Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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babyluca2002
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Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon babyluca2002 » 30.07.2019, 20:45

Huhu,

ich frage für eine Freundin, die gerade total verzweifelt ist - ich hoffe, Ihr könnt helfen.

Folgende Sachlage: Sohn, 12, unklare Wahrnehmungsstörung/Angststörung, in der Schule unauffällig - zuhause ständig Ausraster, mal mehr schwer, mal weniger.
Medikinet eine Zeitlang genommen, momentan ohne Medis, ab nächste Woche mit Strattera. Familienhilfe läuft, in Behandlung bei Kinderpsychiater + Klinik.

Nun sollte er auf Drängen der Familienhilfe in einer Klinik zwecks nochmaliger Diagnostik und Medikamentation aufgenommen werden. Im Aufnahmegespräch wurde angesprochen, dass die Kinder evtl. in Extremsituationen sediert werden - was der Mutter ziemlich Angst und Sorgen bereitete. Anschließend Besuch in der Gruppe, in der er dann aufgenommen werden würde. Der Junge total in sich gekehrt, nur am Zittern, unfähig etwas zu sagen. Ich kenne den Jungen gut, ist ein Freund meines Sohnes und hier total unauffällig, hibbelig und hektisch ja, aber sonst nix.

Aufgrund des Gesprächs und der Situation beim Besichtigen der Einrichtung, entschieden sich die Eltern gegen die Aufnahme dort. Das Gespräch war Montag, Aufnahme hätte diese Woche sein sollen. Mit der Medikamentation wird jedoch durch Klinik nächste Woche begonnen und evtl. auch dort eine ambulante Therapie.

Nun haben sie ihre Entscheidung der Familienhilfe und der Kinderpsychiaterin mitgeteilt. Diese haben den Eltern nun gedroht, zum einen der Krankenkasse zu melden, dass eine weitere Therapie zuviele Kosten verursachen würde und daher gar nicht erst genehmigt werden soll, weil die Eltern unkooperativ sind - sind sie nicht, wollen nur halt nicht die stationäre Aufnahme, weil sie befürchten, das Kind dann ganz zu verlieren.

Desweiteren hat die Familienhilfe nun "gedroht", dem Jugendamt Mitteilung zu machen und dafür zu sorgen, dass das Kind aus der Familie genommen wird, weil die Eltern das Kindeswohl gefährden. Das geht doch nicht so einfach - oder ?

Die Familienhilfe und Kinderpsychiaterin arbeiten wohl eng zusammen, jedoch nicht mit der Familie wirklich. Zuletzt haben sie ihnen vorgeworfen, sie zu hintergehen, weil sie entschieden haben, über die Ferien das Medikament abzusetzen (wie gesagt, neu gestartet wird nächste Woche) - obwohl auch zb. bei uns die Klinik sagt, während der Ferien darf man gern mal auslassen....

Latent und unterschwellig wirft man der Mutter von Seiten der Psychiaterin vor, dass sie an der Störung schuld sei (schwierige Verhältnisse mit dem ersten Partner und Vater des Kindes). Sagt aber gleichzeitig, sie sei ja nicht schuld.....

Könnt Ihr mir sagen, ob es aufgrund der Tatsache, dass sie sich gegen stationäre Aufnahme entschieden haben, das Kind aus der Familie nehmen darf? Dem Kind geht es gut, es wird nicht vernachlässigt oder sonst etwas. Die Mutter ist völlig fertig gerade und am Boden zerstört, sie wollen ihm ja helfen, nur auf anderem Weg.

Vielen Dank schon mal und wenn was unklar ist, fragt einfach

LG
Anke
Anke (47), Carsten (45), Kevin * 27.03.98 (Frühchen 23. SSW, ADS) mit Sternenkind Luca * 27.12.2002, † 23.12.2007 (Muskeldystrophie Duchenne, chron. Niereninsuffizienz, Schlaganfall nach erfolgloser Nieren-TX, Gerinnungsstörung Faktor V-Leiden, verstorben nach akuter Peretonitis) und Finn * 05.01.2009 - kerngesund und quietschfidel

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AlexMama2006
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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon AlexMama2006 » 30.07.2019, 20:55

Hallo Anke,

bei meinem Sohn stand genau das selbe im zarten Alter von 7 Jahren im Raum. Letztendlich haben sie es nicht gemacht, also das Sorgerecht eingeklagt.

Im Nachhinein war es meiner Meinung nach aber ein Fehler, ich hätte ihn stationär behandeln lassen sollen, halt eine bessere Klinik suchen, die für sein Alter gepasst hätte.

Die Probleme sind nämlich schlimmer geworden, Strattera bewirkt auch keine Wunder.

Jetzt ist mein Sohn 13 und ich habe auf Anraten der Ärzte und des Jugendamtes einer stationären Jugendhilfemaßnahme weit weg zugestimmt. Ich glaube, wenn ich das nicht gemacht hätte, würden sie ihn mir versuchen, wegzunehmen.

Das Kind deiner Freundin ist mit 12 Jahren sicher alt genug für eine Klinik, ich würde ihr gut zureden, es zu probieren. Es kommt auch bald in die Pubertät und damit wird nichts besser, ganz im Gegenteil.

Sie hat ja das Sorgerecht und kann das jederzeit abbrechen bzw. eine passende Klinik suchen. Wer schuld ist, ist egal, dem Kind muss geholfen werden.

Übrigens ist mein Sohn momentan auch stationär bis zur Maßnahme, es ging einfach nicht mehr anders.

LG AlexMama
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon Susanne 61 » 30.07.2019, 22:22

Hallo Anke,
zu deiner letzten Frage: Nicht, dass ich wüsste...
Wir haben das jedenfalls auch mal so gemacht, eine geplante stationäre Maßnahme abgelehnt. Da war keine Rede von "Kind aus der Familie holen" oder dergleichen. Ganz sicher war es, außer den Betreibern der Klinik", allen Beteiligten am liebsten so, das "Kind" (war damals schon 13 oder 14 Jahre alt), in der Familie zu lassen... grins, finde leider die smileys nicht mehr.
LG,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 18 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 26, 29 und 30 Jahre

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon HeikeLeo » 31.07.2019, 10:19

Liebe Anke,

bei einer befreundeten Familie von mir ist die Familienhilfe wegen so etwas vor Gericht gezogen. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Bei der befreundeten Familie hat eine Schule den Ball ins Rollen gebracht.

Die Familie hat als erstes dann die Kinder- und Jugendpsychiaterin gewechselt. Die neue Praxis ist etwa 300 km entfernt. Bei der neuen Praxis sind die Kinder aber gut aufgehoben und die KJP unterstützt auch mit Gutachten, die wahr sind - im Gegensatz zu den Gutachten des Jugendamtes.

Herausnahme eines Kinder aus der elterlichen Sorge steht unter Richtervorbehalt. Bei der befreundeten Familie hat das Jugendgericht dem Jugendamt KEIN gründes Licht gegeben. Die Schulsituation ist aber nach wie vor ungeklärt, deshalb ist die Sache noch nicht in trockenen Tüchern.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon IlonaN » 31.07.2019, 13:08

Hm, deine Freundin hat ja bereits eine Familienhilfe, die wird ja nicht einfach mal so nach Lust und Laune installiert. Wie wäre es wenn deine Freundin eine neutrale Person mit nimmt und um ein sofortiges Gespräch mit dem JA bittet bevor dort sonnst was erzählt wird? eine Familienhilfe und Psychologin können erstmal Garnichts erzwingen oder gar ein Kind rausnehmen, jedoch Stellungnahmen schreiben, deshalb wär es manchmal besser das sofort mit dem JA zu klären, sie sind ja längst involviert, sonnst wär ja nicht die Hilfe installiert.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon Regina Regenbogen » 31.07.2019, 14:30

Die Familienhilfe und Kinderpsychiaterin arbeiten wohl eng zusammen, jedoch nicht mit der Familie wirklich. Zuletzt haben sie ihnen vorgeworfen, sie zu hintergehen, weil sie entschieden haben, über die Ferien das Medikament abzusetzen (wie gesagt, neu gestartet wird nächste Woche) - obwohl auch zb. bei uns die Klinik sagt, während der Ferien darf man gern mal auslassen....

Schon, aber nicht in der Anfangszeit der Therapie. Meine Söhne konnten erst nach 1 Jahr die ersten kleinen Auslassversuche starten, und dann erstmal über ein Wochenende, nicht gleich die ganzen Ferien. ADHS hat man ja nicht nur in der Schule und für eine wirksame Therapie sollte man erstmal auf den eigenen KJP hören (oder wenigstens mit ihm sprechen) und nicht selbst rum experimentieren. Ziemlich ungeschickt war die Mutter da schon.

Dennoch ist die Absage an die stationäre Aufnahme kein Grund, das Kind aus der Familie zu nehmen, die Therapie wird ja weiter geführt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon violaya » 05.08.2019, 18:02

Hallo,

ich glaube nicht, dass eine Familienhilfe sowas entscheiden kann. Es wäre vielleicht gut, einen anderen Kinderpsychiater zu finden, mit dem man am selben Strang zieht. Dessen Einschätzung ist dann sicher wichtiger. Eine andere Klinik anzusehen wäre eventuell auch gut, denn ein gutes Gefühl sollte man schon haben. Habe leider den Fehler gemacht, mir die Station nicht vorher anzusehen, wo mein Sohn war. Notfallmedikamente gibt es wohl nur wirklich im Notfall, und dann werden die Eltern vorher telefonisch informiert - so wurde es mir zumindest gesagt, aber kommt sicher auf die Klinik an.

Gruß
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
und Sohn (2006), 2010 Diagnose frühkindlicher Autismus "high-functioning", meine Erachtens hyperaktiv, zeitweises Stottern
2015 ASS bestätigt + einfache Aufmerksamkeitsstörung

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Re: Dringend Hilfe gesucht - Jugendamt/Familienhilfe / Herausnahme aus der Familie

Beitragvon babyluca2002 » 08.08.2019, 19:37

Danke für eure Antworten, auch privat. Leider kann ich gerade nicht so viel schreiben, begrenztes Internet, wir sind im Urlaub.

Sie haben jetzt neuen Therapeuten und der Junge bekommt schnellstmöglich einen Platz in der Tagesklinik. Termin im Jugendamt steht an, sie wollen den anderen zuvorkommen.....
Anke (47), Carsten (45), Kevin * 27.03.98 (Frühchen 23. SSW, ADS) mit Sternenkind Luca * 27.12.2002, † 23.12.2007 (Muskeldystrophie Duchenne, chron. Niereninsuffizienz, Schlaganfall nach erfolgloser Nieren-TX, Gerinnungsstörung Faktor V-Leiden, verstorben nach akuter Peretonitis) und Finn * 05.01.2009 - kerngesund und quietschfidel


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