Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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MajaJo
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Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon MajaJo » 25.07.2019, 11:42

Liebes Forum,

im Mai letzten Jahres starb mein kleiner Enkel (Zwerchfellhernie, V. a. syndromale Erkrankung) im Alter von nur neun Wochen an einer Verkettung ungünstiger Umstände. Begonnen hat alles damit, dass er zur weiteren Diagnostik in eine Uniklinik verlegt worden war. Weil er vorher auf der Neugeborenen-ITS nur noch mit Sauerstoffbrille versorgt war, kam er in der Uniklinik nicht auf die ITS (weil nicht beatmet), sondern nur auf die Wachstation (sechs Babys in einem Raum, Überwachungsgeräte mit Übertragung ins Schwesternzimmer). Obwohl eine Übergabe erfolgte und auf die Schwierigkeiten der Verlegung der Atemwege bei Rückenlage und extrteme Verschleimung aufmerksam gemacht wurde, wurde er dort nicht entsprechend behandelt. So rauschte seine Sättigung in einer Nacht auf 4 % ab. Am nächsten Tag fand meine Tochter ihn mit einer Sauerstoffsättigung von 17 % auf dem Rücken liegend mit einem Nasentubus vor. Im Verlauf hat er sich noch eine Infektion mit MRSA eingefangen und hatte als Folge einen Pneumothorax, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Nach seinem Tod haben wir den Fall der Krankenkasse gemeldet, die uns den Weg MDK oder Schlichtungsstelle vorgeschlagen hat. Die betreuende Psychologin hat meiner Tochter geraten, das Ganze nicht weiter zu verfolgen, da es aufwühlt und oftmals nicht mal zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Mein Gefühl ist es, dass wir das dem kleinen Mann schuldig sind.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Was würdet Ihr uns raten?

Lieben Dank und Gruß

Maja
Maja m. Jo (*10) Neurod., Ichth. vulgaris, Asthma, Allergien m. Anaphylaxie, GdB 70 H, A (*05) Chêneau-Korsett versorgte Skoliose und Sternenenkel (3/18-5/18)

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon JasminsMama » 25.07.2019, 11:51

Hallo Maja,

das tut mir furchtbar leid, was Deine Familie da durchmachen musste.

Viel helfen kann ich leider nicht, aber aus Erfahrung (meine Mutter starb aufgrund eines Behandlungsfehlers) kann ich Dir sagen: ja, es wühlt auf und ich habe es damals nicht geschafft das Ganze weiter zu verfolgen.

Ich konnte jahrelang nicht einmal darüber sprechen ohne in Tränen auszubrechen und auch heute noch (nach 13 Jahren) fällt es mir schwer über den plötzlichen Tod meiner Mutter und das "was wäre wenn" nachzudenken.

LG und alles Gute
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Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 25.07.2019, 12:06

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Was würdet Ihr uns raten?
Ich würde es wahrscheinlich weiter verfolgen. Was meint deine Tochter denn, fühlt sie sich stark genug dafür? Es wird ein langwieriges Verfahren mit ungewissem Ausgang.

Meine älteste Tochter hat wegen einer fehlerhaften Geburtshilfe eine lebenslange körperliche Behinderung davon getragen, die leider erst mit 2 Jahren für uns Eltern auffällig wurde. DIe Diagnose erfolgte erst fast 2 Jahre später, was die Ursache war, konnte mir erst nach unserem Umzug ein Neurologe bestätigen, da war meine Große schon fast 6 Jahre alt und hatte bereits mehrere OP`s hinter sich. Ich wollte das nicht so hinnehmen, leider war die Frist bereits verstrichen, während derer ich die Geburtsklinik damals hätte belangen können.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

heidipet
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon heidipet » 25.07.2019, 13:06

auch unser Beileid.

Bei meinem Vater haben wir einen Rechtswalt eingeschaltet. Grund war, dass eine Ärztin Fehler gemacht und sich dann noch dermaßen arrogant verhalten hat, dass das nicht so stehen bleiben konnte. Ausserdem im Interesse der nächsten Patienten mit dem gleichen Problem.

Das Gutachten der Schlichtungsstelle hatte einen schwerwiegenden Behandlungsfehler ergeben. Damit musste das Krankenhaus seine "Unschuld" beweisen und hat uns einen Vergleich angeboten. So weit würde ich wieder gehen. Wir haben es bei dem Vergleich belassen, vor Gericht wären wir nicht gezogen. Die Lektion hat die Ärztin damit hoffentlich gelernt. Das Geld war dann so eine Art "Vermächtnis" des Vaters.

Für Euch ist es sicher aufwühlend, vielleicht hilft es aber auch, mit der Sache abzuschließen, soweit das überhaupt geht? Wenn Geld dabei rauskommt, kann man es einem Kinderhospiz oder solch einer Einrichtung spenden. Im Names Eures Enkels.

Gruß
Heidi
Gruß
Heidi

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon NataschaSte » 25.07.2019, 15:03

Hallo,

Meine Mutter ist Voriges Jahr April verstorben.

Oberschenkelbypass,... Pseudomonas auf dem Implantat. Mussten irgendwas tierisches nehmen,...
Nach 6 Tagen zu Hause dann Fieber, wollten sie ins kh bringen, lehnen Aufnahme ab. Somit ins nächstgelegene kh, die wollten sie auch ins OP kh verlegen... Abgelehnt.
Dort wurde dann CT vom OP Bereich gemacht und punktion. Da wurde der Pseudomonas festgestellt.
Lt akh war die Rötung, dort über ein Monat behandelt, ein rotlauf. Falsches ab gegeben.

Bei dem Versuch den bypass raus zu nehmen, einzige Chance um den Keim Los zu werden, verstarb sie.

Aktuell, nach einem Jahr nix tun, liegt das ganze bei der patientenanwaltschaft, ich lass prüfen auf unterlassene hilfeleistung und Behandlungsfehler.

Das ganze letzte Jahr ging gar nix bei mir, aber jetzt ist die wut und der frust zu groß.

Ich brauchte auch jetzt nur die Vollmacht hinschicken und die machen alles...

Egal was raus kommt, das System gehört überarbeitet, das Ärzte nicht so überarbeitet sind, gründlicher arbeiten und das Pflegepersonal auch entlastet werden und das geht nur wenn man zeigt was alles schief läuft!
Grüße
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. - Gerald Hüther

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AlexMama2006
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon AlexMama2006 » 25.07.2019, 17:16

Hallo,

das tut mir sehr leid für eure Familie, das klingt furchtbar. Mein Vater ist auch am MSRA gestorben, er wurde ebenfalls beatmet.

Genauso wie mein bester Freund nach einem Herzeingriff. Ich bin nicht sicher, ob man gegen MSRA und Pseudomonas überhaupt etwas machen kann, so weit ich weiß, leben die im Desinfektionsmittel.

Wir haben damals nichts unternommen und die Familie meines besten Freundes auch nicht.

Ich habe gerade einen 3-jährigen Bauprozess hinter mir (wir wurden verklagt) und der Prozess hat unsere Familie zerstört, ich würde nie freiwillig prozessieren.

Auf gar keinen Fall würde ich mich in einer Klinik operieren lassen, in der diese beiden Keime lauern, das ist nicht überall so, aber mehr würde ich nicht machen.

LG Vivien
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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Alexandra2014
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Alexandra2014 » 25.07.2019, 19:01

Hallo!

Was für ein schlimmer Schlag für eure Familie! Mein Beileid!

Deine Tochter sollte auf ihr Bauchgefühl hören und sich dazu entscheiden, was ihr gut tut!

Wir haben wegen Behandlungsfehlern vor der Geburt geklagt, 7 Jahre ging das insgesamt. Aber es fühlte sich gut an. Zum einen, durch Gutachter Klarheit zu bekommen, was wirklich schief gelaufen ist, aber auch das Gefühl, als wir gewonnen haben. Für mich war es einfach Gerechtigkeit.
Ich wollte wissen, welche Fehler gemacht wurden und dass derjenige, der dafür verantwortlich ist, dafür geradestehen muss!

Wenn deine Tochter die Gutachten liest, reißt das alle Wunden wieder auf, aber es ist auch eine Chance auf Verarbeitung des Ganzen.
Sie wird sich sonst vielleicht immer fragen, wie es nun wirklich war.

Nehmt euch, wenn, einen guten Anwalt für Medizinrecht. Nicht irgendeinen!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Juler » 25.07.2019, 19:16


Genauso wie mein bester Freund nach einem Herzeingriff. Ich bin nicht sicher, ob man gegen MSRA und Pseudomonas überhaupt etwas machen kann, so weit ich weiß, leben die im Desinfektionsmittel.

Ähhhm, um dieses Missverständnis aufzuklären: NEIN, sie leben nicht im Desinfektionsmittel. Allerdings sind das beides multiresistente (also gegen viele aber nicht alle Antibiotika resistente) Keime die schwer zu behandeln sind. Mit Desinfektionsmitteln hat das aber nix zu tun. Beide Keime sind übrigens typisch für Krankenhausinfektionen, die Multiresistenz in Kombi mit der Immunschwäche vieler Patienten ist dabei natürlich ein Problem.

Viele Grüße,

Juler
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P07.12
G91.9
VP-Shunt

Senem
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Senem » 25.07.2019, 19:33

Hallo MajaJo,

ich wünsche Dir und deiner Familie mein Beileid. Es ist schrecklich, was euch passiert ist.

Ich würde die Sache nicht auf sich beruhen lassen, sondern verfolgen.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

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corina78
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon corina78 » 25.07.2019, 19:46

Hallo,

ich würde sagen, es kommt ganz auf den Verarbeitungsprozess deiner Tochter an.
Wir sind jetzt im 6 Jahr der Klage und mein Mann und ich gehen damit so unterschiedlich um.
Während ich die erste Zeit in die Schlacht ziehen wollte und viel darüber reden wollte, war es bei meinem Mann genau anders.
Er wollte am besten es ganz weit weg schieben.

Ich denke deine Tochter muss sich hinterfragen, wie sie mit ihrer Trauer umgehen kann.
Einer schiebt es erst einmal gerne weg.
Und der andere verwandelt ihre Trauer in Wut.
Jeder Mensch ist anders.
Ein Rechtsstreit wird unschön die Parteien schenken sich nichts.Da braucht man ganz dickes Fell.
Lg Corina
Corina'78 Carsten'71 mit Lukas'96 Finn'05 und Mattis'09 perinataler Asphyxie Abgar 3/3/6 Ph.6,81
Mikrozephalie,CP, mehr geistig betroffen als körperlich (keine Spastik).


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