Zeugnis

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Jody
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Zeugnis

Beitragvon Jody » 27.07.2019, 19:58

Hallo an alle :D

Mein Sohn ist Asperger Autist ( mit HB) und besucht die Regelgrundschule in Bayern. Er hat eine Schulbegleitung. Diese wurde im Zeugnis erwähnt. Meines Erachtens darf es nicht erwähnt werden. Momentan ist mir das egal, da es kein Übertrittszeugnis ist und er sich ja damit nicht bewerben muss. Aber grundsätzlich bzw. Im Bezug auf den Übertritt würde es mich interessieren ob das rechtens ist- gerne mit Gesetztestext bzw. Link dazu. Ich finde dazu recht wenig speziell für Bayern (scheinbar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt).
Vielen Dank!
Viele Grüße :)

Dario
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 20:34

Hallo Jody,

mit den rechtlichen Regelungen kenne ich mich nicht aus, aber was ich mich frage: Ist es denn so schlimm, wenn die Schulbegleitung im Zeugnis erwähnt wird? Wenn man Autist ist und deshalb besondere Unterstützung benötigt, dann ist das schließlich nichts, wofür man sich schämen muss.

Und was den Übertrifft ins Berufsleben angeht: Wer in der Schule nicht ohne Schulbegleitung zurecht kommt, der wird auch im Arbeitsleben nicht ohne besondere Unterstützung und Toleranz zurechtkommen. Klingt vielleicht hart, ist aber so! Auch von daher bringt ein Verschweigen und Verheimlichen absolut gar nichts, meiner Meinung nach.
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Engrid
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Re: Zeugnis

Beitragvon Engrid » 27.07.2019, 20:51

Hallo,

hier ist der Link, Nachteilsausgleich darf nicht im Zeugnis vermerkt werden. Natürlich auch keine behinderungsbedingten Hilfen (Schulbegleitung über Eingliederungshilfe) im Rahmen zielgleicher Beschulung.
https://www.km.bayern.de/download/17664 ... schutz.pdf

@Dario: Schule und Erwerbsleben kann man da nicht pauschal gleichsetzen. Für viele Autisten ist die Schulzeit die schwierigste Zeit überhaupt, viel Druck, hohe soziale Anforderungen, und selber noch in der Entwicklung. Im Arbeitsleben hat derjenige mit Glück (und vielleicht guter Schulbegleitung) schon genug gelernt, um klarzukommen und zudem gibt es da zb Nischen mit günstigen Arbeitsbedingungen.
Selbst mein Sohn an der Förderschule übrigens hat in seiner Schulzeit durchgängig die Schulbegleitung und hat damit dann die Chance, in der WfMB einen Job zu finden - ohne Begleitung dann (ist dort nicht vorgesehen).

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 21:27

Hallo Engrid,

der Druck wird später im Arbeitsleben nicht geringer. Eher noch brutaler, weil es dann ja ums Geldverdienen und ums "nackte Überleben" geht. Ich halte auch nichts davon, den Autismus zu verheimlich, weil das auf Dauer sowieso nicht funktioniert und weil viele Autisten genau daran psychisch und nervlich kaputt gehen. Dann lieber mit einem Zeugnis bewerben, aus dem auch die Schulbegleitung hervorgeht. Wenn der Arbeitgeber damit ein Problem hat, denn ist er als Arbeitgeber halt nicht geeignet für einen Autisten.
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Re: Zeugnis

Beitragvon HeikeLeo » 27.07.2019, 21:40

Lieber Dario,

sieh es mal so. Man kann gar nicht alle Nachteilsausgleiche aufzählen und in ein Zeugnis aufnehmen. Warum dann eine Schulbegleitung?

Es käme auch niemand in der heutigen Zeit auf die Idee in ein Zeugnis zu vermerken: Noten nur mit Brille.

Trotzdem darf man als Brillenträger nur mit geeigneter Sehhilfe dann auch Auto fahren. Das steht dann im Führerschein. Das ist aber etwas anderes.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 21:41

Ich hätte auch kein Problem damit, wenn man eine Schwerbehinderung bei einer Bewerbung verpflichtend angeben müsste. Ich glaube, dass würde für alle Seiten viel Duck aus solchen Situationen nehmen.
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 21:45

.Man kann gar nicht alle Nachteilsausgleiche aufzählen und in ein Zeugnis aufnehmen. Warum dann eine Schulbegleitung?
Wie schon geschrieben: Wer auf eine Schulbegleitung angewiesen ist, wird auch im Berufsleben nicht ohne besondere Unterstützung zurechtkommen. Da ist größtmögliche Offfenheit auch dem Arbeitgeber gegenüber nur fair.
.Es käme auch niemand in der heutigen Zeit auf die Idee in ein Zeugnis zu vermerken: Noten nur mit Brille.
Der Vergleich hinkt, weil Autismus mit sehr viel gravierenderen Einschränkungen verbunden ist als z.B. Kurzsichtigkeit. Fehlsichtigkeit lässt sich durch eine Brille gut kompensieren, ohne dass es weiterer Nachteilsausgleiche bedarf. Bei Autismus ist das nicht so einfach.
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 21:48

Nachtrag: Ihr tut hier alle so, als wäre Autismus etwas, für das man sich schämen und das einem peinlich sein müsste. Da erschreckt mich wirklich!
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 27.07.2019, 22:14

Noch ein Nachtrag, weil mich das gerade wirklich beschäftigt. Ihr als Mütter tretet hier immer so vehement für Toleranz, für Vertändnis und Inklusion ein, solange eure Kinder noch klein sind. Völlig zurecht, das finde ich absolut richtig so!

Nur wenn die Kinder erwachsen werden und irgendwann ins Berufsleben müssen, dann wird Autismus plötzlich "pfui!" und man muss ihn krampfhaft verbergen, darf ihn bloß nicht erwähnen. Merkt ihr überhaupt nicht, wie widersprüchlich das ist?
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Re: Zeugnis

Beitragvon RikemitSohn » 27.07.2019, 22:51

Hallo Dario,
ich glaube, dass du hier etwas verwechselst. Es geht nicht darum, dass Autismus oder Schwerbehinderung eine Schande ist. Es geht um faire Chancen z.B. bei einer Bewerbung. Während der Kindheit hat das Kind ein Recht auf einen Schulplatz. Die Schule hat die Pflicht dafür Möglichkeiten zu schaffen (auch wenn die Realität oft anders ist).
Als Erwachsener Mensch hat man es deutlich schwieriger. Wenn sich zehn junge Menschen für einen Arbeitsplatz bewerben und einer gibt an, dass er ohne Hilfe nicht zurechtkommt. Was meinst du, wer bei einem gewinnorientierten Unternehmen den Platz bekommt? Natürlich einer der gesunden Bewerber. Das ist sehr bitter, aber leider die Realität. Daher gibt es auch den Schutz für Schwerbehinderte, dass sie sich nicht offenbaren müssen. Anders würden sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für diese Menschen deutlich veringern.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB


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