Vorteile Pflegegrad

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Jorise
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Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Jorise » 27.07.2019, 21:27

Hallo,
Könnt ihr mir vielleicht noch folgende Frage beantworten.
Was bringt MIR ein Pflegegrad?
Also ich habe mittlerweile kapiert, dass meine Eltern dadurch Geld und irgendwie andere Hilfen bekommen können. Gibt es denn auch irgendwelche Vorteile für mich als Kind?
LG Joris
Joris (13 adhs und Autismus)
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HeikeLeo
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon HeikeLeo » 27.07.2019, 21:46

Hallo Joris,

bei Kindern ist es mit dem Pflegegeld ähnlich wie mit dem Kindergeld.

Bei Erwachsenen bekommt der Pflegebedürftige das Geld und kauft sich damit Pflege ein. Kann man bei Kindern auch so sehen. An sich wird davon die Pflege bezahlt.

Aber Du musst auch sehen, dass bei der häuslichen Pflege Deine Eltern mit dem Pflegegeld total unterbezahlt sind. Eine angestellte Pflegekraft kostet pro Stunde etwa 30 -50 €, wenn sie auf 10-20-€ Einkommen kommen will. Deine Eltern dürften für eine Stunde Pflege etwa 1€ bekommen.

Allerdings kann mit dem Pflegegeld auch zusätzliche Unterstützung zugekauft werden - z.B. Verhinderungspflege. Damit hast Du den Vorteil auch noch mit anderen Leuten zu tun zu haben.

Durch das Pflegegeld ist auch immer Pflegeberatung fällig. Da ist der Vorteil für Dich, dass noch jemand ein Auge darauf hat, dass Du auch richtig versorgt wirst.

Liebe Grüße
Heike

Tina4K
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Tina4K » 28.07.2019, 07:54

Ich schreibe Dir als der Sicht einer Mutter die mehrere Kinder hat.

Mein 11jähriger Sohn ist Autist und hat einen Pflegegrad. er macht mehr Arbeit als seine zwei kleinen Brüder zusammen. Ich muss oft mit sehr viel Geduld und viel Energie aufbringen mit ihm den Alltag zu meistern. Es kostet mich unheimlich große Mühe ruhig und nett zu bleiben. Das Geld das ich von der Pflegekassen bekomme erinnert mich daran dass ich eine kleine Entschädigung dafür bekomme.

Dass es manchmal eben sehr lästig und mühsam ist immer wieder Dinge für ihn zu tun die er eigentlich schon alleine erledigen könnte, es aber nicht will. Das ich jeden Tag extra für ihn koche damit er auch satt und zufrieden ist. Es ist eine kleine Entschädigung dass ich oft sehr viel Streit und Eifersucht bei den Geschwistern ertragen und ausbaden muss.
Es ist eine kleine Entschädigung dass ich wegen seiner Probleme meinen Beruf aufgeben musste und jetzt für ihn immer in Bereitschaft stehe. Wenn ich mal wieder alles stehen und liegen lasse um ihn früher aus der Schule abzuholen und dann für ihn da bin, obwohl ich mir schon Wochenlang zum Beispiel auf einen Termin gefreut habe und ihn absagen muss weil mein Sohn mich jetzt gerade dringend braucht. Es ist ein Verzicht: Verzicht auf ganz viel das durch dieses Pflegegeld wenigstens eine kleine Entschädigung bekommt.

UteH
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon UteH » 28.07.2019, 11:11

Was hat ein Kind von einem Pflegegrad.

Eine gute Frage, die mein Sohn auch schon gestellt hat.

Mein Bursche ist gern unterwegs, ich auch,also passt das super.
Wir waren schon in Wien ,in London , öfters in Berlin, Hamburg usw.
Diese Reisen spare ich zB.vom Pflegegeld an.
Mein Sohn braucht andere Dinge als ein normales Kind und auch die finanziere ich über das Pflegegeld.
Mein Sohn muss auf vieles verzichten, weil er es nicht kann.
Da hilft das Pflegegeld schon ihm Dinge zu ermöglichen, die ohne nicht realisierbar wären.

Ganz sachlich, dient wie Heike schon geschrieben hat, das Pflegegeld dazu sich Pflegleistung zu kaufen.
Mein Sohn bezahlt mich fürs Waschen ,Anziehen und so weiter.


Liebe Grüße

Ute
Ute 11/67 mit Phil 09/97 und Tim 05/02 Hemiparese re. ,Epilepsie, globale Entwicklungsverzögerrung, seit Jan 2016 durch Netzhautablösung fast Bind auf dem linken Auge

kati543
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon kati543 » 28.07.2019, 13:12

Hallo,
nun, du bezahlst deine Eltern dafür, neben altersgerechte Unterhalt, Betreuung und Erziehung (die drei Punkte müssen alle Eltern ohnehin übernehmen) auch die behinderungsbedingte Pflege zu übernehmen. Darunter fällt nicht nur die reine Arbeitsleistung deiner Eltern Dir gegenüber, sondern auch diverse behinderungsbedingte Extrakosten, die so anfallen und das gesamte Management (d.h. die Zusammenarbeit mit Schulen (ja, die wäre sonst um Welten einfacher), Schulämter, Jugendamt/Sozialamt, Krankenkasse/Pflegekasse, Krankenhäusern/Ärzten/Therapeuten,...). Die Pflege kann gerade bei seelischen Behinderungen sehr, sehr zeitintensiv sein. Die Wochenstunden stehen den Wochenstunden von Top-Managern in nichts nach. Die Kosten können ebenfalls sehr hoch sein.

Luxus ist niemals Teil des Konstrukts der Pflegeversicherung gewesen. Irgendetwas, was also „schön“ für dich ist, ist gar nicht gewollt. Es soll einfach nur deine Pflege sichergestellt sein und ab und an deinen Eltern eine Pause gegönnt werden. Ansonsten werden deine Eltern einfach schneller am Ende sein, als gut ist.
Aber schließlich schließt das Eine ja das Andere nicht aus. Du könntest also durchaus mit deinen Eltern reden und ihnen Vorschläge unterbreiten, welche Art der Verhinderungspflege/Kurzzeitpflege/Entlastungsleistungen du dir wünschen würdest. Das Ganze sollte natürlich in eine, finanziellen Limit bleiben. Klar kannst du nicht alles machen. Aber schau dir doch mal die Angebote des FED an. Es gibt auch Vereine von Autisten, die jährlich Reisen unternehmen. Diese sind auch entsprechend betreut. Es gibt Angebote für einige Stunden am Wochenende oder du überlegst dir, ob du ein spezielles Hobby hast und Dir über die Verhinderungspflege jemanden kommen lässt, mit dem du darüber reden oder experimentieren kannst. Letzteres habe ich für meinen Sohn viele Jahre lang gemacht. Sein absolutes Hobby ist kochen. Ich weiß gar nicht mehr, wieviele in- und ausländische Köche ich schon in meiner Küche hatte, die mit meinem Sohn Menüs gezaubert haben.

Ergo:
Für dich gibt es eigentlich so nichts, aber man kann die Leistungen schon so nutzen, dass sie Dir gefallen.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

mel1220
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon mel1220 » 28.07.2019, 14:58

Hi,

ich kann dir auch nur aus Sicht einer Mutter schreiben. Was bringt es meinem Sohn? Ich finde die Frage gut :-)
Jedes Kind ist anders, manche besonders. Deshalb muss ich mich besonders viel um meinen Sohn kümmern. Zu Therapien fahren, Arztbesuche, viel Interaktion mit der Schule, zu Hause ist alles wesentlich aufwändiger.
Das Pflegegeld hat es mir möglich gemacht meine Arbeitszeit zu reduzieren. So habe ich mehr Zeit, bin deshalb mehr und entspannter für meinen Sohn da.
Wir haben das große Glück in einem Sozialstaat zu leben. Da hilft die Gemeinschaft sich gegenseitig. Eben weil ihr Kinder und wir Eltern es in manchen Punkten schwerer haben, helfen die, denen es gerade besser geht indem sie es ermöglichen dass Pflegegeld eingesammelt und an die, die Hilfe brauchen weitergegeben wird.
Hast Du mit deinen Eltern schon mal darüber gesprochen? Mein Junior ist noch zu klein um das zu fragen.
Wie ist denn deine Sicht der Dinge dazu? Findest du es doof oder wie kamst du auf die Frage?
Viele Grüße
Mel

Anna-Nina
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Anna-Nina » 28.07.2019, 18:01

Ich lasse viel von dem Geld meiner Tochter zukommen.

So habe ich z. B. einen größeren Betrag der seit dem Pflegegeld auf ihr Sparkonto geht - auch auf das der Schwester. (Die Schwester muss ja auch viel Rücksicht nehmen).

Ich bin z. B. auch viel großzügiger was Wünsche meiner Tochter angeht. Schießlich ist sie schwer Krank und da gönne ich ihr schon die ein oder anderen Extras.

Dann wird Reittherpie davon finanziert - das macht E. gerne.

Ich würde mal sagen so ca. 50 % oder mehr des Geldes investiere ich in die Kinder direkt. Wir machen mehr Ausflüge, gehen viel Essen, Reisen viel. Mit dem Geld lässt es sich einfach entspannter leben. Wir als Familie können uns mehr leisten. Davon provitieren dann alle.

Es macht auf alle Fälle wenig Sinn das Geld nicht zu beantragen, wenn es einem zusteht. Das wäre einfach nur weggeworfenes Geld.

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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Engrid » 28.07.2019, 19:00

Hallo Joris,

am Pflegegrad hängt nicht nur das Pflegegeld selber, sondern auch die „zusätzlichen Betreuungsleistungen“ und „Verhinderungspflege“. Damit engagieren wir junge Leute (Studenten), die mit unserem Sohn etwas unternehmen. Da sind einige dabei, die wir nun schon lange kennen und die für unseren Sohn richtige Freunde geworden sind. Die machen das gerne, und haben Spaß dabei - wenn wir sie nicht bezahlen würden, dann müssten sie anderweitig Geld verdienen und hätten wenig oder keine Zeit fürn Junior.
Wenn wir in Urlaub fahren, will unser Sohn nicht mitfahren. Er bleibt lieber mit einem von den Betreuern zuhause. Das würde ohne diese Geldleistungen und also ohne Pflegegrad für uns unbezahlbar sein.
Ich finde, das ist ein großes Plus für den Pflegebedürftigen selber.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Lisaneu » 29.07.2019, 10:39

Der Vorteil für das Kind ist, dass mit Hilfe dieses Geldes zumindest ein Teil der Betreuung, die über das normale Maß gleichaltriger Kinder hinausgeht, bezahlt werden kann. Ob diese Betreuung jetzt von einem Elternteil, beiden Eltern, einer Betreuungseinrichtung (Hort, Internat) oder sonst wem (Babysitter, Leihoma, Krankenschwester, Pflegedienst) übernommen wird, spielt dabei keine Rolle. Auf den ersten Blick erscheint es so, als würde die Pflege durch die Eltern kostenlos sein. Das stimmt aber nicht, denn sie kostet Zeit und Zeit ist Geld.

In meinem Fall arbeite ich nur Teilzeit um besser für meine beiden Söhne (9 Jahre, atypischer Asperger-Autismus und ADHS und 7 Jahre Asperger-Autismus und gehörlos) da sein zu können. Hätte ich gesunde Kinder dieses Alters könnte ich Vollzeit arbeiten und würde etwas das Doppelte dabei verdienen.

Weil wir uns das mit meinem Teilzeitverdienst nicht leisten können werde ich ab dem Zeitpunkt, wo mein jüngerer Sohn ins Internat kommt, meine Arbeitszeit deutlich erhöhen. Das Geld, welches ich dann mehr verdiene, brauchen wir, um die Differenz zwischen erhöhter Familienbeihilfe plus Pflegegeld (ca. Euro 700,-) pro Monat und Internat (ca. Euro 1.100,- pro Monat) zahlen zu können.

In der Zeit, wo mein Sohn nicht im Internat ist (3 Nächte pro Woche, schulfreie Tage und Ferien) übernehmen wir die Betreuung und Pflege selbst. Und natürlich kosten auch die Dinge, die jedes Kind braucht, Geld: Kleidung, Schulsachen, essen (zu Hause), Spielzeug, Sportgeräte, Urlaub,... Bei meinem Sohn kommen dann noch die Kosten für Brille, Horchi-Batterien (werden in Österreich nicht von der KK bezahlt) und orthopädische Einlagen dazu. In Summe kostet uns der jüngere Sohn auch ohne Internat deutlich mehr, als wir an Pflegegeld und FBH bekommen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Jorise
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Re: Vorteile Pflegegrad

Beitragvon Jorise » 31.07.2019, 20:43

Danke für die vielen Antworten.
Ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll. Ich hatte anfangs gedacht das meine Eltern das nur machen wollen, damit sie mehr Geld bekommen ohne dabei wirklich an mich zu denken. Das fand ich doof, aber irgendwie scheint es doch anders zu sein
Joris (13 adhs und Autismus)
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