Autismustherapie

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AnnalenaO
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Re: Autismustherapie

Beitragvon AnnalenaO » 11.07.2019, 20:00

Heike was heisst denn bitte „treu-doof naiv hingeben“?
Ich bin ja Therapeutin, zwar nicht Psycho, aber Physio. Ich kenne solche Patienten die meinen mir erklären zu müssen was ich jetzt bitte tun soll und warum ich denn jetzt dies oder jenes mache. Nachfragen stört mich überhaupt nicht, wenn jemand fragt warum ich jetzt dies und jenes mache erkläre ich das natürlich. Den Typ Patient der sagt „das hier bringt jetzt aber nichts, mit tut es hier und da weh, da müssen sie massieren“ meine ich. Wenn es so wäre dass jeder der ein körperliches Problem hat genau wüsste wie man da jetzt am besten ran geht dann bräuchte es ja gar keine ausgebildeten Therapeuten. Manche Zusammenhänge sind eben nicht jedem gleich klar. Ich erkläre dann natürlich auch diesen Patienten, es ärgert mich aber immer sehr.
Klar kann es auch so sein dass Patient und Terapeut überhaupt nicht passen. Um das rauszufinden langt aber EINE Sitzung nicht.
Bika es würde eher für einen unerfahrenen Therapeut sprechen wenn man sein Konzept und seine Ansätze sofort komplett über Bord schmeisst sobald einem ein laues Lüftchen entgegenweht.
Die Therapeutin hatte ein Problem damit dass die Mutter das angesprochen hat so wie ich es verstanden habe. Das hatte ja vielleicht auch einen Grund warum sie es nicht unbedingt gut findet wenn die Mutter für ihr 16 Jähriges Kind spricht. Wie Anjali schrieb ist es Sinnvoll das autistische Kind in seiner ersten Ablehnung nicht unbedingt noch zu bestärken. Alles was neu ist ist schwierig. Das ist bei meinem Sohn auch immer so, daher haben wir die Vereinbarung dass er erst nach frühestens 3 Terminen einen Rückzieher machen soll. Er hat es selber auch schon gemerkt mittlerweile dass etwas was ihm erstmal sehr unangenehm und unpassend erscheint beim 2ten Mal durchaus schon viel besser sein kann.
Und Bika genau so muss ein Therapeut im Prinzip vorgehen. Erstmal kennenlernen und sich dann rantasten. Der Therapeut hat ja keine Glaskugel. Er muss ja auch erstmal etwas die Denkstruktur kennenlernen und einschätzen können wie Reflektiert der Patient sein kann. Gerade bei einer Psychotherapie kann man nicht gleich in die Vollen gehen. Das wär dann im Prinzip ein Therapeut der dem Patienten nach dem Mund redet und ihm in alem Recht gibt was er sagt. Wie soll man so denn ein Problem lösen? Nicht immer ist die Lösung bei psychisch bedingten Problemen so dass der Patient direkt freudestrahlend rauskommt weil er DIE Lösung für alle seine Probleme bekommen hat. Psychotherapie bedeutet auch dass der Patient evtl an sich arbeiten muss, auch wenn das nicht immer total angenehm ist.
Da können wir Eltern unseren Kindern auch nur sehr bedingt helfen. Das müssen die Patienten letztendlich selber schaffen. Bis zu einem gewissen Alter werden Eltern eng eingebunden, das lässt aber mit zunehmendem Alter nach und das ist auch gut so.
Viele Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Anjali
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 20:07

Hallo Heike,
ich hatte das anders verstanden.

Damit ich den Thread nicht „totdiskutiere“, ziehe ich mich aus ihm zurück.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 21:16

...ok, noch ein allerletzter Nachsatz:
Die Vorgeschichte hatte ich immer im Hinterkopf.
Gerade wegen dieser Vorgeschichte wäre ich vorsichtig, der langen Liste aus Fehlschlägen vorschnell einen weiteren hinzuzufügen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

Barney
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Barney » 11.07.2019, 23:00

Ich wollte auf gar keinen Fall, hier eine hitzige Diskussion herbeiführen.
Ja...ich war sehr unsicher in diesem Gespräch und natürlich spürt das auch meine Tochter. Ich habe mich vielleicht nicht ganz richtig verhalten, mir aber auch mehr Fingerspitzengefühl erhofft. Wir haben erst seid kurzem die Diagnose und wünschen dort auch als Familie Unterstützung. Sie hatte auch schon vorher Verhaltenstherapie, aber ohne Asperger Diagnose. Mit der Therapeutin kam sie gut klar. Davor eine Tiefenpsychologische. Da hatte sie auch einige Termine, obwohl sie sich nicht wohl gefühlt hat. Habe sie immer wieder ermutigt. Sie hat schon einiges durchgestanden. Trotzdem finde Ich es wichtig, das die Chemie stimmt und mit 16 noch mehr. Und in einem Autismuszentrum erhoffe ich mir da noch mehr positive Unterstützung und hole den Klienten da ab, wo er gerade steht.
Ich danke Euch für Eure Meinungen.
Vg

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Engrid
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Engrid » 11.07.2019, 23:10

Hallo Barney,

ich glaube, in etwa das, was Du jetzt hier schreibst, würde ich der Therapeutin schreiben. Als Profi sollte sie ein Interesse und auch einen Sinn dafür haben, dass das etwas ist, was im Raum steht.
Allerdings würde ich der Tochter gegenüber die Unsicherheiten nicht weitergeben. Man kann ja zum Kind auch sagen, das war jetzt anders, als wir uns das vorgestellt haben, aber das kann gute Gründe haben, und wir bleiben offen und positiv.

Ich wünsche Euch einen guten Fortgang :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Barney
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Barney » 11.07.2019, 23:12

Danke Engrid

AnnalenaO
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Re: Autismustherapie

Beitragvon AnnalenaO » 12.07.2019, 00:22

Hallo Barney!

Ich finde auch dass das was du gerade geschrieben hast dein Problem mit sehr gut wiedergibt.
Ich nutze sehr oft den Weg über eMail mit Therapeuten oder Lehrern zu kommunizieren oder über einen Anruf. Dann bekommt das Kind das nicht mit und der Therapeut fühlt sich nicht überrumpelt auch noch im Beisein vom Patient.
Dass du auch erstmal einen Zugang finden musst verstehe ich total! Das ging mir auch so und ich bin immer noch froh um jeden Input den ich zum Umgang mit Asperger Kindern bekommen kann.
Ich bin sicher dass du nichts ruiniert hast. Das passiert immer wieder dass was nicht optimal läuft.
Ich an deiner stelle würde wie gesagt eine klärende eMail oder einen Anruf machen um das Thema aufzuarbeiten.
Ich kann meinem Sohn gegenüber gut sagen dass ich in gewissen Situationen nicht so gut reagiert habe und das was passiert ist damit relativieren. Ob das bei deiner Tochter auch so funktioniert musst du einschätzen.
Ich habe ein gutes Gefühl dass ihr die Kurve bekommt. Du bist ja sehr reflektiert und suchst auch Rat, das ist immer gut.

Alles Gute euch
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 12.07.2019, 07:08

Liebe Barney,

ich wollte dich mit der hitzigen Diskussion nicht verschrecken, sondern dir eigentlich nur Mut machen, nicht gleich alles verloren zu geben.
Dass du verunsichert bist, finde ich verständlich. Dass Klärungsbedarf besteht, auch. Als Mutter kannst und brauchst du auch nicht außen vor zu bleiben.
Deshalb schließe ich mich dem obige Ratschlägen an, noch einmal auf anderem Wege ein klärendes Gespräch mit der Therapeutin zu suchen.
Ich drücke euch die Daumen, dass es sich in eine positive Richtung weiterentwickeln wird.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Barney » 12.07.2019, 08:00

Dankeschön an Euch.

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Bika
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Bika » 12.07.2019, 15:24

Äh?
Das war mein Ursprrungsbeitrag:

Bika hat geschrieben:Hallo,

So wie du die Situation beschreibst, kommt bei mir sofort das Bild eines sehr unerfahrenen Therapeuten auf, der noch zu unsicher ist, um sein Therapiekonzept flexibel und spontan an die Bedürfnisse seiner Patienten anzupassen.

Das muß ja nicht so sein, würde ich aber beobachten.

Ich finde dein Eingreifen absolut nachvollziehbar und kann mir auch vorstellen, dass dein Kind ohne deine Einmischung und dem damit verbundenen Gefühl, dass du sich für sie stark machst, noch größeren Widerstand entwickeln würde.

LG


weiß nicht, wo ich da zum Abbruch rate oder der Therapeutin explizit und ungerechtfertigt etwas unterstelle, außer meiner subjektiven Wahrnehmung.
Darf man das in einem Forum nicht? :(


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