Noch keine Diagnose

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 15.08.2019, 19:30

Hallo,

wie wäre es denn, wenn Ihr solche Diskussionen mit BauerM in einen von seinen Threads verlagert, oder einen eigenen dafür aufmacht?
Das hier ist Stefs Thread, und Stef ist neu hier, da ist das nicht so optimal, finde ich ...

Grüße
Engrid
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Lisaneu
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 15.08.2019, 20:22

Engrid hat geschrieben:Hallo,

wie wäre es denn, wenn Ihr solche Diskussionen mit BauerM in einen von seinen Threads verlagert, oder einen eigenen dafür aufmacht?
Das hier ist Stefs Thread, und Stef ist neu hier, da ist das nicht so optimal, finde ich ...

Grüße


Ich verstehe schon, was du meinst, weiß aber nicht, wie man das in der Praxis machen soll. Wenn ich auf einen Beitrag hier antworte schaue ich in der Regel nicht alle vergangenen Beiträge eines Teilnehmers durch um dann zu entscheiden, ob ich auf einen Beitrag DIESES Threads vielleicht besser in einem anderen Thread antworte.

Was ich außerdem nicht ganz verstehe ist, dass anscheinend nur Diskussionen mit EINEM Forumsmitglied in dessen Thread umgelagert werden sollen, während hier sonst kreuz und quer und oft seitenlang an den eigentlichen Threadthemen "vorbeigeschrieben" wird - oft auch in 2-Personen-Diskussionen.
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BauerM
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon BauerM » 25.08.2019, 23:37

Lisaneu hat geschrieben:....


Hast du den eine konkrete Frage oder möchtest du nur diskutieren? Wenn du eine konkrete Frage (für dich wichtige Frage) hast kannst du sie mir gerne stellen. Ich wollte nur auf die möglichen NW hinweisen und das ist ja nun gemacht worden. Ich würde zB für mich nie diese Risiken riskieren, weil ich Leute an Parkinson sterben sehen habe, der letzte Parkinsonpatient den ich gesehen habe ist jetzt einig Wochen her. Wie sich die Neuromodulation auf andere Entwicklungen auswirkt ist ja auch nicht untersucht.

Das hat auch einen Grund. Es sind extrem teure Langzeitstudien, diese würde niemand zahlen. Durch das nicht behandeln von AD(H)S oder Asperger entstehen idR keine körperlichen Schäden wie bei deiner Mutter, das ist somit etwas anderes.
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

Sheila0505
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Sheila0505 » 26.08.2019, 10:21

Hallo Stef, sehr schwierig - denn du schreibst ja sicherlich, weil es tatsächlich schwierig ist und du dir Sorgen machst. Daher gehe ich auch davon aus, dass es nur ein kleiner Ausschnitt darstellt und es grundsätzlich mehr Situationen und turbulente Zeiten bei euch mit eurem Kind gibt.

Ich finde halt nur, dass das was du hier beschreibst nicht so ungewöhnlich für ein 4jähriges Kind klingt.
Klar gibt es 4jährige, welche schon super konzentriert bleiben können und das weniger ausmacht. Aber die Regel ist das sicherlich nicht.

Ich erlebe es auch als Erzieherin in der Kita, dass nach Beschäftigungen, in welchen Anpassungsleistung und Konzentration im geschützten Rahmen angeboten wurde, anschließend aufgedreht wird und der Wurm drin ist. Daher ist Freispiel und Möglichkeiten sich richtig auszutoben - ob Draußen (z.B. Garten) oder Drinnen (Turnraum) im Anschluss schon recht erforderlich und für die Kompensation/Ausgleich wichtig.

Wenn das Reiten bei Euch im Anschluss aber so sehr schwierig ist, dann würde ich mich fragen: ist es vllt nicht besser, es zu pausieren und ggf zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen?

Wenn ich jetzt unseren 4jährigen anschaue: alleine das Warten müssen würde ihn total überfordern, er würde das definitiv nicht schaffen am Rand zu stehen und zu warten.
Er würde spätestens nach 2 Minuten rumturnen, umhertänzeln, Quatsch machen.

Klar kann man sagen, ein jedes Kind braucht die Möglichkeit das Üben zu können und in einem solchen Rahmen: doch super.

Aber wenn es im Anschluss so sehr schwierig ist, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, dass es noch zu sehr überfordert und es daher vllt noch zu früh ist.

Unser Kleiner besucht eine Psychomotorikgruppe (Kleingruppe) - total super und perfekt für ihn. Es stärkt seine sozialen Fähigkeiten/Kompetenzen und fördert seine Wahrnehmung ganzheitlich. Dort gibt es kein richtig oder falsch, sie dürfen sich ausprobieren und ihre Grenzen herausfinden. Jede Stunde gestaltet sich durch erlebnisbetonte Bewegungsangebote und unser Kind blüht dort richtig auf.

Zum Reiten geht er auch manchmal. Aber die Pferde kommen zu einem Abenteuerspielplatz und Kinder welche Warten müssten, gehen einstweilen spielen. Es ist kein heilpädagogisches Reiten, aber so ist es für uns besser.

Unser älteres Kind (9J) mit Verdacht auf ADHS kann ein „Warten am Rand“ bis heute noch nicht. Daher ist es für mich schon bemerkenswert, dass euer 4jähriges es offenbar schafft, wenn es die Situation abverlangt.

Nichtsdestotrotz würde ich wohl darüber nachdenken, es erst mal auf Eis zu legen und etwas anderes zu suchen. Bessert sich die Situation, dann werdet ihr das sicherlich schon bald merken.

Mit unserem 4jährigen ist es oft sehr schwierig, er haut uns, spuckt und schmeißt mit Sachen (erst neulich schmiss er einen Ventilator). Aber im Kindergarten schafft er es bislang, nicht auszuflippen.

Spannend ist, dass die Ausraster zu Hause dann extremer sind, wenn er in der Kita war. Er war jetzt bspw 4 Wochen daheim und um einiges ausgeglichener als wenn keine Ferien sind. Die Kita verlangt halt von ihm einiges ab und ist anstrengend.

Liebe Grüße, Sheila

Silvia & Iris
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Silvia & Iris » 26.08.2019, 10:53

Hallo Stef,

was sind das denn für kleinere Baustellen? Ich weiß, bin auch nicht der AD(H)S Experte, aber es gibt ja noch weitere Wahrnehmungsprobleme... - daher, welche Baustellen siehst du noch?
Hast du den Eindruck, dass seine Reaktionen adäquat kommen? (Befolgen von Aufforderungen?) - Wie schaut seine Sprache aus? - Ich kenne schon AD(H)S Kinder, die haben eigentlich kein Problem zu sprechen, die versteht man gut... - auch wenn man nicht unbedingt den Eindruck hat, dass es altersentsprechend ist...

- Reizüberflutung kann ja unterschiedliche Ursachen haben...
Falls es auch im logopädischen Bereich sichtlich Defizite gibt, wäre auch eine Vorstellung bei einem Pädaudiologen eine Überlegung...

Auf jeden Fall: vermeide elektronische Reize! (auch TV mit rascher Bildfolge, vor allem kurz vor dem Einschlafen (2 h)) bzw. auch sonst keine elektronischen Spiele (XBox, Nintendo oder wie sie alle heißen) - evtl. Wimmelbildspiele... nichts mit schneller Bildfolge...
- Du wirst ja auch sehr regelmäßige Tagesstrukturen haben... - Aufstehen, Körperpflege, Frühstück, Kindergarten, Abholen vom Kindergarten, Mittagessen zu Hause, Ruhezeit... - Spielzeit, Abendessen...
Schlafen gehen, so dass mind. 4 Stunden Schlaf VOR Mitternacht möglich sind... (üblicherweise 18 - 18.30 in diesem Alter)

Ich hoffe, ich kann dir mit diesen ganz allgemeinen Tipps helfen...

Liebe Grüße
Silvia
... und ich weiß, dass das alles hammerhart ist, da man ja noch Therapien besuchen soll, Arzttermine wahrnehmen und und und... eine Familie ja auch noch hat...
Liebe Grüße
Silvia
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 27.08.2019, 15:31

BauerM hat geschrieben:
Lisaneu hat geschrieben:....


Hast du den eine konkrete Frage oder möchtest du nur diskutieren? Wenn du eine konkrete Frage (für dich wichtige Frage) hast kannst du sie mir gerne stellen. Ich wollte nur auf die möglichen NW hinweisen und das ist ja nun gemacht worden. Ich würde zB für mich nie diese Risiken riskieren, weil ich Leute an Parkinson sterben sehen habe, der letzte Parkinsonpatient den ich gesehen habe ist jetzt einig Wochen her. Wie sich die Neuromodulation auf andere Entwicklungen auswirkt ist ja auch nicht untersucht.

Das hat auch einen Grund. Es sind extrem teure Langzeitstudien, diese würde niemand zahlen. Durch das nicht behandeln von AD(H)S oder Asperger entstehen idR keine körperlichen Schäden wie bei deiner Mutter, das ist somit etwas anderes.


Hallo BauerM,

nein, ich möchte keine konkrete Frage stellen. Meinen Standpunkt habe ich bereits klargestellt. Oder vielleicht doch eine Frage: wie schaut deine Alternative zu Medis aus? Denn das Kind einfach mit der Proplematik allein lassen kann es ja schlecht sein...


Und dass bei ADHS und Asperger keine körperlichen Schäden entstehen ist die eine Sache, eine DEUTLICH erhöhte Kriminalitäts- und Selbstmordrate, sowie die bei nicht behandelter ADHS deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Suchterkrankung zu entwicklen (die in der Regel sehr wohl auch körperliche Schäden verursacht), ist eine andere. Wobei ich Medikation nur als EINE von verschiedenen Möglichkeiten einer multimodalen Gesamtlösung sehe und nicht als das Wundermittel, welche das Kind "normal" macht.

Bei meinem älteren Sohn habe ich mich gegen Mediaktion entschieden, wegen der akuten Nebenwirkungen. Aber er leidet unter seinen Störungen wie der sprichwörtliche Hund und bisher haben weder Ernährungsumstellung noch Kinder-Psychotherapie Entlastung (für ihn) gebracht. Der nächste Versuch ist Neurofeedback.

Ich denke ,wenn man ein todunglückliches, mit sich selbst und er ganzen Welt unzufriedenes Kind zu Hause hat, sucht man einfach als Eltern nach Lösungen, damit es dem Kind wieder besser geht. Ich war ab dem Alter von 12 Jahren mit meiner unbehandelten ADHS akut selbstmordgefährdet und bin mit 22 Jahren in selbstmörderischer Absicht im 2. Stock aus dem Fenster gesprungen, ohne je irgendein Medikament eingenommen zu haben. Dabei war ich körperlich völlig gesund. Ich hatte Glück, den Sturz zu überleben. Aber wenn ich meinem Sohn solche Erfahrungen durch Gabe von Medikamenten ersparen kann, tue ich es, auch wenn bei den ach-so-teuren Langzeitstudien VIELLEICHT rauskäme, dass die Wahrscheinlichkein, an Parkinson zu erkranken, mit ADHS-Medikation verdoppelt ist.
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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon BauerM » 27.08.2019, 15:56

Lisaneu hat geschrieben: Oder vielleicht doch eine Frage: wie schaut deine Alternative zu Medis aus? Denn das Kind einfach mit der Proplematik allein lassen kann es ja schlecht sein...


1.) Liste ertellen wodurch der Leidensdruck bedingt ist, bei vielen kann man radikal vorgehen, muss man halt dann durchziehen, zB Mobbing in der Schule Eltern kontaktieren, ggf die Schule stark involvieren (Zeitung, Anzeige) damit das radikal unterbunden wird, zuvor Aufklärung der Klasse über die Krankheit und den damit verbundenen Leidensdruck.

2.) Massive psychologische (gute) Hilf, sowohl bei seriösen Problemanalyse, als auch bei der Ausarbeitung der Lösungswege und deren Umsetzung.

3.) Aufbau von unerschütterlichen Selbstwertgefühl des Kindes. Das ist ein Problem das die meisten Eltern zu wenig das Selbstwertgefühl der Kinder fördern, es gibt sehr viel Literatur zu dem Thema.

Wenn es von außen kein Faktoren gibt, dann stellt sich mir die die Frage woher der Leidensdruck kommt. Leidensdruck hat immer eine Ursache, eine tiefe Analyse kann aber Monate bis Jahre dauern, das geht nicht mal eben Pillen und es ist getan, aber es lohnt sich. Als allerletzte Option oder wenn es wirklich Richtung Suizid geht oder schweren PTBS sind die Medikamente gerechtfertigt, das sehe ich auch so, nicht aber wie es oft gehandhabt wird, Pille rein, damit die Eltern ruhe haben. Kenne ich einige. Ein Freund von mir hat ein Kind mit üblen ADHS, die Mutter ist total genervt weil das Kind so überdreht ist, er hat totale Freude damit und in der Schule haben sie das auch hinbekommen.

Natürlich, es gibt Indikationen da braucht man die Medis bzw kann den Nutzen/Risikofaktor abwägen. Aber das ist bei sehr vielen ADHS Kinder/ ADS Kindern (wobei ADS und ADHS ja was völlig anderes ist) nicht der Fall, zudem würde ich nicht gleich mit Ritalin draufbomben, was ja eigentlich das letzte Mittel ist, aber leider das einzig zugelassene was mir ad hoc einfällt (neben Amphe...). Es gibt zudem auch sanftere NEM usw die zT sehr gute Erfolge erzielten, das ist aber recht komplex und ich nicht so eingelesen, dass ich da jetzt Tipps geben würde. Man kann aber dbzgl schauen.

Eine wirklich notwendig indizierte Verabreichung wenn man wirklich alles andere getan hat und es gar nicht anders geht, ist ja was anderes wie mal eben auf die schnelle Pillen zu geben, weil es einfach angenehmer ist. ich kenne ADHSler die gar kein ADHS hatten, wie sich erst später rausstellte... da sollte man vielleicht mal ein MRS machen um zu sehen wie es mit den Neurotransmittern aussieht, bevor man Ritalin gibt. Eine Frau schrieb "ich bekam Ritalin als Kind und es war die Hölle", war unter einem Focus Artikel, bei anderen mag das anders aussehen, nur das Blinde massive verschreiben von Medikamenten mit durchaus möglichen drastischen NW ist schon kritisch zu sehen. Bei Epi ist das zB ja auch so, da muss man aber Medis geben, da es unbehandelt zu mehr Entwicklungsschäden kommt wie behandelt.
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 27.08.2019, 17:28

Hallo Engrid,

zu deinen Punkten:

1.) Leidensdruck ist bedingt durch häufige soziale Mißverständnisse gepaart mit sehr geringer Frustrationsschwelle. Eben die blöde Kombi aus nicht-verstehen von ganz normalen, alltäglichen sozialen Situationen, wie sie bei Autisten üblich ist und dem gleich-hochgehen, wie es bei ADHSlern häufig vorkommt. Mobbing ist mein Sohn Gott sei Dank nicht ausgesetzt, es ist im Gegenteil eher so, dass ER öfter mal aggressiv zu anderen Kindern ist, weil er alles als Angriff gegen seine Person sieht.

2.) Wir sind bei einem guten KJP in Behandlung und haben von Februar bis Ferienbeginn regelmäßig Kinder-Psychotherapie bei einer auf ADHS-Kinder spezialisierten Psychotherapeutin, die nach Mate Meo arbeitet, in Anspruch genommen. Keinerlei Veränderung! Wenn ich selbst koche verzichte ich auf alles, was mit Farbstoffen oder Geschmacksverstärkern zu tun hat - keinerlei Veränderung.

3.) Mit dem Selbstwertgefühl habe ich mich sehr intensiv beschäftigt und wirklich SEHR viel Literatur zu dem Thema gelesen (z.B. von Jesper Juul, Remo H. Largo, Thomas Gordon,...). Ich habe selbst erst nach vielen Jahren und wirklich tausenden Stunden in einer Selbsthilfegruppe (zu einem anderen Thema) ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen können. Bei mir weiß ich, dass meine Defizite im engen Zusammenhang mit vielen verbalen Demütigungen in meiner Kindheit standen. Meine Mutter hat mich als Kind wirklich oft beschimpft und "runter gemacht". Heute tut es ihr leid und wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Es ist nicht so, dass ich meinen Sohn NIE schimpfe oder runter mache (das, was einem selbst widerfahren ist, gibt man leider oft "automatisch" weiter, ohne das zu wollen), aber vieeeel seltener, als es mir geschehen ist und ich kann mich danach ehrlichen Herzens und ohne "aber" bei meinem Sohn entschuldigen. In unserer Familie gehen wir freundlich und wertschätzend miteinander um. Sowohl mein Mann als auch ich sind authentisch und empathisch, weil wir beide sehr intensiv an uns selbst gearbeitet haben.

Nur hat mein älterer Sohn halt einen schwer behinderten jüngeren Bruder, dessen Meltdown-Anfälle uns viele Jahre immer wieder "gelähmt" haben, und die sicher auch bei ihm ihre Spuren hinterlassen haben. Mir fällt trotz allen Wissens in Sachen Selbstwertgefühl-stärken absolut nichts ein, was ich NOCH tun könnte. Dass mein Sohn kein realistisches Selbstgefühl hat, und sich abwechselnd als Über-Drüber-Macher und als Totalversager fühlt, sehe und erlebe ich täglich. Aber ich habe keine Ahnung wie ich ihm - mit allen Erfahrungen und allem Wissen, was ich habe, da raus helfen könnte.

Ich kenne auch so Fälle, wo das Kind gleich mal, weil es Probleme machte, Medikamente bekam. Mit 10 nahm der Bub schon 4 Tabletten täglich: eine zum Einschlafen, eine zum Aufwachen, eine gegen die Aggressionen und eine gegen die ADHS. Es war, ähnlich wie in deinem Beispiel, eine Fehldiagnose. Ich stand dem Kind sehr nahe und war mir schon damals ziemlich sicher, dass der Bub kein ADHS "hat", aber alle Gespräche mit der Mutter haben nichts gebracht und mich nur zum Feindbild gemacht. In der Zeit habe ich sehr viel über ADHS gelesen und bin drauf gekommen, dass ich selbst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unbehandelte ADHS habe. Vieles, was ich gelesen habe, kannte ich 1:1 aus meiner Kindheit. Mein älterer Sohn ist mir sehr ähnlich, was die niedrige Frustrationsschwelle und das unreflektierte, (für sein Alter) unreife Verhalten anbelangt. Nur kommt bei ihm eben noch der Autismus dazu, den ich nicht habe.

Kurz gesagt, ich bin mir (leider) ziemlich sicher, dass die Diagnose ADHS korrekt ist, noch sicherer als bei der Autismus Diagnose (obwohl beide mehrfach gesichert sind). Was ich hier habe ist ein Kind, das täglich etliche Stress-Situationen wegen "nichts" (für mich) durchmacht. Egal, wie oft ich angekündigt habe, wann und um welche Uhrzeit der Frisörtermin ist, es gibt immer erst mal einen Kreischanfall und eine Anklage gegen mich, bevor wir wegkommen. Ständig höre ich Vorwürfe, ich hätte meinem Sohn etwas "nicht" oder "falsch" gesagt, obwohl ich alles mehrmals sage und meistens noch zusätzlich visuell darstelle (auf unserem Familien-Whiteboard). Heute früh war mein Sohn z.B. der fixen Meinung, ich hätte ihm die Uhrzeit seines Frisör-Termins nicht rechtzeitig gesagt und mein Grund dafür wäre, mich an seinem Ärger zu erfreuen. Das Schlimme ist, dass mein Sohn das zu dem Zeitpunkt, wenn er es mir entgegenwirft, wirklich GLAUBT. Im Nachhinein und in Ruhe besprochen weiß er natürlich, dass ich ihn nicht ärgern will, aber in der Situation betrachtet er wirklich so ziemlich alles als persönlichen Angriff gegen seine Person. Und er kippt etliche Male am Tag in solche Ärger-Situationen rein. Wenn ein Film, den er schaut, an einer spannenden Stelle von Werbung unterbrochen wird, glaubt er wirklich, "die blöden Werbungsmacher" würden das nur tun, um IHN zu ärgern. Wenn sein Bruder den letzten Pudding aus dem Kühlschrank geschnappt hat, glaubt er, der hätte das nur gemacht, um ihm eins auszuwischen. Unser Problem ist defintiv nicht die "Zappeligkeit", die ist zwar auch da, aber damit können wir alle leben. Es ist auch nicht dir Konzentration, denn trotz Problemen in diesem Bereich ist mein Sohn so klug, dass er außer in singen und turnen lauter 1er im Zeugnis hat - da sehe ich keinerlei Handlungsbedarf, wo eine Medikation gerechtfertigt wäre. Es geht echt um den Leidensdruck, an dem es keinen "Schuldigen" gibt, den man zur Verantwortung ziehen könnte. Mein Sohn ist sich selbst der größte Feind.

Die Anfrage wegen Neurofeedback bei einer Psychologin und ADHS-Trainerin ist im laufen. Mir gehen wirklich die Ideen aus.
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Beitragvon Engrid » 28.08.2019, 08:56

Hallo Lisa, Du hast mich angesprochen, aber von mir gibt es hier keinen Post, auf den sich das beziehen könnte. (Allerdings kenne ich das Problem, Junior hat es auch: keinerlei Theorie of mind, und deshalb bezieht er ALLES, was passiert, auf sich. Wenn wir dieses Problem nicht hätten, das er sich aufregt - und entsprechend verhält - weil er denkt, jemand hätte ihn falsch angeguckt, falsch angesprochen, usw, nur um ihn zu ärgern, ein Baby würde weinen, obwohl ihn das ärgert, usw, dann wäre unsere Hauptbaustelle beendet)

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Re: Noch keine Diagnose

Beitragvon Lisaneu » 30.08.2019, 08:12

Hallo Engrid,

sorry, ich habe mich bei der Anrede geirrt. Natürlich habe ich BauerM gemeint. Mir fällt nur auf, dass viele Menschen, wenn sie hören ein Kind hat ADHS grundsätzlich glauben, die Hauptprobleme würden Zappeligkeit und mangelnde Konzentration sein, was dann den Eltern "zu viel" werden würde. Auch bei meinem älteren Sohn sind die absoluten Hauptbaustellen Impuls- und Emotionskontrolle und das Hauptproblem ist, dass er einfach sehr oft unzufrieden und unglücklich ist.

Konzentration ist bei uns gar kein Problem, obwohl mein Sohn da auch Schwierigkeiten hat, aber das macht er schulisch (noch) mit seiner Intelligenz locker wett. Zappeligkeit ist auch kein gröberes Problem. Früher war das schlimmer, mein Sohn war z.B. das einzige Kind, welches sich im Kindergarten beim Sesselkreis verletzen konnte. Ständig hatte er Beulen, Platzwunden, mal ein blaues Auge, dann wieder ein aufgeschlagenes Knie. Für Außenstehende muss es manchmal so ausgesehen haben, als würde das Kind mißhandelt. Das ist jetzt, mit 9 Jahren, schon deutlich besser geworden.

Ich finde die 3 Punkte, die BauerM da auflistet, ja durchaus aufschlußreich und gut, aber wie soll ich z.B. gegen mangelnde Impulskontrolle wegen ständiger Mißverständnisse "konsequent" vorgehen? Bei Mobbing gibt es da ja einige Möglichkeiten. Wobei ich aus eigener Erfahrung leider weiß, dass es auch nicht so einfach ist, wie hier dargestellt wird. Aber immerhin KANN man was tun. Das, was ich mit meinem Sohn tun kann, wenn ich ihn (wieder mal) aus der Kinderbetreuung im Einkaufszentrum abholen musste, weil er auf einen Zweijährigen losgegangen ist ("Der hat mir ABSICHTLICH die Zunge gezeigt!!!") ist einfach nur reden, reden, reden. Dabei ist mein Sohn im nachhinein in so Fällen praktisch immer einsichtig und weiß VOM KOPF HER sehr genau, dass Zunge-zeigen kein Grund ist, mit Fäusten auf ein Kleinkind loszugehen. Und genau DAS ist die Ursache seines Leidensdrucks.

Es tut meinem Sohn im nachhinein auch immer sehr leid, was dazu führt, dass er sich selbst runtermacht ("Ich bin ein Idiot!" oder "Meine Neuronen im Hirn sind einfach nicht richtig vernetzt!" und im schlimmsten Fall "Ich will gar nicht mehr leben, ich bin für alles zu blöd!"). Das ändert aber nichts daran, dass es bei der nächsten Situation genauso eskaliert.

Auch du schreibst ja, genau DAS wäre die Hauptbaustelle deines Sohnes. Genau so ist es auch bei den meisten ADHS-Kindern, die ich kenne. Und gerade in der heutigen Zeit, ist es extrem wichtig, das unter Kontrolle zu bringen. Da kann er wegen eines einzigen Vorfalles in nullkommanix von der Schule fliegen und in eine Einrichtung gesteckt werden, wo er sich dann unter wirklichen Problemkindern aus sozial auffälligen Familien behaupten muss, was er definitiv NICHT kann und wo die Gefahr, Mobbing-Opfer zu werden, ein vielfaches höher ist.
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