Verdacht ADS

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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simfinn08
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Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 17.07.2019, 12:10

guten Tag allerseits,

lange war es ruhig bei uns, was daran liegt, dass ich fleißig dabei war mein Kind ( 11 Jahre /Asperger Autist / Hochintelligent) zu unterstützen. Unter anderem haben wir endlich eine Therapie angefangen und eine REHA gemacht.

Nun steht die Welt erneut wieder Kopf und unsere Therapeutin hat einen Verdacht geäußert: ADS.

Mein erster Gedanke? Nicht noch was....
Die Grenzen zwischen Asperger-Autismus und ADS sind wohl zum Teil überschneidend?

Seit längerem haben wir die Thematik, dass mein Junior wirklich alles vergisst und sich null konzentrieren kann. Jeder Tag ist in einem "Murmeltiereffekt". Er vergißt scheinbar normale tägliche Dinge, als auch wenn ich ihm zum Beispiel sage, dass ich kurz im Supermarkt gegenüber bin (er ruft dann komplett verzweifelt an und fragt wo ich denn bin...), obwohl ich mich immer vergewissere, dass er mich auch gehört hat.

Anweisungen werden stets boykottiert und endlos diskutiert (nein, auch eine deutliche Ansage hilft hier nicht). Die Psychologin meinte nun ich soll ihm keine Aufgaben zu geben (wie z.B. dass er die Brotdose aus dem Schulranzen in die Küche bringt,) weil er das nicht behält, bzw es tot diskutiertJeden Tag aufs neue.... Aufschreiben haben wir ebenfalls durch - negativ...

Jegliche Versuche sind bisher gescheitert: Belohnugssystem mit Punkten, Ausflüge / Kino, Verbote wie z.B. kein Handy...alles hat nichts geholfen.
Auch strukturierte Tagesabläufe, immer nur einzelne Ansagen brachten keine Besserung.

Mittlerweile ist die Grundstimmung sehr gereizt, da mich der kleine Mann permanent an die Grenze bringt.

Ich gebe zu, dass ich oft weine, weil ich mega verzweifelt bin...

Er ist so ein tolles schlaues Kerlchen, das sich selbst im Weg steht. Medis bekommt er derzeit keine.


Hat irgendwer eine Idee, wie ich dem jungen Mann helfen kann, ihn unterstützen kann?

Ganz liebe Grüße

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Bika
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Bika » 17.07.2019, 12:46

Hallo,

Vielleicht ne blöde Frage aber wie hochbegabt ist dein Sohn denn?
Die Kombination aus Asperger und extrem hoher Intelligenz ist deswegen so eine Herausforderung für Eltern, weil man immer nicht so genau weiß, auf welche Ursachen die Besonderheiten zurückzuführen sind.
Bei hochbegabten Aspergern führt man schnell alles auf das Syndrom zurück und vergisst die Unterforderungsproblematik. Ein IQ jenseits der 145 macht es den Kindern auch ohne zusätzliche Störungen schwer, ihr seelisches Gleichgewicht stabil zu halten, für Autisten wird es dann besonders anstrengend.
Der Geist arbeitet permanent und will gefordert werden, das Störungsbild schränkt diese Kinder in vielen Bereichen ein. Auch in der Selbstorganisation und Fähigkeit, sich eigenständig soviel kognitive Auslastung zu suchen, dass ein Befriedigungseffekt eintritt.
Wenn nun noch eine ADS hinzukommt....... :icon_pale:

Ich würde das sehr zeitnah beim Kinder-und Jugendpsychiater abklären lassen.
Die Symptome klingen klassisch und je nach Leidensdruck, würde man dann langfristig über medikamentöse Unterstützung nachdenken müssen. Darüber können nur die Fachleute richtig aufklären.

Euch alles Gute

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 17.07.2019, 13:14

@bika

Mein Sohn wurde zweimal getestet und der IQ liegt bei 130.

Schulisch gesehen hat er nur gute bis sehr gute Noten ohne auch nur irgendetwas zu lernen. Hausaufgaben macht er selbstständig. In der Schule selbst ist er aber auch ein Träumerle und braucht laaange bis er anfängt zu arbeiten.

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Engrid » 17.07.2019, 13:15

Hallo,

ich würde mal sagen, das geht nur über Eigenmotivation. Und da bin ich bei Bika, Autismus plus HB, und dann noch ADS, da geht es im Gehirn zu wie in einem Freizeitpark am Sonntagnachmittag :shock:
Das ist normal, dass da viel Einzelinfo untergeht. Und es ist ziemlich demotivierend, dauernd was zu vergessen, obwohl man ja beste Absichten hat, und alle anderen es ja schließlich auch schaffen :?
Eigenmotivation schafft einen Fokus, um da Ruhe reinzubringen.
Ich würde einige Alltagsabläufe entzerren. Zb: du bist immer erreichbar am Handy, ist dann nicht schlimm, wenn er vergessen hat, wo Du mal eben hin bist.
Alltagsdinge aus dem Bereich Selbständigkeitserziehung dosiert und in kleinen Schritten und über lange Zeiträume einschleifen, dann landen sie im Autopiloten und nicht in der Chaosabteilung.
Was manchmal hilft sind kleine Tricks, zb etwas in der Hand halten (Einkaufstasche, ...), dann ist es leichter, in der Handlung zu bleiben. Gute Ergotherapeuten wissen da mehr.
Wenn der Leidensdruck groß ist, über Medikamentierung nachdenken, falls ADS diagnostisch bestätigt wird.

Bei eigenen Themen, Spezialinteressen, wird es bei der Kombi aber spannend. Da ist ziemlich viel Potential im kreativen Denken :idea: :icon_cherry: :icon_sunny:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 17.07.2019, 13:25

Hallo,

Ich denke, hier könnte „mehr“ als eine große Vergesslichkeit bzw. Konzentrationsprobleme dahinter stecken.
Warum z.B. gerät dein Sohn so schnell in Verzweiflung, sobald er dich nicht mehr sieht?

In welchen Situationen ist der denn so „vergesslich?
Vielleicht in Situationen, die ihn stressen oder sogar überfordern?
Überforderung kann man nicht mit Belohnungssystemen abtrainieren.

Ich habe eine sehr pflegeintensive Mutter und einen sehr überforderten, sie pflegenden, Vater. Je höher der Pflegeaufwand, desto „vergesslicher“ wird mein Vater. Er wirkt selbst schon fast dement. Ich bin mir aber sicher, dass es zum Gutteil stressbedingte Überforderungserscheinungen sind.
Meine Mutter wird schnell ängstlich und unsicher, wenn sie meinen Vater nicht sieht. Deshalb schreibt er ihr immer, wenn er kurz das Haus verlässt, einen großen Zettel mit der Info, wo er ist und wann er wieder daheim ist. Befindet sie sich in Angst/Panik, ist sie orientierungslos und ihr Gedächtnis wirkt wie ausgelöscht. Ein Zettel liefert
permanente Informationen/ Orientierungsmöglichkeiten.

Bitte entschuldige, dass ich deinen Sohn mit meiner dementen Mutter und meinem alten Vater vergleiche.
Aber vielleicht braucht dein Sohn (noch) mehr Orientierungsmöglichkeiten, um sich auch unter Stress in Zeit und Raum
zurechtzufinden. Darüber hinaus würde ich nach möglichen Auslösern (Überforderungsquellen) forschen.
Wie zugrieden ist dein Sohn denn? Könnte er depressive Verstimmungen haben? Depressionen können mit einer erhöhten Vergesslichkeit einhergehen.

Natürlich kann auch ADS eine Erklärung sein.
So oder so könnte dein Sohn vielleicht von manchen Orientierungshilfen für Menschen mit ADS profitieren.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Bika » 17.07.2019, 13:37

Hier ist noch ein Link für eine Ringvorlesung bei der es genau um diese Dreierkombination geht:

https://lecture2go.uni-hamburg.de/l2go/ ... courseId=0

Vielleicht schaust du dort mal rein.


Es ist für eine AD(H)S übrigens eher untypisch, dass die Konzentrationsproblematik im Laufe der Zeit so zunimmt, sie nimmt im Jugendalter eher ab (Ausnahmen gibt es immer)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Regina Regenbogen » 17.07.2019, 13:44

Medis bekommt er derzeit keine.
Hatte er denn schon mal welche? Wenn ja, warum jetzt nicht mehr?

Deine Beschreibung der Vergesslichkeit erinnert mich stark an meine Söhne während der Pubertät, der Jüngere mit Autismus und ADHS, der Ältere nur ADS. Beide wurden umso vergesslicher, je mehr Anforderungen an sie gestellt wurden - und das Leben verlangt einem Pubertier eine Menge ab auf verschiedenen Ebenen. Der Ältere blockte irgendwann prophylaktisch alles ab, was ihm nicht in den Kram passte, der Jüngere versuchte jede Maßnahme wegzudiskutieren. Bei beiden war dieses Verhalten in der einjährigen Medikamentenpause ganz massiv ausgeprägt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 17.07.2019, 14:26

Hui...so viele Anworten. Vielen Dank.

@engrid:
tatsächlich verlasse ich das Haus NIE ohne Handy und bin immer erreichbar. Ich wundere mich halt, weil wir das bis vor wenigen Wochen nicht hatten.

@anjali:

diese schnelle Panik liegt vermutlich an einer Angststörung. Im letzten Jahr war das ganz extrem und er hat keine Minute ohne mich verbracht. Mittlerweile ist die Angststörung "ruhig" wie wir sagen. Er kann damit einigermaßen umgehen und die chule oder auch Verwandte besuchen etc.

Zufrieden ist er selber damit überhaupt nicht. Dies sagt er zumindest seiner Therapeutin. Er ist sich bewusst, dass er vieles vergisst oder auch diskutiert, kann es aber laut eigener Aussage nicht steuern.

@Regina Rgenbogen:

Wir hatte vor zwei Jahren (glaube ich) mal Risperdol (?). Damals allerdings wegen seiner aggressiven Verhaltensweisen. Ich kam null an ihn ran. Irgendwann haben wir diese dann abgesetzt und die Aggressionen kamen auch nicht wieder.

Ich möchte ihm gerne helfen und ihn aber auch in seiner Selbstständigkeit Stück für Stück unterstützen. Allerdings ist es seit geraumer Zeit jeden morgen ein leeres Blatt Papier...er hat keine Ahnung was er wann in welcher Reihenfolge tun soll...

Vielen Dank für alle die weitere Ratschläge, Hilfethemen etc hinterlassen...

LG

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Engrid » 17.07.2019, 14:36

Hallo,

hast Du Dich mal mit TEACCH befasst?
Visuelle Strukturierungen können (wie ja Anja schon geschrieben hat am Beispiel ihrer Mutter) viel helfen und Eigenständigkeit schaffen (und damit Selbstwirksamkeit schaffen, sehr wichtige Depressionsprophylaxe) und auch Ruhe und Übersichtlichkeit in den Tag bringen.
Die Hilfen müssen am besten mit ihm selbst erarbeitet werden, und seinem hohen kognitiven Niveau entsprechen.
Das sind zb Ablaufpläne, räumliche Markierungen usw.

Da muss man fürs Private sicherlich modifizieren, aber von den TEACCH-Büchern passt wahrscheinlich am besten:
Antje Tuckermann: Praxis TEACCH, Herausforderung Regelschule
Engrid
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Regina Regenbogen » 17.07.2019, 14:50

Wir hatte vor zwei Jahren (glaube ich) mal Risperdol (?). Damals allerdings wegen seiner aggressiven Verhaltensweisen. Ich kam null an ihn ran. Irgendwann haben wir diese dann abgesetzt und die Aggressionen kamen auch nicht wieder.

Ich möchte ihm gerne helfen und ihn aber auch in seiner Selbstständigkeit Stück für Stück unterstützen. Allerdings ist es seit geraumer Zeit jeden morgen ein leeres Blatt Papier...er hat keine Ahnung was er wann in welcher Reihenfolge tun soll...

Also absolute Verpeiltheit .... könnte definitv am ADS liegen. Vielleicht nach der Diagnose mal mit dem KJP sprechen und einen MPH-Versuch starten. Solange er nicht wieder Risperidon nehmen muss, schadet es nicht.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese


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