Verdacht ADS

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AnnalenaO
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon AnnalenaO » 17.07.2019, 17:33

Hallo!

Mein Asperger und HB Sohn ist 10 Jahre und diese Vergesslichkeit hat er auch, aber schon immer :(
Bislang hat niemand zusätzlich Verdacht auf ADS geäussert.... vielleicht sollte ich das mal ansprechen? Die Lehrerin hat auch nie geäussert dass das an was anderem als dem Autismus liegen könnte. Sie arbeitet mit Visualisierung bei ihm.
Er vergisst auch seine Jacke in der Schule anzuziehen, den Fahrradhelm sowiso, in Hausschuhen kam er auch schon heim. Er vergisst wo er sein geliebtes Handy abgelegt hat, wo er den Pulli hat liegen lassen und auch wie deiner wo ich bin wenn ich es ihm gerade gesagt habe. Und ich lasse ihn wiederholen wo ich bin bevor ich gehe! Trotzdem vergisst er es.
In der Schule hat die Lehrerin zb oben an seinen Tisch ein Kärtchen aufgeklebt darauf steht Hausaufgaben Jacke Schuhe Fahrradhelm. Sie hat auch ein Auge drauf ob er das umsetzt. Es gibt wohl noch andere Visualisierungen, ich weiss aber nicht was es genau war.
Zu Hause haben wir in jedem Stockwerk einen festen Platz für sein Handy. An der Haustür hängt auch ein laminierter Zettel für morgens: Schuhe Jacke Fahrradhelm Ranzen. Ich bin bald ausgetickt weil er nach dem Schuhe anziehen ohne Jacke Helm und Ranzen los wollte, nach der Jacke dann wieder ohne Helm und ohne Ranzen und so weiter....... ganz ganz anstrengend.
Die Routine morgens im Bad klappt! Allerdings muss der Waschlappen an seinem Platz hängen und die Kleider an ihrem Platz liegen. Aktuell versuche ich in die Morgenroutine Waschen unter den Achseln und Deo einzuführen weil er beginnt zu riechen. Eine Riesen Katastrophe, geht gar nicht, da mache ich wenn ich es zeitlich hin bekomme selber mal ein Thema auf, das lässt mich so verzweifeln gerade :(
Morgens bekommt er einen Zettel in den Ranzen wenn etwas besonderes ansteht wie „gib die Entschuldigung ab. Sie ist in der Elternpost“ oder „heute hole ich dich ab und wir fahren zur Ergotherapie“ oder „du hast nach der Schule Chor heute“.Der Zettel ist gross und ich markere die Schlagworte wie „Entschuldigung“ oder „Ergotherapie“ oder „Chor“ mit gelbem Textmarker. So geht der Zettel im Ranzen nicht so leicht verschütt.
Wir haben an der Küchentür 2 Tafeln. Auf der oberen steht was heute ansteht zb Schule HAs Pause Trommelkurs. Der Tagesablauf halt. Und auf die untere schreibe ich Sachen wie „bin im Tegut“. Er vergisst zwar wo ich bin, weiss aber dass es an der Tafel steht wenn er mich nicht findet! Das hilft gut.
Vielleicht hilft das ein oder andere auch deinem Sohn?
Ganz wichtig ist für meinen: Routine, Struktur, visuelle Erinnerung.
Ich bekomme es selber nicht in meinen Kopf wie ein so intelligentes Kind es nicht schafft sich zu merken was heute ansteht. Ich begreife das einfach nicht. Aber es ist so. Es hilft nur damit umzugehen. Mein Sohn kennt es auch gar nicht anders. Dass es bei deinem Sohn neu dazugekommen ist ist natürlich nochmal was anderes. Das ist für ihn bestimmt auch beängstigend oder? Evtl helfen ihm wirklich Medikamente.
Ich hoffe es für deinen Sohn dass ihr etwas findet was hilft.

Alles Gute, AnnalenaO
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Tochter 10/2012 Topfit

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Anjali
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 18.07.2019, 07:40

simfinn08 hat geschrieben:Hui...so viele Anworten. Vielen Dank.

@engrid:
tatsächlich verlasse ich das Haus NIE ohne Handy und bin immer erreichbar. Ich wundere mich halt, weil wir das bis vor wenigen Wochen nicht hatten.
(...)

Weil ihr was bis vor wenigen Wochen noch nicht hattet? Die erhöhte Ängstlichkeit?
Ich möchte ihm gerne helfen und ihn aber auch in seiner Selbstständigkeit Stück für Stück unterstützen. Allerdings ist es seit geraumer Zeit jeden morgen ein leeres Blatt Papier...er hat keine Ahnung was er wann in welcher Reihenfolge tun soll...
(...)

...was kann ich mir unter „seit geraumer Zeit „ vorstellen? Diese morgendlichen Schwierigkeiten bestehen also noch nicht so lange? Oder anders gefragt: dein Sohn war morgens auch schon selbständiger?

Falls ja:
Was könnten denn mögliche Ursachen der Verschlechterung seines Zustandes sein?
An ADS alleine kann es ja nicht liegen, oder? ADS tritt ja nicht „plötzlich“ auf.

Zu welchem Vorgehen/zu welchen Maßnahmen rät den die Therapeutin?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Regina Regenbogen » 18.07.2019, 09:46

Anjali hat geschrieben:An ADS alleine kann es ja nicht liegen, oder? ADS tritt ja nicht „plötzlich“ auf.


Stimmt, bei NT-Kindern nicht. Bei Autisten können die AD(H)S-Symptome durchaus später zu erkennen sein, da eine gewisse Ähnlichkeit in der Symptomatik vorliegt.

Unser Jüngster wurde mit 5 Jahren auf Autismus und ADHS diganostiziert, ich wusste bis zu seinem 8. Lebensjahr nicht, wo die Ärzte das ADHS gesehen haben. Dann kam mit Macht die Impulskontrollschwäche heraus, einige Jahre später dann die Konzentrationsschwäche. Die Therapeutin, die ihn schon seit seinem 6. Lebensjahr kannte, war auch überrascht, hatte aber eine Erklärung dafür: Das ADHS wirkte in den ersten Jahren wie ein Gegenpol zum Autismus, mit zunehmenden kognitiven Fähigkeiten traten die Autismussymptome in den Hintergrund, die ADHS-Symptome in den Vordergrund. Das "Gleichgewicht" wurde dann erst wieder durch die Einstellung auf MPH wiederhergestellt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Anjali
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 18.07.2019, 14:46

Danke, Regina,

man (ich) lernt immer dazu.

Bei ADS kann ich ja auch eigentlich nicht mitreden.

Mal ganz unabhängig davon, ob ADS vorliegt oder nicht, würde ich (wenn ich in einer vergleichbaren Situation wäre), auch „abchecken“, ob die -anscheinend nicht von Anfang an bestehenden- morgendlichen Schwierigkeiten und die anscheinend zunehmende Ängstlichkeit evtl. konkrete Auslöser haben.
Könnten sie z.B. in einem Zusammenhang mit der schulischen Situation stehen?
Schule und Austismus/AD(H)S ist ja zuweilen ein schwieriges Thema.
Vielleicht gibt Probleme in der Schule bzw. mit den Mitschülern? Oder Ängste in Bezug auf die Schule?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

steffimoppel
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon steffimoppel » 18.07.2019, 15:26

Hallo,

AnnalenaO hat es sehr gut beschrieben, wie wir damit umgehen, bei uns läuft es ähnlich wie bei Ihr.

Ich bin etwas irritiert, dass die Psychologin vorschlägt, ihm keine Aufgaben mehr zu geben. Wie soll er denn sonst selbstständig werden. Sollst Du ihm jetzt alles hinterherräumen? Ich gebe zu, dass ich auch öfter Sachen mache, die mein Sohn machen sollte, weil es so viel einfacher und stressärmer ist. Aber wenn Zeit und Ruhe ist, finde ich es wichtig, dass er seine Aufgaben erledigt. Esi st verglichen mit Gleichaltrigen sehr wenig, was er macht, aber es geht darum, dass er Dinge dazulernt.
Bei manchen Dingen stehe ich daneben und gucke, wo das Problem liegt. Also wenn er die Brotdose aus der Schultasche holen soll und in die Spülmaschine räumen soll, würde ich mit ihm gehen, so dass ich sehen kann, ob er zur Schultasche läuft. Macht er unterwegs etwas anderes, erinnere ich ihn an die Brotdose, bis er sie rausgenommen hat. (Wenn er nach 5 min immer noch nichts getan hat und ich ihn freundlich erinnere, bekomme ich auch so Kommentare wie Iass mich, ich mach doch, hetz mich nicht so) Dann folge ich ihm in die Küche (achte darauf, dass er nicht falsch abbiegt) und gucke, ob er die Dose einräumt. Egal wie sie dann in der Spülmaschine liegt, das korrigiere ich notfalls selber. Es kann aber auch sein, dass sich an diesem Punkt die Verzweiflung zeigt, weil er nicht weiß, wie er die Brotdose in die Spülmaschine stellen soll und der den ganzen Vorgang nicht macht, weil er dieses Detail nicht weiß.
Diese Handlungen dauern lange, bis sie erlernt sind. Bei uns ist es aber notwendig, jeden Tag ein paar Aufgaben zu machen, weil mein Sohn sehr schnell rauskriegt, wie bequem es ist, Mama machen zu lassen. Wo ich das schreibe merke ich, dass er eigentlich wieder bereit ist für ein paar neue Aufgaben.
Gruß Steffi

AnnalenaO
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon AnnalenaO » 19.07.2019, 00:13

Hallo!

Was ich noch ergänzen wollte: Die Tafeln die wir an der Küchentür haben sind selbstklebende Kreidetafeln. Die hab ich noch gar nicht so lang. Die sind viel besser als laminierte Erinnerungskarten weil sie problemlos abgeändert werden können wenn sich was ändert und auch einfach blank gewischt werden können wenn Sohn nicht mag dass wer sieht dass er Hilfen braucht.
Das nur als Tip falls etwas praktisches gesucht wird um Nachrichten oder Erinnerungen zu hinterlassen.

Grüsse, AnnalenaO
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Engrid » 19.07.2019, 07:47

Hallo,

dass die Psychologin vorschlägt, ihm keine Aufgaben mehr zu geben. Wie soll er denn sonst selbstständig werden.
Das Selbständigwerden steht ja nicht isoliert über allem als Ziel. Ob Autismus oder AD(H)S - es ist immer eine schwierige Balance (manchmal auch ein unangenehmer Spagat) zwischen einerseits Selbständigkeit fördern und andererseits Kind nicht überlasten. Kinder mit schlechtem Reizfilter und anderen Sonderausstattungen leisten im Alltag sehr viel und das häufig unbemerkt. Um das zu erreichen, was anderen mühelos gelingt (das ganze Soziale zb, und den Ausgleich der Wahrnehmungsbesonderheiten) müssen sie viel Energie aufwenden. Dann brauchen sie halt oft wenigstens zuhause, wenigstens zeitweise eine „Hängematte“. Da drohen bei langfristiger Schieflage sonst auch Schäden wie Depressionen u.a.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 19.07.2019, 10:01

Dann werden wir die Diagnostik mal angehen...

Den Tipp, eine zentrale Stelle in der Wohnung zu finden, wo ich ihm notiere wohin ich gehe finde ich super und werde dies so umsetzen.

Wie handhabt ihr es mit der ewigen Diskutiererei? Mein Junior findet nie ein Ende, auch nach klarer Ansage nicht...

Wie kann ich ihm helfen, dass er mit Absprachen auch am nächsten Tag noch klarkommt? Bisher erinnert er sich ja nicht mehr an das was vereinbart wurde. Wir hatten es mal so, dass ich das Besprochene aufgeschrieben habe, was dazu geführt hat, dass noch mehr Ärger entstand, weil ich ja was falsches aufgeschrieben hätte...
Also habe ich es ihn notieren lassen. Auch wieder Ärger, weil er das ja nicht so gemeint hatte bzw. es falsch aufgeschrieben hat..

Irgendwelche Ideen?

Liebe Grüße

Anjali
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon Anjali » 19.07.2019, 14:44

...warum schreibt ihr Besprochenes nicht gemeinsam auf und deponiert es an zentraler Stelle?
Durch gemeinsame Aufschreiben können Missverständnisse eher ausgeschlossen werden.
Dein Sohn ist ja auch autistisch.
Daher halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass er Besprochenes anders als du interpretiert.
Ich vermute auch, dass er von klaren, eindeutigen und visualisierten Botschaften/Regeln/Orientierungshilfen profitieren würde.

Wenn er auch nach klaren Ansagen kein Ende findet, dann braucht er vielleicht andere Unterstützung als nur akustische Stop-Signale. Wie reagiert er denn, wenn du dich auf keine weiteren Diskussionen einlässt, ihn vielleicht ins sein Zimmer schickst oder selbst aus der Situation gehst?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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simfinn08
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Re: Verdacht ADS

Beitragvon simfinn08 » 19.07.2019, 15:55

ups...irgendwie sind mir da ein paar Beiträge durchgegangen...

@anjali

das mit dem gemeinsamen Aufschreiben haben wir schonmal versucht (wie bereits erwähnt). Am nächsten Tag gab es dann riesen Theater, weil er das ja nicht so verstanden hätte / anders gemeint hätte / ich es falsch aufgeschrieben hätte. Ich versteh es selbst nicht :-(. Ich achte ja schon darauf, dass ich wirklich seine Aufmerksamkeit habe, vergewissere mch, wie es es verstanden hat etc. Aber scheinbar greift das bei ihm nicht.

Wir haben es ebenfalls schon mit visuellen Signalen versucht: also z.B. Smilesy (freudig / verärgert ), oder auch farbliche Karten (grün, gelb, rot). Alles negativ. Er reagiert darauf in keinster Weise. Es hat den Anschein als würde er erst auf mich reagieren, wenn ich laut werde...was ich aber auf Dauer nicht schön finde.

Bis vor ein paar Wochen hatten wir nicht diese extreme Vergesslichkeit. und ja, er war schon selbstständiger.

@steffimoppel

ich bin da ganz deiner Meinung. Wenn er nicht kleine Aufgaben übernimmt lernt er doch nicht selbstständig zu werden. Leoder eskaliert alleine die Aufgabe die Vesperdose in die Küche zu räumen JEDEN Tag. Es scheint als ob es für ihn jeden Tag eine NEUE Aufgabe sei , die Brotdose in die Küche zu bringen..??..

Wenn eine Sache dann mal geklappt hat fehlt eine andere Sache wieder (derzeit arbeiten wir wieder an dem was man morgens so tun muss, bevor man das Haus verlässt...Zähne putzen etc).

Die Psychologin meinte, dass Junior derzeit keine Kapazitäten hat sich solch "einfachen Dinge" zu merken. Es kostet wohl so viel Kapazität den Schulalltag zu meistern, dass er sich zuhause nur auf wenige Dinge konzentrieren kann. Derzeit zum Beispiel klappen die Hausaufgaben komplett alleine, das ging davor nicht .

Diese Verhaltensweisen sind natürlich nicht neu...nur in dieser Ausprägung absolut der Wahnsinn. Ich habe bisher auf Kontinuität gesetzt. Dachte, wenn er kleine Aufgaben jeden Tag bekommt (immer die gleichen Aufgaben), dann stellt sich das irgendwann als normal ein. Ist das verständlich so?

Zum neuen Schuljahr steht ein Schulwechsel an und ich gehe mit gemischten Gefühlen da rein...


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