Verdacht ADS

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Anjali
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 19.07.2019, 15:58

...noch ein Nachtrag:

...auf die Gefahr hin, dass ich nerve...

Dein Sohn litt bis (vor kurzem? ) unter einer Angsstörung und Zwängen. Eine erhöhte Ängstlichkeit und Unsicherheit scheint ja immer noch vorzuliegen.
Er ist autistisch und hochbegabt. Eine Kombination, deren einzelne Komponenten auch für sich alleine ein hohes „Schwierigkeitspotential“ bedeuten.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Lösung der Probleme in einer Behandlung eines evtl. zusätzlich existierenden ADS liegen wird.
Ich würde eher nach evtl. bisher unerkannten und daher unberücksichtigten Überforderungs- und Stressquellen forschen. Auf was reagierte dein Sohn mit einer Angsstörung und Zwängen?
Evtl. stellt das Umfeld (unbeabsichtigt) zu hohe Anforderungen. Gerade bei intelligenten Autisten und scheinbar relativ anpassungsfähigen Autisten kann das Stresspotential und der Leidensdruck unterschätzt werden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Anjali
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 19.07.2019, 16:04

...ich hatte übersehen, dass du bereits geantwortet hattest - entschuldige bitte.
Da die starke Vergesslichkeit ein neues, erst seit einigen Wochen existierendes Phänomen ist, würde ich (wenn mein Sohn in einer vergleichbaren Lage wäre), würde ich es als Anzeichen übergroßen Stresses oder sogar einer Depression sehen.
Vor diesem Hintergrund kann ich den Ratschlag der Psychologin (Schonung) nachvollziehen.

Sind Therapeutin und Psychologin ein und dieselbe Person?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Engrid
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Engrid » 19.07.2019, 16:15

Hallo,

Psychologin meinte, dass Junior derzeit keine Kapazitäten hat sich solch "einfachen Dinge" zu merken. Es kostet wohl so viel Kapazität den Schulalltag zu meistern
Da wird sie wohl recht haben.

Ich würde mit der Visualisierung nicht so schnell aufgeben, insgesamt über solche Dinge parallel weniger reden (also auch nicht diskutieren), und damit und auch generell Druck rausnehmen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

simfinn08
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 19.07.2019, 16:21

@anjali
du nervst überhaupt nicht, im Gegenteil.
Ich freue mich über jegliche Tipps etc.

Wir sind im Kinderzentrum Maulbronn untergebracht und dort kommt Junior mit der Therapeutin auch super zurecht. Wir gehen einmal die Woche hin und haben regelmäßig auch Doppeltermine (also auch einen für mich)

Er sagte mit allerdings, dass er sich nicht traue ihr alles zu erzählen, weil sie dann vielleicht schlecht über ihn denkt. Nur mir könne er alles erzählen.

Leider gibt es ein leidiges Thema, dass bisher noch nicht aufgearbeitet werden konnte, weil Junior dazu derzeit nicht bereits ist...sein Vater..Die Therapeutin sagte wir müssen warten, bis er dazu bereits ist und erst dann können wir daran arbeiten. Ob das Auswirkungen hat??

Darf ich genauer Nachfragen, wie du das mit dem übergroßen Stress meinst? Junior ist tgl. von 07:05 - 13:30 außer Haus. Ab dem neuen Schuljahr dann bis 16:00 Uhr. Ist das zuviel? Wir haben hier nicht allzuviel Auswahl an Schulen..

LG

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 19.07.2019, 17:02

simfinn08 hat geschrieben:@anjali


Darf ich genauer Nachfragen, wie du das mit dem übergroßen Stress meinst? Junior ist tgl. von 07:05 - 13:30 außer Haus. Ab dem neuen Schuljahr dann bis 16:00 Uhr. Ist das zuviel? Wir haben hier nicht allzuviel Auswahl an Schulen..

LG


An der in der Schule verbrachte tägliche Stundenzahl würde ich es alleine nicht festmachen. Eher am Gesamtpaket. Das kommt ganz auf die Schulsituation an, auf individuelle Faktoren (die Individuellen Besonderheiten/Bedürfnisse des Schülers) und wieviel Rücksicht auf die speziellen Bedürfnisse des autistischen Schülers genommen werden kann.

Meinen Sohn stressten in der Schule z.B. alle Übergangssituationen von einer Schulstunde in die nächste bzw. Von einem Klassenzimmer ins nächste . Vor lauter Stress/Angst konnte er sich gegen Ende der Schulstunden überhaupt nicht mehr auf den Unterrichtsstoff konzentrieren. Daran war jetzt nicht die Lehrer „schuld“. Ursache waren seine Ängste vor Veränderungen und seine Schwierigkeiten, von einer Situation in die nächste zu wechseln.
Diese Probleme liessen aber mit zunehmendem Alter nicht mehr so schwer.
Der Kontakt zu anderen Schülern war für meinen Sohn schön und stressig zugleich.
Stressig wegen seiner vielen Unsicherheiten/Ängste in der sozialen Interaktion mit den anderen Kindern.
Dies nur als kleine Auswahl der für meinen Sohn im schulischen Umfeld aufgetretenen Stressquellen.

Wobei Schule nur eine von möglichen Stressfaktoren für autistischen Kinder darstellen kann.

Die Psychologin scheint ja eine Ahnung von möglichen schulischen Überforderungsquellen deines Sohnes zu haben. Vielleicht könnt ihr das Thema noch einmal vertiefen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 19.07.2019, 19:09

...ich möchte aber auch kein ausgeprägtes Schulproblem herbeireden.
Schule kann für autistische Kinder einer von vielen möglichen kapazitätenbeanspruchenden Faktoren sein.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon LasseUndJohannes » 19.07.2019, 19:28

Hi,
nach unserem eigenem Leidensweg würde ich einen AD(H)S-Verdacht immer als eine Chance betrachten! Ich würde es abklären lassen. Kam der ADS-Verdacht von Maulbronn? Wenn nicht, würde ich es dort auch nicht abklären lassen sondern woanders. Nichts gegen Maulbronn, aber AD(H)S in Kombination mit anderen Sachen können die (oder konnten die) nicht erkennen. Wenn dein Kind ADS hat, dann wird das zusätzlich zu Autismus und Co die Lage deutlich verkomplizieren und wenn du dann gezielt das ADS angehen kannst, dann kann dies einen großen Fortschritt bringen. Für uns war die ADHS-Diagnose der Wendepunkt. Die Autismus-Diagnose gut zwei Jahre vorher war "verlorene Zeit". Deshalb rate ich dir es klären zu lassen, ob es so ist.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 19.07.2019, 20:42

@LasseundJohannes

der ADS-Verdacht kam von Maulbronn. Die Autismu-Diagnose wurde auch dort gestellt. Wir sind schon seit seinem sechsten Lebensjahr unterwegs ohne Diagnose... erst im letzten Jahr wurde sie gestellt. Therapie bekommt Junior erst seit -ich glaube Mai diesen Jahres.

Schulisch waren die Erfahrungen auch nicht sooo toll...viele Wechsel, keine Freunde etc. Ich glaube ihr kennt das.

Dazu negative Erfahrungen bei seinem Vater die dazu geführt haben, dass er selten in seinem Zimmer schläft. Auswärts übernachten geht gar nicht.

Leider hab ich bestimmt auch nicht immer alles richtig gemacht..

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon AnnalenaO » 20.07.2019, 12:47

Wer macht schon immer alles richtig? Mach dich nicht selber fertig. Du tust dein bestes.
Zu den Diskusionnen: verstehe ich das richtig dass ihr die Vereinbarung habt dass dein Sohn immer seine Brotdose nach der Schule in die Küche bringt und es klappt nicht dass er sich an diese Vereinbarung hält?
Sowas haben wir auch manchmal, ganz aktuell wie schon erwähnt das waschen und Deo. Ich mache das zweimal mit dass diskutiert wird. Wenn es dann noch immer nicht klappt dann muss die Vereinbarung neu und evtl anders ausgemacht werden. Wenn Sohn zum dritten Mal anfängt zu verweigern oder zu diskutieren dann gehe ich auf ihn zu und frage ihn was ihn stört. Warum er das nicht macht. Aber ganz zugewandt und Verständnisvoll. Ich weiß dass mein Sohn eigentlich alles machen und können möchte. Wenn es nicht funktioniert dann hat das einen Grund. Faulheit ist (bei ihm zumindest) nie der Grund. Es ist ihm dann wirklich zu viel.
Ich bleibe jetzt mal bei unserem Waschthema, daran kann ich es gerade am besten schildern wie so eine Situation bei uns aussehen kann.
Nachdem ich immer wieder mal festgestellt hab dass er müffelt haben wir vereinbart dass morgens gewaschen mit Deo werden muss. Wir haben ein Deo gekauft, soweit so gut. Am nächsten Morgen Verweigerung. Nein, er macht das nicht. Hat er bis jetzt auch nicht gemacht und es hat ihm außer mir noch nie wer gesagt dass er riecht, ich wär bestimmt nicht ehrlich usw. Es endete im totalen Streit. Er hatte sich dann nicht gewaschen. Wir haben später nochmal gesprochen und ich hab ihm erklärt dass es ihm wahrscheinlich außer mir auch keiner sagen wird dass er riecht, irgendwann bekommen Leute die reichen zum Beispiel blöde Spitznamen wie Stinker oder wenn es einen Streit gibt wird gesagt und außerdem stinkst du oder so etwas. Nur wirklich gute Freunde machen einen auf sowas aufmerksam.
Er sagte er versteht das, morgen wäscht er sich. Pustekuchen. Da ich ihn kenne musste es nicht nochmal eskalieren. Ich hab ihn direkt gefragt was sein Problem ist. Da gab es gleich mehrere :( Das größte Problem ist das Deo an sich. Dass er etwas auf seine Haut schmieren soll. Die Seife ist auch ein Problem, das findet er eklig und er weiß nicht wie er die Seifeunter den Armen weg bekommen soll.
Wir haben dann eine neue Vereinbarung getroffen: erstmal wird das einseifen und abwaschen geübt und erst wenn das keine Probleme mehr macht, dann kommt das Deo. Soweit so gut. Am nächsten Morgen Verweigerung :( neue Vereinbarung: erstmal waschen nur mit Wasser um sich dran zu gewöhnen. Das war der Punkt wo ich hier eigentlich nachfragen wollte ob ihr auch die Schritte zurück gehen würdet, ob das überhaupt was bringt oder ob das kontraproduktiv ist und ich ihm mit der Seife besser mehr helfen soll. Ich kam mal wieder nicht zum schreiben und es hat sich als gut herausgestellt. Das Waschen mit Wasser hat er anstandslos gemacht und heute morgen wollte er von sich aus (!) die Seife benutzen. Das Deo wird auch noch kommen. Er braucht da einfach Zeit.
In eurem Fall mit der Brotdose könnte man natürlich befürchten dass er es ausnutzt wenn du ihm das erlässt und dass er sich dann bei allem anstellen wird um nichts mehr machen zu müssen. Aus meiner Erfahrung mit meinem Sohn passiert das so nicht. Ich würde ihm in eurer Situation sagen: kann es sein dass es dir im Moment zu viel ist die Brotdose in die Küche zu bringen? Meinst du du kannst sie wenn du HAs machst auf den Tisch stellen und ich räume sie dann in die Küche? Sollen wir das vereinbaren? Später würde ich nochmal mit ihm sprechen und versuchen herauszufinden ob es etwas bestimmtes gibt was ihn davon abhält die Brotdose in die Küche zu bringen oder ob er sagen kann was gerade so viel ist. Manchmal biete ich meinem Sohn an ihn ein paar Tage zur Schule zu fahren wenn alles sehr stressig ist.
Das klingt jetzt sehr nach Kuschelkurs. Ist es auch. Aber ich fahre sehr gut damit wenn ich ihn ernst nehme und bislang war es immer so dass er selber die Erleichterung wie zur Schule fahren wieder beendet hat als es besser ging. Einfach das Gefühl dass ich ihm glaube und bemüht bin dass es für uns alle gut läuft tut ihm sehr gut und wir haben schon lange keine täglichen Kämpfe mehr.
Trotz Schmusekurs macht mein Sohn auch stetig Fortschritte in Savhen Selbständigkeit!
Ob es für euch so funktionieren kann kannst nur du entscheiden. Vielleicht passt es auch gar nicht. Wir fahren damit jedenfalls gut.

Liebe Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 20.07.2019, 17:57

simfinn08 hat geschrieben:
@steffimoppel

ich bin da ganz deiner Meinung. Wenn er nicht kleine Aufgaben übernimmt lernt er doch nicht selbstständig zu werden. Leider eskaliert alleine die Aufgabe die Vesperdose in die Küche zu räumen JEDEN Tag. Es scheint als ob es für ihn jeden Tag eine NEUE Aufgabe sei , die Brotdose in die Küche zu bringen..??..

Wenn eine Sache dann mal geklappt hat fehlt eine andere Sache wieder (derzeit arbeiten wir wieder an dem was man morgens so tun muss, bevor man das Haus verlässt...Zähne putzen etc).

Die Psychologin meinte, dass Junior derzeit keine Kapazitäten hat sich solch "einfachen Dinge" zu merken. Es kostet wohl so viel Kapazität den Schulalltag zu meistern, dass er sich zuhause nur auf wenige Dinge konzentrieren kann. Derzeit zum Beispiel klappen die Hausaufgaben komplett alleine, das ging davor nicht .

Diese Verhaltensweisen sind natürlich nicht neu...nur in dieser Ausprägung absolut der Wahnsinn. Ich habe bisher auf Kontinuität gesetzt. Dachte, wenn er kleine Aufgaben jeden Tag bekommt (immer die gleichen Aufgaben), dann stellt sich das irgendwann als normal ein. Ist das verständlich so?


Ich finde das schon verständlich. Unter „normalen“ Umständen.
Nun scheint es aber so zu sein, dass dein Sohn zur Zeit einfach nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügt. (Siehe die Analyse der Psychologin.)

Insofern würde ich Abstriche machen und überlegen, ob und in welchen Punkten gewisse Erwartungen an die Selbstständigkeit heruntergeschraubt werden könnten.
Ist z.B. die Brotdose wirklich eine tägliche Eskalation wert?
Auch wenn es zur Zeit morgens mit dem fertigmachen nicht so gut klappt, die Hausaufgaben werden ganz selbstständig gemeistert. Das ist doch eigentlich eine tolle Sache und auch gar nicht so selbstverständlich.
Im Übrigen schließe ich mich AnnalenaOs Beitrag an.
LG
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)


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