Was hilft noch bei Hypertonie?

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Jonas'Mama
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Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon Jonas'Mama » 25.07.2019, 14:36

Hallo,

mein Sohn hat einen erhöhten Muskeltonus. Wenn er läuft, dann schaut es so aus, als ob er gerade eben das Laufen gelernt hätte und er stampft wie ein Elefant durch die Gegend. Dabei zieht er die Arme angespannt zur Seite.
(er läuft nun seit 13 Monaten)
Er bekommt bereits KG nach Bobath.
Was kann ich aber zuhause noch machen, dass sein Muskeltonus weniger wird? Wie kann er 'entspannen'?

Und noch eine Frage: Eine Freundin meinte, ich soll mit ihm schwimmen gehen, das solle helfen.
Weiß jemand inwiefern Schwimmen hilft? Klar, man spürt sich anders im Wasser. Aber wie soll da Spannung abgebaut werden?

Er verspannt sich nämlich im Wasser ebenfalls stark :?:


Freue mich auf Tipps :)

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sabine g
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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon sabine g » 25.07.2019, 19:28

Hallo liebe Mama von Jona(s?),

ich finde keine anderen Beiträge von Dir, so dass ich kein Alter Deines Kindes erkennen kann. Seit 13 Monaten laufen gibt mir aber die Idee, dass er mindestens gut 2 Jahre alt sein müßte. Älter wäre für meinen Vorschlag aber besser, denn ich möchte dir Therapeutisches Reiten vorschlagen. Hierfür wäre ein Alter von vier genau richtig und drei notfalls möglich (hierbei muss ohnehin eine ärztliche Freigabe erfolgen, Aspekte: Hüftgelenke, Wirbelsäulenform und -stabilität, Kopfkontrolle und vieles mehr). Das Sitzen auf einem Schritt gehenden Pferd löst einen zu hohen Muskeltomus. (Kein Trab!!!) Die Dauer muss so gewählt werden, dass die körperliche Ermüdung ins Lot kommt zum lösenden Effekt. Die Tageszeit muss so gewählt werden, dass Dein Kind anschließend seine verbesserte Beweglichkeit im freien Spiel zuhause quasi als Training für seine Muskulatur nutzen kann, also niemals kurz vorm Abendbrot und Zubettgehen reiten.

Für weitere Fragen steh ich Dir gern zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Sabine

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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon r.bircher » 25.07.2019, 21:32

Hallo

Was hilft ist sehr individuell. Spastiker reagieren oft stark auf kälte. Ein normales Schwimmbad ist daher meist nichts für die Entspannung. Da muss man schon eher in eine Terme mit Sprudelbad gehen. Wie lange das allerdings anhält ist dann eine andere Geschichte. Einige helfen Massagen, anderen Therapeutisches Reiten. Bei mir wiederum ist Training die einzig wahre Methode um die Spastik zu reduzieren.

Gegen die abgehackte, Gangart könnte auch Fahrradtraining helfen. Vor allem mit möglichst schnellen Bewegungen (hohe Kadenz). Die Bewegung ist hier geführt, und die Muskeln lernen besser zusammenzuspielen (intermuskuläre Koordination). Das ist oft das grössere Problem als die eigentliche Spannung.

Wie steht es um das Gleichgewicht des Jungen?

Gruss Raphael
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Regina Regenbogen
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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon Regina Regenbogen » 26.07.2019, 06:28

sabine g hat geschrieben:ich finde keine anderen Beiträge von Dir, so dass ich kein Alter Deines Kindes erkennen kann.


Das Kind ist 28 Monate alt und bekommt offenbar zusätzlich zur KG nach Bobath bereits Ergo, Logo und Frühförderung - so habe ich es jedenfalls aus dem ersten Beitrag der TE heraus gelesen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon Jonas'Mama » 26.07.2019, 17:18

Hallo,

Ja richtig, Jonas ist 28 Monate alt und läuft seit dem er 15/16 Monate ist.
Er bekommt auch im Grunde alle nötigen Therapien. Er ist ziemlich entwicklungsverzögert und hat anscheinend eine erworbene Hypertonie. Jedenfalls wurde diese nicht bei den Us festgestellt. Ich weiß nicht, ob man Hypertonie irgendwie erwerben kann, aber wie kann es sein, dass der Arzt diese vorher nicht entdeckt/gesehen hat?
Außerdem hat er auch (eine leichte Form von) Knick-Senk-Füßen.

Sabine, dann wäre mein Sohn noch zu jung für das therapeutische Reiten. Klingt aber sehr interessant und ich werde es bestimmt im Hinterkopf behalten, denn er dann alt genug ist :)

Raphael, sein Gleichgewicht war katastrophal. Er ist oft ohne ersichtlichen Grund umgefallen. Jetzt ist es schon viel besser. Außer wenn starke Emotionen im Spiel sind, also wenn er sich beispielsweise freut den Papa zu sehen und ihm zulaufen möchte. Dann ist sein Gang noch steifer und angespannter als sonst schon und er kommt dann schneller aus dem Gleichgewicht und kippt um.

Liebe Grüße,
Anna

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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon Regina Regenbogen » 26.07.2019, 17:38

Jonas'Mama hat geschrieben:Er bekommt auch im Grunde alle nötigen Therapien.


Dann versuche deinem Kind zuliebe etwas geduldiger zu werden. Anderenfalls wird er sehr schnell therapiemüde. Gras wächst nunmal nicht schneller, wenn man dran zieht. :wink:
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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon kati543 » 26.07.2019, 20:41

Hallo Anna,
warst du wegen den Füßen mal beim Orthopäden? Meine Jungs hatten auch in dem jungen Alter die „leichte Form“. Sie bekamen einfache Einlagen und es wurde sofort um Welten besser. Unsere Ergo hat es mir mal so erklärt: Sie müssen sie die ganze Zeit konzentrieren um Gleichgewicht zu halten und balancieren sich ständig neu aus. Wenn ihnen aber mal etwas sehr gefällt, dann vergessen sie die Konzentration für das Gleichgewicht und kippen eben um. Durch die Einlagen war das Gleichgewicht halten viel einfacher geworden.
LG
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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon Yvonne und Kjeld » 01.08.2019, 21:52

Hallo,
Kjel dbekommt seit er nich tmal 1 1/2 war therapeutisches Reiten und es hat ihm enorm geholfen. Er saß stat mit mir oder einer Therapeutin auf dem Pferd, bis er vor ca 1 Monat gelernt hat, sich alleiene auf dem Pferd zu halten. Kjeld ist Hypoton, aber es gibt auch mehrere kleine Kids mit Hypertonien und SPastiken, die bei uns beim Reiten sind.

LG Yvonne
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Kjeld *03.16 globale Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, Brille, Hörgerät, Epilepsie, insgesamt auf dem Stand eines ca 18-20Monate alten Kindes PG4, GdB100
Svea *10.18 gesund

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Re: Was hilft noch bei Hypertonie?

Beitragvon JasminsMama » 02.08.2019, 09:54

Hallo,

ich kann auch das therapeutische Reiten sehr empfehlen. Hat bei meiner Tochter Wunder bewirkt, sie war auch sehr hyperton.

Wegen des Alters einfach mal bei den Reittherapeuten nachfragen. Manche nehmen schon recht kleine Kinder auf.

LG
Sandra
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Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
PG 3, SBA 80% B, G, H
***Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht***

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Re: Was hilft noch bei Hypertonie

Beitragvon sabine g » 03.08.2019, 12:53

Hallo Ihr Lieben aus diesem Thread!

Da möchte ich mich doch nochmal einschalten, denn es ist mir ein Anliegen, Euch bzgl. Therapeutischem Reiten fair zu beraten und vor allem auch über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Ich nehme an, dass keiner von Euch, der einen Anbieter für Kinder unterhalb von drei Jahren gefunden hat. über die gesundheitlichen Risiken aufgeklärt wurde und sich somit bewußt für eine potentielle Gesundheitsgefährdung seines Kindes entschieden hat?!

Das Alterslimit beim Ther. Reiten hat seine Gründe NUR in den gesundheitlichen Risiken, die die Reitbewegung und der Reitersitz auf so kleine, junge und noch vielfach unausgereifte Körper haben können:

Risiko: Beckenstellung!
Sehr kleine Kinder sitzen auch auf schlanken Pferden zwangsläufig mit nach hinten gekipptem Becken. Eine Aufnahme der Pferdebewegung in den dafür vorgesehenen unteren Wirbelsäulenbereichen kann somit nicht erfolgen. Die Lendenwirbelsäule ist eher nach hinten gewölbt, die Wirbelkörper werden bauchseitig zusammengedrückt. Die Pferdebewegung überstrapaziert damit den wackeligsten Bereich der Wirbelsäule, nämlich den Hals und das Genick.Hier fließt dann die Bewegung wieder aus dem Reiterkörper.

Diese Mikroschäden an den kleinen Wirbelgelenken können sich erst spät, in Wachstum und Pubertät möglicherweise auswirken. Es gibt darüber keine Studien, da die Zielgruppe „sehr kleine Kinder“ erst seit kurzem entdeckt wurde. Der Markt für Reittherapie wächst ohne Ende, nicht aber die Nachfrage.... Häufig bieten gerade wohlmeinende, aber medizinisch ahnungslose Pädagogen sowas an...

Risiko: Kopfgröße im Verhältnis zum Körper
Sehr kleine Kinder können ihren Kopf noch nicht ausreichend gegen äußere Einwirkungen stabilisieren. Nicht umsonst gibt es Sitzschalen fürs Auto. Wenn ein Pferd nur mal stolpert oder gar mal abrupt beschleunigt (scheuen), ist die Gefahr einer heftigen Überbeanspruchung des Altasgelenks (Schleudertrauma) rein physikalisch viel mehr gegeben, als bei älteren Kindern. Stolpern kann jedes Pferd, und Therapeuten, die euch erzählen, dass ihr Pferd gerantiert nie scheuen würde, haben die Natur des Pferdes verleugnet.Training ist super, aber Pferde bleiben Fluchttiere.

Risiko Hüftgelenke
Das Pferd wirkt wie eine Spreizhose. Nicht bei jeder Hüftgelenksstellung ist dies sinnvoll, zumal eine Spreizhose im Ruhezustand und nicht in passiver Dauerbewegung getragen wird. Ich wette, niemand von Euch, dessen Kleinstkind auf dem Pferd sitzt, mußte zuvor zum Hüfte röntgen?!

Ihr verpasst nichts, wenn ihr Ther. Reiten erst später beginnt. Gebt auf eure Kinder acht, ihr wollt nicht mehr gesundheitliche Baustellen gewinnen.

Herzliche Grüße
Sabine


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