Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Tina4K
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Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Tina4K » 09.07.2019, 21:49

Liebes Forum,

Wir haben im Garten einen 90 Jahren alten Schuppen der dringend saniert werden muss bevor die Wand auseinander bricht. Wir wollen gerne diesennSchuppen als kleine Wohneinheit für unsere autistischen Kinder umbauen. Wenn Sie dann langsam Erwachsen werden können Sie dann auf dem Elterngrundstück die Selbstständigkeit üben und gleichzeitig unsere Nähe und Unterstützung genießen. Nah und Fern gleichzeitig.

Das Bauamt stellt sich quer. Durch die Umnutzung wird es wie ein Neubau gehandhabt und man muss dann Mindestabstände zum Nachbarn einhalten und verschiedene Regeln beachten. Der Umbau vom vorhandenen Gebäude in der Grenze zum Nachbarn wird nicht genehmigt.

Es wird sehr teuer werden wenn wir erst den Schuppen abreissen und dann eine Wohneinheit mitten im kleinen Garten stellen. Abgesehen davon dass danach kein schöner Garten mehr vorhanden ist.
Gibt es da irgendwelche Regelungen die wir für uns einsetzen können? Buntesteilhabegesetze, günstigere Kredite oder so?
Wer kennt sich damit aus oder wo finde ich Experten die mich beraten können?

Gruß
Tina



Gibt es irgendwelche Regelungen

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Jörg75
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Jörg75 » 09.07.2019, 22:16

Moin,

die Frage ist - was möchtet ihr?

Möchtet ihr das Bauamt "angehen" und doch eine Umnutzung durchsetzen? Da wird Euch das Bundesteilhabegesetz nicht bei helfen. Da muss man genau reinschauen ins Baurecht ... BauGB, BauNVO, Landesbauordnung, ggfs. Baupläne oder die Frage der Außenbereichsbebauung, je nachdem, worum es geht. Wenn ihr da erfolgversprechend agieren wollt, werdet ihr um einen versierten Fachanwalt für Verwaltungsrecht mit Spezialisierung Baurecht kaum herumkommen.

Oder wollt ihr grundsätzlich die Ansage des Bauamts akzeptieren und fragt euch nur, wo ihr Gelder o.ä. herkommt? Dann könnte ggfs. ein Blick auf die KfW-Förderung interesssant sein, ob es da entsprechende Förderprogramme gibt ... abgesehen davon, dass Baugeld/ Immobilienfinanzierung derzeit so billig wie kaum jemals zuvor ist.

Gruß
Jörg
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon kati543 » 10.07.2019, 12:27

Hallo,
zu den gesetzlichen Regelungen, die bei euch gelten, kann dich ein Architekt aus eurer Region beraten.
Aber eine weitere Wohneinheit kann ganz fiese weitere Kleinigkeiten, die Dir vielleicht alle nicht so bekannt sind, nach sich ziehen. Der Bebauungsplan, der für euer Grundstück gilt hat sich mittlerweile sicher auch schon mehrfach geändert. Bei uns auf dem Grundstück ist es wirklich nach Wohneinheiten aufgeschlüsselt, wieviele PKW-Stellflächen wir bereitzustellen haben. Ist eine größere bewohnte Fläche bei euch überhaupt erlaubt? Schuppen und Garage sind unbewohnte Gebäude. Die dürfen als Grenzbebauung existieren.
Das EEWärmeG kennst du? Ich weiß nicht, wie groß euer Schuppen ist, aber soetwas kann natürlich die Kosten ziemlich in die Höhe treiben.
An deiner Stelle würde ich mich erstmal bei einem Architekten beraten lassen, NACHDEM dieser sich das Grundstück vor Ort angesehen hat. Das ist unglaublich wichtig. Besteht darauf, auch wenn es Geld kostet. Letztendlich kann er euch genau sagen, was ihr beantragen und durchbekommen könnt.
LG
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Michael2 » 10.07.2019, 14:31

stell deine Frage doch mal hier: www.hausbau-forum.de

Anna-Nina
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Anna-Nina » 10.07.2019, 14:43

Habt ihr denn schon eine Baugenehmigung beantragt? Oder sind das telefonische/mündliche Aussagen?

Das mit den Abständen ist im Prinzip schon richtig - aber der Nachbar meiner Schwiema hat gerade auch seinen Schuppen/Schweinestall zum Wohnhaus umgebaut und der liegt direkt auf der Gerenze zu meiner Schwiema. Sie wurde befragt, hat zugestimmt und darum wurde es genehmigt. Der Bau ist mittlerweile auch fertig - da muss es schon Möglichkeiten geben.

Vielleicht fragst du mal einen Architekten? Den braucht ihr ja sowieso für den Umbau. bzw. die Baugenehmigung.

LG
Anna

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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Tina4K » 10.07.2019, 17:48

Ein paar der Punkte sich geklärt:

- für unsere Straße gibt es keinen Bebauubgsplan. Das haben wir schriftlich.
- die Architektin war schon da. Wir haben eine Bauvoranfrage gestartet aber Baugenehmigung gibt es erst wenn wir das fertige Projekt haben. Baugenehmigung dauert etwa 14 Monate ab Einreichung des fertigen Projektes.
- der Nachbar, der um die Ecke wohnt,( d.h andere Straße ) hat seinen alten morschen Schuppen an unserer Grundstückgrenze, ohne Abstand. Er hat sein Schuppen als Wohnhaus in dritter Häuserreihe umgebaut und aufgestockt. Das ist eigentlich gänzlich verboten. Er hat sich durchgeklagt.

Wir wurden befragt und sagten Nein zur Aufstockung, den jetzt haben wir am Nachmittag viel Schatten im Garten. Das Bauamt gibt dazu keine Information. Argument ist: der Nachbar hat den Zugang zum Grundstück über eine andere Straße. Uns Bauvorhaben würde nur 1/3 der Größe des Nachbarsschuppen sein und würde aber eben an diesen umgebauten Schuppen angrenzen: Schuppenwand an Schuppenwand.

- KfW gibt Kredite nur für Umbaumaßnahmen eines bestehendes Wohngebäudes und nicht für Neubau oder Umbau.

Sieht so aus als ob das Bundesteilhabegesetzt uns da nicht helfen kann.

HeikeLeo
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon HeikeLeo » 10.07.2019, 19:48

Liebe Tina,
der Nachbar, der um die Ecke wohnt,( d.h andere Straße ) hat seinen alten morschen Schuppen an unserer Grundstückgrenze, ohne Abstand. Er hat sein Schuppen als Wohnhaus in dritter Häuserreihe umgebaut und aufgestockt. Das ist eigentlich gänzlich verboten. Er hat sich durchgeklagt.
Könnt Ihr euch mit dem Nachbarn einigen, ggfalls so eine Art Doppelhaus an der Grenze errichten? Wenn Ihr seinem Bau doch noch zustimmt und er dann Eurem? Ansonsten kann man vielleicht vom Nachbarn lernen?
Das BTHG scheint mir im Moment noch etwas unfertig und falls doch nicht, dann diesbezüglich eher zahnlos.

Ansonsten wäre die Frage, ob Ihr den Schuppen als Werkstatt umbaut/saniert - so als Tagesarbeitsplatz. Die eigentlichen Wohnräume könnten dann im Wohnhaus bleiben...

Wir haben mehrere Nachbarn, die zur Umgehung der baurechtlichen Auflagen in der bestehenden Außenhaut eines Altbaus quasi einen Neubau reingesetzt haben. Wir haben das nur von außen bewundernd gesehen. Die Bauarbeiten bei beiden Nachbarn dürften schon zehn Jahre andauern - ein Ende ist nicht offensichtlich.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Anna-Nina » 10.07.2019, 19:49

Wenn das also die Antwort auf die Bauvoranfragen war, dann ist es eher ungut. Oder habt ihr die Antwort noch gar nicht? Dann müsstet ihr einfach abwarten.

Vermutlich geht es bei euch nicht, weil ihr Schuppen an Schuppen bauen wollt. Im Fall meiner Schwiegermutter ist ja eine Feuergrenze da - weil ja kein Gebäude zu nah dran steht. In Sachen Brandschutz sind die Behörden sehr streng.

Als wir bauten, musssten wir auch wegen der Grenzen ein Grundstück des Nachbarn hinzukaufen. Dieses Grundstück war ein Schloßpark, darum wurde bei uns das Denkmalschutzamt noch befragt und musste zustimmen. Die Behörde hat sich damals ein paar Monate nicht gemeldet - daraufhin hat unser örtlicher Baumesiter beschlossen, dass er jetzt für die Denkmalsschutzbehörde antwortet und hat uns das erlaubt. (War auch alles sehr komisch und unsicher bis zum Ende - aber es hat funtkioniert - unser Haus steht....)

Aber vorher konnte uns auch niemand sagen, ob das geht - ging nur über Bauvoranfrage und dann die Baugenehmigung. Wir haben bis zum Ende gezittert, dass wir abgewiesen werden vom Denkmalschutzamt. Vorallem mussten wir noch den Grund kaufen ohne, dass wir wussten, ob es geht....Alles sehr doof....

Tendentiell ist es aber so, dass im Moment sehr viel genehmigt wird - zumindest hier bei uns in BW. Weil wir so Wohnraummangel in der Gegend haben.

Euch viel Erfolg beim Bauvorhaben...

LG

Tina4K
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Tina4K » 11.07.2019, 04:13

Unser Problem ist die Ungerechtigkeit: Der Nachbar darf den Schuppen umbauen und ein drittes Wohngebäude auf dem Grundstück stellen. Wir nicht. Er darf alle Regelungen ignorieren: Feuerschutz, Grenzabstand, Höhe...

Wir hatten auch gedacht dass in einer Universitätsstadt in BW mit Wohnungsnot das Bauamt etwas großzügiger sein würde.

Ich wollte mit dem Bundesteilhabegesetzt Argumentieren dass wir diesen Schuppen als Wohnung umbauen wollen damit sich die autistischen Kinder im jungen Erwachsenenleben in das selbständige Leben gewöhnen können und dann eine Übergangslösung haben zwischen im Elterhaushalt Leben und Alleine Leben.

Ich glaube ich schreibe das genau so hin.

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Karin2308
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Re: Umbau von Schuppen zur separaten Wohneinheit

Beitragvon Karin2308 » 11.07.2019, 10:40

Hallo,

ihr müsst zum Baurechts gehen. Dort gibt es meist eine Bürgersprechstunde. Kläre dort ab, ob es einen Bebauungsplan gibt und lass ihn dir erläutern. Falls es keinen gibt ließ hier nach http://gaa.baden-wuerttemberg.de/servle ... /1_2_1.pdf.
Sollte dein Bauvorhaben nicht den Vorgaben entsprechen, kannst du im Rahmen des Bauantragsverfahrens eine Befreiung von gesetzlichen Vorgaben beantragen. Diese müssen begründet werden. Die Sozialen Aspekte werden hier in der Regel nicht berücksichtigt, stimmen aber vielleicht die Behörde etwas milder.
Am Besten sprichst du die Ausnahmen mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Baurechtsamt ab. Das Gespräch sollte gut vorbereitet sein mit Fragenliste, Lageplan, Grundriss, Ansicht und Schnitte.
Die Erstellung des Bauantrags kann nur durch Bauvorlageberechtigte Personen erfolgen z.B. Architekten.

Viel Erfolg


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