinder, eines NT, eines Autist.

Auf der einen Seite kann ich den Wunsch nach einem gesunden Kind verstehen. Auf der anderen Seite finde ich diese Sortiererei von Kindern unterschiedlicher Güte (ist nicht so provokant gemeint, wie es sich anhört) furchtbar. Kinder können immer krank werden oder verunfallen. Das gehört zum Leben dazu und wer das nicht riskieren will, dem bleibt nur übrig, kein Kind zu bekommen. Wenn ich richtig informiert bin, ist das Risiko einer angeborenen Krankheit/Behinderung geringer als einer später erworbenen.

Außerdem bin ich sehr froh, dass man Autismus nicht vorweg oder während der Schwangerschaft feststellen kann, denn dann würden Menschen wie ich reihenweise vor der Geburt getötet.

Und zum Thema Autismus bei Mädchen: wenn deine Töchter Autistinnen sind, dann sind sie es und du brauchst jetzt nicht ständig auf Besonderheiten zu achten. Es macht aber auch keinen Sinn, Auffälligkeiten zu übersehen, weil man es nicht wahrhaben will. Bei den meisten autistischen Mädchen wird der Autismus nicht diagnostiziert, weil
- sie sich oft unauffälliger verhalten, eher insichgekehrt werden als laut und aggressiv, bessere Copingstrategien (Nachahmen von NT-Verhalten) entwickeln als Jungen
- die Diagnostik auf Jungen zugeschnitten ist
- viele Ärzte sich nicht gut mit Autismus auskennen und wenn die dann ein ruhiges Mädchen vor sich haben, dass mit ihnen spricht, gilt es allenfalls als schüchtern.

Keine Diagnose bedeutet aber leider auch keine Hilfen. Keine offensichtlichen Auffälligkeiten bedeutet leider nicht, keinen Leidensdruck zu haben. Denn tief im Inneren verstehen Autistinnen oft ihre Umwelt nicht, fühlen sich anders und nicht zugehörig, ihre Bedürfnisse werden zu wenig berücksichtigt usw. Das alles kann dann im Erwachsenenalter (oder auch früher) zu psychischen Krankheiten führen, die der Umwelt dann auffallen.

Freue dich über deine Mädchen! Wenn sie Autistinnen sind, wird sich das vermutlich im Kindergarten oder der Grundschule zeigen. Mit vielleicht gar nicht mal viel Unterstützung und einem passenden Umfeld werden sie sich dann auch mit Autismus toll entwickeln.

Ich kann dir das Buch "Ein ganzes Leben mit dem Aspergersyndrom" von Tony Attwood empfehlen, falls du dich über Asperger informieren möchtest.
Hallo Michaela,

ja das sind wirklich wahre Worte. Natürlich gibt es im Leben eine Garantie für nichts. Dessen bin ich mir bewusst. Der Grund, warum ich so empfindlich bin und alles so genau und am liebsten ganz schnell wissen möchte ist, dass ich es mir nie verzeihen würde, nicht rechtzeitig das betroffene Kind gefördert zu haben weil ich zu unaufmerksam oder zu "blind" war. Verstehst du, was ich meine? Ich möchte einfach später nicht sagen "hättest du mal..." Ich sehe an meiner Schwester, dass viele Therapieansätze leider inzwischen schon "zu spät" sind. Natürlich erfreue ich mich an meinen Mädels. Beide sind auch alles andere als in sich gekehrt, ganz im Gegenteil. Bis jetzt sind beide ganz schön "hallo hier bin ich, beachtet mich" und haben ein, mir manchmal zu großes, Selbstbewusstsein.
Hallo Anja,

Aber ganz ehrlich gesagt, war / ist es nicht immer leicht und viele Tage war ich völlig am Ende meiner Kräfte. Unsere Ehe hat extrem darunter gelitten und mein Mann hat wesentlich mehr Schwierigkeiten mit der Situation zurecht zu kommen auch wenn er es wirklich versucht.
Wenn Dein Mann nicht zu hundert Prozent hinter dir steht, wäre mir das Risiko zu hoch. Ein Kind mit Autismus ändert das komplette Leben. In welchem Ausmass kann man sich vorher nur schwer vorstellen. Bist Du Dir sicher, dass das Eure Ehe aushalten würde? Wäre es Dir das wert?

Liebe Grüße Yael
Inwieweit ist dein Sohn beeinträchtigt? Was genau macht euren Alltag derzeit so schwierig? Es ist wirklich schwer, sich vorzustellen, dass das 9 Jahre von Ärzten übersehen wurde. Aber auch schlimm. Dass ein autistisches Kind das gesamte Leben umkrempeln kann, sehe ich ja an meiner direkten Familie. Ich habe mir oft vorgestellt, wie es hätte werden können, wäre meine Schwester z.B. gesund. Der gesamte Tagesablauf richtet sich nur nach ihr. Ich glaube, dass ich an so etwas zerbrechen würde (das sage ich jetzt) und natürlich würde ich meine Ehe auch nicht damit belasten wollen.

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Regina Regenbogen
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Regina Regenbogen » 07.08.2019, 06:35

Ich war ja auch einst meinungsmäßig komplett konforn mit ihm. Ich sagte auch, nach zwei Kindern ist Schluss. Der erste Geburtstag der Maus und die bedrohliche 40 hat einfach gefühlsmäßig alles über den Haufen geworden. Ich bin irrational geworden und er holt mich mit seiner Sachlichkeit wieder auf den Boden zurück oder versucht es zumindest.
Wenn du es zulässt, dass er dich mit seiner Sachlichkeit auf den Boden zurück holt, dann werdet ihr auch wieder eine Einigung finden.

Und ganz ehrlich: Dieser erhöhte Kinderwunsch in den ersten 2 Jahren nach der letzten Entbindung ist völlig normal, da hormonell beeinflusst. Da ist es auch völlig egal, ob frau dabei 20, 25, 30 oder 40 Jahre alt ist - die Hormone haben da die Überhand. :wink:
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Anja_1980
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anja_1980 » 07.08.2019, 06:50

Ich hoffe, dass du Recht hast mit den Hormonen Regina.

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Tina4K
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Tina4K » 07.08.2019, 08:12

Ja so ist es wirklich! Ich habe jedesmal einen starken Kinderwunsch wenn ich nach einer Weile weniger Stille und der Hormonhaushalt sich normalisiert. Das wR bei uns je nach Stilldauer und Beikost der Kinder in verschiedenen Altersstufen.

Obwohl bei uns ganz klar ist dass es keine weiteren
Kinder geben wird, ist es trotzdem manchmal schwierig dem Kinderwunsch zu ignorieren.
Ich habe es kanalisiert, es gibt bei uns jetzt 2 Hundemädchen. Es fängt alle Kinderwunschenergien auf. Unsere Hunde sind klein, weich, flauschig und lassen sich wunderbar beknuddeln. Sie tun uns allen sehr gut. Die Idee ist es eine davon als Autismusbegleithund auszubilden.


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