Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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LillyS
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon LillyS » 25.07.2019, 20:52

Hallo,

erstmal mein herzliches Beileid! So eine Situation sollte niemand erleben :cry:

Ich persönlich würde auf einen Rechtsstreit verzichten und auf den fachlichen Rat der Psychologin hören.

Dabei bin ich sonst sehr kämpferisch veranlagt, aber ich habe schon einige familiäre Rechtsstreitigkeiten hinter mir. Und was da von den gegnerischen Anwälten kam, hat mich zutiefst verletzt und mich in ein sehr großes, schwarzes Loch fallen lassen. Dabei wusste ich sehr genau, dass es nur ihr Job ist und nichts von den Vorwürfen etc. stimmt, aber ich konnte mich überhaupt nicht mehr abgrenzen und habe tagelang die Post ignoriert, bin nicht mehr ans Telefon etc. Nie wieder würde ich freiwillig in einen Rechtsstreit gehen, der so persönlich ist. Man darf es nicht unterschätzen.

Liebe Grüße und eine gute Entscheidung euch,
Lilly (diverse Allergien) mit S. (Frühgeburt, Hypospadie), L. (AVWS) und K. (Herzfehler, Kiss Syndrom, AVWS, Legasthenie)

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Jörg75
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Jörg75 » 25.07.2019, 21:29

Moin,

auch von mir aus herzliche Beileid.

Es kommt darauf an, was ihr wollt! Erstens würde ich erstmal mit deiner Tochter sprechen, was die gerne möchte ... ob die das ganze rechtlich aufklären will oder nicht, ob sie sich einem langen Prozeß gewachsen sieht oder nicht.

Dann ist die Frage - wollt ihr eine strafrechtliche Klärung? Die könnt ihr recht einfach anstoßen ... Sachverhalt beschreiben und ab an die zuständige Staatsanwaltschaft mit der Bitte, den Sachverhalt strafrechtlich zu würdigen und auf eventuell strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der handelnden Personen zu prüfen. Bei den Staatsanwaltschaften gibt es üblicherweise Sonderdezernate für ärztliche Kunstfehler, da kennt man sich zumindest mit den Basics aus und holt sich ggfs. Rechtsmediziner oder andere Sachverständige heran. Da gibt es dann aber für Euch nicht wirklich etwas zu holen (Schadensersatz/ Schmerzensgeld).

Ansonsten, wenn es auf den zivilrechtlichen Weg gehen soll, dann solltet ihr erstmal für euch klären, was ihr euch erwartet und was ihr wollt. Schadensersatz und Schmerzensgeld sind extrem schwierig, weil eigentlich der Anspruch bei dem Kind liegt und nur vererbt ist - ob das Kind aber wirklich noch eine Schmerzensgeldanspruch hatte, ist mindestens rechtlich diffizil, bei Schadensersatz wird es noch schwieriger. Das ist alles "einfacher", wenn das Kind überlebt, aber dauerhaft geschädigt ist, dann sind Schmerzensgeld und Schadensersatz einfacher berechenbar. Das hört sich jetzt herzlos und kalt an, ist aber letztlich nur die Darstellung der Rechtslage.
Bevor ihr da also weitermacht, solltet ihr euch mit einem guten Anwalt besprechen, was sinnvoll machbar ist, was an Kosten auf euch zukommen mag und was ihr hinterher als Ergebnis haben könntet ...

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Henrymami » 25.07.2019, 22:20

Ich würde es an die schlichtungsstelle der ärztekammer geben
Lg
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon MajaJo » 26.07.2019, 10:47

Ihr Lieben,

danke für Eure Antworten. Meine Tochter ist natürlich mit im Boot, sie wollte mütterlichen Rat haben, den ich ihr mangels Erfahrung nicht geben konnte. Deshalb die Nachfrage hier, ich hatte ihr das angeboten. Irgendwie klingt das ja eher ernüchternd, vor allem das, was Du, Jörg, geschrieben hast.

Liebe Grüße

Maja
Maja m. Jo (*10) Neurod., Ichth. vulgaris, Asthma, Allergien m. Anaphylaxie, GdB 70 H, A (*05) Chêneau-Korsett versorgte Skoliose und Sternenenkel (3/18-5/18)

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Christine_HoLa » 26.07.2019, 11:39

Hallo,

zunächst einmal tut es mir sehr leid, dass eure Familie den Tod des kleinen Mannes verschmerzen muss.

Für Fristverstreichung ist nicht der Zeitpunkt des Ereignisses relevant, sondern der Zeitpunkt der Kenntnis. Wenn also erst später klar wird, das es sich um einen Behandlungsfehler handelt, startet auch die Frist später.

Generell ist es ein schwieriges Thema. Das eigene Gefühl ist wohl entscheidend. Ein Prozess dauert lange und kratzt immer wieder an den Wunden. Aber das meiste übernimmt der Anwalt.

Das Durchleben kann belastend sein, aber auch ein Prozess der Verarbeitung. Das kann jeder nur für sich entscheiden.

Ich hoffe, ihr findet einen guten Weg für euch.

Gruß
Christine

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Eliana » 26.07.2019, 16:18

Hallo,
zunächst einmal Herzliches Beileid.
ich habe es auch verfolgt bei meinem Sohn der trotz Herzstillstand nicht geholt wurde damals....es war hart aber ich bin froh es getan zu haben....ich habe es zumindest versucht.
Viel Glück

corina78
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon corina78 » 26.07.2019, 22:53

Hallo, das was Jörg geschrieben hat war super.
Genau so ist es. Trocken,sachlich,schmerzhaft.
Alle anderen Beteiligten sind total unemotional.
Für die ist es ein Fall.Da hört man Dinge, die wirklich verletzend sind.Man muss das aushalten können. Dennoch würde ich für mich , wieder diesen Weg gehen.
Lg Corina
Corina'78 Carsten'71 mit Lukas'96 Finn'05 und Mattis'09 perinataler Asphyxie Abgar 3/3/6 Ph.6,81
Mikrozephalie,CP, mehr geistig betroffen als körperlich (keine Spastik).

Angela77
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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon Angela77 » 26.07.2019, 23:29

Hallo liebe Maja,

ich habe in den letzten Wochen oft an euch und das so sehr ersehnte und geliebte Kind gedacht, das nur so kurz auf dieser Erde bei euch bleiben durfte.
Was den Prozess den Prozess betrifft: Die Frage ist meiner Meinung nach, was deine Tochter mit einem Prozess erreichen möchte. Unabhängig von der Rechtslage, die Jörg beschrieben hat, ist der Tod eines Kindes ja niemals mit Schmerzensgeld oder Schadensersatz wieder gut oder auch nur irgendwie "besser" zu machen ...

Möchte Sie erreichen, dass andere Eltern dieses Schicksal nicht mehr erleben müssen und hofft, dass die entsprechenden Ärzte durch eine straf- oder zivilrechtliche Verurteilung in Zukunft solche Fehler nicht mehr machen, ist also der primäre Wunsch, anderen Menschen das unsagbare Leid, das eure Familie getroffen hat, zu ersparen? Dann könnte man vielleicht versuchen, andere Wege zu gehen ohne Prozess, eventuell über die Schlichtungsstelle, denn dann müssten sich die betreffenden Ärzte doch - hoffe ich doch zumindest - der Schlichtungsstelle gegenüber zu eurer Darstellung Stellung nehmen und werden diesen Fehler hoffentlich nie vergessen, auch wenn sie ihn aus rechtlichen Gründen nicht direkt eingestehen (dürfen).

Meine Erfahrung - allerdings mit dem Durchklagen eines Impfschadens - ist leider tatsächlich so, wie es Corinna beschrieben hat. Der Schaden ist ein Fall, der möglichst billig abgewickelt bzw. abgestritten werden soll. Ich habe ihn damals durchgekämpfen MÜSSEN, weil ich nicht wusste, wie krank ich auf Dauer sein würde. Ich war erst 20, da hätte es um extrem viel Geld (Behandlungskosten, Rente) gehen können. Die Zeit - und vor allem das Gebaren der Gegenpartei - war für mich psychisch sehr belastend, v.a. weil sich das Verfahren sehr lange zog, ich immer wieder Gegendarstellungen formulieren und vor allem medizinisch unsinnige Gutachten zerpflücken musste, die ganz offensichtlich nur der Schadensabwehr dienten. Glücklicherweise war ich während des ganzen Prozesses relativ beschwerdefrei und TROTZDEM war der Umgang mit mir für mich in gewisserweise traumatisch. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das mit mir gemacht hätte, wenn ich schwer krank gewesen, schlimme Schmerzen gehabt hätte oder gar wie im Falle deiner Tochter ein Kind verloren hätte! Von daher, ich kann die Besorgnis der Psychologin sehr gut verstehen. Ein jahrelanger Prozess kann tatsächlich immer wieder das Trauma neu aufreißen, zumal es dann auch nicht möglich ist, im eigenen Tempo auf Schriftststücke von Gegenpartei, Gericht, Versicherungen etc. zu reagieren.

Letztlich wird deine Tochter aber wissen, was für sie am besten ist. Es wird ihr gewiss eine große Sicherheit sein, dass du sie auf ihrem Weg begleiten wirst.

Ganz liebe Grüße und viele gute Gedanken für euch!
Angie
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon grace » 27.07.2019, 00:26

Hallo,

Einen Behandlungsfehler würde ich immer aufklären lassen wollen, ich finde es ist für alle Beteiligten sehr wichtig genau zu wissen was ist passiert, warum ist es passiert und was können die Ärzte tun damit es nicht mehr passieren kann.

Ich finde das auch aus psychologischer Sicht wichtig denn nichts ist schlimmer als Ungewissheit.

Einen Prozess würde ich allerdings in diesem Fall niemals machen, leider hat Jörg das richtig beschrieben, es gibt wenn der direkt Beteiligte nicht mehr da ist kaum Aussichten auf Buß-und Schmerzensgeld und die ganze Sache ist sehr belastend für die Mutter. Außerdem kann kein Geld der Welt den schrecklichen Verlust auch nur in kleinster weise wieder gutmachen.

Es tut mir sehr leid.

Grace

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Re: Behandlungsfehler mit Todesfolge - verfolgen?

Beitragvon AlexMama2006 » 27.07.2019, 02:11


Genauso wie mein bester Freund nach einem Herzeingriff. Ich bin nicht sicher, ob man gegen MSRA und Pseudomonas überhaupt etwas machen kann, so weit ich weiß, leben die im Desinfektionsmittel.

Ähhhm, um dieses Missverständnis aufzuklären: NEIN, sie leben nicht im Desinfektionsmittel. Allerdings sind das beides multiresistente (also gegen viele aber nicht alle Antibiotika resistente) Keime die schwer zu behandeln sind. Mit Desinfektionsmitteln hat das aber nix zu tun. Beide Keime sind übrigens typisch für Krankenhausinfektionen, die Multiresistenz in Kombi mit der Immunschwäche vieler Patienten ist dabei natürlich ein Problem.

Viele Grüße,

Juler
https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudomonas_aeruginosa

Erster Absatz unter "Vorkommen". Es gibt noch viele andere Quellen.

Ich hatte mich damit beschäftigt, weil ich nach meiner 2. Nebenhöhlenoperation den Pseudomonas hatte und so leicht nicht wieder losgeworden bin. Da hat mir das meine Ärztin erzählt. Sie gehört glücklicherweise nicht zu den Antibiotikagegnern, deshalb lebe ich noch.
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)


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