Kind will nicht üben

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Christa1215
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Kind will nicht üben

Beitragvon Christa1215 » 16.07.2019, 12:09

Hallo ihr Lieben,

ich bräuchte mal eure Erfahrungen.

Mein Sohn (fast 4) mit Sprachentwicklungsstörung und VED hat jetzt begonnen, nach Vedit zu üben.

Leider ist es jedesmal ein Riesentheater, ihn vom Üben zu überzeugen. Selbst die 5 Minuten pro Tag, die die Logopädin empfohlen hat, gehen nur mit viel Überredung.

Die Ablenkungen, die bisher bei anderen notwendigen Therapien zog (Lego Duplo oder IPad), gehen in dem Fall ja leider gar nicht.

Wenn ich ihm die bisher gelernten Laute zeige/gebärde, dreht er ständig den Kopf weg.

Habt ihr vielleicht Tipps, wie das Üben besser gelingen kann?
Wenn mein Dickkopf beinahe jedesmal einen Tobsuchtsanfall bekommt, sobald ich das Üben nur erwähne, braucht man natürlich gar nicht erst anzufangen, dann geht eh nichts mehr. Aber voran kommen wir ohne Üben zu Hause auch nicht . :|

Vielen Dank und viele Grüße
Christa

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sylvia1968
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon sylvia1968 » 16.07.2019, 12:35

Hallo,
Meine Tochter spricht auch nur sehr sehr wenig. Ich habe nie gesagt, dass wie jetzt „üben“ eine gewisse Zeit am Stück, bei euch also 5 Minuten, sondern alles irgendwie im Alltag eingebracht. So ging es uns in Fleisch und Blut über
Fast alles zu Gebärden. Ich habe keinen Druck aufgebaut und so ging es irgendwann einmal von selbst bei meiner Tochter, auch als sie gemerkt hat, dass sie mit Kommunikation sehr viel mehr erreicht. Sogar meine Eltern haben mitgemacht. Meine Tochter ist sehr viel mit ihren Großeltern unterwegs und es war und ist für alle selbstverständlich geworden. Und bitte auch auf Zeit spielen und viel Geduld haben. Meine Tochter wird jetzt 13 Jahre alt und sie spricht
Immer mehr. Ich rate zu spielerischem Umgang und Geduld.

Sheila0505
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon Sheila0505 » 16.07.2019, 20:32

Hi, ich sehe das auch so wie Sylvia: lieber spielerisch nebenbei, das bringt wirklich sehr viel mehr, wenn das Kind partout nicht möchte.
Wir bekamen auch Übungen von der Logo nach Hause (hatten auch u.a. mit Vedit gearbeitet), doch Hinsetzen und gezielt 5 Minuten die Übungen machen: da protestierte unser Kleiner (oft, aber nicht immer - denn manche Übungen machten ihm auch Spaß) auch nicht schlecht und wollte sich (oft) so gar nicht darauf einlassen.
Also lieber zwischendurch, spielerisch durch den Tag verteilt im Alltag einbauen, als dem Kind Logo total zu vermiesen.

Übrigens hatte uns unsere Logopädin sogar dazu geraten: Lieber zwischendurch und spielerisch, als 5 Minuten zu erzwingen, welche letztendlich eh nichts bringen, weil das Kind sich nicht darauf einlassen möchte oder nicht einlassen kann. Das bringt nämlich gar nichts, sondern führt nur dazu, dass das Kind gar keine Lust mehr darauf hat und letztendlich vllt sogar, die Logostunden an sich bei der Therapeutin ablehnt.

Bei uns klappte es spielerisch zwischendurch und brachte sicherlich 1000x mehr, als hätten wir auf die 5 Minuten Hausaufgaben bestanden und sie erzwungen.

Liebe Grüße und alles Gute, Sheila

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Jakob05
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon Jakob05 » 17.07.2019, 08:45

Therapien sollen einen praktischen Nutzen haben und nicht Selbstzweck sein, also sollten die Therapieaufgaben auch im Alltag einsetzbar sein, sonst helfen sie nix.
JEDE Kommunikation bietet die Möglichkeit ein bisschen etwas einzusetzen (Eltern, Erwachsene) und einzufordern (vom Kind). Auch unsere Krankenschwestern mussten sich die aktuellen Gebärden und Übungen immer vor Schichtbeginn durchschauen und bei jedem Kindkontakt einsetzen. Wenn alle mitmachen und sich auch mal gegenseitig erinnern, wird das schnell selbstverständlich. Wie auch bei sprechenden Kindern, kann man bei "nuscheliger Kommunikation" auch immer mal "schwerhörig" sein. So gibt es viele, viele Gelegenheiten das erlernte zu üben, ohne, dass Kind das merkt.
Wenn die Situation jetzt so verfahren ist, dass es zum Machtkampf ausartet, würde ich unbedingt eine Pause einlegen, bis diese unglückliche Situation vergessen ist und dann neu starten. Mir fällt es immer am leichtesten mir dafür einen festen Termin (nach dem Wochenende, dem Urlaub, ..) zu setzen.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon Jaqueline » 17.07.2019, 16:24

Hallo,

sehe ich genauso. Druck führt nur zur Verweigerung.
LG Jaqueline
Spastische Tetraparese, Kyphose
Mann: Epilepsie (VNS seit 2008)
Tochter: * 01/2015 und Tochter ET 2020

Für immer im Herzen.

Christa1215
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon Christa1215 » 17.07.2019, 16:54

Hallo zusammen,

ganz herzlichen Dank für eure Ratschläge.

Ja, Geduld... Nicht Mamas starke Seite, das ist meine Baustelle :wink:

Aber ihr habt natürlich Recht. Mit Druck geht gar nichts, schon gar nicht bei Sohnemann. Spielerisch im Alltag hat bisher immer am besten funktioniert bei UK.

VED und Vedit ist noch so neu für uns alle. Ebenso wie die Erfahrung, dass es jetzt „Hausaufgaben“ bei der Logo gibt. Da muss ich noch schauen und mit der Logo klären, wie wir die neuen Übungen noch ein bisschen abändern/anpassen, dass es besser in den Alltag passt und gar nicht erst nach „üben“ aussieht.
Problem ist halt auch, dass Kind zunehmend ein Störungsbewusstsein entwickelt. Er merkt inzwischen immer mehr, dass alle um ihn herum sich leichter tun mit Sprechen, besser verstanden werden, dass selbst die Jüngeren im Kindergarten besser mit Sprechen zurecht kommen... Das setzt ihm zu. Da fällt es ihm schwer, sich am Sprechen zu versuchen, wenn er merkt, dass es wieder anders klingt als bei den anderen.

Wir nutzen eure guten Tipps, fahren jetzt erstmal in Urlaub, lassen es uns gut gehen. Danach starten frisch erholt ganz neu.
Danke!

Grüße
Christa

PaulaW
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon PaulaW » 21.08.2019, 12:48

Hi,
unser Sohn war ein "Sehr Spät Sprecher". Ein schlauer Mitarbeiter der Frühförderung gab mir mal den Tipp dass es sich für
unseren Sohn lohnen muss zu sprechen. Das hab ich mir gemerkt und es versucht, in den Alltag zu integrieren.
Natürlich ging es erstmal um Spielzeug oder Süsskram. ZB konnt er sich irgendwann etwas verständlich machen und dann
hab ich "Oder Fragen" gestellt. ZB Möchtest Du lieber den Ball oder das Auto ?
Von da an ging es bergauf.
Herzliche Grüsse und
viel Glück
Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon HeikoK » 21.08.2019, 14:55

Hallo,

ich habe hier auch eine "Spezialausgabe" der nach VEDIT die Laute lernt. Da er gleichzeitig Farbspiele liebt, verbinden wir beides. Die bunten Steine von (Quips, Farbenraupe, Kunterbunter Ottokar) liegen auf dem Blatt mit dem "Vedit-Alphabet". Durch das Würfeln haben wir einerseits einen Spielcharakter und vermeiden andererseits auch das serielle Auswendiglernen (Nach A kommt immer B und dann immer C). So lernt er die Buchstaben flexibel zu bilden und setzt sie inzwischen auch super ein.
LG
Heiko
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon melly210 » 21.08.2019, 16:40

Meiner lernt zwar nicht nach Vedit, soll aber aktuell S und Sch gut unterscheiden lernen. Wir machen es zb so, daß die Hasen beim Lotti Karotti oder due Männchen bei einem Würfelspiel jedesmal "sch" oder "s" sagen, je nachdem.
Oder was auch geht ist halt kleine Belohnungen, a la wir spielen das jetzt 1x und dann machen wir xy. Aber die erstere Methode ist besser, da empfinden sie es nicht als arbeit.

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Christa1215
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Re: Kind will nicht üben

Beitragvon Christa1215 » 21.08.2019, 23:23

Hallo,
ganz lieben Dank für eure Tipps und Ideen.

Kind ist mittlerweile an dem Punkt, dass er versteht, dass Sprechen sich lohnt. Er will es ja auch und erzählt inzwischen gern und viel. Aber mal abgesehen von Mama und Papa verstehen viele halt so einiges nicht wegen seiner Aussprache.

Die Logopädin macht es wie du Heiko. Sie packt die zu übenden Laute in Spiele ein, die ihm gefallen. In der Logostunde macht er das auch prima mit. Aber wehe, ich hole die Memorykarten... zu Hause raus- da macht er sofort dicht.
Und wenn ich es in andere Spiele einpacken will, die so gar nichts mit der Logo zu tun haben, dreht er den Kopf weg oder schüttelt den Kopf- selbst, wenn nur ich den Laut, der gerade geübt wird, vormache/benutze, wenn es gerade passt. Da kommt dann immer "Nein, Mama". Dabei fordere ich ihn nie auf, mir etwas nachzumachen oder nachzusprechen. Ich weiß, dass das nichts bringt.
Kleine Belohnungen haben wir auch versucht. Das funktioniert bei ihm leider nicht.

Da Druck eh alles nur schlimmer macht, halten wir uns im Moment an das eine Wort, dass ihm wirklich wichtig ist: Oma. Bei ihm ist sie immer Ono. Aber hey, dieses Wort will er wirklich lernen. Da schaut er auf mich, wenn ich im das Wort mit Lautgebärden zeige - zumindest meistens. Manchmal klappt es jetzt schon etwas besser. Immerhin sind wir schon bei Omo oder Ona gelandet und ab und zu klingt es wirklich wie Oma :)
Vielleicht platzt ja der Knoten, wenn er dieses ihm wirklich wichtige Wort meistert und tatsächlich so aussprechen kann, dass man gleich weiß, wen er meint.

Liebe Grüße
Christa


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