Zeugnis

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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TinaJuni
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Re: Zeugnis

Beitragvon TinaJuni » 28.07.2019, 12:53

Hallo,

muß noch ergänzen, er hat keinerlei Nachteilsausgleiche und auch keine sonstige Hilfe, weder im Betrieb noch in der Berufsschule

Viele Grüße
TinaJuni

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RikemitSohn
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Re: Zeugnis

Beitragvon RikemitSohn » 28.07.2019, 13:20

Hallo Dario,
ich verstehe, was du meinst, und gebe dir recht, dass vieles nicht gut läuft. Aber leider ist die Welt nicht perfekt. In so einer Welt gäbe es keine Kriege und keinen Hunger und ein Mensch würde nach Angaben aller Einschränkungen eine faire Chance bekommen. Dem ist momentan leider nicht so und jeder muss schauen, wie er damit umgeht.
Mir ging es mit meinem Beitrag nicht darum im Geheimen zu leben, sondern erst einmal um einen ersten Eindruck, der ja meist schriftlich erfolgt. Was man erzählt, wenn man in einem Betrieb angekommen ist, ist noch einmal etwas ganz anderes. Wenn du ein Arbeitsumfeld hast, dass Schwerbehinderung und Einschränkungen gut akzeptiert, ist das wunderbar. Leider ist das nicht überall so und jeder muss für sich ausloten, was er als Echo ertragen kann.
Mein Sohn behält sein Adhs weitesgehend für sich. An seiner Schule gilt Adhs als Schimpfwort und er möchte sich nicht erklären müssen oder sich mit Anfeindungen auseinandersetzen müssen. Für mich ist das in Ordnung und ich kann ihn verstehen. Das heißt aber nicht, daß ich für mein Kind Scham empfinde oder daß ich die Geheimnistuerei nicht traurig finde. Ich respektiere seine Grenzen und möchte ihn einfach vor Überbelastung schützen.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Re: Zeugnis

Beitragvon HeikeLeo » 28.07.2019, 13:32

Lieber Dario,

Schulbegleitung hat im Zeugnis nichts zu suchen.

Im Zeugnis wird nur die Schulleistung beurteilt.

Es geht nicht drum, dass wir als Mütter Autismus verstecken wollen. Sondern es geht darum, dass hier eine Schule ihr Kompetenzen überschreitet.

Du wärst sicher auch nicht begeistert, wenn man Dein Gehalt kürzen würde, mit der Begründung, Du seiest Autist. Genau das passiert mit einem Zeugnisvermerk: Die Note wird relativiert. Das ist unfair.

Das ist etwas deutlich anderes, als wenn man als BETROFFENER etwas sagt.

Liebe Grüße
Heike

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 28.07.2019, 13:58

Hallo,

ich hatte es ja schon verlinkt, jetzt daraus das Zitat, um das es ging, als Beleg aus Bayern (dürfte in allen anderen BL fast wörtlich gleich sein):
Der Nachteilsausgleich ist nicht als Bevorzugung zu sehen, sondern soll möglichst gleiche äußere Prüfungsbedingungen für die Erbringung der von allen Schülerinnen und Schülern geforderten Leistung sicherstellen. Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen werden mittels Nachteilsausgleich in die Lage versetzt, vergleichbar mit allen anderen ihr vorhandenes Leistungsvermögen zu zeigen. Der Anspruch auf Nachteilsausgleich folgt aus dem verfassungsrechtlich verankerten Gebot der Chancengleichheit in Prüfungen. Mit anderen Worten: Mit dem Nachteilsausgleich wird lediglich die Chancengleichheit hergestellt. Eine Bemerkung im Zeugnis erfolgt daher nicht.
So klar und eindeutig. (Auch die SB gleich behinderungsbedingte Nachteile aus, quasi als Sonderform, wie schon ausgeführt).

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Dario
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Re: Zeugnis

Beitragvon Dario » 28.07.2019, 14:23

HeikeLeo hat geschrieben:Du wärst sicher auch nicht begeistert, wenn man Dein Gehalt kürzen würde, mit der Begründung, Du seiest Autist. Genau das passiert mit einem Zeugnisvermerk: Die Note wird relativiert. Das ist unfair.


Das verstehe ich jetzt nicht. Auch ein Schüler mit Schulbegleitung muss doch auf fachlicher Ebene genauso seine Leistung bringen wie jeder andere Schüler auch. Folglich wird damit auch keine Benotung relativiert.

Tut mir leid, vielleicht lebe ich da in einer anderen Welt als ihr, aber mir erschließt sich diese Denkweise einfach nicht. Entweder man will Inklusion oder man will sie nicht. Wenn man sie will, dann braucht man auch Nachteilsausgleiche wie eine Schulbegleitung nicht zu verheimlichen.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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Re: Zeugnis

Beitragvon Sophie-11 » 28.07.2019, 14:51

Kann man denn überhaupt erwarten, dass sich ein Personalverantwortlicher mit allen Arten von Behinderung und Nachteilsausgleich auskennt? Dass er genau abschätzen kann, was im Zeugnis vermerkte Nachteilsausgleiche bedeuten und wie er sie zu beurteilen hat? Ist das nicht vielleicht doch ein bisschen viel verlangt?

Damit will ich nur sagen, dass ich es gut und richtig finde, wenn Nachteilsausgleiche nach gesetzlicher Vorschrift nicht auf dem Zeugnis vermerkt werden dürfen, weil die Menschen in ihrem Denken nicht dem Ideal des Inklusionsgedanken entsprechen (Realität). Das heißt nicht, dass nicht weiter dafür gekämpft werden sollte, dieses Ideal zu erreichen (Ideal)!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

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Re: Zeugnis

Beitragvon HeikeLeo » 28.07.2019, 15:34

Lieber Dario,

Das verstehe ich jetzt nicht. Auch ein Schüler mit Schulbegleitung muss doch auf fachlicher Ebene genauso seine Leistung bringen wie jeder andere Schüler auch.


eben. Genau das ist der Punkt. Wozu dann der Vermerk Schulbegleitung?

Im Zeugnis werden NUR die fachlichen Leistungen beurteilt. Fertig.

Wenn dann noch mehr drin steht, ist das eine Einschränkung. Ich übersetze mal: fachliche Leistung erbracht, ABER mit Hilfe und nicht allein, sondern mit Begleitung, d.h. eigentlich hat die Begleitung die Leistung übernommen, der Beurteilte kann nichts. Die Note steht nur so da, dass man so tun kann, als ob man inklusiv beschult hätte. Das muss man ja heute, sonst wird man als Schule irgendwie abgestraft. Also bekommt auch einer eine Note, der es eigentlich nicht kann. Deshalb ja die Einschränkung "Schulbegleitung". Mit Begleitung weiß man ja nie genau, wie viel der Begleitete selbst gemacht hat und wie viel die Begleitung übernommen hat. Wenn Schulbegleitung explizit angeführt wird, gehen wir also davon aus, dass die Begleitung fast komplett die Leistung erbracht hat.

Das klingt jetzt hart, ist auch nicht meine Meinung, aber es ist die Message von der Ergänzung "Schulbegleitung" in einem Zeugnis.

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Re: Zeugnis

Beitragvon SandyErgo » 28.07.2019, 20:30

Im Grundprinzip stimme ich euch auch allen zu
> im Sinne der Gleichberechtigung/ Gleichbehandlung sollte eine Schulbegleitung nicht unbedingt im Zeugnis erwähnt werden - weil sonst ggf. zu solchen Meinungen wie von HeikeLeo kommt.

Andererseits frage ich mich - wie die Reaktion eines AG ausfällt > wenn er, aufgrund des Zeugnisses, von einem "gesunden" also Menschen ohne Beeinträchtigung ausgeht und sich die Probleme erst im Laufe der Zeit einstellen.

Ich denke mal, dass große Problem ist, dass die Definition von Nachteilsausgleich bzw. Schulbegleitung sich zum einen ja von Krankheitsbild zu Krankheitsbild unterscheidet, jedes Bundesland eigene Reglungen und Auslegungsmöglichkeiten hat.
Denn eine bundesweite gemeinsame Reglung gibt es ja noch nicht - oder?!?
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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sandra8374
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Re: Zeugnis

Beitragvon sandra8374 » 29.07.2019, 03:45

@SandyErgo: Für mich sind es zwei unterschiedliche Dinge. Und komplett unabhängig zu sehen. Schule mit Zeugnis ist gesetzlich geregelt und zwar sehr klar. Entsprechendes Gesetz wurde ja auch zitiert. Nachteilsausgleiche dürfen auf dem Schulzeugnis nicht erwähnt werden. Punkt, fertig, aus.

Beruf/Arbeit und Bewerbung ist komplett etwas anderes. Auch da gibt es klare Regelungen per Gesetz. Ob man seine Behinderung erwähnen muss oder nicht und wann, welche Nachteilsausgleiche es dort gibt (Urlaub, Kündigungsschutz etc.) etc.

Grundsätzlich muss man sich an das geltende Recht halten!

Und dann gibt es Theorie und Praxis. Und man muss sehen, was sinnvoll ist.

Ich kenne auch jemanden, der die Förderschule Lernen abgeschlossen hat, Ausbildung im geschützten Rahmen eines Berufskollegs gemacht hat und nun problemlos in seinem Traumberuf auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeitet ohne das die Kollegen etwas wissen. Die Arbeit selber ist sein Ding, er ist sich sicher, macht es gerne und kann völlig unauffällig dort arbeiten. Praxis super, Theorie brauchte er Hilfe.

Im Idealfall ist es ja so, das man in seinem Traumberuf arbeitet, in dem Bereich den man mag und der seinen Neigungen etc entspricht.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)


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