Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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s.till
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Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon s.till » 20.07.2019, 10:11

Hallo zusammen,

M. weint seit Mittwoch eigentlich stündlich und ist untröstlich. Er sagt, dass er gerne wieder froh wäre aber nicht weiß wie er das machen soll. Auch "beichtet" er Dinge die schon Jahre zurück liegen und Nichtigkeiten waren. Er entschuldigt sich auch ständig, dass er einen anrülpst, macht das aber nicht. Essen tut er auch kaum etwas und läuft wie ein Häufchen Elend herum. Kennt ihr so ein Verhalten. Muss ich mir ernsthaft Sorgen machen oder macht er gerade einen Entwicklungsschritt durch und kommt mit seinen Gefühlen nicht klar? Wielang würdet ihr euch das ansehen, bis ihr zum Arzt geht?

LG
Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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Regina Regenbogen
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon Regina Regenbogen » 20.07.2019, 11:54

Was ist denn in den Tagen oder Wochen vor dem besagten Mittwoch gewesen? Irgendetwas ausser der Reihe?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

s.till
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon s.till » 20.07.2019, 12:13

Hallo,

das einzige was war, war nach den Pfingstferien hat seine Schulbegleitung gewechselt. M. kommt aber eigentlich gut mit ihr klar. Er hat sich nicht darüber beschwert. Die Schule stresst ihn im Moment aber das hatte er früher auch schon.
Die großen Veränderungen kommen ja erst ab nächsten Schuljahr. Neue Lehrerin, neues Klassenzimmer und neue Schüler in der Klasse....
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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Petra.Berlin
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon Petra.Berlin » 20.07.2019, 12:26

Huhu,

Einen wirklichen Rat habe ich leider nicht, aber wollte nicht so einfach gehen ohne zumindest ein paar Gedanken dazulassen.

Mein Sohn ist etwas älter (12) und bei ihm sind Gefühle auch Grad n heikles Thema.

Ich würde, je nachdem wie viel Reserve dein Sohn bzgl. Essen hat, erstmal abwarten und beobachten. Vielleicht finden sich ja Anzeichen, warum und wo du ihm helfen kannst.

Lg
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Regina Regenbogen
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon Regina Regenbogen » 20.07.2019, 12:34

s.till hat geschrieben:Die großen Veränderungen kommen ja erst ab nächsten Schuljahr.



Also jetzt nach den Sommerferien? Das kann durchaus ein Auslöser für sein Verhalten sein - Angst vor der Zukunft, vor allem Neuen, vor den Veränderungen.

Unser Jüngster war im letzten Grundschulhalbjahr und den Ferien vor dem Schulwechsel völlig durch den Wind, trotz Schulbegleiter. Erschwerend kam hinzu, dass im letzten Grundschulhalbjahr nichts so lief wie es sonst lief, hier eine Feier, da eine Aufführung, der Fahrradführerschein, der Einsteigerbus, der Probetag in der neuen Schule ......... es war schon heftig, da kommt auch ein NT-Kind oftmals an seine Grenzen.
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Engrid
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon Engrid » 20.07.2019, 13:17

Hallo,

ein paar Gedanken von mir, was es zb sein könnte:
- die Veränderungen im kommenden Schuljahr verunsichern ihn
- er hat subjektiv (!) was Schlimmes gemacht, kann aber nicht drüber sprechen und beichtet deshalb quasi stellvertretend Kleinigkeiten
-
Die Schule stresst ihn im Moment aber das hatte er früher auch schon
Man muss trotzdem immer aufs Detail gucken, denn es stresst ja nicht nur die Summe, sondern im Einzelnen konkrete Sachen.
- manchmal gibt es Missverständnisse, und im Gegensatz zu NT-Kindern fragen autistische dann oft nicht nach. Das kann ein Versprecher oder ein falsch verstandenes Wort/Redewendung sein, alles mögliche... das müsste man rauskriegen, wenn man genau nachfragt
- noch ganz konkret, wegen Beichten und „froh werden“: war was in Religion missverständlich für ihn?
- ich würde mal bei der neuen Schulbegleitung anfangen, fragen, zuhören, zuschauen, was es sein könnte.

In jedem Fall wird es schonmal gut sein, wenn er merkt, dass Du ihn ernst nimmst und unmittelbar aktiv wirst.

Ich hoffe, das Problem löst sich bald für Deinen Sohn.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

grace
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon grace » 20.07.2019, 18:53

Hallo,

Ich finde so ein Verhalten besorgniserregend und da ist doch sicher irgendwas passiert was ihn aus der Bahn geworfen hat.

Versuche mal vorsichtig nachzuforschen und überlege: Gibt es in der Umgebung deines Sohnes einen Mobber, hänseleien? Hat ihm jemand etwas vorgeworfen oder hat er etwas aufgeschnappt? Hat er etwas gelesen, im Tv gesehen? Geht er alleine ins Internet?

Wenn es morgen nicht besser ist würde ich tatsächlich mal zum Arzt gehen, vielleicht fühlt er sich auch krank und unwohl?

Hoffe es sind alles unnötige Sorgen!

LG

Grace

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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon s.till » 21.07.2019, 09:49

Hallo,

wir haben den Eindruck dass er gerade akribisch Versuch alles richtig zu machen und niemanden mit seinem Verhalten zu verletzen. Ob das was war bekommen wir nicht aus ihm raus. Im Religionsunterricht kann nichts gewesen sein, da er dort nicht ist, weil er zu dieser Zeit Logo hat.
Vielleicht hat die neue Schulbegleitung irgendeine Bemerkung gemacht und gar nicht gemerkt was sie damit auslösen kann... Sie ist zwar sehr nett, kennt sich mit Autisten aber gar nicht aus.
Zum Glück kommt morgen wieder seine alte Schulbegleitung. Diese war krankheitsbedingt seit Pfingsten nicht da. Eigentlich wollten wir bis nach den Ferien warten damit nicht zu viel Wechsel ist. Aber er wollte, dass sie kommt.
Gestern meinte er noch unter Tränen, ob wir nicht zum Arzt gehen können, damit der sagt was mit ihm los ist.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon ninona » 21.07.2019, 17:44

Hallo Susanne,
genau das würde ich tatsächlich morgen mit ihm machen, mit ihm zum Arzt gehen, oder zumindest dort morgen anrufen und die Situation schildern . Allerdings eher zum KJP falls ihr einen habt, als zum Hausarzt.
Als erstes habe ich an eine Depression gedacht, das ist aber alles laienhaftes rumgestochere.
Wenn er selbst diesen hervorragenden Lösungsansatz bringt würde ich das unbedingt ernst nehmen.
Es hat auch etwas mit ihn ernst nehmen und eine ( für ihn) anscheinend besorgniserregende Situation kontrollieren zu können zu tun.
Dieses hervorragende rückgewandte Gedächtnis kenne ich.
Vielleicht ist auch gerade die Kompensationsfähigkeit erschöpft oder eine organische Ursache spielt mit rein.

Viele Grüße
ninona

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AnnalenaO
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Re: Er weint ständig und möchte wieder froh sein

Beitragvon AnnalenaO » 21.07.2019, 18:06

Hallo s.till!
Mich erinnert das an einen Vorfall als ich Kind war. Mir ist beim Spielen auf der Straße die Scheibe des Autos unserer Nachbarin kaputt gegangen. Niemand hatte es gesehen. Ich hab niemandem was gesagt. Hab mich natürlich ganz schlecht gefühlt. Bin dann heim und hab so getan als wüsste ich von nichts. Nachbarin kam und klingelte und fragte meine Eltern ob sie was gesehen hätten. Diese verneinten natürlich. Das ging so 2-3 Tage bis ich es nicht mehr ausgehalten hab und meiner Mutter endlich erzählt hab was mir passiert ist. In diesen 2-3 Tagen muss ich etwa so drauf gewesen sein wie du deinen Sohn beschreibst. Vielleicht hat er irgendwas gemacht? Muss ja gar nichts schlimmes sein. Gerade autistische Kinder denken ja auch mitunter dass Nichtigkeiten ganz dramatisch seien.
Wenn er zum Arzt will damit der sagen kann was mit ihm los ist dann nehme das doch zum Anlass für ein Gespräch wo du ihm sagst dass er dir vertrauen kann und Eltern immer hinter ihren Kindern stehen und ihnen helfen. Auch dann wenn den Kindern was passiert ist. Es gibt nichts was sich nicht klären lasse, ob es denn da was gibt was ihn arg bedrückt. Ich erzähle dann auch immer gerne aus meiner Kindheit zB die Geschichte mit der Fensterscheibe oder als ich mal schellekloppen gemacht hab, halt so Geschichten wo es einem als Kind mal nicht gut ging und man das dann mit seinen Eltern klären konnte und es einem dann so viel besser wieder ging. Dabei muss man natürlich feinfühlig auf die Reaktionen gucken. Kann ja auch sein dass ihm wer droht a La wenn du deiner Mama was sagst dann passiert x. Wenn du nicht weiter kommst würde ich auch am ehesten zum KJP gehen.
Ich drücke die Daumen dass ihr dahinter kommt was ihn so sehr bedrückt.
Liebe Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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