Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Anjali
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anjali » 04.08.2019, 18:10


Was ist an drei Kindern „besser“, als an dreien? Oder anders herum: was ist an zwei Kindern schlechter, als an zweien?

Entschuldige bitte, ich habe mich verschrieben. Es sollte natürlich lauten:
Was ist an drei Kindern besser, als an zweien? Oder anders herum: was ist an zwei Kindern schlechter, als an dreien?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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RikemitSohn
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon RikemitSohn » 04.08.2019, 18:41

Hallo Anja,
ich kann verstehen, dass du noch einen Kinderwunsch hast. Es ist wie es ist. Aber ich würde mich nur dafür entscheiden, wenn du und dein Mann ein drittes Kind bedungungslos annehmen könnt. Es klingt für mich gerade so, als wenn dein Mann das nicht könnte. Unabhängig vom Autismus ist ein gesundes Kind nie eine Garantie. Der Vater meines Sohnes und ich haben beide schwere Neurodermitis und ich habe das bei meinem Kind auch erwartet. Er hat nichts in Richtung Haut. Seine Probleme kommen aus ganz anderen Richtungen. Richtungen, an die ich nie gedacht habe.
Könntet ihr trotz eines kranken oder behinderten Kind eure Entscheidung vertreten oder würdet ihr es bereuen? Bereuen wäre eine schwere Last für euch und das Kind.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

grace
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon grace » 04.08.2019, 20:02

und habe zwei gesunde Töchter (2,5 Jahre und 1 Jahr alt)
Hm ... mit dem Wissen, das ich heute habe, wäre ich vorsichtig damit, bei Töchtern in dem Alter Autismus auszuschließen, wenn ich weiß, dass Autismus in meiner Familie liegt.
Ich wäre da auch sehr vorsichtig, mein Sohn war in dem Alter und bis zur Einschulung auch für mich völlig unauffällig obwohl es zurückblickend schon einige Anzeichen gab die ich damals anderen Ursachen zugeschoben hatte.

Erst durch dieses Forum habe ich eigentlich gemerkt wieviele Ähnlichkeiten mein Sohn mit anderen Autisten hatte und das es sogar ganz klassische Anzeichen gab.

Ich finde sowieso das man bei sehr jungen Kindern noch gar nicht genau sagen kann wohin die Reise geht, denn oft werden auch Lernbehinderungen, ADHS und andere Krankheiten erst sehr viel später festgestellt und genauso gut können sich auffällige und entwicklungsverzögerte Kleinkinder dann später sehr gut und völlig problemlos entwickeln.

3 Schwangerschaften eine nach der anderen ist mit 40 Jahren auch eine sehr große Belastung für deinen Körper und dann mit 55/60 Jahren 3 pubertierende Jugendliche zu haben ist auch nicht gerade einfach.

Ob andere Leute 1/2/3 oder mehr Kindern haben kann dir doch völlig egal sein...sorry wenn ich ehrlich bin, ich mische mich sonst nie in solche Entscheidungen ein, aber du hattest ja gefragt!

Alles gute!

LG

Grace

Anja_1980
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anja_1980 » 04.08.2019, 20:51

Erst einmal vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten!
Hallo Anja,

Vielleicht wäre eine erneute Untersuchung hilfreich für Deine Entscheidung. In den letzten 20 Jahren ist ja viel passiert in der Humangenetik.
Wir waren, bevor wir planten, erneut die Kiwu aufzusuchen, tatsächlich noch einmal bei der humangenetischen Beratung. Dort sagte man uns jedoch, dass es nicht zielführend wäre, uns zu untersuchen sondern man müsste erstmal bei meinen Geschwistern anfangen (im Bericht steht "Bei ca. 10-20% aller Betroffenen mit Autismus kann eine sog. Array-Analyse Hinweise auf Variationen in der Kopienanzahl kleiner Chromosomenabschnitte liefern, von denen einige in einer hohen Assoziation, andere in einer niedrigeren Assoziation mit Autismus gefunden wurden. Die meisten wurden jedoch zumindest in Einzelfällen auch bei unauffälligen Personen gefunden. Der Beitrag vieler dieser Kopienvariationen zu Autismus ist daher im Einzelfall nicht immer klar. Eine Array-Analyse kann daher unter Umständen mehr Fragen aufwerfen als Beantworten. Ein eindeutiges Ergebnis, insbesondere in Bezug auf eine quantifizierbare Wiederholungswahrscheinlichkeit bei Verwandten, ist eher die Ausnahme als die Regel. Falls Sie dennoch eine Array-Analyse wünschen, sollte diese zur besseren Einschätzung der Aussagekraft bei Ihren betroffenen Geschwistern begonnen werden")
Hallo und guten Morgen liebe Namensvetterin,

statt einer Antwort stelle ich zuerst eine Frage: wie sicher könnt ihr euch sein, dass eure beiden Kinder nicht auch autistisch sind? Autismus ist ja nicht immer von Anfang an als solcher identifizierbar.

Ich habe übrigens eine ähnliche Konstellation wie du in der Familie (wenn auch in der entfernteren Verwandtschaft): mehrere Geschwister, davon das Älteste „leichter“ autistisch und das Jüngste Kanner-autistisch.

Dass ich nur ein Kind habe, hängt nur indirekt damit zusammen, dass mein Kind autistisch ist.
Ich hätte liebend gerne noch ein zweites Kind gehabt, aber das hat aus anderen Gründen nicht geklappt.

Ein drittes Kind hätte ich mir allerdings nicht vorstellen können, das war sowieso noch nie mein Wunsch und dazu war mein Sohn dann doch zu pflegeintensiv.
Zumindest bei der Großen bin ich mir sehr sehr sicher, dass sie nicht betroffen ist. Sie ist ein sehr quirliges, lebendiges Mädchen mit viel Sozialkompetenz. Sie ist motorisch sowie sprachlich ihrem Alter weit voraus, hat auch mal Angst vor unsicheren Situationen (z.B. neulich vor der dunklen Röhrenrutsche), freut sich aber wie ein Stück Schnitzel, wenn sie Sachen alleine schafft oder sich überwindet. Bei der Kleinen ist es natürlich aufgrund des Alters fragwürdig aber auch sie ist eine, die sehr viel mit anderen interagiert, sehr neugierig ist und alles wissen, sehen und ausprobieren möchte. Für sie hat ihre große Schwester den Mond aufgehangen und orientiert sich sehr an ihr, lacht auch viel wenn sie mit ihr Quatsch macht. Sie spricht auch schon einige Wörter, zeigt auf Dinge, winkt, klatscht, kann Dinge sehr schnell nachmachen, nachdem man sie ihr einmal gezeigt hat - ich habe bei ihr eigentlich auch nicht den Eindruck, dass sie autistisch sein könnte.

Wie schwer betroffen ist dein Sohn? Besteht eine Chance, dass er selbständig wird? Du sagtest, du hättest eine ähnliche Konstellation in der entfernteren Verwandtschaft? Wie kann ich das verstehen (da du von mehreren Geschwistern geschrieben hast)? Es sind nicht deine Geschwister? Hat der Autismus eures Sohnes eine erbliche Grundlage oder was wurde euch dazu gesagt? Warum käme neben den Gründen, die du genannt hattest, kein drittes Kind in Frage für dich?

Würdest du dir auch ein 3.Kind wünschen, wenn es nicht quasi schon „bereit läge“ und stattdessen auf dem natürlichem Weg gezeugt werden müsste?
Du kommst ja in ein Alter, in dem dem Kinderwunsch quasi natürliche Grenzen gesetzt werden.

Was ist an drei Kindern „besser“, als an dreien? Oder anders herum: was ist an zwei Kindern schlechter, als an zweien?

Wenn nicht der Trend zu drei Kindern sondern zu 4 Kindern gehen würde, würdest du dann auch gerne 4 Kinder haben wollen? Oder wäre für dich da dann doch eine Grenze erreicht?
Das ist eine wirklich sehr gute Frage, die mein Mann und ich mir auch schon gestellt hat/habe. Ich glaube, dann läge gefühlt die Hemmschwelle für mich höher, sich für ein drittes Kind zu entscheiden weil die Eizellen ja mit mir altern. Und ab 40 sind die Zellen ja alles andere als frisch und genetische Fehler häufiger. Meine Eizellen auf Eis sind demnach jünger als ich und schienen sich gut entwickelt zu haben. Was besser ist oder wäre? Tja, ich habe wohl das Gefühl, dass man als Geschwisterkind auch mal auf ein anderes Geschwisterchen ausweichen kann und ich fand auch, dass drei Kinder quasi eine eigene Dynamik entwickeln und es schön ist, den dreien zuzuschauen, wie sie so herumwuseln und sich miteinander beschäftigen. Aber das ist natürlich dann alles schöngemaltes Katalogdenken. Nein also bei drei Kindern wäre bei mir eine definitive Grenze erreicht. Vor allem, weil ich dafür sowieso schon zu alt wäre und ich auch die Strapazen einer Schwangerschaft nicht unbedingt ein viertes Mal haben muss. Mich sträubt es schon ein wenig wenn ich an eine weitere Schwangerschaft denke, denn richtig gerne schwanger war ich noch nie (was aber für mich kein Grund ist, keine Kinder zu bekommen).

Der Zwerg war fast von Geburt an auffällig, bekam mit 3 Jahren die Verdachtsdiagnose Autismus und mit 5 Jahren die gesicherte Diagnose. In der Zeit habe ich viel über Autismus gelernt, auch die Familienanamnese bestätigte gehäuftes Vorkommen von Autismus in meiner Familie. Währenddessen wurde mir immer klarer, dass meine Älteste auch betroffen ist. Sie war zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr bereit, das abklären zu lassen, das ist sie auch heute nicht. Ihr Lebenslauf ist entsprechend katastrophal, das geht von Schwangerschaft mit 16 über keine Ausbildung und viele, viele schwierige Beziehungen. Erst seit knapp 2 Jahren scheint sie einen Weg (und Partner) für sich gefunden zu haben.

Mädchen mit hochfunktionalem Autismus laufen sehr oft in den ersten 10 Jahren unter dem Radar, das ist erwiesen.

Und nein, ich an deiner Stelle würde kein 3. Kind mehr wollen, das hieße eindeutig, das Glück herauszufordern. Du denkst jetzt vielleicht, ich habe gut Reden mit 4 Kindern (ich habe selbst 2 Brüder, von denen einer definitv Autist ist, ebenso wie mein Vater, dessen Brüder und deren Vater und Großvater), aber es war bis heute ein verdammt steiniger Weg, an dem auch meine zweite Ehe FAST zerbrochen ist.
Liebe Regina,

vielen Dank auch an dich für deine offene Meinung. Erstaunlich, dass bei euch die Krankheit quasi totgeschwiegen wurde. Ich glaube aber, das wäre auch in unserer Familie der Fall gewesen, wäre z.B. das Krankheitsbild meiner Schwester nicht so offensichtlich. Dein Vater war demnach auch betroffen? Das hat man vorher nicht gemerkt? Inwieweit äußert sich der Autismus bei deinem Bruder, Vater und deinen Onkel etc.? Und mir war wirklich nicht klar, dass man bei 'Symptomen' wie deine älteste Tochter sie hat, von Autismus sprechen kann. Ich dachte immer, es gibt eben Menschen, die manchmal einen nicht besonders geradlinigen Lebenslauf haben. Wie hat sich der frühkindliche Autismus bei deinem Sohn bemerkbar gemacht (da du sagtest, er war fast schon von Geburt an auffällig)? Meine Schwester war angeblich zu Beginn wohl auch nicht auffällig. Sie war nur extrem ängstlich. Und dann blieb die Sprache aus. Danach kamen die ganzen Zwänge.
Hallo Anja,
Es klingt für mich gerade so, als wenn dein Mann das nicht könnte.
Könntet ihr trotz eines kranken oder behinderten Kind eure Entscheidung vertreten oder würdet ihr es bereuen? Bereuen wäre eine schwere Last für euch und das Kind.
LG Rike
Mein Mann würde sich da tatsächlich sehr schwer tun aber eben nur aus dem Grund, weil er ein Drittes gar nicht wollen würde und demnach nicht, wie bei unseren beiden Töchtern, bereit wäre, irgendein Risiko gleich welcher Art, einzugehen. Ich glaube auch, dass es für mich schwer wäre, meine Entscheidung zu vertreten, wäre das Kind krank. Ich würde mir Schuldzuweisungen und Vorwürfe machen und auch das Gefühl haben, dass ich meinen Mann bevormundet hätte. Die Sätze "siehst du, hättest du auf mich gehört" würden mir gedanklich um die Ohren fliegen....

Ich wäre da auch sehr vorsichtig, mein Sohn war in dem Alter und bis zur Einschulung auch für mich völlig unauffällig obwohl es zurückblickend schon einige Anzeichen gab die ich damals anderen Ursachen zugeschoben hatte.

Erst durch dieses Forum habe ich eigentlich gemerkt wieviele Ähnlichkeiten mein Sohn mit anderen Autisten hatte und das es sogar ganz klassische Anzeichen gab.

Ob andere Leute 1/2/3 oder mehr Kindern haben kann dir doch völlig egal sein...sorry wenn ich ehrlich bin, ich mische mich sonst nie in solche Entscheidungen ein, aber du hattest ja gefragt!

Grace
Nein, es ist völlig richtig, dass du deine Meinung ungefiltert kundtust! Ich hatte ja wirklich danach gefragt und ich danke dir dafür. Natürlich kann mir das egal sein und eigentlich weiß ich das auch. Ich glaube, dass mir das unterbewusst widerfährt.
Welche frühen Anzeichen gab es denn bei deinem Sohn wenn ich fragen darf?


Es kommen derzeit häufig Situationen auf, wo ich denke "Hey, wir haben das zwei mal so toll hingekriegt, es würde sicherlich noch ein drittes Mal so gut klappen". Aber natürlich bin ich dann im selben Gedankengang wieder defensiv weil ich eigentlich auch das Glück nicht herausfordern möchte (wie mein Mann u.a. auch. Diese Meinung würde er aber auch vertreten wenn meine Geschwister vollkommen gesund wären). Bei meinem Bruder besteht zwar die gesicherte Diagnose (er wird auch vom Landschaftsverband unterstützt), allerdings fragten mein Mann und ich uns häufig, ob man wirklich von einer 'Krankheit' sprechen kann. Er ist normal lebensfähig, macht Reisen auf eigene Faust in die USA aber eben immer etwas sonderbar gewesen und in der Gesellschaft angeeckt. Nirgends konnte er bleiben (am Ende kam er über mehrere Jahre in ein Internat für schwer erziehbare Kinder relativ weit weg von zu Hause. Ich war demnach lange Einzelkind). Er ist von der Schule geflogen, hat sich seine Lehrstellen durch blöde Sprüche versaut usw. und er musste als Kind schon immer alles per Kassettenrekorder aufnehmen/dokumentieren. Diese Kassetten sind auch heute noch sein Heiligtum, die er bereits mehrmals digitalisiert hat um redundant zu sein. Also an Intelligenz hapert es nebenbei erwähnt nicht bei ihm. Der Sohn meines Onkels (väterlicherseits) ist auch jemand, der sonderbar ist und Schwierigkeiten hat, eine Ausbildung zu Ende zu bringen. Man kann sich zwar normal mit ihm unterhalten, er wirkt jedoch auch häufiger abwesend und ist für meinen Onkel ein kleines Sorgenkind. Seine Schwester (also meine Cousine, die genauso alt ist wie ich) litt irgendwann bevor sie einen anderen Mann hatte und ihre zwei Töchter schwer depressiv und hat sich selbst verletzt. Was der Auslöser genau war, weiß ich bis heute nicht. Sie hat sich einen neuen Vornamen geben lassen und möchte mit ihrem alten Vornamen nicht mehr angesprochen werden. Ich war mir überhaupt nicht bewusst, dass man hier auch über Autismus nachdenken müsste. Ist es wirklich so, dass sich das Krankheitsbild auch auf diese Weise äußern kann?

Jetzt wurde mir ehrlich gesagt auch ein wenig Angst gemacht, ob meine Töchter wirklich gesund sind oder nicht. Unsere Jüngste hat derzeit eine schwierige Phase, die wir im Moment noch auf die Zähne schieben. Sie hat eine ganze Weile lang sehr gut und ruhig geschlafen bis morgens durch. Jetzt jammert und winselt sie nachts viel, wirft den Schnuller regelmäßig aus dem Bett, schläft nachts allgemein sehr unruhig. Tagsüber ist sie auch sehr weinerlich und im Moment sehr anhänglich und hängt uns immer am Rockzipfel und wir wissen nicht genau warum (ausgeschlafen, nicht hungrig usw.)

Liebe Grüße!
Anja

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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anja_1980 » 04.08.2019, 21:11

Nur nebenbei zwecks Vollständigkeit: Unsere große Tochter ist übrigens seit dem sie neun Monate alt ist in der Kita und unsere Kleine kommt nächste Woche ebenfalls rein. Unsere Große hat sich sehr gut integriert und fühlt sich dort sehr wohl. Auch die Resonanz von den Betreuern im Entwicklungsgespräch war durchweg positiv.

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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Engrid » 04.08.2019, 21:24

Hallo,

ich kenne viele Familien mit drei und mehr Kindern, und da sieht man häufig deutlich (wird auch klar so formuliert), dass von zwei auf drei Kinder nicht einfach nur eins mehr ist, sondern ein Quantensprung. Es gibt nur zweimal einen Elternschoß zum Sitzen, die Geschwisterdynamik potenziert sich, es braucht mehr Kinderzimmer und ein größeres Auto, Flugreisen und Hotel werden unbezahlbar, usw usf.
Dass drei Kinder aus der Rubrik „unauffällig und pflegeleicht“ sind, ist eher unwahrscheinlich. Also auch ohne Behinderung kommt man da schon an seine Grenze, da reichen die Originalitäten und schwierigen Phasen „normaler“ Kinder vollauf.
Das lässt sich alles noch wuppen, wenn beide Eltern sich da mit Freude reinstürzen. Wenn einer aber klipp und klar sagt, dass er es bei zweien belassen möchte, dann halte ich das für ein ziemlich riskantes Unternehmen, als Mama seine Vorstellungen durchzudrücken.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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kati543
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon kati543 » 04.08.2019, 21:33

Hallo,
ich wäre aufgrund des Alters beider Kinder auch vorsichtig ... sowohl mit einem Ausschluss, als auch mit einer Diagnose. Deine Kinder sind einfach noch viel zu jung. Ein Arzt, der das in dem Alter ausschließt, würde ich als unseriös bezeichnen. Autismus ist nicht grundsätzlich immer „total auffällig“ - vielmehr ist der Übergang fließend. Jedoch werden mit zunehmenden Alter die Besonderheiten immer auffallender und deutlicher. Allerdings können Mädchen gut kompensieren...zu ihrem Leidweisen.
Meine Kinder haben schon immer miteinander harmoniert - beides sind frühkindliche Autisten. Sie spielen miteinander, sie freuen sich miteinander und sie leiden miteinander, wenn etwas nicht klappt. Insbesondere der Große konnte schon immer super auf Andere zugehen und Kontakte knüpfen. All das sind keine Anzeichen, dass das Kind NICHT Autist sein kann. Es gibt Autisten, die haben eine Familie, sie heiraten, bekommen Kinder, haben einen Führerschein, gehen jeden Tag zur Arbeit... es kommt immer auf die Ausprägung an und darauf, wie man als Kind therapiert wurde.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Anjali
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anjali » 04.08.2019, 22:45


Wie schwer betroffen ist dein Sohn? Besteht eine Chance, dass er selbständig wird? Du sagtest, du hättest eine ähnliche Konstellation in der entfernteren Verwandtschaft? Wie kann ich das verstehen (da du von mehreren Geschwistern geschrieben hast)? Es sind nicht deine Geschwister? Hat der Autismus eures Sohnes eine erbliche Grundlage oder was wurde euch dazu gesagt? Warum käme neben den Gründen, die du genannt hattest, kein drittes Kind in Frage für dich?
Bei meinem Sohn besteht die Chance, dass er einmal selbstständig leben wird.
Er könnte mittlerweile einen eigenen Haushalt führen. Er kann kochen, Wäsche waschen etc.
Hauptproblem für ihn ist aber die soziale Interaktion mit anderen Menschen, welche von starken Unsicherheiten, Ängsten, Hemmungen und auch Vermeidungstendenzen geprägt ist.
Insofern können wir heute noch nicht vorhersagen, wie gut er sich einmal beruflich integrieren kann.
Er hat vor, im Herbst ein Studium zu beginnen. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.


Eine ähnliche Geschwister-Konstellation liegt bei den Kindern eines meiner Cousins vor.

Wir vermuten, dass der Autismus unseres Sohnes erblich bedingt ist.
Eine genetische Abklärung fand aber nicht statt.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon Anja_1980 » 04.08.2019, 22:55

@Engrid: Wahre Worte. Dass es nicht einfach werden würde, vor allem in dem kurzen Abstand, hätten wir uns auch gedacht und ich glaube, man kann sich vorher nur bedingt vorstellen, wie sehr das an die Substanz gehen kann - insbesondere wenn einer wenn überhaupt nur halbherzig zu der Sache steht. Ich danke dir für deine Meinung!
Hallo,
ich wäre aufgrund des Alters beider Kinder auch vorsichtig ... sowohl mit einem Ausschluss, als auch mit einer Diagnose. Deine Kinder sind einfach noch viel zu jung. Ein Arzt, der das in dem Alter ausschließt, würde ich als unseriös bezeichnen. Autismus ist nicht grundsätzlich immer „total auffällig“ - vielmehr ist der Übergang fließend. Jedoch werden mit zunehmenden Alter die Besonderheiten immer auffallender und deutlicher. Allerdings können Mädchen gut kompensieren...zu ihrem Leidweisen.
Meine Kinder haben schon immer miteinander harmoniert - beides sind frühkindliche Autisten. Sie spielen miteinander, sie freuen sich miteinander und sie leiden miteinander, wenn etwas nicht klappt. Insbesondere der Große konnte schon immer super auf Andere zugehen und Kontakte knüpfen. All das sind keine Anzeichen, dass das Kind NICHT Autist sein kann. Es gibt Autisten, die haben eine Familie, sie heiraten, bekommen Kinder, haben einen Führerschein, gehen jeden Tag zur Arbeit... es kommt immer auf die Ausprägung an und darauf, wie man als Kind therapiert wurde.
LG
Katrin
Hallo Katrin! Ich dachte immer, dass „frühkindliche“ Autisten nie in der Lage sein würden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich glaube, ich weiß weniger über Autismus als ich dachte. Ich finde das inzwischen etwas beängstigend. Wie und wann hat sich bei deinen Kindern der Autismus denn geäußert?

LG

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melly210
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Re: Behinderungen in der Familie - bitte um Rat

Beitragvon melly210 » 04.08.2019, 23:00


Jetzt wurde mir ehrlich gesagt auch ein wenig Angst gemacht, ob meine Töchter wirklich gesund sind oder nicht. Unsere Jüngste hat derzeit eine schwierige Phase, die wir im Moment noch auf die Zähne schieben. Sie hat eine ganze Weile lang sehr gut und ruhig geschlafen bis morgens durch. Jetzt jammert und winselt sie nachts viel, wirft den Schnuller regelmäßig aus dem Bett, schläft nachts allgemein sehr unruhig. Tagsüber ist sie auch sehr weinerlich und im Moment sehr anhänglich und hängt uns immer am Rockzipfel und wir wissen nicht genau warum (ausgeschlafen, nicht hungrig usw.)

Liebe Grüße!
Anja
Schau, deine Töchter entwickeln sich ja sehr gut. Man kann also recht sicher davon ausgehen, daß sie jetzt keine Vollbild-Kanner-Autisten sind. Aber Autismus ist eine Spektrumserkrankung, und die Übergänge zwischen Neurotypisch und Autistisch sind fließend, mit Graubereichen. Dh, man kann sagen deine Töchter sind sicher nicht am extremen Ende des Spektrums, aber daß sie zb im Graubereich sind wenn sie erwachsen sind ist möglich. Das kann man bei so kleinen Kindern einfach nicht vorhersagen.


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