Noch keine Diagnose

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Stef1202
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Noch keine Diagnose

Beitragvon Stef1202 » 02.08.2019, 12:34

Hallo in die Runde,

wir sind noch weit von einer Diagnose entfernt, trotzdem wollte ich euch fragen ob folgendes verhalten typisch für adhs wäre.
mein sohn ist 4 jahre und wir haben ein paar kleinere baustellen. unser kinderarzt hat uns daher zur erziehungsberatung geschickt. dort war ich zweimal ohne meinen sohn. die dame dort war heilpädagogin und hat mir sehr lange zugehört um sich ein bild zu machen. sie vermutet, dass mein sohn sehr reizoffen ist und probleme mit der verarbeitung hat. sie sagt es könnte auch adhs sein/werden, aber er wäre noch sehr jung und in diese "schublade" würde sie ihn jetzt noch nicht stecken wollen. sie empfahl uns frühförderung. dort sind wir nun auf der warteliste, haben aber seit nun über acht wochen noch nix gehört.
nun zur eigentlichen frage. seit einiger zeit geht mein sohn zum reiten. es ist eine kleine gruppe, alles ist sehr ruhig und geordnet. die kinder teilen sich ein pferd, wenn sie nicht dran sind müssen sie am rand warten und sollen auch dort auch ruhig stehen bleiben. auf dem pferd ist auch viel konzentration gefordert. die reitlehrerin ist auch reittherapeutin und macht es wirklich super. mein sohn macht auch gut mit. ABER der restliche tag danach ist einfach eine vollkatastrophe. als beispiel gestern: wir waren danach noch einkaufen. er ist die ganzen 30 minuten non-stop durch den laden gerannt. konnte auch an der kasse keine sekunde bei mir stehen bleiben. zuhause ging es so weiter. ist er nicht gerannt oder gehampelt wurden ausgiebig die finger bekaut. beim abendessen ist er zweimal vom stuhl gefallen. und hatte schnell keinen hunger mehr. mein mann und ich waren schon selbst ganz atemlos auf grund der unruhe die er ausstrahlte. sein mund steht dann auch selten still. es endete dann wie immer. zwei minuten nachdem er endlich im bett lag, ist er eingeschlafen.
er hat solche tage häufiger, aber nach dem reiten ist es immer extrem. dabei dachten wir, es würde ihm gut tun.
kennt ihr so etwas? und wäre das typisch für adhs? oder doch was anderes? oder nur lebhaftes kind?
danke fürs lesen!

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Anjali
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Anjali » 02.08.2019, 15:38

Hallo,
eines vorweg: ich kenne mich bei ADHS nicht aus. Zur eigentlichen Frage kann ich nichts sagen.

Mir ist bei dem beschriebenen Tag aufgefallen, dass dein Sohn an diesem Tag wohl ein recht „volles Programm“ hatte.
Ich nehme an, er war vormittags in der Kita/im Kindergarten und nachmittags oder am frühen Abend reiten?
Beim Reiten geht es recht diszipliniert zu, wenn ich das richtig verstehe. Es wird also recht viel Anpassungsvermögen verlangt.
Dass dein Sohn anschließend nicht noch entspannt einkaufen gehen konnte/wollte und am Ende des Tages ziemlich überdreht schien, finde ich für einen Vierjährigen eigentlich eine altersgerechte Reaktion.
(Ich nehme an, dass Einkaufen nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen deines Sohnes gehört.)

Berücksichtigt man zusätzlich die anscheinend vorleigende Reizoffenheit, spricht für mich noch mehr dafür, dass der Akku deines Sohnes am Abend wohl ziemlich leer war.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Anjali » 02.08.2019, 15:58

...mein Tip:
Wenn möglich, nicht zu viele Aktivitäten, die relativ viel Anpassungsleistung erfordern, in einen Tag „packen“.
Also z.B. nach den Reitstunden nicht noch gemeinsame Einkäufe einplanen (falls möglich).
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon MamaMonika0912 » 02.08.2019, 17:02

Mir ging gleich ähnliches durch den Kopf wie Anjali. Ich hatte mit meinem sehr reizoffenen 10 jährigen Sohn kürzlich genau das gleiche Programm wie du mit deinem Vierjährigen. Mit dem Ergebnis, dass er sich im Supermarkt weinend ins Eck vor das Regal gesetzt hat weil er einfach nicht mehr konnte. Ihm war das zu viel.
Ich denke auch, dass die Reizüberflutung gepaart mit der Anforderung sich zu konzentrieren zu der Reaktion am Abend geführt haben könnten. Das ist möglicherweise seine Art zu sagen, dass es zu viel ist?

melly210
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon melly210 » 02.08.2019, 17:46

Ja sehe ich auch so. Mein Sohn ist auch sehr reizoffen (aufgrund Wahrnehmungsstörungen plus Muskelhypotonie). Er kann gut Kindergarten und danach Ergotherapie absolvieren, aber hintendran noch einkaufen, das will/kann er dann einfach nicht mehr.

Auch generelle Frage: wieviel Ruhe habt ihr im Tagesablauf ? Wie lange geht ihr in den Kindergarten, und was macht ihr danach noch ? Meiner hat kein ADHS, ist ansich ein ruhiger, ausgeglichener Kerl. ABER. Er braucht aufgrund der reizoffenheit relativ viel Ruhe. Er geht bis 13 h in den Kindergarten, und danach geht er dann mal 1,5-2 h in sein Zimmer, ruhig spielen und Hörbücher hören. Danach kann man dann noch was mit ihm machen, aber auch eher ruhigere Aktivitäten die nicht mehr so viel Anpassungsleistung erfordern. Er hält es problemlos aus wenn es MAL anstrengender ist und wir zb am Nachmittag dann noch wohin auf Besuch gehen. Aber wenn das mehr als 2,3 Tage am Stück so geht, dann wird er fahrig und unruhig, fällt oft hin etc. Man merkt dann einfach deutlich, es ist zuviel. Daher würde ich euch falls ihr das nicht eh schon macht raten mal ein paar Wochen zu probieren wie es ist wenn ihr ein sehr ruhiges Programm fahrt. Kindergarten nur bis Mittag und viel Ruhe. Vielleicht geben sich dann die vermeintlichen ADHS Symptome. Und generell würde ich euch wenn der Verdacht auf überdurchscnittliche Reizoffenheit besteht eine Abklärung bei einem guten, auf SI-Störungen (Wahrnehmungsstörungen) spezialisierten Ergotherapeuten raten :-)

BauerM
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon BauerM » 13.08.2019, 11:08

Ich weiß nicht wie das bei Kindern genauer diagnostiziert werden kann, aber gibt es da auch sowas wie den Big 5? Ansonsten klingt es igw wie Hypersensibilität, der letzte Beitrag. Ich kannte einen mit "AdHS" der hatte zu wenig hemmende Neurotransmitter produziert, mit Melatonin ging es weg. Bei starken Einschränkungen, meiner Recherche/ Kommunikation bezieht sich nur auf Erwachsene, hilft gabaerges sehr gut = Maximlherapie Rivotril (in Benzos was auch bei Kidnern mit Epi gegeben wird) das ist aber ein suchterzeugend, bei einem leichten Fall würde ich das nicht geben. Soweit ich ADHS verstehe, dürfte jedoch bei AHS keine Besserung durch Benzos möglich sein. Eventuell einmal ein Profil des EW Stoffwechsel machen (ev fehlt hier igw ein EW, bei manchen Kinder gibt es einen Defekt bei semi-essentiellen Proteinen, dann fehlt zB die Vorstufe von GABA, der hemmender Neurotransmitter).

Vielleicht einmal Baldrian testen und schauen ob es besser oder schlechter wird. (Wobei es da ganz starke Unterschiede gibt). Bei uns in der Landesapotheke gibt es einen Tee, ein Nerventee der auch wirkt, der soll auch bei Kinder gut sein (laut Apothekerin, mir scheint nichts gefährliches drinnen zu sein), das könnte man testen. Auch Mulungu (nikotinerger Antagonist, greift nicht in GABA Stoffwechsel ein) ist pflanzlich und ist in Brasilien zugelassen bzw in der Apotheke erhältlich. Aber es wurde wenig publiziert, dass bei Kindern halte ich keine gute Idee, da es stark wirkt. Auch wenn man es als Tee im Internet kaufen kann.

Jedenfalls lange Rede kurzer Sinn, bzgl ADHS würde ich mit so Sachen wie Ritalin aufpassen, das ist nicht gerade sehr gesund, zumindest was behauptet wird bzgl Langzeit-NW.

Ich kenne mich mit Kindern mit den Problem leider 0 aus und kann halt nur sagen was Erwachsenen geholfen hat. Inwiefer das bei Kinder hilft/ möglich ist weiß ich nicht. Ansonsten autogenes Training und geführte Meditation wurde auch in Foren für Erwachsene positiv beschrieben. Lies mal zb im Introvertierten Forum. Aber ev kann ein Erziehungsexperte daraus Schlussfolgerungen für die Kinder ableiten. Entspannendes Hörbuch, Entspannende Musik (Uhrwaldgeräuche usw)....

LG
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

RikemitSohn
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon RikemitSohn » 13.08.2019, 12:25

Hallo BauerM,

du sagst, dass du dich mit Adhs bei Kindern nicht so auskennst. Dann schreibe doch bitte nichts dazu. Die Angst vor Ritalin wird immer wieder gerne durch Unwissenheit geschürt und mehr wird hinter deinen Ratschlägen auch nicht stecken. Müttern unsachlich Angst machen hilft nicht.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

BauerM
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon BauerM » 13.08.2019, 12:34

Hallo BauerM,

du sagst, dass du dich mit Adhs bei Kindern nicht so auskennst. Dann schreibe doch bitte nichts dazu. Die Angst vor Ritalin wird immer wieder gerne durch Unwissenheit geschürt und mehr wird hinter deinen Ratschlägen auch nicht stecken. Müttern unsachlich Angst machen hilft nicht.

LG Rike
Ne recht kritische Betrachtung zu Ritalin stammt von einen Prof der dazu geforscht hat. Ich habe das nicht geprüft was der geforscht hat und kann somit nichts sagen, aber ich weiß wie Neurobiologisch Ritalin auf die Synapsen wirkt und wie es die NT beeinflusst. Er postulierte dass Ritalin Parkinson fördert Zitat (wenn mE übertrieben) " die ADHS Kinder die heute mit Ritalin behandelt werden sind die Parkinsonpationen von morgen". Also wie gesagt, nur weil der einen Prof Titel hat und was weiß ich (angeblich) erforscht hat heißt das nichts, aber es ist immerhin ein starker Eingriff in die Neurobiologie im Entwicklungsalter. Vielleicht wollte sich der Prof nur wichtig machen, ich kann das nicht sagen, da ich seine Publikationen nicht gelesen habe, aber diverse Wissenschaftler, also Eltern mit Kinder mit ADHS stehen dem Ritalin sehr kritisch gegenüber und die lesen ja (vermute ich mal) auch die Studien. Jeder Mensch kann eine Aussage im Internet prüfen, dau ist das Internet da, Studien sind meist gratis einsehbar und durchaus auch für Eltern, wenn sie sich einlesen, lesbar, auch korrekt. Zumindest wenn es keine mega komplexe Studie ist.

MFG
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BauerM
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon BauerM » 13.08.2019, 12:38

Und zum Thema Angst, zum Aspest gab es schon lange vor dem Entfernen absolut valide Studien, dass das Zeug gefährlich ist, dann hat man sogar mal für die perfekten Schuhe Kinderfüße geröngt. Da wusste man damals schon, dass das nicht gesund ist, das gleich beim Amalgan im Mund. Ob grundlose Angst oder berechtige Sorge muss ja das Elternteil selber prüfen. Können die Eltern ja auch, wenn sie sich mit dem medizinischen Arbeiten befassen, das geht wenn man zB bei Wiki Artikel schreibt, da wird zumindest grob einem Laien gelernt wie man wissenschaftlich arbeitet, auch wenn da einige Artikel nicht objektiv sind, so wissen das die meisten dort auch.

Im übrigen, ich behaupte ja nicht Fakten zu kennen, sondern schreibe auch, wenn ich mich wo nicht perfekt auskenne. Ich habe ja nur Grundlagenforschung zu der Wirkung auf von pychotrophen Substanzen (darunter fällt Ritalin) gelesen. Naja, das ist zumindest mehr, wie das, was die meisten gemacht haben... ds habe ich auch bei Antidepressiver mal gemacht, wo ich behauptete das die Studien total verzerrt sind, wurde als unwissenschaftlich etc abgetan, dann hat in der UK ein Forscher das genauer untersucht (nicht wegen mir) und was kam dabei raus, 50% der Studien die keine Wirkung zeigten wurden nicht publiziert. Zufällig die, die keine Wirkung zeigten, das lag daran, dass die nicht gut genug waren .... :roll: Ergebnis der Arbeit war, dass kaum eine Wirkung über dem Placebo vorhanden ist, außer bei schwersten Depressionen.

MFG
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon RikemitSohn » 13.08.2019, 12:50

Hallo,
es geht hier darum Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Wenn du Fakten nicht kennst, hilft es nicht, mögliche Fakten, die eventuell richtig sind, zu verbreiten. Du kannst das machen, aber ich finde das gerade bei unsicheren Eltern nicht in Ordnung.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB


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